Wuppertaler Schwebebahn
1893
besichtigten die Oberbürgermeister von Elberfeld und Barmen auf dem
Versuchsgelände in Cöln-Deutz die Schwebebahnkonstruktion des Unternehmers und
vielseitigen Erfinders Eugen Langen. Während sein Hängebahnsystem in Berlin und
Hamburg bislang keine Zukunft versprach, zeigten sich die Wuppertaler an dieser
Idee sehr interessiert Und ein Jahr später wurde mit der Elektrizitäts AG, mit
der Eugen Langen zusammengeschlossen war, der Vertrag über den Bau der
Elberfeld – Barmer Strecke besiegelt. Nicht lange danach sicherte sich
Vohwinkel seinen Anschluss an die einschienige Bahn. Dieses Projekt war
natürlich eine ehrgeizige und wagemutige Sache, da man zur damaligen Zeit noch
nicht einmal Erfahrungen mit konventionellen Bahnen geschweige denn einer
Schwebebahn gemacht hatte. Im Juni 1898 wurden die ersten beiden Wagen an das
Gerüst der Probestrecke Zoo – Varresbeck gehängt. Das System funktionierte
einwandfrei und so baute man in fünf Losabschnitten bis nach Kluse weiter. Dort
und am Zoo wurden Wendeschleifen installiert, so dass der erste Rundbetrieb im
März 1900 starten konnte. Bis zum Kaiserbesuch war auch der Streckenabschnitt
bis Vohwinkel fertiggestellt. Der öffentliche Betrieb wurde erst 1901
aufgenommen. Eugen Langen konnte sein Werk jedoch nie bewundern, denn er starb
bereits 1895 im Alter von 62 Jahren, noch bevor mit dem Bau begonnen wurde.
Vielleicht ist sein vorzeitiger Tod auch ein Grund dafür, weswegen Wuppertal
die einzige Stadt geblieben ist, die seine Idee verwirklicht hat.
Elberfeld
und Barmen waren gegen Ende des 19. Jahrhunderts blühende Städte, die sowohl
demografisch als auch wirtschaftlich zu einer führenden Position im Deutschen
Reich aufgestiegen waren. Dieser Aufschwung brachte verkehrspolitisch große
Probleme mit sich. Wie in anderen deutschen und europäischen Großstädten
herrschte auf dem innerstädtischen Strassen eine unerträgliche
Verkehrsituation. Außer der Eisen- und einer Pferdebahn gab es keinen
öffentlichen Personennahverkehr. Die Technik steckte noch in den Kinderschuhen;
die elektrische Strassenbahn wurde erst wenige Jahre zuvor erfunden. In den
Metropolen begann das große Wetteifern um leistungsfähige Verkehrsmittel.
London führte 1890 die erste strombetriebene Untergrundbahn ein, in Amerika
wurden Hochbahnen gebaut und in den größten deutschen Städten begann man
darüber zu beratschlagen, wie man solche oder ähnliche Lösungen in der Tat
umsetzen könnte. Die Wuppertaler hatten es allerdings besonders schwer. Für
eine U – Bahn war der Boden zu felsig und das Grundwasser zu hoch, und für eine
großzügig angelegte oberirdische Trassenführung war absolut kein Platz
vorhanden. Denn da sich die beiden Städte aufgrund der Tallage nur mühselig
ausdehnen konnten, waren sie in den Zentren dementsprechend zugebaut. Strassen
wie die Königsstrasse oder die Allee waren damals die einzigen breiten
Verkehrswege im Tal. Nur der Flusslauf der Wupper erwies sich noch als einzige
unbebaute Fläche und für die Verkehrsplaner stand fest, dass für die notwendige
Stadtschnellbahn nur diese Fläche in Frage kommen konnte. Bereits 1887, acht
Jahre vor Einführung der ersten elektrischen Strassenbahn, richteten die
Stadtverorneten von Elberfeld und Barmen eine gemeinsame Hochbahnkommission
ein, welche die Planung des noch undefinierbaren Projekts vorantreiben sollte.
Anfeindungen gab es damals bereits von vermeintlichen Konkurrenten, wie den
Pferdebahnbetreibern oder skeptisch eingestellten Bürgern, die um die Schönheit
des Stadtbildes besorgt waren. Bald darauf stand ein Angebot der Firma Siemens
& Halske fest, die den Bau der Hochbahn übernehmen wollte, und es dauerte
nicht lange bis die Bau- und Betriebsgenehmigung von der Königlichen Regierung
in Düsseldorf erteilt wurde. Die recht wagen Pläne der Firma Siemens &
Halske sahen eine stählerne, in der Wupper stehende brückenähnliche Fahrstrasse
für eine zweigleisige elektrische Eisenbahnstrecke vor. Dass diese Version
nicht gerade von Ästhetik gekrönt gewesen wäre, lag auf der Hand, und so dürfte
es nicht verwundern, dass man sich am Ende auf das Schwebebahnsystem von Eugen
Langen geeinigt hat.
„System hängender Wagen“ „ Schwebebahn“
Die
Versuchsstrecke für das „System hängender Wagen“ lag in Cöln-Deutz. 1893
experimentierte hier der Cölner Eugen Langen, bis er schließlich seine geniale
Erfindung, die er dann doch noch Schwebebahn nannte, der Reichshauptstadt
Berlin anbot. Dort aber winkte man ebenso ab wie in Hamburg, und auch für
Wuppertal gab es keine Liebe auf den ersten Blick. Am 28.Dezember 1894 aber
rangen sich die Schwesterstädte Barmen und Elberfeld nach langen Diskussionen
und heftigen Anfeindungen der Bevölkerung durch, die „Hochbahn“ über die Wupper
zu bauen. Die Entlastung der Straßen war Hauptargument der Bahn-Verfechter -
zur Jahrhundertwende zählten die beiden Städte 210 000 Einwohner (1852 waren es
erst 90 000 gewesen). Den öffentlichen Nahverkehr bestritten bis dahin nur die
Eisenbahn und die alte „Päädsbahn“, 1895 abgelöst von der „Elektrischen“, die
auf der knapp zehn Kilometer langen Strecke zwischen Rittershausen/Oberbarmen
und Elberfeld-Westende verkehrte. Der erste Spatenstich zur neuen Hochbahn
erfolgte vier Jahre nach dem Beschluß im Mai 1898, und schon zwei Jahre später
kam es zu mehreren Probefahrten zwischen den Bahnhöfen Döppersberg und Zoo. Zum
Kaiserbesuch im Oktober 1900 stand zur Einweihung der Bahn eine 4,6 Kilometer
lange Strecke über die Wupper zwischen Kluse und Zoo sowie das drei Kilometer
lange Gerüst über der Landstrecke von Sonnborn nach Vohwinkel zur Verfügung.
Die Wuppertaler Bürger mußten noch ein halbes Jahr warten. Kaiser Wilhelm II.
und Kaiserin Auguste Victoria aber weihten am 24. Oktober 1900 die einzigartige
Schwebebahn ein. Ganz Barmen, Elberfeld und Vohwinkel stand Kopf, die Bahnhöfe
der fertiggestellten Teilstrecke waren festlich geschmückt. Das „Beiprogramm“
konnte sich sehen lassen: Die Ruhmeshalle wurde eingeweiht, ebenso das
Elberfelder Rathaus, Kriegervereine und Husaren marschierten auf, weihevolle
Reden wurden gehalten. Die Fahrt selbst vom Döppersberg mit Unterbrechung am
Bahnhof Zoo bis nach Vohwinkel verlief problemlos, und die Majestäten äußerten
sich befriedigt, Am 1.März 1901 gaben die Stadtväter dann die Strecke Kluse –
Zoo für die Öffentlichkeit frei und innerhalb von nur zehn Stunden schwebten
schon über 10 000 Neugierige streng getrennt in drei Fahrklassen über die
Wupper. Erst im Juni 1903 bestand die komplette 13,3 Kilometer lange Strecke
von Rittershausen (Oberbarmen) bis Vohwinkel, errichtet aus insgesamt 15 000
Tonnen Eisen und wieder wurde am Eröffnungstag ein Rekord erzielt: 25 000
Fahrgäste drängten sich an den Bahnsteigen, am Tag darauf sogar doppelt so
viel. Ein grandioser Start eines Projekts, das 1887 mit dem Beschluß der Stadtverordneten
– Versammlung von Elberfeld und Barmen über die Bildung einer „Kommission zur
Prüfung des Projekts einer Hochbahn“ seinen Anfang genommen hatte. Das ganze
Unternehmen hatte schließlich 15 Millionen Goldmark gekostet.
Das Mulitalent Eugen Langen erfand die Schwebebahn. Bau und
Jungfernfahrt erlebte er nicht mehr. Der Mann war ein echtes Multi-Talent.
Eugen Langen der Erfinder der Wuppertaler Schwebebahn, war in Personalunion
erfolgreicher Unternehmer, Projektentwickler und Visionär von Rang. Der am 9.
Oktober 1833 in Cöln geborene machte mit 17 Jahren das Abitur und begann danach
ein Maschinenbau- und Chemie-Studium am Polytechnikum in Karlsruhe. Das Studium
beendete er ohne Examen. Das hinderte den vielseitig Begabten aber nicht daran,
sich praktischen Arbeiten und ersten Erfindungen zu widmen. „Ab 1862“, so der
Schwebebahn-Betriebsleiter Günter Beyen von den Wuppertaler Stadtwerken in
seinem Vortrag anlässlich der Einweihung des Eugen-Langen-Saales an der
Bergischen Universität, „entwickelte Langen zusammen mit Nikolaus August Otto
den atmosphärischen Gasmotor“. Dafür gab es für die beiden Tüftler eine
Goldmedaille auf der Weltausstellung 1867 in Paris. Zehn Jahre später gründeten
Otto und Langen in Cöln die bekannte Motorenfabrik Deutz AG, in der sie mit
Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach renommierte Mitarbeiter beschäftigten.
Durch seinen Vater war Langen, der aus einer Lehrerfamilie stammte, seit 1858
Teilhaber einer Zuckerfabrik. Zusammen mit den Cölner Industriellen. Emil und
Valentin Pfeifer gründete er 1870 eine weitere Zuckerfabrik, Pfeifer und
Langen. In den Fabrikhallen beförderte er umtriebige Techniker Rohstoffe
mittels kleinerer, selbst konstruierter Hängebahnen. Rund 25 Jahre später
konzentrierte sich „Patent Langen“, wie man ihn nannte, auf die Entwicklung von
ein- und zweischienigen Hängebahnsystemen zur Bewältigung des im Zeitalter der
Frühindustriealisierung rapide anwachsenden Personenverkehrs. 1893 reichte er
ein entsprechendes Patent ein, das ihm zwei Jahre später auch erteilt wurde.
Der Cölner, von sich und seiner Erfindung überzeugt, warb intensiv für seine
Hängebahnidee nicht nur in Barmen / Elberfeld, sondern auch in zahlreichen
anderen Städten. „Ich habe das Ding Schwebebahn getauft“, schrieb der fleißige
Erfinder Vater von zwölf Kindern aus zwei Ehen, der zu Hause ein sehr strenges
Regiment führte, später. In Cöln ließ er auf dem Gelände der Firma van der
Zypen & Charlier Versuchsstrecken bauen und gründete ein Firmenkonsortium,
um sein Patent erfolgreich gegen verschiedene Mitbewerber in Sachen
Stadtbahnsystemen, darunter Siemens & Halske, durchzusetzen. Schließlich
entschieden sich aber nur die Stadtväter von Barmen und Elberfeld für den Bau
der „Einschienen Hängebahn“, System Eugen Langen. Die Ratsherren aus dem Wupper
Tal schlossen am 31. Dezember 1894 mit der „Continentalen Gesellschaft für
elektrische Unternehmungen“, die alle Aktivitäten in Sachen Schwebebahn
übernommen hatte, den Vertrag zum Bau der Bahn. Der Ingenieur Feldmann, als
Entwicklungsleiter Langens verlängerter Arm, setzte die Pläne um. Eugen Langen
selbst erlebte den Bau und die Inbetriebnahnme des weltberühmten Wuppertaler
Wahrzeichen nicht mehr. Der 1877 zum Königlich-Preußischen Kommerzienrat
ernannte Rheinländer starb am 2. Oktober 1895 in Elsdorf bei Düren.
„Wahrscheinlich“, so ein Urenkel, der Arzt Dr. Mathias Langen, „an den Folgen
einer Fischvergiftung, die er sich zuvor bei einem Besuch des
Nord-Ostsee-Kanals zugezogen haben könnte“. Seine letzte Ruhestätte fand Eugen
Langen auf dem Cölner Prominenten-Friedhof Melaten. Mit dem Bau der Schwebebahn
wird im Sommer 1898 begonnen. Am 1. März 1901, dem Tag der offiziellen
Betriebseröffnung, wird der Streckenabschnitt Kluse – Zoo für den öffentlichen
Fahgastverkehr freigegeben. Zwei Monate später, am 24. Mai 1901, folgt die
Freigabe der Strecke Zoo – Vohwinkel. Die Barmer legen sich, obwohl sie
zeitgleich mit Elberfeld den Vertrag unterschrieben hatten, zunächst quer.
Nicht weniger als 241 Grundstücks- Enteignungen müssen durchgeführt werden, um
überhaupt Stützenfundamente errichte zu können. Von November 1901 bis März 1902
ruhen die Bauarbeiten, weil die Wupper Hochwasser führt. Anschließend geht es
mit Hochdruck weiter. Weil die Kosten inzwischen kräftig gestiegen sind, werden
auf der 5.618 Meter langen Barmer Strecke sechs Bahnhöfe mit Kragdach
errichtet. Das ist preiswerter, weil nur die beiden Bahnsteige überdacht sind.
Nur zwei repräsentative Bahnhöfe mit Bogendach, das hatten sich die Barmer
Stadtväter ausdrücklich gewünscht, sollten entstehen. Diese architektonische
Sonderstellung wird den Stationen Rathausbrücke, heute Alter Markt, und Werther
Brücke zugestanden. Andererseits zieht man aus der Streckenführung in Elberfeld
eine wichtige Konsequenz. Die Barmer Strecke wird schneller gemacht, indem man
sie schlanker trassiert. In der Nacht vom 18. auf den 19. Juni 1903 wird an der
Kluse der Anschluss der neuen Strecke nach Rittershausen, heute Oberbarmen,
hergestellt. Noch in der Nacht des 19. Juni 1903 fährt ein erster Leerzug nach
Rittershausen. Die landespolizeiliche Abnahme der Strecke mit anschließender
Feier der Honoratioren im Hotel Vogeler, Nähe Opernhaus, findet am 23. Juni
statt. Am 27. Juni 1903, also vor über 100 Jahren, ist es endlich so weit. Der
dritte und letzte Streckenabschnitt der insgesamt 13,3 Kilometer langen
Schwebebahn wird offiziell, aber ohne besondere Feierlichkeiten in Betrieb
genommen. 19.200 Tonnen Eisen und 16 Millonen Goldmark sind verbaut. 25.000
Personen lösen an diesem Tage einen Fahrschein für 40 Pfennig und schweben mit
Begeisterung erstmals von der Kluse nach Rittershausen.
Schwebebahn Gerüstbau 1899
Drei
bis vier Meter warfen die Stahlbauarbeiter rotglühenden Niete vom Wupperufer
durch die Luft hoch auf das Schwebebahngerüst. Am Boden waren Metallbolzen
zuvor in einem Koksofen erhitzt worden. Oben im Gerüst fing ein Monteur das
Stück Metall mit einem Lederhandschuh oder einem Trichter auf schlug es in eine
Strebe zur Befestigung des Schebebahngeüsts. In der Nähe des heutigen Bahnhofs
Varresbeck in Richtung Sonnborner Eisenbahn-Viadukt begannen vor 100 Jahren die
Arbeiten an Wuppertals „stahlhartem Drachen“, wie die Dichterin Else
Lasker-Schüler die Schwebebahn nannte. Was heute mit hochtechnischem Gerät – EDV,
Hydraulikkränen und Sattelschleppern – durchgeführt wird, war vor hundert
Jahren zum größten Teil reine Handarbeit und Muskelkraft. Direkt am Wupperufer
wurden Montageplätze, so zum Beispiel auf dem heutigen Bayer-Gelände,
eingerichtet. Im Stahlbauwerk von MAN in Gustavsburg, das den Zuschlag für
Planung, Herstellung und Montage der Schwebebahn erhalten hatte, konnte nur
kleine Stahlteile für das Gerüst im Werk selbst zusammengebaut werden. „Sonst
hätte es Transportprobleme gegeben“, erklärt Lothar Bremer, WSW-Projektleiter
für den Ausbau der Schwebebahn. Der Stahl wurde mit Eisenbahn oder Schiffen
transportiert und vom Rheinhafen oder Bahnhof mit Pferdewagen oder Ochsenkarren
an die Wupper gebracht. Hier bauten rund 30 Männer der Firmen MAN, Union (Dortmund),
Harkort (Duisburg) und Gutehoffnungshütte (Oberhausen) pro Baustelle an dem
eisernen Rückgrat von Barmen, Elberfeld und Vohwinkel. Insgesamt waren mit
Fuhrleuten, Vermessungstrupps und Aufsichtspersonen rund 300 Männer am
Schwebebahnausbau beteiligt. Viele der Stahlbauer waren nach dem Bau der
Müngstener Brücke ins Wuppertal gekommen. Auf der Strecke zwischen Sonnborn und
Vohwinkel waren aus Holz fahrbare Arbeitsbühnen angefertigt worden, die mit dem
Bau des Schwebebahngerüstes über einen Schienenweg gerollt werden wurden. Im
Flußbett wurden Podeste auf Pfählen erbaut Mit einfachen Flaschenzügen zogen
die Männer die Stahlteile in die Höhe. Je schwerer der Stahlkoloß war, desto
mehr Arbeiter kurbelten das schwere Stück auf das bereits vorhandene Schwebebahn
oder ein hohes Hilfsgerüst. Hoch oben, auf verschiedenen Holzplattformen,
verarbeiteten die Leute die hochgehievten Gerüststücke. „Wieviele Menschen beim
Bau der Schwebebahn starben, ist nicht belegt“, berichtet Bremer, aber einige
werden es schon gewesen sein. Schließlich kletterten die Männer ohne jede
Sicherung auf dem Gerüst herum.
Eingeweiht
vom Kaiserpaar
Erstes
Teilstück Kluse – Zoo 1901 freigegeben / Gesamtstrecke erst 1903 vollendet.
Die
Wuppertaler Bürger mußten noch ein halbes Jahr warten.
Kaiser
Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria aber weihten am 24. Oktober 1900
die einzigartige Schwebebahn ein. Ganz Barmen, Elberfeld
und Vohwinkel standen Kopf, die Bahnhöfe der fertiggestellten Teilstrecke waren
festlich geschmückt. Das „Beiprogramm“ konnte sich sehen lassen: Die
Ruhmeshalle wurde eingeweiht, ebenso das Elberfelder Rathaus, Kriegervereine
und Husaren maschierten auf, weihevolle Reden wurden gehalten. Die Fahrt selbst
vom Döppersberg mit Unterbrechung am Bahnhof Zoo bis nach Vohwinkel verlief
problemlos, und die Majestäten äußerten sich befriedigt. Am 1. März 1901 gaben
die Stadtväter dann die Strecke Kluse – Zoo für die Öffentlichkeit frei; und
innerhalb von nur zehn Stunden schwebten schon über 10.000 Neugierige streng
getrennt in drei Fahrklassen über die Wupper. Erst im Juni 1903 bestand die
komplette 13,3 Kilometer lange Strecke von Rittershausen (Oberbarmen) bis
Vohwinkel, errichtet aus insgesamt 15. 000 Tonnen Eisen, und wieder wurde am
Eröffnungstag ein Rekord erziehlt: 25.000 Fahrgäste drängten sich an den
Bahnsteigen, am Tag darauf sogar doppelt so viel. Ein grandioser Start eines
Projekts, das 1887 mit dem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung von
Elberfeld und Barmen über die Bildung einer „Kommission zur Prüfung des Projektes
einer Hochbahn“ seinen Anfang genommen hatte. Das ganze Unternehmen hatte
schließlich 15 Millionen Goldmark gekostet.
Am 27. Juni 1903, wurde der Streckenabschnitt Kluse –
Rittershausen (heute Oberbarmen)
dem Verkehr übergeben und mithin die ganze Strecke befahren.
Ursprünglich war in der Planung vorgesehen, diese 5,7 Kilometer lange Reststrecke am 1.8.1900 in Betrieb zu nehmen, doch konnte schon der für den Abschnitt Kluse – Vohwinkel angesetzte Termin (1.9.99) nicht eingehalten werden. Zahlreiche Einsprüche der Stadt Barmen und eine mittlerweile eingetretene Verteuerung des Vorhabens verzögerten den Weiterbau, doch hatte dies auch eine positive Seite: Die MAN verwertete die auf der Elberfelder Strecke gesammelten Erkenntnisse durch konstruktive Änderung auf dem Barmer Abschnitt. So begann man erst im Juni 1901 mit dem Weiterbau an der Kluse im Anschluß an die Stütze 273, wobei man am Hardtufer die beiden Längsträger Elberfelder Bauart von der Pariser Weltausstellung aus dem Jahre 1900 mitverwendete. Die winterliche Hochwassergefahr zwang abermals zur Einstellung der Arbeiten von November 1901 bis zum Frühjahr 1902, doch dann ging der Bahnbau an verschiedenen Stellen verstärkt weiter. Mitte November 1902 wurden nachts an der Kluser Kehrschleife Arbeiten vorgenommen, um einen Wagen auf die Barmer Strecke zu überführen. Mit diesem unternahm man ab Ende Dezember Probefahrten die bis zur Rathausbrücke (Alter Markt) ausgedehnt wurden und sehr günstig verliefen. Den Fahrstrom lieferte die Barmer Bergbahn. Im März 1903 wurden vor Vertretern der kgl. Eisenbahn-direktion und ausländischen Interessenten Schnellfahrversuche mit hoher Geschwindigkeit durchgeführt, bei denen laut Presseberichten bis zu 90 km/h erreicht worden sein sollen. Hiermit sollte die Brauchbarkeit des Schwebebahnsystems für Fernbahnen bewiesen werden. Bei dem benutzten Fahrzeug handelte es sich um den Probewagen I (B 98) der mit neuentwickelten Fahgestellen – wie für die Barmer Wagen vorgesehen – ausgerüstet war, die jedoch in diesem Falle einen viermotorigen Allrad-Antrieb hatten. Am 11. Mai wird um 10 Uhr vormittags zum ersten Mal bei Probefahrten die Endstation Rittershausen erreicht; zahlreiche Schaulustige haben sich eingefunden. In diesem Monat beginnt die Firma v.d. Zypen & Charlier, Köln, mit der Auslieferung der ersten Serie (12 Stück) der Barmer Wagen, die bauartmäßig für einen Dreiwagenzugbetrieb konzipiert sind. Mit einem solchen Zug (30 + 32 + 31) unternimmt man am 20. und 21. Juni, einem Wochenende, Probefahrten und macht hiervon Fotos. Am Nachmittag des 22. Juni findet die landespolizeiliche Abnahme mit diesem Dreiwagenzug und einem auf dem anderen Gleis nebenher fahrenden Einzelwagen statt. Beim späteren Festessen gesteht Oberbürgermeister Lentze, dass „nunmehr ganz Barmen angenehm empfinde, eine solche Beförderungsgelegenheit zu besitzen“. In der Nacht vom 25. zum 26. Juni erfolgt dann die Anbindung der Barmer Strecke. Um 21:50 Uhr geht der letzte Zug über die Kehrschleife in der Kluse, um 6:15 Uhr der erste Zug von dort nach Barmen, wobei die ersten Wagen mit frischem Grün festlich geschmückt sind. Der reguläre Betrieb wird am 27. Juni um 9:30 Uhr aufgenommen. Am Eröffnungstag werden 25.000, am Tage darauf, einem Sonntag, 50.000 Fahgäste befördert. Die vorhandenen Betriebsmittel reichen nicht aus! Die Presse lobt die gegenüber Elberfeld eleganteren Kurven, den dadurch gefälligeren Eindruck der Strecke, die zweckmäßiger und luftiger angelegten Bahnhöfe und die neuentwickelte Schiebeweiche in der Rittershauser Wagenhalle, die das „Ein- und Aussetzen der Wagen ohne Zeitstörung ermöglicht, so dass den Beamten eine willkommene Ruhe- und Vespergelegenheit gegeben wird“. Jetzt endlich sind auch die Barmer zufrieden und die jahrelange zum Teil hitzigen Auseinandersetzungen um den Bau der Bahn vergessen.
An
einem schönen Sonntagmorgen im Jahre 1901 kam Petrer Hüsgen mit seinem
elfjährigen Sohn, den man zur besseren Unterscheidung Pitter nannte, aus der Predigt.
Der Alte hatte sich einer Sekte in Unterbarmen angeschlossen, weil ihm die
Kirche, als die „sünhafte Babel“ keine rechte Befriedigung mehr gewährte. Sie
gingen an der Wupper entlang, Peter in tiefem Sinnen über die Predigt
nachdenkend, Pitter, in scheuer Erwarwartung, jeden Augenblick über das Gehörte
examiniert zu werden. Um was hatte es es sich denn da überhaupt gehandelt? Nur
mühsam hatte Pitter die Augen offen halten können. Und das auch nur, so lange
er ganz ernsthaft darüber nachgesonnen, was er seinem Angebot von 100 Heuern
noch zulegen müsse, um Böhms Heinrich zu bewegen, ihm endlich das weiße
Karnickel im Kungeltausch zu überlassen. Ob sich der Abschluß wohl erzielen
ließe, wenn er das schöne Gläschen, „wo me blau dörch kieken konnt“, noch zugeben
würde? Diese Gedanken hatten ihn zwar vor dem Einschlafen bewahrt, ihn aber
auch herzlich wenig von der Predigt vernehmen lassen. Immerhin war ein ganz
winzig kleiner Anhaltspunkt noch haften geblieben. Aber auch jetzt, auf dem
Heimweg, quälten die Tauschmöglichkeiten den Jungen noch unausgesetzt zu allen
erdenklichen Ueberlegungen. Daraus wurde er nun durch seinen Alten plötzlich
aufgeschreckt. Vor ihnen wuchtete das gewaltige Gerüst der eben in Betrieb
genommenen Schwebebahn auf, das wie ein ungeheuer, tausendfüßiger, stählerner
Lindwurm über der Wupper lag, allen Windungen des bunten Flußlaufes folgend. „Kiek, Jong“!
brummte der Alte, „dat es ok wear son Deuwelswerk, wat de Satan do opgebaut
het, öm die armen, söndigen Seelen stracks en de Hölle tu fahren. – Weesse die
Schöpfungsgeschichte noch, Jong?“ „Jo, Vadder.“ „Wat het dann de leve Gott am
säßten Schöpfungsdag geschaffen, noch voär dän Adam“? „De Diersch op de Aehd.“ „Richtig, Jong! Aewer besser noch geseit: die Diersch
op däm Langk. Denn die en de Loft on em Water woaren alt en Dag vöarher do.
Somet het Gott also am säßten Dag ok die Pääder geschaffen. Do het de Deuwel
keen Deel draan, wenne seck ok woll mem Päädsbeen zeigt. So lang de Mensch also
met de Päädsbahn gefahren es, so woar dat en Gott wollgefällig Werk. Nu äwer
kom de ontofreedene, söndige Mensch, schafften die Päädsbahn spääder af,
spannten Kabel öwer de Stroate, leet dän Deuwel weet, wie et tugeht. Packse ens
do bowen an sonen Droht, gliek schütt de Deuwel rut on nömmt deck stracks met
en de Hölle. Höt deck, Jong, jemolls met de Lektrischen odder woll gar hie met
de Schwebebahn tu fahren! Do steht nix van en de Bibel, dat de lewe Gott die
geschaffen hätt! – Dat eß Deuwelswerk!“ Der Pitter hatte schon gehofft, durch
solche Unterweisungen über die Predigt vorbeizukommen. Aber er hatte sich
geirrt. Denn nun fragte ihn der Alte plötzlich: „Wat hesse dann van de Predigt
behollen?“ „Ja Vatter“, stotterte der Sprößling verlegen, „eck häv dat nit soa
reit verstangen met däm Mostertskoan.“ „So ihr Glauben habt als ein Senfkorn
und ihr sprächet zu diesem Berg: Hebe dich und setze dich ins Meer, so wird
er’s tun“, belehrte ihn der Alte. „Kiek, Jong, son Mostertskoan eß mär en ganz
winzig kleen Dengen. On wennsse nu mär bloß en kleen Spierken Glowen heß, dann
kasse Berge domit versetten. Unterdessen war linker Hand der „Hohe Stein“ in
Sicht gekomen. Wilde Gedankensprünge zauberten dem phantasievollen Pitter ein
verlockendes Schauspiel vor Augen. Wenn es nun möglich wäre, den Hohen Stein
kraft seines Glaubens in die Wupper zu versetzen, dann müßte ja die gerade
ansausende Schwebebahn an dem klotzigen Felsen zerschellen, und der ganze
Teufelsspuk hätte mit einem Schlage ein Ende. Zaghaft schaute er zu seinem
Vater auf. „Vatter!“ „Na Jong, wat eß?“ „Heß du woll so völl Glowen as en
Mostertskoan?“ „Jong, wo köm eck woll hen, wenn eck dat nit hätt!“ „On du glöws
on verhaftig, dat ok de Hoaghe Stehen en de Wopper mäut, wennße äm dat saits?“
„Aewer ganz geweß, Jong!“ „Oh Chott, Vatter, dann sai et äm doch eß! Dann mott
jo de Deuwelswagen, de do grad aangesust kömmt, fottens draan kaputt knallen.“
Aber da knallte dem Pitter die arbeitsharte Hand seines Erzeugers auf die
Backe, daß ihm Hören und Sehen dabei verging. Wie ein erzürnter Racheengel, mit
drohend aufgerecktem Zeigefinger stand der Alte und redete seinem
sensationslüsternen Bürschchen strafend ins Gewissen: „Wiederum stehet
geschrieben: Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen.“ Indessen schwebte
der „sündhafte Teufelsspuck zum ersten Male, ungehindert und ungefährdet, an
ihnen vorüber.
Eiserner Vogel quitscht an stählerner Schlange entlang
Die Schwebebahn prägt seit 100 Jahren das
Erscheinungsbild Wuppertals und machte die Stadt auf der ganzen Welt bekannt.
1966
wurde die milliardenste Benutzerin der Schwebebahn registriert. Die Schwebebahn
dieses krächzende, quitschende Ungetüm, das sich wie ein eiserner Vogel auf
einer unsichtbaren Hand an einer stählernen Schlange entlang hangelt. Die
Planung für dieses immer noch einzigartige Verkehrsmittel liefen seit 1887
heiß. Am 8. Februar wählten die Elberfelder Stadtverordneten „eine Kommission
zur Prüfung des Projektes Hochbahn“. Fünf Wochen später zogen die Barmer
Amtskollegen nach. Der Bedarf war da. Barmen und Elberfeld zählten im Jahre
1880 zusammen genau 189 489 Einwohner – nach Berlin, Hamburg, Breslau, München
und Dresden rangierte die Doppel-Stadt an der Wupper damit auf Rang sechs unter
den größten Städten des Kaiserreiches. Entsprechend unerträglich war das
städtische Verkehrsaufkommen. Die neu konstruierte Schwebebahn wies den Weg in
die richtige Richtung. Die revolutionäre Idee eines fliegenden Zuges nahm
Konturen an. Eine Untergrundbahn, wie sie im englischen Moloch London mit
Erfolg eingeführt worden war, ließ sich im Wuppertal wegen des felsigen und
Grundwasser führenden Bodenbeschaffenheit nicht realisieren. Es blieb ein Plan,
der wie die Fantasie eines verspielten Hasardeurs anmutete: „Eine auf ein
Gerüst verlagerte Straßenbahn als Hochbahn“. Erfinder Eugen Langen fand 1893
einen Namen für sein Kind: „Ich habe das Ding Schwebebahn getauft“. Else Lasker-Schüler
(1869-1945) fand poetische Worte für die Lösung des Verkehrsproblems: „Ich bin
verliebt in meine Stadt und bin stolz auf ihre Schwebebahn, ein Eisengewinde,
ein stahlharter Drache“. „Mais c’est un ange“! Der Ausruf des französischen Schriftstellers Jean Cocteau bei einer
Visite in Wuppertal anfang der 50er Jahre galt der Schwebebahn: „Aber das ist
ja ein Engel“, rief er erstaunt aus, als er nach einem Blick in den Himmel den
fliegenden Menschtransporter erblickte. Die Innovation, die rasch die Fantasie
vieler Literaten anregte, war schon Ende des vergangenen Jahrhunderts nicht
mehr aufzuhalten. Da nutzte auch der Einspruch der Pferdebahngesellschaft
nichts. Er wurde verworfen. Am 31. Dezember 1894 wird der „Vertrag über Bau und
Betrieb einer zweischienigen Schwebebahn“ zwischen den Bürgermeistern Jäger
(Elberfeld) und Wegner (Barmen) sowie der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft
abgeschlossen. Die Strecke sollte vom Zoo über die Wupper bis nach
Rittershausen führen. Es gab allerdings nicht nur Zustimmung für den gewagten
Bau. Sogenannte „Sektierische Zirkel“ verdammten diesen fliegenden Zug „als
wahnsinniges Unterfangen“. Ändern konnten auch sie nichts mehr. Im Sommer 1898
begann der Bau, und schon am 5. Dezember des selben Jahres startete die erste
Probefahrt. Bis 1903 wurden 19 200 Tonnen Eisen verarbeitet, 472 Stützen tragen
heute das Korsett. Die Kosten beliefen sich auf die immense Summe von 16
Millionen Goldmark. Die Strecke von 13,3 Kilometern bewältigt das Stahlross in
30 Minuten. Doch es ist inzwischen ein Pflegefall, das Streicheleinheiten
braucht. Permanente Arbeiten am Gerüst sind die Nachwehen der über 100-jährigen
Geschichte. Tragische Momente gab es auch. Unfälle, Verletzte. Aber bis zum 12.
April 1999 gab es nur unter den Arbeitern Tote zu beklagen. An jenem
Frühlingstag anno 99 spielte eine nach Ausbauarbeiten an der Fahrtrasse
vergessene Stahlkralle Schicksal. Der erste Wagen des Tages entgleiste, stürzte
ab und riss fünf Menschen in den Tod. Das „sicherste Verkehrsmittel der Welt“
hatte einen ganz herben Schlag erhalten. Es wird überleben. Und in Kürze schon
den zweimilliardensten Besucher begrüßen zu können.
„General-Anzeiger“ und Schaffner-Jubiläre erzählen
Wie alles Neue, so übte auch die Schwebebahn gestern eine gewaltige Anziehungskraft aus. Nachdem erst die Kunde, daß die so lange schwebende Frage der Betriebseröffnung endlich ihre Erledigung gefunden, bekannt geworden war, ergoß sich ein großer Menschenstrom zu allen Haltestellen, und es entstand an den Automaten, die die Billietts ausspeien, ein Drängen, als würden werthvolle Geschenke ausgetheilt. Noch größer war das Gedränge auf den Bahnhöfen. Bei der Einfahrt der Wagen wollte selbstredend jeder zuerst den Eingang in den Wagen erlangen, um für den geopferten Nickel dahinzuschweben, und zur Erreichung dieses Zieles wurden rücksichtlos alle Muskelkräfte angestrengt. Besonders übel erging es hierbei natürlich denen, die von Mutter Natur etwas allzu verschwenderich mit Leibesfülle ausgestattet worden sind, sowie denen, die glückliche Besitzer von gewissen Augen sind, für die es ein besonderer Genuß ist, wenn sie mit den Stiefeln anderer in Berührung kommen. Zu gewissen Stunden entstand um die Plätze ein regelrechtes Ringen, und da die Wagen zumeist bereits besetzt von den Anfangsstationen abfuhren, mußten die Fahrgäste auf den Zwischenstationen oft recht lange warten, bis ihnen Gelegenheit zum Schweben gegeben wurde. Daß das Bahnpersonal bei diesem gewaltigen Andrang nicht in der Lage war, die Ordnung aufrechzuhalten, ist leicht erklärlich. Es mußte daher polizeiliche Hülfe requiriert werden, da die Direktion mit Recht befürchtete, daß der Andrang nach Schluß der Fabriken und Comptoire noch größer werden würde, und da das Personal der Bahn solchem Massenandrang und den dadurch hervorgerufenen Anstrengungen ungewohnt gegenüber stand, hielt sie auch Unglücksfälle nicht für ausgeschlossen. Sie entschloß sich daher, den Betrieb um sechs Uhr einzustellen und machte dies um vier Uhr durch Aushang an den Haltestellen bekannt. Auch in den nächsten Tagen soll nur ein beschrängter Betrieb stattfinden, um allmählich zum Vollbetrieb zu gelangen. Bekanntlich soll bei diesem von sechs Uhr früh bis 11 Uhr abends in Abständen von fünf Minuten gefahren werden. Wie gewaltig der Andrang gewesen ist, erhellt aus der Thatsache, daß gestern bei zehnstündigem Betrieb insgesamt 10 000 Personen befördert worden sind, obwohl die Wagen vormittags nur in Abständen von zehn Minuten fuhren, während nachmittags ein Fünfminuten-Verkehr Platz griff. Abgesehen von einer geringen Störung, die dadurch entstand, daß eine Sicherung schmolz und erneuert werden mußte, ist alles glatt abgelaufen. Von Interesse dürfte noch sein, daß die 4,5 Kilometer lange Strecke vom Zoologischen Garten bis zur Kluse einschließlich des Aufenthalts auf den Stationen in 13 Minuten durchfahren wird. Die Straßenbahn braucht zur Zurücklegung dieser Strecke mindestens die doppelte Zeit. Einer der alten Schwebebahner der bereits 1900 die Einweihung miterlebte, ist Karl Schulz, Benzstraße 23. 43 Jahre lang war er als Stationsbeamter in Sonnborn, an der Pestalozzistraße, an der Tannenbergstraße, an der Alexandebrücke und am Döppersberg tätig. Er stammt aus der Gegend von Neustrelitz in der Mark. Vor der Jahrhundertwende diente er aktiv als Militärmusiker 1899 gaben nun die 173er ein Konzert im Zoo. Die Schwebebahn war damals gerade im Bau. Karl Schulz aber hegte schon lange den Wunsch, sich von seiner lothringischen Garnison nach Deutschland versetzen zu lassen. Das war allerdings nicht ganz leicht, denn bevor er weiter „kapitulierte“, mußte er sich zunächst ausmustern lassen. Karl Schulz überlegte nun, daß er für dieses Jahr bei der Schwebebahn wohl unterkommen konnte. Tatsächlich nahm dann auch Ober-Kontrolleur Kröger, der damals das Personalbüro leitete, den jungen Militärmusiker an. Wie alle Schwebebahner seiner Zeit wurde Schulz dann vor dem alten Elberfelder Rathaus – im Turmhof – feierlich vereidigt. Als dann der Kaiser die Bahn besichtigte, gab es für das Personal zusätzlich „einen Thaler extra“. Kurze Zeit danach lernte Karl Schulz dann eine Elberfelderin, seine spätere Frau kennen und dann ist er auch nicht mehr zu „Preußens“ zurückgekehrt, sondern blieb bei der Schwebebahn – 43 Jahre lang. Viel weiß er zu erzählen, von früheren Jahren auf der Station. Die Fahrkarten mußten zuerst aus einem Automaten gezogen werden. Und dann gab es auch auf jedem Bahnhof so etwas Aehnliches wie eine „Sperre“. Auch waren die Schalterhallen noch nicht geheizt und es gab oft kalte Füße. Sein Sohn der auch Karl Schulz heißt, trat in des Vaters Fußstafen und wurde auch Schwebebahner. Auch der zweite der beiden Schwebebahn-Veteranen ist kein Wuppertaler. Josef Hermanns stammt aus der Eifel. 1898 war er als Elektromonteur bei Schuckert beschäftigt. Die Firma war mit Arbeiten an der Schwebebahn-Signalanlage betraut und schickte den jungen Elektriker nach Elberfeld. Zwischen der Sonnborner Brücke und dem Gasometer – Josef Hermanns weiß es noch genauer zu erklären: „Zwischen den Stützen 112 und 142“ – war damals die eigentliche Versuchsstrecke im Bau. Das E-Werk bestand noch nicht, dafür war eine Lokomobile aufgebaut, die 600 Volt Strom erzeugte. Damit wurde die erste Bahn betrieben. Josef Hermanns hat noch mitgeholfen, den ersten Versuchswagen hochzuziehen. Er hat auch gleich die erste Fahrt mitgemacht, denn in den Wagen war ein Telefonapparat eingebaut, der, weil es für damalige Verhältnisse eine so komplizierte Angelegenheit war, eigens von einem „Signalisten“ bedient werden mußte. Weil es hier an Siegnalfachleuten und Elektrikern fehlte, ist Josef Hermanns dann bei der Schwebebahn geblieben. Er hat beim Bau der weiteren Strecke mitgeholfen und war später als Elektro-Meister für das gesamte Signalwesen verantwortlich. Es gibt nicht einen Schalter oder Kontakt zwischen Vohwinkel und Oberbarmen, den er nicht kennt. 1903 trat er in den Dienst der Schwebebahn über. Die Dienstjahre wurden ihm aber schon von 1898 angerechnet, als er noch fleißig an der Strecke baute. Seit 1945 ist Josef Hermanns im Ruhestand. Noch während des letzten Krieges stand er seinen Mann und war bei Tag und Nacht unterwegs und ständig darum besorgt, daß trotz der Bombenangriffe keine Störung im Schwebebahnverkehr auftrat. Es gab wohl kaum einen Schwebebahner der den Meister Hermanns nicht kannte. Es war sogar so, daß Ingenieure ihn in seiner Vohwinkler Wohnung in der Lettow-Vorbeck-Straße aufsuchen, um sich hier irgendeinen Rat zu holen, denn Josef Hermanns war immer kompetent, wenn er auch nicht mehr im Dienst war. Er kennt die Schwebebahn, die er selbst mitbaute und 50 Jahre lang betreute, „wie seine Westentasche“.
Vor 70 Jahren die Schwebebahn fuhr
„sechsspännig“
Vor 70 Jahren, zu Beginn des Jahres 1908, hatten die
Wuppertaler den einmaligen Anblick, auf der Schwebebahn einen Sechser-Wagenzug
fahren zu sehen. Der Auftrag dazu war von Berlin gekommen. In der
Reichshauptstadt plante man nämlich zu jener Zeit, zwischen Gesundbrunnen und
Rixdorf (Neukölln) eine Schwebebahnstrecke auszubauen. Und es sollte
nachgewiesen werden, dass auch „längere Züge anstandslos durch Kurven, Weichen
und Kehren betriebsmäßig fahren können“. Mit diesem Auftrag hatte sich der
Minister für öffentliche Arbeiten an die damalige Eisenbahndirektion Elberfeld
gewandt. So fanden denn am Freitag dem 18. Januar, im Beisein von Vertretern
der Eisenbahndirektion Probefahrten mit einem aus sechs Wagen bestehenden Zug /
Bauart 1903) statt, nachdem am Tag zuvor Fahrten mit einem Dreier-Wagenzug unternommen
worden waren. Es wurde zuerst betriebsmäßig mit 40 km/h gefahren, dann – da in
Berlin eine Geschwindigkeit von 50 km/h vorgesehen war – das Tempo auf 54 km/h
gesteigert. Nach dem allgemeinen Urteil ging die Fahrt äußerst glatt und
auffallend ruhig, besonders durch die Kurven und mit verminderter
Geschwindigkeit auch durch die Endkehren von 9 m Halbmesser, vonstatten. Der
gewünschte Nachweis war somit – woran in Fachkreisen keiner gezweifelt hatte –
voll und ganz erbracht. Bekanntlich scheiterte damals das Projekt in Berlin an dem Widerstand einiger
Bezirksverwaltungen und dem Entscheid des Kaisers für eine U-Bahn.
Die alte Tante ließ sich Zeit
Schwebebahnjubiläum in Etappen
Betriebseröffnung 1. März 1901
75 Jahre Schwebebahn in Wuppertal! Wie dürfen dieses denkwürdige Jubiläum in Etappen feiern. Die gute alte Tante Schwebebahn ließ sich nämlich vor 75 Jahren reichlich Zeit und gab uns damit Gelegenheit, gleich an drei Daten zu denken: Am 24. Oktober 1900 besuchte Wilhelm II. mit seiner Gattin, der Kaiserin Auguste Viktoria, die Schwesternstädte Barmen und Elberfeld. Dabei weihte er sozusagen die Schwebebahn mit einer Fahrt im nachmals und heute berühmten Wagen Nr. 5, dem „Kaiserwagen“, vom Bahnhof Döppersberg über die Station Zoo, wo Seine Majestät ausstieg um die dortige Wendeschleife zu besichtigen, bis nach Vohwinkel ein. Aber es war nur eine Probefahrt. Die eigentliche Betriebseröffnung fand am 1. März 1901 statt. Aber auch sie war nur ein erstes „Schmakerl“. Es handelte sich nämlich nur um die Inbetriebnahme des Teilabschnittes vom Bahnhof Kluse in Elberfeld bis zur Station Zoologischer Garten an der Sonnborner Eisenbahnbrücke. Die weitere Eröffnung von bis Vohwinkel geschah am 23. Mai 1901. Zu Recht feiert deshalb die Stadt das bemerkenswerte Jubiläum im Wonnemonat Mai mit großen Volksfesten, an denen die ganze Bevölkerung Anteil nehmen kann und soll. Die Wuppertaler könnten dann, wenn sie wollten, in zwei Jahren noch einmal jubilieren und feiern. Denn erst am 27. Juni 1903 wurde die ganze 13,3 Kilometer lange Strecke von Oberbarmen, das früher den viel schöneren Namen Rittershausen trug, bis nach Vohwinkel dem öffentlichen Verkehr übergeben. Aber wir haben allen Grund, den 1. März nicht sang- und klanglos vorübergehen zu lassen. Da war was los in Elberfeld vor 75 Jahren. Unsere Kollegen vom damaligen „General-Anzeiger“ berichteten intensiv und informativ. Allerdings war ihnen die erste Seite wohl zu schade für dieses Ereignis, das weit über die Stadt Wuppertal hinaus Aufsehen erregte und Geschichte machen sollte. Auf der ersten Seite, am Samstag dem 2. März 1901, finden wir statt dessen mehr oder minder langweilige und langstielige Berichte aus dem Deutschen Reichstag und dem Preußischen Landtag. Im Reichstag wurde der Militär-Etat beraten mit dem Einzelpunkt: Ankauf von Remontepferden. Im Landtag gab es eine Anfrage, die heute brandaktuell sein könnte, über Umfang und Ursache des zur Zeit bestehenden Mangels an Volksschullehrern. Auf der dritten Seite endlich findet sich unter „Lokales Elberfeld“ eine Notiz mit der Spitzmarke, beileibe keiner ins Auge fallende Überschrift „Von der Schwebebahn“. Aber der Bericht hat es in sich. Er verdient auch heute noch Aufmerksamkeit und Interesse. Einige Auszüge zeigen, wie am 1. März 1901 die Teil-Eröffnung der Schwebebahn vor sich ging. „Nachdem erst die Kunde, daß die so lange schwebende Frage der Betriebseröffnung endlich ihre Erledigung gefunden, bekannt geworden war, ergoß sich ein großer Menschenstrom zu allen Haltestellen und es entstand an den Automaten, die die Billets ausspeien, ein Drängen, als würden werthvolle Geschenke ausgetheilt. Noch größer war das Gedränge auf den Bahnhöfen. Bei der Einfahrt der Wagen wollte selbstredend jeder zuerst den Eingang in die Wagen erlangen, um für den geopferten Nickel dahinzuschweben, und zur Erreichung dieses Zieles wurden rücksichtslos alle Muskelkräfte angestrengt“! Das ist heute nach 75 Jahren in den Spitzenzeiten des Verkehrs noch nicht anders, denn die Menschen ändern sich halt kaum. Schade nur, daß der Nickel nicht mehr in Mode und außer Kurs geraten ist! Der Chronist weiß vom ersten Tag noch mehr verwirrende Einzelheiten zu erzählen: „Daß das Bahnpersonal bei diesem gewaltigen Andrange nicht in der Lage war, die Ordnung aufrecht zu erhalten, ist leicht erklärlich. Es mußten daher polizeiliche Hülfen requiriert werden, da die Direktion mit Recht befürchtete, daß der Andrang nach Schluß der Fabriken und Komtoire noch größer werden würde.... Sie entschloß sich daher, den Betrieb um sechs Uhr einzustellen und machte dies um vier Uhr durch Aushang an den Haltestellen bekannt. Auch in den nächsten Tagen soll nur ein beschrängter Betrieb stattfinden, um allmählich zum Vollbetrieb zu gelangen. Bekanntlich soll bei diesem von sechs Uhr früh bis elf Uhr abends in Abständen von fünf Minuten gefahren werden“. Und heute? Und so ging der historische Tag in Elberfeld weiter. „Wie gewaltig der Andrang gewesen ist, erhellt aus der Thatsache, daß gestern (am 1. März 1901) bei zehnstündigem Betriebe insgesamt 10.000 Personen befördert worden sind, obwohl die Wagen vormittags nur in Abständen von zehn Minuten fuhren, während nachmittags ein Fünf-Minuten-Verkehr Platz griff“! Aber die Schwebebahn, das technische Wunder, das bis jetzt noch keinen tödlichen Unfall zu verzeichnen hat, bestand den ersten Tag mit Bravour. Das klingt dann so: „Abgesehen von einer geringen Störung, die dadurch entstand, daß eine Sicherung schmolz und erneuert werden mußte, ist alles glatt abgelaufen. Von Interesse dürfte noch sein, daß die 4,5 Kilometer lange Strecke vom Zoologischen Garten bis zur Kluse, einschließlich des Aufenthalts auf den Stationen, in 13 Minuten durchfahren wird. Die Straßenbahn braucht zur Zurücklegung dieser Strecke mindestens die doppelte Zeit“. Die Wuppertaler fingen also schon am ersten Tag mit dem Stolz auf ihr neues Wahrzeichen an. Sie hatten allen Grund dazu. Selbst der Kaiser hatte bei seinem Oktober-Besuch 1900, dem sich nur die Sozialdemokratie offiziell trotz des allgemeinen Jubels verschloß, begeistert über die Schwebebahn gesagt, als er in Vohwinkel nach seiner Probefahrt ausstieg: „Sie haben ein ebenso zweckmäßiges wie angenehmes Verkehrsmittel erhalten“. Und die Begeisterung war stürmisch. Der General-Anzeiger-Redakteur kriegt sich kaum ein: „Das Unzu-längliche, hier wird’s Ereignis, das Unbeschreibliche, hier ist es gethan! – so deklamieren wir heute morgen, auf der Döppersberger Brücke stehend, mit einem Pathos, auf das Adele Sandrock im Musentempel vis-a-vis, wenn sie’s gehört hätte, sicherlich eifersüchtig geworden wäre“! Anscheinend hatte sich die Inbetriebnahme nach verschiedenen, wohl falschen Ankündigungen so verzögert, daß niemand mehr recht dran glauben wollte. Deshalb geht es weiter: „Spaß beiseite: Die Schwebebahn ist heute morgen ohne Sang und Klang, ohne jede Mittheilung an das Publikum dem Verkehre übergeben worden. Daß keiner dran glauben wollte, ist nach den immer wieder verschobenen Eröffnungsterminen nur zu erklärlich. Es dürfte sich daher empfehlen, daß die Direktion an den Haltestellen einen Theil ihrer Angestellten postierte, die nach berühmten Mustern das Publikum zu Benutzung der Schwebebahn einladen: Nur immer heran, meine Herrschaften, es kostet nur eine Groschen“! Nun, das war nicht nötig. Der Chronist beliebte ironisch zu scherzen. Auch am zweiten Tag nach der Inbetriebnahme wurden wieder 10.000 Personen befördert. Wegen Massenandrangs mußten die Fahrten zeitweise eingestellt werden. Am Döppersberg war das Gedränge geradezu lebengefährlich. An einem Wagen wurde von den anstürmenden Massen eine große Scheibe eingedrückt. So begann Wuppertals Schwebebahn am 1. März 1901 dem ersten Abschnitt ihrer Geschichte. Freudig begrüßt, voll besetzt. Daran hat sich bis in die Gegenwart nicht viel geändert....
Der 28. Schwebebahnwagen kam
Vor
wenigen Tagen, Anfang März, kam der letzte der 28 neuen Schwebebahnzüge per
Bundesbahn in Vohwinkel an. Wie alle seine Vorgänger wurde der Zug Nr. 28 mit
Hilfe eines Tiefladers zur Schwebebahnwerkstatt transportiert. Dem Zusammenbau
dort schließen sich die üblichen Probefahrten an – bevor der Zug für den
Fahrgastverkehr freigegeben wird. Zum ersten Mal in 74jähriger Geschichte
besteht jetzt der Schwebebahnwagenpark aus 28 einheitlichen Typen in dieser
beachtlichen Anzahl.
Schwebebahn fährt im Einmannbetrieb
Ein
ziemlich eintöniges Fernsehprogramm bieten die Stadtwerke ihren
Schwebebahnfahrern, ein Prorgamm mit wechselden Personen, die immer nur ein-
oder aussteigen. Seit gestern ist die Fernsehüberwachungsanlage auf den
Schwebebahnhöfen und in den Wagen fertig, seit gestern fährt die Schwebebahn im
Einmannbetrieb. Mit dem „einmaligen System in Europa“, so Vorstands-Vositzender
Harald Graf, haben die Stadtwerke einen internen Wettbewerb mit Münchens
U-Bahn-Gesellschaft gewonnen. Es ist nämlich gar nicht so einfach, eine
Fernsehanlage am eisernen Schwebebahngerüst zu installieren. Die
Erprobungszeiten dauerten lange, die Kinderkrankheiten des Systems waren
heftig. Die TV-Entwicklung wurde bereits eingeleitet mit der Bestellung der
blau-orange Gelenkwagen. Bislang hat die Schwebebahn 24 davon. Der letzte kam
just gestern, der, der am längsten im Dienst ist, hat schon 93.000 Kilometer
auf dem Buckel. Um den billigeren Einmannbetrieb zu ermöglichen, der immerhin
66 Zugbegleiter einspart, mußten auf beiden Bahnsteigen der 18 Bahnhöfe Kameras
installiert werden. Die Position der Kameras wurde so gewählt, daß die hinteren
Türen am deutlichsten erkennbar sind. Am Fahrersitz ist der Bildschirm
installiert. Kurz bevor der Wagen hält, erscheint automatisch das Bild. Für die
Richtung Oberbarmen – Vohwinkel und Vohwinkel – Oberbarmen mußten die Techniker
der Firma Grundig zwei verschiedene Kanalbereiche wählen, um ein ordentliches
Bild zu bekommen. Die vielen Tonnen Eisenmasse irritierten die Antennen. Die
Stadtwerke haben ausgerechnet, daß sie trotz der einmaligen Investitionskosten
von 450.000 DM und jährlichen laufenden Kosten von 80.000 DM für die
Schwebebahn-TV pro Jahr 1,5 Millionen Mark sparen. Die Schwebebahn in Wuppertal
ist mit dieser Einrichtung die erste Bahn Europas die die Zugabfertigung
mittels drahtloser Fernsehtechnik eingeführt hat. Die Münchner U-Bahn bosselt
seit drei Jahren daran herum. Bis jetzt ohne Erfolg. Die 66 Zugbegleiter, die
bis gestern immer dabei waren und nur darauf achten mußten, ob die Leute auch richtig
ein- und ausstiegen werden meist im Fahrkartenverkauf eingesetzt.
Fahrer überwacht den Bahnsteig am Bildschirm
Für
die Fahrgäste der Schwebebahn gibt es seit gestern Fernsehen. Zumindest für
die, die im Wagen unmittelbar hinter dem Fahrer sitzen. Allerdings ist das
Programm nicht sehr abwechselungsreich. Über dem Bildschirm flimmert auf jeder
Station nur für kurze Zeit der Bahnsteig. Immerhin kann man sehen, wer
aussteigt und wenn an den vielen Türen des Zuges niemand mehr zusteigen will.
Aber allein dafür ist die Fernsehübertragung auch nur gedacht. Im Jargon der
Ingenieure heißt das, was da seit gestern funktioniert „Zugabfertgung mittels
drahtloser Fernsehtechnik“. „Wir sind sehr stolz darauf“, sagte der
Vorstandsvorsitzende der Stadtwerke, Harald Graf, gestern, als er einen der neu
ausstaffierten Züge startete, denn nunmehr ist die Modernisierung der
Schwebebahn, die mit dem Kauf der technisch auf das neue System abgestimmten
Gelenktriebwagen eingeleitet wurde, zu einem bedeutsamen Abschluß gekommen. Die
Schwebebahnzüge können im Einmannbetrieb gefahren werden. Um das zu
ermöglichen, mußten Fernseheinrichtungen auf den Bahnhöfen und in den Zügen
installiert werden. An der Lösung dieses technischen Problems – bei dem das
stählerne Fahrgerüst den Ingenieuren einige harte Nüsse zu knacken gab – waren
das Schwerter Ingenieurbüro Pieper KG und die Firma Grundig AG maßgeblich
beteiligt. Neben den Kameras und Bildschirmen sind Sendeantennen am Gerüst und
Empfangsantennen am Drehgestell der Züge erforderlich, damit das Bild
übertragen werden kann. Obwohl der Monitor im Wagen immer eingeschaltet ist,
erscheint das Bild erst, wenn die Empfängerantenne den Sender überstreicht. Das
ist nur in einem verhältnismäßig kleinen Bereich des Bahnsteigs der Fall, da wo
der Wagen hält. Da die Versuche, die im Frühjahr 1972 begannn, zeigten, daß
sich die Übertragungen auf den beiden Bahnsteigen einer Station beeinflußten
(was wiederum am Schwebebahngerüst liegt), wurden für jede Fahrstrecke
getrennte Kanalbereiche gewählt. Beim Wenden des Zuges in Oberbarmen und
Vohwinkel muß der Fahrer jeweils den gültigen Kanal einschalten. Eine andere
Art der Bahnsteigüberwachung – etwa durch Spiegel an den Zügen – wäre durch die
Aufsichtsbehörde nicht genehmigt worden und außerdem wäre sie untauglich
gewesen, weil einige Bahnhöfe in Kurven liegen. Dem Fahrer wäre beim Blick in
den Spiegel die Sicht bis zur hinteren Türe des Wagens versperrt geblieben. Die
bisherigen Zugbegleiter werden, wie Vorstandsvorsitzender Graf und der Direktor
der Verkehrsbetriebe, Dieter Sack, erklärten, nicht arbeitslos. Für sie gibt es
im Unternehmen andere Arbeitsplätze. Dazu Graf: Zugbegleiter, das war doch ein
schrecklicher Beruf. Den ganzen Tag nur fahren und gucken.
Wird „Rot“ ignoriert streikt die Schwebebahn
Alle
Fahrgäste der Wuppertaler Schwebebahn fahren künftig noch sicherer: Eine neue
Sicherheitsvorrichtung, eine automatische Fahrsperre, ist jetzt bei allen
Schwebebahnen in Betrieb genommen worden. Diese automatische Fahrsperre hängt
mit der Signalanlage zusammen und bremst automatisch die S-Bahn, wenn der
Fahrer unachtsam ein auf Rot stehendes Haltesignal überfährt. Für den Laien ist
der technische Vorgang bei diesem System kompliziert: Das Magnetfeld eines
Dauermagneten, der am Tragegerüst der Schwebebahn befestigt ist, löst beim
„Rotfahren“ einen Impuls aus, der von einem magnetischen Empfänger am
Drehgestell des sogenannten Gelenkwagens aufgefangen wird. Automatisch bleibt
nach diesem „Signal“ die Bahn stehen. Der Fahrer muß dann, damit er weiterfahren
kann, eine Taste drücken, die diese Sperre wieder löst. Das Auflösen der Sperre
wird jedesmal in einem eingebauten Zählwerk registriert und auf dem
S-Bahn-Leitstand festgehalten. Der Schwebebahnfahrer muß jede Freigabe der
Sperre auf einem dafür vorgesehenen Vordruck notieren und den Grund des
Überfahrens eines Haltesignals angeben. Normalerweise darf ein rotes Signal
nicht „ignoriert“ werden, jedoch gibt es auch bei der Schwebebahn einmal
Pannen. So kommt es doch manchmal vor, daß eine S-Bahn die andere abschleppen
oder anschieben muß und dabei natürlich die roten Haltesignale überfahren darf.
Damit diese neue Sicherheitseinrichtung auch immer richtig funktioniert, wird
sie jedesmal, bevor eine S-Bahn die Endhaltestellen verläßt, überprüft, und
außerdem an 42 Blockabschnitten kontrolliert. Die Fahrsperre ist nach Aussage
des technischen Betriebsingenieurs der Stadtwerke, Manfred Falder, die „letzte
Stufe“ der Sicherheitseinrichtungen in der Schwebebahn: „Mehr kann man in der
S-Bahn eigentlich nicht rationalisieren.
Schwebebahn bekommt ein Abstellgleis
Wenn alles klappte, sollte heute früh die Montage eines
Abstellgleises für zwei Schwebebahnzüge an der Station Zoo-Stadion
abgeschlossen sein. Zwei Nächte lang haben die Arbeiten gedauert, um das
insgesamt 68 Meter lange und fast 50 Tonnen schwere Gleis einzufahren. Das
Gleis wurde in zwei Hälften durch einen Kran am Wupperufer zurecht gelegt, dann
hochgehievt und eingefahren. Für jede Hälfte benötigt man eine Nacht. Justiert
wird tagsüber. Das Gleis hat die Aufgabe, für besondere Fälle zwei zusätzliche
Züge in Fahrbereitschaft zu halten. Für das Fahrpersonal wird auf der Mitte ein
kleiner Bahnsteig gebaut, der gerade die vorderste Tür des einen und die
hinterste des anderen Zuges erfaßt. Eine Treppe führt in der Stütze zu der
Straße herab, die innerhalb des Stadionsbereiches am Wupperufer verläuft. Das
Abstellgleis liegt neben dem Hauptgleis. Der Wendekreis schließt es an das
Hauptgleis in Richtung Oberbarmen an. Die Stützen, die auch das Abstellgleis
tragen, sind sehr tragfähig: Als die Schwebebahn einst nur von der Kluse bis
Zoo fuhr, trugen sie die Wendeschleife. Betriebsfertig ist das Abstellgleis
etwa im Frühjahr 1976. Die Signaltechnik ist noch in Arbeit. Das Schaltzentrum
wird unter den Bahnhof Zoo-Stadion gehängt.
Der Kaiserwagen
Als
1976 zum 75jährigen Schwebebahnjubiläum der Austausch des gesamten Fuhrparks
durch Gelenktriebwagen abgeschlossen war, entschied man sich dazu, doch noch
ein bisschen Nostalgie zu erhalten. So wurde der Zug, mit dem Kaiser Wilhelm
II. die Einweihungsfahrt gemacht hat, restauriert und als Sonderfahrzeug wieder
auf Fahrt geschickt. Er gibt dem heutigen Betrachter eine Vorstellung darüber,
in welch edlem Glanz sich die ersten Schwebebahnzüge präsentiert haben.
Insgesamt gab es 26 Wagen dieser Baureihe, die im Jahre 1900 aufs Gleis gesetzt
wurden und von denen viele mit einigen Umbauten bis Anfang der siebziger Jahre
im Einsatz blieben. Doch einheitlich wie heute hat sich der Wagenpark bis 1975
allerdings nie gezeigt. Neben den sogenannten Kaiserwagen gab es noch zirka 50
weitere Fahrzeuge in vier Baureihen und vier Umbauarten. Kaum ein
Schwebebahnzug sah damals wie der andere aus. Bis auf zwei Gelenktriebwagen aus
den Jahren 1962 und 1965 waren aber alle diese Fahrzeuge Einzelwaggons, die in
den meisten Fällen als Zweiwagenzug mit einem Motorwagen und einem Anhänger
eingesetzt wurden. Die Grundlackierung entsprach einem einheitlichen Bild: Die
Fahrzeuge waren, wenn auch mit unterschiedlichen Zierleisten in dem gleichen
weinrot wie der heutige Kaiserwagen gehalten. Nach Einführung der
Gelenktriebwagen wurden sie dann allesamt verschrottet oder als
Ausstellungsstücke verkauft. Die neuen Bahnen fuhren dann zwanzig Jahre lang
einheitlich in dem orange-blauen Anstrich der Wuppertaler Stadtwerke. Heute
präsentiert sich der Schwebebahnfuhrpark in unterschiedlichen Farben.
Neuer Schwebebahnhof an der Ohligsmühle?
Trotz
ihrer Armut ist die Stadt daran interessiert, daß der geplante Schwebebahnhof
Ohligsmühle recht bald gebaut wird. Die Stadtverwaltung hat für dieses Projekt
in ihrem Haushaltsplanentwurf 1977 einen Finanzierungsbeitrag an die Stadtwerke
dafür vorgesehen: 340.000 Mark, außerdem eine Ver-pflichtungsermächtigung in
Höhe von 510.000 DM. Der Bahnhof soll etwa in Höhe des Enka-Glanzstoff-Hochhauses
/ Kasinostraße gebaut werden. Der Plan, auf der gegenüberliegenden Seite der
Wupper ein großes Parkhaus zu bauen, wurde von dem Träger Enka-Glanzstoff bis
auf weiteres fallengelassen. Hingegen soll das „City-Center“ auf dem ehemaligen
Sparkassengrundstück Schlossbleiche / Mäuerchen gebaut und der Elberfelder
Fußgängerbereich bis dorthin erweitert werden. Für diese Erweiterung hat die
Stadtverwaltung ebenfalls einen Betrag in ihrem Haushaltsplanentwurf
1977vorgesehen. Für den Barmer Fußgängerbereich gibt es vor 1981 kein Geld.
Schwebebahn ist jetzt ein Denkmal
Die
Wuppertaler Schwebebahn ist jetzt offziell zu einem technischen Denkmal erklärt
worden. Der Landeskonservator für das Rheinland nahm die in der Welt
einzigartige Bahn, die im Frühjahr unter Teilnahme von halb Wuppertal ihre
75jährige Geburtstagfeier erlebt hatte, in die amtliche Liste der Denkmale auf.
Das gut 13 Kilometer lange Denkmal ist keine „historische Leiche“, sondern in
voller Gebrauchs- und Nutzungsfunktion. Wie der Landeskonservator dazu
feststellte, ist der Fortbestand des Denkmals Schwebebahn noch auf lange Zeit
gesichert. In einer Vortragsveranstaltung des Fachbereichs Bautechnik der
Gesamtschule Wuppertal sprach sein Referent Axel Röhl über die Inventarisation
technischer Denkmale im Rheinland Der Denkmalbegriff ist entscheidend erweitert
worden. Produktion, Verkehr und Versorgung sind zum Beispiel wichtige Kriterien
für die Bezeichnung und Registrierung technischer Bauwerke als Denkmale
geworden. Unter den besonderen Gesichtspunkten der historisch-typischen Objekte
oder der historisch-einzigartigen Modelle werden sie inventarisiert und auch
unter Denkmalschutz gestellt.. Dazu gehört jetzt auch die Schwebebahn, die
allerdings dieses ominösen Schutzes zur Zeit nicht bedarf, weil sie in
Funktion.
Ein neuer Schwebebahnhof an der Ohligsmühle?
Bund
und Land sind bereit, den Bau eines neuen Schwebebahnhofes an der Ohligsmühle
in Elberfeld mit insgesamt 85 Prozent der Baukosten zu bezuschussen. Dies hat
der Landschaftsverband Rheinland der Stadtverwaltung mitgeteilt. Der vom
Tiefbauamt der Stadt für die Wuppertaler Stadtwerke projektierte Bahnhof soll
rund 4,9 Millionen DM kosten. Nach den Plänen der Verwaltung könnte im
kommenden Jahr mit dem Bau begonnen werden. Inbetriebnahme des neuen
Schwebebahnhofs Ohligsmühle wäre dann, so Tiefbauamtschef Friedrich Stücker
gestern im Bauausschuß des Rates, Ende 1978. Gegenwärtig beträgt die Entfernung
zwischen den Haltestellen Döppersberg und Robert-Daum-Platz 1.100 Meter. Der
Bahnhof Ohligsmühle läge etwa auf halber Strecke.
Tonnendach des einzigen Original Schwebebahnhof rostet
Als
einziger der 18 Schwebebahnhöfe hat der Bahnhof Werther Brücke in Barmen Zeit
und Bombenhagel fast heil überstanden. „Echter Jugendstil“, urteilt WSW-Oberingenieur
Hans-Herbert Hegel, „man kann das Gebäude als Denkmal bezeichnen“. Jetzt ist
das Tonnendach durchgerostet. Für die Instandsetzungsarbeiten, die in
absehbarer Zeit anstehen, suchen die Stadtwerke nach einer Firma, die nach den
verrotteten Originalen Wellblechprofile biegen kann. Bisher forschten sie
vergeblich. Zur Zeit renoviert die Gerüstbauwerkstatt den 99 Tonnen schweren
Schwebebahnhof an der Loher Brücke. Auch er soll nach dem gelungenen Vorbild
Adlerbrücke ein farbenfrohes Schmuckkästchen werden. Die Wuppertaler Grafikerin
Anneliese Reckewitz-Epple liefert die Muster für den Außenanstrich und die
Farbkombination: türkisgrün, braun und beige. Am Loh bleibt buchstäblich kein
Balken auf dem anderen. Eingezogen werden in das Eisengerüst des Bahnhofs 250
Meter Kanthölzer. Dann kommen 250 Quadratmeter Bohlen drauf, gehalten von 5.000
Schrauben. Außerdem ersetzen die Stadtwerker die Maschendrähte, die unvorsichte
Fahrgäste vor dem Sturz in die Wupper bewahren, durch stabile
Licht-Gitterroste. Wie die Vorväter klopften die Schwebebahnarbeiter
jahrzehntelang Eichenbohlen auf die Bahnsteige. In der Zwischenzeit ist Eiche
derart teuer geworden, daß sich die WSW-Einkäufer nach einem anderen Holz
umsahen. „Wir nehmen nun Keroing“, erläuterte Betriebstechniker Paul von
Jutzzenka, Leiter der Gerüstbauwerkstatt an der Gutenbergstrasse, die Neuerung,
„das kostet ein Drittel weniger als Eiche und soll genausogut halten“. „Unser
Beitrag zur Entwicklungshilfe“, schmunzelt Verkehrsbau-Oberingenieur Hegel.
Keroing kommt aus Malaysia. Die neue Schwebebahnzüge fahren schneller an und
bremsen auch schneller als ihre Vorgänger. Die Brückenlager des Gerüsts müssen
nun wesentlich stärkere Druck- und Zugbelastungen aus halten. Deshalb wechselt
die Gerüstbauwerkstatt ab 1978 die Lager aus. Die Arbeiten sind in fünf Jahren
abgeschlossen.
Schwebebahn – Wende klemmte bei der Abnahme
Die
Schwebebahn-Wendeanlage am Stadion ist – obwohl es im entscheidenden Augenblick
zwei Pannen gab – von der Technischen Abnahme-Behörde beim Regierungspräsidenten
abgenommen worden. Damit ist allerdings noch immer kein Termin in Sicht, daß
die Fahrgäste von dieser technischen Neuerung profitieren können. Nunmehr
beginnen die Stadtwerke zunächst einmal mit der Ausbildung des Fahrpersonals.
Die Abnahme hatte mit einer Störung des Signals für den Wendevorgang begonnen.
Eine aufwendige Suche des Fehlers ergab, dass jemand an dem vom Bahnsteig aus
zugängigen Signal die Gelb-Glühlampe gestohlen hatte. Die Ursache des Defekts
war nicht sofort erkennbar, weil an dem Signal nur die Rot-Phase zusätzlich
abgesichert ist. Der Fehler wirkte sich auch auf den Schwebebahnverkehr aus.
Von 21:50 bis 22:45 Uhr lag er lahm. Als die Wendeanlage gedreht werden sollte,
klemmte sie. Die Stadtwerke führten diesen Defekt auf Dehnungen des Materials
durch Temperaturschwankungen zurück. Der übrige Fahrprogramm-Test der Anlage
verlief reibungslos. Wie die Stadtwerke erklärten, wurde ihnen auferlegt, an
der Anlage „noch ein paar Kleinigkeiten“ zu vervollkommenen.
Haltemarke erscheint auf dem Fersehschirm
Exakter
Haltepunkt wichtig für die Wendezeit / noch Kummer mit Elektronik des
Drehkranzes. Sechs Fahrer von Schwebebahnwagen beherrschen das Einfahren in die
neue Wendeanlage am Stadion bereits perfekt. Für die übrigen beginnt jetzt das
Training. Erst wenn neben der komplizierte Steuerungs-Elektronik auch der
letzte „Hand“-Griff beim Umsetzen der Schwebebahnzüge funktioniert, werden die
Wendeanlage und das Abstellgleis für den Fahrgast sichtbar wirksam sein. Das korrekte
Einfahren in die Wendeanlage ist, wie die Stadtwerke jetzt nach der vor einigen
Wochen erfolgten technischen Abnahme der Anlage in einem Sachstandsbericht
mitteilten, die Voraussetzung für die Schnelligkeit des Drehvorgangs. Den
Punkt, an dem der Wagen anhalten muß, sieht der Fahrer auf dem Monitor, mit dem
er an den Haltestellen den Bahnsteig überblickt. Zwischen zwei Toleranzmarken
muß der Wagen stoppen, dann übernimmt eine Automatik alle weiteren Vorgänge von
der genauen Justierung des Standortes bis zur Sicherung des Wagens, das
Schwenken und die Freigabe der Ausfahrt aus dem Drehkranz. Wird der Wagen zu
schnell in die Wendeanlage eingefahren und rutscht beim Bremsen über die
Markierung hinaus, muß er wieder zurückgesetzt, die Anfahrt wiederholt werden.
Und das Gefühl dafür zu entwickeln, mit welcher Geschwindigkeit einzufahren
ist, damit der Wagen auf 40 Zentimeter genau angehalten werden kann, ist – so
die Verkehrsexperten der Stadtwerke – nicht ganz einfach. Funktioniert es aber,
dann dauert das Drehen eines Zuges von der Ausfahrt vom Bahnhof Zoo-Stadion bis
zur Rückkehr in den Bahnhof 90 Sekunden wobei das Drehen genau 30 Sekunden
beansprucht. Gesteuert wird das Wenden vollautomatisch vom Leitstand im Bahnhof
Döppersberg nach festen Programmen für alle Bewegungen, die zwischen Fahrgleis,
Drehkranz und Abstellgleis möglich sind. Daß es gegenwärtig hierbei
gelegentlich zu Unter-brechungen des Fahrbetriebes kommt, liegt an der
Elektronik, für die es bei anderen Schienenbahnen keinerlei Vorbild gibt, die
auf keiner Teststrecke erprobt werden konnte, sondern sofort in den vollen
Fahrbetrieb und die gesamte Steuerung der 13,3 Kilometer langen Strecke
integriert werden mußte. Dieser Zustand tröstet die Stadtwerke-Leute jedoch
keineswegs über solche Pannen hinweg. Für sie gilt nur, die Ursachen für die
Störungen zu finden und sie auszumerzen. Daß die Wendeanlage vorerst nur dazu
dienen kann, den Fahrbetrieb auf Teilstrecken aufrecht zu erhalten, wenn
irgendwo ein Zug einen defekt hat, liegt nicht zuletzt an der Verzögerung des
S-Bahn-Baues der Bundesbahn. Denn darauf war auch die Wendeanlage abgestimmt,
durch die sich – je nach Frequentierung dieses neuen Schnellverkehrs – die
Zugfolge der Schwebebahn auf zwei Teilabschnitten regulieren läßt.
Bahnhof Ohligsmühle wird ab 1978 gebaut
Die
Schwebebahn bekommt eine neue Station „Ohligsmühle“. Mit dem Bau wird im
kommenden Jahr begonnen. Das beschloß der Rat der Stadt mit den Stimmen von SPD
und FDP. Wie beim U-Bahnbau in anderen Städten übernehmen Land und Bund 85
Prozent der Kosten. Der Bahnhof Ohligsmühle wird rund 400 m wupperabwärts vom
Döppersberg liegen. Er ist der einzige bautechnisch und rechtlich
fertiggeplante neue Schwebebahnhof mit dessen Bau 1978 begonnen werden kann.
Die Station Kluse soll folgen dann die Ersatzstationen Oberbarmen und
Lienhardplatz Vohwinkel. Die CDU, die teils diese Reihenfolge geändert haben
wollte, teils das ganze „Paket“ in Frage stellte, fand die Zustimmung der
anderen Ratsfraktionen dazu, die Möglichkeit einer Verlängerung der Strecke
Oberbarmen über das Bundesbahngelände hinweg nach Heckinghausen (Nähe
Gaskessel) prüfen zu lassen. Die Verwirklichung ist in jedem Fall erst in
Jahren denkbar.
Neue Lager machen alte Schwebebahn künftig belastbarer
Mit
einer klotzigen Investition von 31 Millionen DM machen die Stadtwerke die alte
Schwebebahn künftig belastbarer: Durch den Einbau neuer Auflager des Gerüstes
zwischen Pendelstützen und Brückenkonstruktion. Die Arbeiten sollen 1978
beginnen und nach fünf Jahren abgeschlossen sein. Insgesamt werden 873 Lager
montiert, davon 152 auf der Land- und 721 auf der Wupperstrecke. Die alten
Auflager stammen noch aus der Bauzeit der Schwebebahn in der Jahrhundertwende
und entsprechen nicht mehr den heutigen Ansprüchen an die moderne Technik der
Gelenkwagen, die größere Belastungsanforderungen an das Gerüst stellen.
Wuppertaler Schwebebahn 80 Jahre alt
Am
24. Oktober 1900 hatte Wuppertal hohen Besuch. Kaiser Wilhelm II. nebst Gattin
Auguste Viktoria wohnten der Einweihung der Ruhmeshalle und des Rathauses in
Elberfeld bei. Anschließend ging das Kaiserpaar buchstäblich in die Luft: Zwölf
Meter über dem Flußlauf der Wupper schwebte das deutsche Herrscherpaar dahin im
Wagen Nummer 5 der Schwebebahn, damals eine Weltsensation und auch heute noch,
im Jahr des 80jährigen Bestehens, eine vielbestaunte Attraktion. Die Unlogik,
dass die Schwebebahn 81 Jahre nach ihrer ersten Fahrt den 80. Geburstag feiert,
ist schnell erklärt: Erst vier Monate nach der kaiserlichen Probefahrt, am 1.
März 1901 nämlich, wurde sie offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Bis heute
hat die Schwebebahn auf ihrer 13,3 Kilometer langen Fahrstrecke ein Drittel der
Weltbevölkerung befördert – statistisch betrachtet. Denn rund 1,2 Millarden
Menschen sind mit dem ungewöhnlichen Verkehrsmittel gefahren. Ohne Ampelrot und
Feierabendstauverkehr, ohne Gegenverkehr und stets fahrplangetreu – zwölf Meter
über der Wupper, acht Meter über der Straße, auf einer Gleitschiene, an
riesigen Stahlarmen hängend, „schwebt“ sie dahin. Die Schwebebahn, Wahrzeichen
Wuppertals, ist heute wichtiger denn je. Sie durchquert die Stadt, die rund
400.000 Einwohner zählt, in einer knappen halben Stunde Fahrzeit, passiert
sechzehn Bahnhöfe, von denen dreizehn über der Wupper liegen, und befördert
täglich rund 50.000 Menschen 472 Stützen mit 944 Beinen links- und rechtsseitig
bieten der „Hängebahn“ des Kölner Eugen Langen sicheren Halt. Der Erbauer der
am 28. Dezember 1894 von den damaligen Stadtvätern den Auftrag zum Bau der
Schwebebahn erhielt, erlebte den Siegeszug seines Werkes nicht mehr. Eugen
Langen starb am 2. Oktober 1895 nach einem Leben voller Ideen und Erfindungen.
Am technischen Prinzip seiner Erfindung hat sich dabei im Laufe der Jahrzehnte
nichts geändert. Lediglich die Sicherheitsvorkehrungen, die die Schwebebahn zu
einem der sichersten Verkehrsmittel machen, sind noch umfangreicher geworden.
Moderne Anlagen in der Signalregelung führen die hochtechnisierten Gelenkzüge
im 40-km-Tempo ans Ziel. Der einzige ernsthafte Unfall ereignete sich am 21.
Juli 1950 und machte ein Elefantenbaby weltberühmt. „Tuffy“ wie der kleine
Dickhäuter hieß, bestieg am Bahnhof Alter Markt den Wagen Nummer dreizehn. Doch
die Enge des Fahrgastraumes behagte „Tuffy“, dem Reklamegag des Zirkus Althoff,
schon nach wenigen Metern nicht mehr. Wild trompetend, ließ das Elefantenbaby
Scheiben klirren, Holz bersten und – landete in der Wupper. Mit ein paar
Schrammen am Hinterteil, aber sonst unversehrt.
Bei
den Angriffen 1943 brannten 2 Schwebebahnhöfe aus. 19 Brücken und 11 Stützen
wurden so stark beschädigt, daß der Fahrbetrieb zeitweise ganz eingestelt
werden mußte. Zu Beginn des Jahres 1945 erlitt der Bahnhof Vohwinkel mit 2
Brücken und Stützen nebst Weichenanlagen schwere Beschädigungen. Im März 1945
wurden der Bahnhof Oberbarmen und 9 weitere Brücken stark beschädigt. Hierbei
wurden in Wupperfeld 3 Brücken einschließlich Stützen total zerstört. Infolge
Kriegseinwirkung wurden Instandsetzungsarbeiten in größtem Umfang nötig. Nach
dem Einmarsch der Alliierten ruhte ab 16. April 1945 der gesamte Verkehr. Die
Betriebsmittel und Einrichtungen wurden von einem kleinen Rest des Personals
während dieser Zeit betreut. Am 26. Mai 1945 wurde die Schwebebahnstrecke
zwischen Station Sonnborn und Bruch im Pendelverkehr wieder betrieben. Dem
Bestreben der Betriebsleitung, den Verkehr wieder wie in früherem Umfange
aufzunehmen, stellten sich größte Schwierigkeiten entgegen. Der Schutzanstrich
des Schwebebahngerüstes war streckenweise mehr als 10 Jahre alt. Sämtliche
Betriebsmittel waren durch die ungenügende Pflege während des Krieges stark
heruntergewirtschaftet. Hinzu kamen Personalschwierigkeiten. Vom alten
Stammpersonal waren wenige übrig geblieben. Neueinstellungen wurden in größtem
Umfange zum Wiederaufbau des Betriebes nötig. Da die Uniformbestände durch
Kriegseinwirkung verloren gingen, konnte den Neueingestellten die erforderliche
Berufskleidung nicht zur Verfügung gestellt werden. Als weitere Schwierigkeiten
personeller Art sind zu nennen: Mangelhafte Ernährung und Kleidung, Dienst in
überfüllten zum Teil unverglasten Fahrzeugen bzw. in beschädigten und
ungeheizten Werkstätten und Wagenhallen.
Schwebebahnstation Döppersberg
1926
wurde die am stärksten frequentierte Haltestelle der Schwebebahn
fertiggestellt. Bis zu diesem Datum stand an derselben Stelle ein etwas
kleinerer aber architektonisch wesentlich interessanterer Jugendstilbau mit
einer bogenartigen Dachkonstruktion. Der wegen seiner finsteren Gänge trotz des
hohen Fahrgastaufkommens im Laufe der letzten Jahre verwahrloste Bahnhof wurde
zusammen mit dem einsturzgefährdeten angegliederten Geschäftshaus von Grund auf
saniert. Einiges ist bereits getan worden. So bringen Glaseinsätze im Dach mehr
Licht auf die Bahnsteige und zwei Aufzüge mehr Komfort für ältere Fahrgäste.
Für mehr Sicherheit soll die neu eingezogene Polizeiwache in dieser vor allem
abends sehr zwiespältigen Gegend rund um den Hauptbahnhof sorgen. Im Juli 2000
wurde durch Austausch von Stützen und Brücken im Schwebebahnhof Döppersberg
eine erneute Renovierung vorgenommen. Die Treppen Auf- und Abgänge bekamen neue
Stufen, neue Lichtbänder wurden auf dem Bahnsteig installiert und die Fahrbahn
bekam einen neuen Belag.
Schwebebahn Ausbau
Neuer Schwebebahnhof Alter Markt mit Verbreiterung der B 7
Das
befürchtete Verkehrschaos blieb am 3. April 1967 in Wuppertal aus. Obwohl die
Schwebebahn – das meistbenutzte Verkehrsmittel – über der Wupper wegen
Bauarbeiten am Alten Markt für zwei Wochen stillgelegt wurde, kamen die meisten
Berufstätigen pünktlich zur Arbeit. Auf der engen Talsohle ratterten dagegen
Straßenbahnen zwischen sechs und neun Uhr im Zwei-Minuten-Takt. Um Staus zu
vermeiden, postierte man an den Haltestellen „Standschaffner“, die Fahrscheine
verkauften und entwerteten. An der Baustelle am Alten Markt gingen
währenddessen Monteure nach einem genauen Zeitplan daran, das Gerüst und den
Bahnhof abzureißen. Wegen der Verbreiterung der B 7 mußte das Schwebebahngerüst
zwischen zwei Pylonenpaaren auf einer Länge von 120 Metern freischwebend an
Stahlseilen aufgehängt werden. Gleichzeitig wurde der Schwebebahnhof erneuert,
der – eine Konstruktion aus Glas und Stahl mit Rolltreppen – lange Zeit der
modernste aller Schwebebahnhöfe war.
Neuer Bahnhof kein Klotz
Mit
dem Bau des Schwebebahnhofs Ohligsmühle soll – nachdem der Rat der Stadt den
Bau dieses Bahnhofs und eine Reihenfolge weiterer Neubauten beschlossen hat –
schon im Juli nächsten Jahres begonnen werden. Das teilte das Tiefbauamt im
Verkehrsausschuß des Rates mit. Der Bahnhof werde „kein Klotz“ wie am Alten
Markt. Man wolle vielmehr versuchen, ihn in das Fahrgerüst einzulassen. Die
Gespräche mit einem Architektenbüro liefen bereits. Der Bahnhof werde so
konzipiert, daß eine Verbindung mit einer möglichen Bebauung an dieser Stelle
(wie bisher bei dem nicht mehr aktuellen Glanzstoff-Parkhaus) geschaffen sei.
Auch eine Fußgängerbrücke zum Johannisberg für Fahrgäste aus der Elberfelder
Südstadt bleibe technisch möglich. Wie der Chef des Tiefbauamtes, Baudirektor
Stücker erklärte, werde der Landschaftsverband auch den Neubau eines
Schwebebahnhofs Kluse bezuschussen, wenn dort 1978 ein Bebauungsplan
rechtskräftig werde. Er habe bei Gesprächen den Eindruck gewonnen, daß man beim
Landschaftsverband in Anbetracht der Millionenbeträge, die andere Städte zum
Ausbau ihrer Verkehrseinrichtungen erhielten, bei der Förderung der Schwebebahn
etwas schlechtes Gewissen habe. Stücker: „Kluse kostet soviel wie Duisburg in
14 Tagen bei seiner U-Bahn verbaut“.
Schwebebahnausbau nach 100 Jahren
Der
Plan für den Neubau der Schwebebahn stand noch nicht ganz fest, da fingen auch
schon die ersten Schwierigkeiten an. Das Gerüst sollte wie vor einem
Jahrhundert weitgehend genietet werden. „Nietverbindungen sind zwar teuer, aber
dafür bei großen Vibrationen haltbarer als die beste Schweißnaht“, sagt Lothar
Bremer, zuständig für den Ausbau der Schwebebahn bei den Wuppertaler
Stadtwerken (WSW). Doch die Niettechnik ist seit den 50er Jahren immer seltener
angewendet worden. „Sie ist zwar nie ganz ausgestorben, aber es gibt nur noch
wenige, die in die Entwicklung dieser Technik investieren“, so
WSW-Pressesprecher Michael Malicke. Neue Nietmaschinen wurden in jüngster Zeit
fast nur für Automobil-Chassis weiterentwickelt. Für den Bau des
Schwebebahngerüsts hat die Ago Stahlbau in Neuwied, die mit der
Holzmann-Stahlbaugesellschaft Lavis Herstellung und Montage des Gerüsts
übernommen hat, extra neue Maschinen für die kleinen Stahlstifte entwickelt.
Das Fachwerk einer einzigen der 468 Brücken setzt sich aus rund 250 Stäben
zusammen. Die wiederum wird von 3.000 Nieten zusammengehalten. Das Einbauen
dieses Metallbolzens ist eine komplizierter Prozeß, da die Stahlkonstruktion
verzinkt wird. Mit jedem eingebrachten Niet verbrennt aber ein Teil des
Korrosionsschutzes. „Hier muß genau nachgearbeitet werden, denn sonst rostet
der Stahl langfristig“, erklärt Bremer. Jedes Stück Stahl, das am
Schwebebahngerüst verarbeitet wird, ist vorab auf seine chemische
Zusammensetzung überprüft, dann registriert und auf seine Belastung hin
kontrolliert worden. Erfüllt ein Teil nicht die Bedingungen, muß es neu
gefertigt werden. Der Bau des Schwebebahngerüsts ähnelt einem Puzzle. Keine
Brücke oder Stütze entspricht einer anderen. Jede Konstruktion ist für eine bestimmte
Stelle auf der 13,3 Kilometer langen Strecke gebaut worden. Die fertigen
Gerüstteile werden mit großen Sattelschleppern, die bis zu 55 Tonnen
transportieren können, nachts von Neuwied nach Wuppertal gebracht. An den
jeweiligen Baustellen auf der Talachse, an denen Gerüstteile ausgetauscht
werden, stehen große EDV-gesteuerte Kräne, die den schweren Stahl in die Höhe
heben. Von hydraulisch betriebenen Plateaus, die in der Wupper stehen, arbeiten
die Monteure mit Schweißgeräten, Druckluftwerkzeugen und Handbohrmaschinen –
Werkzeuge, die es vor 100 Jahren noch nicht gab. Übrigens: Ein Stahlbauer
verdient heute etwa 30 Mark die Stunde, vor hundert Jahren dagegen 30 Pfennig.
Fakten zum Schwebebahnausbau
§
Der Startschuss für den Schwebebahnausbau fiel am 4.April
1995. Geplante Gesamtkosten: 490 Millionen Mark; 90 Prozent davon übernimmt das
Land.
§
Die Firma Lavis, die den Zuschlag für 80 Prozent des
Auftragsvolumens bekommen hat, hat bislang 63 Millionen Mark verbaut. Dafür hat
das Unternehmen rund 90 Brücken, 80 Pendelstützen sowie 19 Ankerstützen
erneuert. Das entspricht etwa 25 Prozent ihres Auftragsvolumens.
§
Bis Ende 1999 wurden von Lavis und der Thyssen Klönne GmbH,
die die restlichen 20 Prozent des Umbaues vornimmt, insgesamt 104 Brücken, 93
Pendelstützen und 19 Ankerstützen ausgewechselt; die Bahnhöfe Adlerbrücke und
Robert-Daum-Platz wurden erneuert, die Station Kluse neu gebaut. Insgesamt sind
rund 30 Prozent des Gesamtprojekts abgeschlossen. Für dieses Jahr ist unter
anderem der Austausch der Schwebebahnhöfe Pestalozzistraße, Loher Brücke und
Westende durch Thyssen Klönne geplant. Der Auftrag für den Bahnhof Hammerstein,
der ebenfalls 2000 erneuert werden sollte, sollte ursprünglich Ende 1999 vergeben
werden. Wegen der unklaren Situation bei Lavis wurde darauf jedoch verzichtet.
§
Ursprünglich sollten die Arbeiten im Oktober 2000
rechtzeitig zum 100-jährigen Bestehen der Bahn 2001 abgeschlossen sein. Der
Zeitplan verzögerte sich immer weiter, zuletzt rechnete man mit der
Fertigstellung für 2003.
Im
Zuge des Schwebebahnausbaus ist seit dem 25.09.1998 der Umbau der Haltestelle
Adlerbrücke in vollem Gange. Die inzwischen abgebaute Station steht den
Fahrgästen ab circa Mitte Dezember 1998 in erneuertem Design wieder zur
Verfügung. (Durch einige Probleme Hochwasser usw. wurde der Termin nicht
eingehalten) Während dieser Zeit werden die Schwebebahnkunden gebeten, auf die
benachbarte Haltestelle Loher Brücke, beziehungsweise Alter Markt, auszuweichen
oder die Buslinien zu benutzen, die weiterhin im Bereich Adlerbrücke halten.
Die Erneuerung der Haltestelle und der Austausch der Tragkonstruktion in diesem
Bereich sind baulich nicht voneinander zu trennen. Deswegen wurde zunächst das
vorhandene Haltestellengebäude demontiert und anschließend die entsprechende
Brücke des Schwebebahngerüstes einschließlich der Bahnhofsanker- und
Pendelstütze ausgetauscht. Nun erfolgt der Wiederaufbau der neuen Station. Der
vielfach präsentierte Entwurf der Architekten Schuster, Düsseldorf, behält die
Typische Dachbauform der Barmer Station. Dagegen wird der neue Zugang
übersichtlicher und integriert behindertengerechte Aufzüge und breitere
Treppen, Informationseinrichtungen und Fahrausweisautomaten in fahrgastgerechter
Form. Treppenhaus, Aufzugsschächte und Bahnsteige sind überwiegend verglast und
vermitteln die Tranzparenz und Helligkeit, die von den Fahrgästen bei der
Benutzung, insbesondere in den Abendstunden, geschätzt werden. Breitere
Bahnsteige erleichtern den Ein- und Ausstieg gerade auch in den Spitzenstunden,
die sich an der Adlerbrücke durch die direkt benachbarte fünfte Gesamtschule
zukünftig einstellen werden. Für den Bau der Haltestelle zeichnet die Firma
Thyssen Klönne GmbH, Duisburg verantwortlich, während das Traggerüst von der
ARGE Ausbau unter Federführung der Lavis GmbH, Aschaffenburg, ausgewechselt
wurde. Die Montageplanung beider Firmen geht von einer Wiederbenutzung der
Station Mitte Dezember 1998 aus, wobei die komplette Fertigstellung erst
anschließend erfolgen kann.
Neue Schwebebahnstation Adlerbrücke
Die Schwebebahnstation Adlerbrücke nimmt endgültig Form an.
Dafür ging am (schwebebahnfreien) Wochenende jede Menge Stahl in die Luft. Der
dickste Brocken war 140 Tonnen schwer und hatte am Samstag morgen um 7 Uhr
seine Position erreicht: die Plattform für die Bahnhofsebene. Mit Hilfe
sogenannter Pratzenheber, einer Art Flaschenzug für Schwerlastteile, der bis zu
300 Tonnen tragen kann, wurde das größte Bauteil der Haltestelle an Spillseilen
nach oben gezogen nicht nur für die zahlreichen Zuschauer, die das Spektakel
teilweise sogar während der Nacht verfolgten, eine äußerst spannende
Angelegenheit bis die Plattform an ihren Bestimmungsort endgültig montiert und
fixiert war, vergingen aber noch einige Stunden. Im Laufe des Nachmittags sowie
des Sonntags wurden zudem der Eingangsbereich unterhalb der Bahnhofsplattform
und die Technikbox – sie beheimatet unter anderem die Signaltechnik –
angebracht. „In den nächsten Tagen werden noch die Glasscheiben und
Aufzugstürme montiert“, sagte Stadtwerkesprecher Michael Malicke. Ende Februar
soll die Station dann endgültig fertig sein. Auch in der nächsten Woche wird
die Schwebebahn, die heute morgen wieder planmäßig ab 5.20 Uhr fahren soll,
Pause machen. Dann werden in Höhe der Alsen-straße eine Stütze und eine Brücke
ausgetauscht.
Am
23. August 1999 war es soweit: Mit der Inbetriebnahme der Schwebebahn nach
einem der üblichen Ausbauwochenenden am Montagvormittag hielten die ersten Züge
in der Station Robert-Daum-Platz. Eine Einweihungsfeier gab es nicht, doch
sollte der neue Bahnhof nicht ganz unbemerkt eröffnet werden. Alle direkten
Anwohner, die während der Bauzeit Belästigungen ertragen mussten, waren eingeladen
worden. Die WSW-Mobilitätsberater schmückten den Eingangsbereich und sorgten
mit der Verteilung von „Schwebebahnsekt“ und Müsliriegeln für gute Stimmung bei
den Gästen. So lautete dann auch der einstimmige Tenor von Pressevertretern und
Anrainern: „Der Robert-Daum-Platz ist gut gelungen“.
Der Schwebebahnausbau muß weitergehen
Die
Schwebebahn war und wird auch in Zukunft der Hauptbestandteil des Öffentlichen
Personennahverkehrs in Wuppertal sein. Mehr als 70.000 Menschen hatten sich Tag
für Tag für die schnelle und zuverlässige Fahrt entschieden. Die WSW werden
alles unternehmen, um den hohen, bis zum Unglück vom 12. April 1999 geltenden
Sicherheitsanspruch wieder zu erfüllen. Die Aufnahme des Fahrbetriebes soll
nach der Planung Anfang Juni erfolgen (ist am 8. Juni 99 erfolgt). Die zur
Entscheidung erforderlichen Gutachten standen teilweise noch aus. Die
Reparaturarbeiten umfassen das Auswechseln von vier Brückenlagern, den Ausbau
und Ersatz von rund fünf Metern Fahr- und Stromschienen sowie des
Fahrschienenträgers und die Erneuerung der unteren horizontalen Fachwerksebene.
Die
Notwendigkeit zur Fortführung des Schwebebahnausbaus besteht unverändert.
Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse und Erfahrungenmit dem Montagekonzept nach
mehr als 40 ausgetauschten Brücken und Stützen besteht keine Veranlassung,
dieses Konzept grundsätzlich in Frage zu stellen. Der Konzeption liegen
umfangreiche Untersuchungen zu verkehrlichen, betrieblichen, wirtschaftlichen
und technischen Fragestellungen zugrunde. Es wird intern bei den WSW geprüft,
ob neben den Wochenendarbeiten auch eine Montage in zusammenhängenden
Zeitblöcken möglich ist. Die Untersuchungsergebnisse sollen Ende des Monats
vorliegen. Ziel ist es nach der Sommerpause die Arbeiten fortzusetzen.
Die vorgesehene Betriebseinstellung in
den Sommerferien (vom 26.06. bis 25.07.1999) mit dem Gerüstaustausch in den
Trassierungsabschnitten Kluser Bogen am Schauspielhaus, Alsenstrasse und im
Bereich der Station Hauptbahnhof (Döppersberg) wird beibehalten. Falls
logistisch notwendig und möglich, soll die Betriebseinstellung um cirka eine
Woche früher beginnen, um Vorlaufarbeiten an der Ankerstütze 224 zu
ermöglichen. Weitere Montagearbeiten werden erst dann aufgenommen, wenn die WSW
die Gelegenheit erhalten haben, die Schlüssigkeit und Vollständigkeit des
internen Kontrollsystems der Firma Lavis nachzuprüfen. Zum Stadtfest am 31.
Juli 1999 wird die Schwebebahn wieder fahren.
Am Robert-Daum-Platz sind die Spuren des
Schwebebahnunglücks am Gerüst noch zu erkennen. Schiene und Schienenträger (ein
Stahlstück in Doppel-T-Form, auf dem die Schiene befestigt ist) sind
beschädigt. Die Mitarbeiter der Wuppertaler Stadtwerke (WSW) prüfen jetzt, ob
außerdem das gesamte Stück Schwebebahngerüst durch den Unfall beschädigt ist.
Nach bisherigen Untersuchungen sind an der Brücke leichte Schäden vorhanden,
die jedoch voraussichtlich in kurzer Zeit behoben werden können. „Wir gehen
davon aus, daß die Schwebebahn früher fährt, als wir zunächst angenommen
haben“, sagt der WSW Pressesprecher Jürgen Eschmann. Er hofft, daß die Bahn in
wenigen Wochen wieder ihre Fahrt zwischen Oberbarmen und Vohwinkel aufnehmen
wird. Ausgewechselt werden auf jeden Fall die Schiene und der
Stahlschienenträger. Die defekten Teile sowie die ausgetauschten Stücke der
Schwebebahnbrücke werden der Staatsanwaltschaft für ihre Ermittlungen zur
Verfügung gestellt. Nach Aussage der Thyssen Stahl AG in Duisburg, die die
Stahlschienenträger für den Ausbau der Schwebebahn walzen, könnten an der
Unfallstelle Schienenträger verwendet werden, die bereits auf Vorrat gefertigt
wurden. Zwar gibt es Unterschiede zum Beispiel in der Länge der Träger, das
kann aber aller Voraussicht nach – so die Thyssen AG – innerhalb von drei bis
vier Wochen korrigiert werden. Die Schienenträger sind zwischen zehn und 36
Metern lang. Wenn allerdings die Träger neu gewalzt werden sollten, muß die
Schwebebahn wesentlich länger stillstehen. Denn ihre Fertigung geht über
Duisburg (Walzung), Mannheim (Beschichtung), Neuwied (Bohrungen), Aschaffenburg
bis Montageplatz an der Mettmanner Straße in Wuppertal. Die Ausbauarbeiten
gehen nach Information der WZ in der nächsten Zeit nicht weiter. Erst soll die
Unfallursache abschließend untersucht werden. An dem Ausbaukonzept – Arbeiten
am Wochenende – halten Stadt und Stadtwerke jedoch grundsätzlich fest.
Nach vierwöchiger Pause wegen des Ausbaus des Fahrgerüstes
geht die Schwebebahn heute wieder an den Start: Ab 16 Uhr soll der reguläre
Fahrbetrieb wieder aufgenommen werden. Schon ab 12 Uhr werden nach der Abnahme
des Gerüstes durch WSW-Mitarbeiter die ersten Probezüge auf die Strecke gehen.
Auch einige Wagen, die in den letzten Wochen in der Werkstatt zur Haupt- und
Zwischenuntersuchung waren, werden vor der offiziellen Aufnahme des
Fahrbetriebs Testfahrten unternehmen. In der Mammut-Pause haben die Baufirmen
unter anderem die Strecke hinter dem Schauspielhaus erneuert. Sie wurde dort um
bis zu 4,20 Meter verlegt, zehn Stützen und elf Brücken ausgetauscht. Dort wo
Schienen ausgetauscht wurden, sind sogenannte Flüsterschienen montiert. Sie
sollen die Fahrgeräusche der „alten Dame“ um die Hälfte reduzieren. Schon am
Wochenende ist die Schwebebahn wieder im Dauereinsatz. Ab 12 Uhr verkehrt sie
wegen des verkaufsoffenen Sonntags im Vier-Minuten-Takt.
„Die
Schwebebahn fährt.“ Diese Erkenntnis war dann aber auch der einzige positive,
mit der Oberbürgermeister Dr. Hans Kremendahl und Stadtwerke-Vorstand Dr. Rolf
Krumsiek gestern aufwarten konnten. Denn die Firma Lavis, an die etwa 80
Prozent des Auftragsvolumens für den Schwebebahnausbau gingen, ist eine
hundertprozentige Tochter des Bauriesens Philipp Holzmann AG – und dessen
Rettungsversuche sind in der Nacht auf gestern gescheitert. Folgen für
Wuppertal? Die Lavis-Baustelle ruht. Zum Glück waren die Bauarbeiten am
Robert-Daum-Platz aber ohnehin die letzten, die in diesem Jahr vorgesehen
waren. Neue Aufträge an Lavis werden derzeit nicht ausgegeben, die Zahlungen
der Stadtwerke an die Firma sind eingestellt. Bei Lavis sind bezüglich des
Schwebebahnprojekts 160 Arbeitsplätze in Gefahr, mitgerechnet sind die der
Subunternehmer sowie 30 Beschäftigte des Lavis-Partners Ago Stahlbau (Neuwied).
Kremendahl und Krumsiek rechnen damit, dass Lavis jetzt unverzüglich das
Insolvenzverfahren beantragt. „Probleme und Handlungsbedarf gibt es also
genug“, so Krumsiek. Denn Lavis „hat ein außerordentlich großes Know-How, das
uns nicht verlorengehen sollte“, so Krumsiek. Nach Krumsieks Angaben haben alle
Beteiligten Interesse daran, die Arbeit gemeinsam fortzusetzen. Ob das
funktionieren kann, wenn beispielsweise das Insolvenzverfahren von Lavis von
der Mutter Holzmann abgekoppelt wird, ist derzeit noch völlig offen. Ungeklärt
bleibt damit auch, wie die wechselseitigen Forderungen zwischen WSW und Lavis
in Höhe von zig Millionen gehandhabt werden. Die Stadtwerke scheinen aber
aufgrund der ausgehandelten Ausfallbürgschaften finanziell gesichert
dazustehen. Lavis ist beim Schwebebahnausbau für die Erneuerung der Strecken
zuständig, auf denen sich die Trassenführung nicht ändert. Rund 50 Millionen
Mark vom 250-Millionen-Auftragsvolumen hat Lavis bislang verbaut. Sollte es künftig
keine Zusammenarbeit mit Lavis mehr geben, wird das Problem noch größer. Denn
Firmen mit diesem Know-How sind nicht gerade zahlreich gesät, so Kremendahl.
Fraglich ist auch, ob ein neuer Kooperationspartner unter ähnlichen Bedingungen
einsteigt, wie es Lavis getan hat. Von Gewinn durch den Schwebebahnausbau ist
dort nämlich schon lange nichts mehr zu hören. Weitere städtische Baustellen
betreibt Lavis, das auch am Wiederaufbau des Schwimmsport-Leistungszentrums auf
Küllenhahn beteiligt war, in Wuppertal nicht.
Zwischen Kränen macht sich die Wut breit
Auch nach der Holzmann-Pleite wird auf dem Montageplatz der
angeschlagenen Firma Lavis in Varresbeck weiter gearbeitet. Der dichte Nebel,
der gestern über dem Vormontageplatz für den Schwebebahnbau an der Mettmanner
Straße lag, brachte die gedrückte Stimmung unter den Wuppertaler
Lavis-Mitarbeitern nach der Holzmann-Pleite auf den Punkt. Zwischen Hebekränen
und Stahlbrücken machte sich ein Gemisch aus Resignation und Wut breit, während
sich in Aschaffenburg ein Teil der Lavis-Belegschaft zu einer
Betriebsversammlung traf, um über die Zukunft der angeschlagenen
Holzmann-Tochter zu beraten. Trübe Aussichten für die Arbeiter, die gestern
noch auf der Baustelle anzutreffen waren: „Bis vor ein paar Tagen hat doch
keiner geahnt, dass Holzmann den Bach runter gehen würde“, machte ein
36-jähriger Wuppertaler, der für die Firma Lavis arbeitet, seinem Unmut Luft.
Noch immer warte er auf das Geld für rund 400 Überstunden, die er in diesem
Jahr geleistet habe. Ganz zu schweigen von den Kollegen, die mit über 50 Jahren
kaum mehr Aussicht auf einen neuen Job haben. „Diejenigen, die für Lavis
arbeiten, machen weiter“, erklärte ein anderer Arbeiter – zumindest vorerst.
„Was sollen wir auch anderes tun?“ Die Kritik der Belegschaft richtet sich vor
allem gegen die Lavis-Geschäftsführung, die durch eine fehlende
Informationspolitik die Arbeitnehmer im Trüben fischen lasse: „Wir wissen von
nichts“, war der gemeinsame Tenor an der Mettmanner Straße. „Schon schlimm,
dass keiner weiß, wie es weiter geht“, war von zwei Mitarbeitern der
Montagefirma Hilgers zu hören, die neben MCE Voest Alpin am Ausbau der
Schwebebahn beteiligt ist. Aus ihrer Sicht haben sie noch die besten Chancen,
auf anderen Baustellen unterzukommen. „Die Erde dreht sich weiter.“ Ob mit oder
ohne Lavis – der Bau an der Schwebebahn werde fortgesetzt. „Das ist wie bei
einem Auto, das zu Ende gebaut werden muss.“ „Kein Komentar“, hieß es dagegen
bei der Bauleitung und dem Planungsbüro des Lavis-Partners Ago Stahlbau Vohwinkel.
Die Betriebsversammlung in Aschaffenburg brachte nach Angaben von Fritz Kanitz
(IG Metall) gestern immerhin die Gewissheit, dass die Arbeit bei der Firma
Lavis zunächst „planmäßig“ und ohne Beeinträchtigungen weiter gehe, wie die
Geschäftsleitung gegenüber der Belegschaft und dem Lavis-Betriebsrat erklärte.
Lavis lässt die Schwebebahn – Baustelle ruhen
Ganz
unerwartet kam sie nicht, und dennoch schlug die Nachricht ein wie eine Bombe:
Die Philipp-Holzmann-Tochter Stahlbau Lavis hat ihre Umbauarbeiten am Gerüst
der Schwebebahn gestern nicht wieder aufgenommen. Eigentlich sollten
vorbereitende Arbeiten für die Demontage des Bahnhofs Pestalozzistrasse sowie
des Austauschs von Brücken und Stützen im Bereich Wasserstrasse erfolgen. Am
kommenden Wochenende sollte die Schwebebahn dafür wieder Pause machen. Doch nun
liegt der Ausbau erst einmal brach. Wie es weiter geht, ist völlig offen. „Die
Baustelle ruht, weil die Stadtwerke ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht
nachgekommen sind“, sagte Holzmann-Sprecher Volker Siegert. Mit
Liquiditätsproblemen bei Lavis oder damit, dass Lavis ein „Verlustbringer“ sei,
habe der Schritt nichts zu tun. Weiter wollte sich Siegert nicht äußern. Auch
Eugen Dumitru, Projektleiter Schwebebahnausbau bei Lavis, schiebt den Stadtwerken
den Schwarzen Peter zu. Wir haben die Arbeiten am Gerüst eingestellt, weil uns
die Planungssicherheit fehlt und die Stadtwerke darum gebeten, dem abzuhelfen.
Auf dem Bauhof, in den Fertigungshallen und der Planung werde aber weiter
gearbeitet, betonte Dumitru. Dass auch die Kostensituation eine Rolle spielt,
räumte er allerdings auch ein. Nun müsse in Nachverhandlungen zwischen WSW,
Holzmann und Lavis ein Kompromiss gefunden werden. Wie der aussehen könnte,
dazu wollte Dumitru sich nicht äußern. WZ-Informationen, nach denen viele
Fachkräfte entgegen anders lautenden vertraglichen Vereinbarungen im Dezember
ihre Überstunden nicht ausbezahlt bekommen haben, wollte Dumitru nicht
bestätigen: „Davon weiß ich nichts“. Für die Stadtwerke sagte deren Sprecher
Jürgen Eschmann gestern nur so viel: „Wir sehen in dem Verhalten von Lavis
einen klaren Verstoß gegen deren bauvertraglichen Pflichten. Wir bestehen
jedoch auf Erfüllung des abgeschlossenen Vertrages“, Über Details und
Konsequenzen aus der aktuellen Situation wollen die WSW heute informieren. In
Mitleidenschaft wird durch den Ausbau-Stopp auch Thyssen Klönne gezogen, das am
kommenden Wochenende mit den Arbeiten am Bahnhof Pestalozzistraße beginnen
wollte. „Wir haben heute ein Beeinträchtigungsschreiben an die WSW geschickt“,
bestätigte Geschäftsführer Thomas Diepenbrock. Alles andere seien zum
derzeitigen Zeitpunkt Mutmaßungen. „Prognosen, wie es weitergeht, kann man erst
abgeben, wenn man weiß. Was aus Lavis wird“. Offen ließ der Klönne-Chef gestern,
ob Thyssen möglicherweise Aufgaben von Lavis übernehmen werde. „Wir haben erst
einmal genug damit zu tun, die Schwierigkeiten, die aus den Problemen bei Lavis
resultieren, zu managen. Für Oberbürgermeister Kremendahl, zugleich
Aufsichtsratschef der WSW, steht fest, dass man nicht mit zusätzlichen
Riesensummen die Löcher bei Holzmann stopfen wird. Auf der anderen Seite müsse
möglichst schnell sichergestellt werden, dass der Schwebebahn-Ausbau sicher und
einigermaßen im kalkulierten Kostenrahmen weitergehen kann.
Schwebebahn Gerüst –
Ausbau gestoppt
Der Ausbau des Gerüstes der Wuppertaler Schwebebahn ist
gestoppt: Die Aschaffenburger Philipp-Holzmann-Tochter Stahlbau Lavis GmbH hat
die Arbeiten mit sofortiger Wirkung eingestellt. Wie es nun mit der Erneuerung
des stählernen Rückgrats der Bahn weitergeht, steht in den Sternen.
Ursprünglich sollten die Arbeiten rechtzeitig zum 100jährigen Bestehen der Bahn
2001 abgeschlossen sein. Davon ist allerdings schon längs nicht mehr die Rede.
Die Hintergründe des Ausbaustopps scheinen klar: Die Philipp Holzmann AG will
das Unternehmen loswerden. Doch erweist sich dieses Vorhaben als äußerst
schwierig. Die Liquiditätssituation bei Lavis ist angespannt der
Schwebebahn-Auftrag ein Klotz am Bein. Immer wieder gab es Pannen und zeitliche
Verzögerungen, der kalkulierte Kostenrahmen ist schon lange gesprengt. Seit
Monaten schwelt zwischen Lavis und den Wuppertaler Stadtwerken zudem ein
Streit, bei dem es um gegenseitige Schadenersatzforderungen in dreistelliger
Millionenhöhe geht. Lavis geht es offensichtlich darum, die Konditionen des
Ausbaus zu seinen Gunsten zu verbessern. „Natürlich geht es auch um Kosten“,
räumte Eugen Dumitru, Projektleiter bei Lavis, gegenüber unserer Zeitung ein.
„Es hat sich vieles als schwieriger erwiesen, als bei Vertragsabschluss
absehbar war“. Er sehe durchaus Möglichkeiten, in Verhandlungen zwischen Lavis,
Holzmann und den WSW einen Kompromiss zu finden. WSW-Sprecher Jürgen Eschmann
betonte dagegen gestern, dass man auf die Erfüllung der Verträge bestehen
werde. „Aus unserer Sicht verstößt Lavis gegen seine bauvertraglichen
Pflichten“. Von alldem wollte man bei Holzmann nichts wissen. Die Baustelle
ruhe deshalb, weil die WSW nicht ihren vertraglichen Verpflichtungen
nachgekommen seien, hieß es. Seit 1995 wird an der Erneuerung gearbeitet. Von
den Kosten für die Erneuerung des Schwebebahn-Gerüsts, die bei 490 Millionen
Mark liegen, übernimmt das Land 90 Prozent.
Nachdem
die Philipp-Holzmann-Tochter Lavis am Montag ihre Arbeiten für die Sanierung
der Schwebebahn eingestellt hat, sind die Wuppertaler Stadtwerke in die
Offensive gegangen. Die WSW werfen Lavis einen vorsätzlichen Verstoß gegen ihre
bauvertraglichen Pflichten vor. Man werde auf die Erfüllung der Verträge bestehen.
Sollte Lavis dem nicht nachkommen, werde man Schadenersatzforderungen in
zweistelliger Millionenhöhe gegenüber Lavis und Holzmann geltend machen. Lavis
hatte 1996 mit seinem Angebot über 220 Millionen Mark den Zuschlag für den
Auftrag bekommen, zwischenzeitlich hat sich das Volumen auf 250 Millionen
erhöht. Bei Vertragsabschluss erhielt Holzmann eine Vorauszahlung von 103
Millionen Mark. „Lavis hat sich damals als kompotentes und durch die Bindung an
Holzmann solides Unternehmen vorgestellt“, sagte WSW-Chef Rolf Krumsiek. „Dies
hat sich aber nicht bestätigt“. Inzwischen rechne Lavis mit Kosten von
mindestens 380 Millionen Mark für die Fertigstellung und habe erwartet, dass
die WSW sich mit 90 Millionen Mark an den Mehrkosten beteiligten. „Die
Forderungen sind nicht erfüllbar“, betonte Krumsiek. „Wir sind nicht für
Fehlkalkulationen und für die Sanierung von Holzmann-Töchtern verantwortlich“.
Vorwürfe eines Holzmann-Sprechers, die WSW seien ihren vertraglichen
Verpflichtungen nicht nachgekommen, wies er zurück. Eine vertragsrechtliche
Überprüfung der schon seit Monaten im Raum stehenden Streitpunkte habe ergeben,
dass die Forderung von Lavis – es geht um rund 100 Millionen Mark – nicht
gerechtfertigt seien.
Stadtwerke drohen Lavis mit Millionen Klage
Die Wuppertaler Stadtwerke haben gestern nach dem Stopp der
Ausbauarbeiten am Schwebebahngerüst durch die Holzmann-Tochter Stahlbau Lavis
zum Gegenschlag ausgeholt und dabei schweres Geschütz aufgefahren.
Vorstandschef Dr, Rolf Krumsiek kündigte an, auf die Einhaltung der Verträge zu
pochen. Anderfalls werde man Schadenersatz in zweistelliger Millionenhöhe
gegenüber Lavis und Holzmann geltend machen und sich aus zu ihren Gunsten
bestehenden Bürgschaften – eine Vorauszahlungsbürgschaft über 103 und
Vertragserfüllungsbürgschaft über 10,5 Millionen Mark – bedienen. „Das
Verhalten von Lavis ist ein vorsätzlicher Verstoß gegen die bauvertraglichen
Pflichten“, begründete Krumsiek das Vorhaben. Um kurzfristig die Arbeiten von
Thyssen Klönne – Lavis ist für Vorarbeiten verantwortlich – zu ermöglichen,
prüfen die WSW eine Teilkündigung des Bauvertrages, um die Aufgaben im Wege der
Ersatzvornahme an Dritte zu vergeben. „Auch hierdurch entstehen
Schadensansprüche gegenüber Lavis“, so Krumsiek. Der WSW-Chef wies die Vorwürfe
von Lavis- und Holzmann-Mitarbeitern, die Stadtwerke hätten nicht für
ausreichend Planungssicherheit gesorgt, zurück. „Die Erstellung des
Bauleitplanes und die Abstimmung mit allen Beteiligten gehört in den
vertraglichen und zusätzlich mit 19 Millionen Mark bezahlten Aufgabenbereich
von Lavis“, entgegnete Krumsiek. Nach Angaben des Betriebsleiters der
Schwebebahn, Günther Beyen, liegen zudem von allen nötigen Stellen genehmigte
Bauzeitenpläne für die nächsten sechs Monate vor. „Auch die benötigten Bauteile
sind bereits vorhanden – und das schon seit Wochen“. Krumsiek zeigte kein
Verständnis dafür, „dass Lavis jetzt so tut, als sei man bei Vertragsabschluß
wie ein unmündiges Kind über den Tisch gezogen worden“. Auf die Frage, ob das
Tuch zwischen WSW und Lavis zerschnitten sei, sagte der WSW-Chef nur: „Wir sind
daran interessiert, dass zügig weitergebaut wird und dass das Know how erhalten
bleibt“. Wann der Ausbau weitergeht steht in den Sternen. Sollte es zu einer
Vergabe von Aufträgen an dritte kommen, könne das laut Krumsiek nach dem
gegenwärtigen Kenntnisstand freihändig erfolgen. „Über Zeiten und Fristen wage
ich aber keine Prognosen“. Samstag und Sonntag steht sie Schwebebahn dennoch
still. Geplant sind Vermesungs- und
Transportarbeiten.
Auch wenn sich nach der Rücknahme des Insolvenzantrages der
Lavis-Mutter Holzmann AG die größte Aufregung gelegt hat – beim
Schwebebahnausbau knirscht es weiter an vielen Ecken und Enden. Derzeit das
größte Problem: Bezüglich der Zukunft von Lavis muss man nach wie vor mit dem
Schlimmsten rechnen. Das Stahlbauunternehmen, das den Großteil des
Schwebebahnumbaus bewerkstelligen soll, wurde nach Informationen der WZ
zwischenzeitlich nicht mehr beliefert, auch Subunternehmen stellten ihre Arbeit
ein. Die Liquiditätssituation gilt als äußerst angespannt, und Besserung ist
nicht in Sicht. Fraglich ist vor diesem Hintergrund, ob wie geplant Anfang
Januar der Ausbau an der Pestalozzistrasse fortgesetzt werden kann. Der dortige
Bahnhof wird zwar von Thyssen Klönne erneuert. Doch die nötigen Vorarbeiten
sind Sache von Lavis. Führen die ihre Aufgaben nicht wie geplant durch, wird
auch die Arbeit von Thyssen blockiert. Weitere Zeitverzögerungen wären die
Folge. Wie die WZ erfuhr, hat der Vorstand der Wuppertaler Stadtwerke deshalb
sowohl die Holzmann AG als auch Lavis aufgefordert, die Situation offen zu
legen. Gestern jedenfalls traf sich WSW-Chef Dr. Rolf Krumsiek mit
Lavis-Vertretern in Begleitung eines hochrangigen Holzmann-Mitarbeiters. An Alternativen
für den Fall, dass Lavis die Arbeit einstellt beziehungsweise einstellen muss,
wird in der Chefetage der WSW bereits seit Wochen gebastelt. Bei Holzmann
wollte man zu Lavis gestern nichts sagen. Bestätigen wollte
Unternehmenssprecherin Petra Rob nur, dass ein Verkauf des Stahlbauunternehmens
nicht auszuschließen sei. „Die Entscheidung fällt in den nächsten Wochen.“
Einen Käufer zu finden dürfte nach Ansicht von Branchenkennern auf Grund der
Risiken des Auftrags „Schwebebahnausbau“ aber schwierig sein. Größer als bisher
bekannt waren offensichtlich auch die Schwierigkeiten beim Umbau der Strecke im
Bereich Kluse, die während der vierwöchigen Ausbauphase im Oktober über die
Bühne gingen. Nach WZ-Informationen wurde das Umbauziel – die Begradigung der Strecke
– verfehlt: Nach wie vor gibt es dort Knicke im Fahrschienenverlauf an den
Brückenübergängen. Die sind zwar kein Sicherheitsproblem, begrenzen aber die
Höchstgeschwindigkeit auf 40 Stundenkilometer. Grund sollen nicht ausreichend
vorgebogene Schienenträgerenden sein. Kopfzerbrechen bereiten den WSW wohl auch
die Ausschreibungsergebnisse für die noch zu erneuernden Haltestellen
Hammersteim, Wupperfeld und Ohligsmühle. Die vorliegenden Angebote übersteigen
die kalkulierten Kosten um mehr als 15 Millionen Mark.
Die am Montag geführten Gespräche zwischen den Stadtwerken,
Stahlbau Lavis und deren Muttergesellschaft Philipp Holzmann AG waren
erfolgreicher als es die Parteien bislang bekannt machen wollten. Nach Informationen
der WZ haben die Verhandlungspartner im millionenschweren Streit um die
Fortführung des Schwebebahnausbaus eine Einigung erzielt. Kernpunkte: Die WSW
legen dem Vernehmen nach etwa die Hälfte der von Lavis nachträglich geforderten
90 Millionen Mark drauf und verzichten auf einen Teil ihrer Regressansprüche in
Höhe von 100 Millionen Mark. Um sich gegen einen möglichen Konkurs von Holzmann
abzusichern, soll der Nachschlag aber erst ausgezahlt werden, wenn das
Bauprojekt komplett abgeschlossen ist. Abgeholfen werden soll in Zukunft auch
den Problemen bei der Beschaffung der notwendigen Genehmigungen für die
einzelnen Baustellen. Der Kompromiss sieht vor, dass die WSW das
Stahlbauunternehmen dabei verstärkt unterstützen werden. Zuletzt war dafür Lavis
allein verantwortlich und ließ sich das mit 19 Millionen Mark entlohnen. Auch
die Landesregierung, die 90 Prozent des Schwebebahnumbaus finanziert, ist über
den Kompromissvorschlag informiert. In der Chefetage der WSW wartet man nun auf
grünes Licht aus Düsseldorf. Dem Aufsichtsrat der Stadtwerke soll der
Lösungsvorschlag am Freitag vorgestellt werden. „Es wurde eine grundsätzliche
Einigung erzielt“, bestätigte gestern Holzmann-Sprecher Dr. Wolfgang
Griepentrog. Allerdings müssten Details der Vereinbarung noch geklärt werden.
Unter anderem seien auf beiden Seiten noch Gremien zu informieren und
Zustimmungen einzuholen. „Wir gehen aber davon aus, dass die Bauarbeiten schon
in den nächsten Tagen wieder aufgenommen werden.“ Die Umbauarbeiten am
Schwebebahngerüst ruhen seit Anfang Januar. Lavis hatte seine Arbeiten mit der
Begründung eingestellt, die Stadtwerke seien ihren vertraglichen Pflichten
nicht nachgekommen.
Der Vorstand der Wuppertaler Stadtwerke sowie die Vertreter
von Stahlbau Lavis und der Philipp Holzmann AG haben sich über die Fortführung
des Schwebebahnumbaus geeinigt. Das teilten die WSW gestern Nachmittag
offiziell mit und bestätigten damit einen entsprechenden WZ-Bericht vom
Donnerstag. Es sei davon auszugehen, dass Lavis schon in der nächsten Woche die
vorbereitenden Arbeiten wieder aufnehme, sagte WSW-Vorstandschef Dr. Rolf
Krumsiek. Nach Angaben der Stadtwerke haben sich die Parteien darauf geeingt,
dass Lavis in die Abrechnung zusätzliche Leistungen einrechnen kann – darüber
waren die Parteien bisher unterschiedlicher Meinung. Diese Nachträge können
danach bis zum Abschluss der Arbeiten von Lavis insgesamt bis zu 60 Milionen
Mark betragen. „Jeder einzelne Punkt eines Nachtrags wird aber genau geprüft“, betonte
Krumsiek. Dass es dabei erneut zu Streitigkeiten kommen könnte, glaubt der
WSW-Chef nicht. „Wir werden sehr detaillierte Kriterien formulieren.“ Das Land
habe die Bereitschaft zu Bezuschussung der Mehrkosten erklärt. Ursprüngliche
Kalkulationsmängel würden aber nicht ausgeglichen, sie gingen weiter zu Lasten
von Lavis, so Krumsiek. Weiter wurde ausgehandelt, einen neuen Bauzeitenplan
festzulegen und einen verbindlichen Endtermin für die Fertigstellung des
Ausbaus zu vereinbaren. „Er wird sich wohl ins Jahr 2003 verschieben“, räumte
Krumsiek ein. Dabei sollen auch entsprechende Vertragsstrafen – sogenannte
Pönalen – bei Nichteinhaltung der Termine vorgesehen werden. Im Gegenzug haben
sich die WSW bereit erklärt, nach Abschluss der Ausbauarbeiten auf die auf
Basis des alten Terminplans aufgelaufenen Pönalen zu verzichten. Holzmann
seinerseits wird eine Patronatserklärung zu Gunsten von Lavis abgeben und darin
den Abschluss des Projekts garantieren. Bei Holzmann wollte man noch nicht von
einer endgültigen Einigung sondern lediglich von einer „Rahmenvereinbarung“
sprechen. „Der ganze Bereich der Bezahlung ist noch nicht abschließend geklärt.
Und gerade davon hängt ja die Gesamtvereinbarung ab“, sagte Sprecher Dr.
Wolfgang Griepentrog.
Nach etwa zweieinhalb Monate langer Pause sind am
Wochenende zwei Stützen und zwei Brücken des Schwebebahngerüstes nahe der Loher
Brücke ausgetauscht worden. Die Umbaupause war teils wegen des
Weihachtsgeschäftes, teils durch die Komplikationen mit der Holzmann-Tochter
Lavis in die Länge gezogen worden. Die Arbeiten am Wochenende verliefen nach
Stadtwerke-Angaben normal. Bei Tageslicht wird heute Morgen die Strecke
abgenommen, dann starten die ersten Züge wieder ab 11.30 Uhr in Oberbarmen und
gleichzeitig in Vohwinkel. Ausgetauscht wurden die 100. Stütze und die 90.
Brücke. Sie werden auf besondere Art den Umbau überleben: Der Freundeskreis
Matagalpa, der die Partnerschaft zu der Stadt in Nicaragua unterstützt, erhält
die – in Kleinteile zerlegten – Gerüstreste. Auf einer Veranstaltung sollen
diese Überreste dann zu Gunsten der Stadt in Mittelamerika verkauft werden.
Statt wie geplant um 11.30 Uhr konnte die Schwebebahn nach
den Ausbauarbeiten des Wochenendes gestern erst um 15.55 Uhr den Betrieb
aufnehmen. Vorher fuhren Probezüge in beiden Richtungen. Zwischen Wasserstrasse
und Loher Brücke mussten Schienenendstücke noch einmal geschweißt werden. Bei
diesen Arbeiten für die Anpassung der Endstücke hatte es zuvor eine Panne
gegeben.
Hoch
oben von einem Winkel des Schwebebahngerüstes aus beobachtet die Taube die
Männer in ihren orange-farbenen Signalwesten. Lebhaftes Treiben im Bahnhof
Döppersberg ist sie gewohnt, doch heute wird sie Augenzeugin eines einmaligen
Spektakels. Die Vorbereitungen für einen der schwierigsten und aufwendigsten
Eingriffe beim Ausbau der Schwebebahn laufen auf Hochtouren: Aus dem
denkmalgeschützten Bahnhofsgebäude sollen die Brücke und die Stützen der
Schwebebahn entfernt werden. Auf der nächtlichen B 7 verfolgen viele Grüppchen
interessierter Wuppertaler, wie ein Schwertransporter mit dem zuletzt
abgebauten Brückenstück den Döppersberg verlässt. Die schon entfernte Brücke
macht Platz für ihre Schwester aus dem Bahnhof, die durch die schmale Einfahrt
hinaus transportiert werden muss. Doch der Abschied der Bahnhofsbrücke ist
weitaus kniffeliger. Alle anderen Bahnhöfe wurden und werden abgebaut, um die
Stützen und Brücken zu erneuern, und anschließend wieder aufgebaut. Genau dies
funktioniert am Döppersberg jedoch nicht. „Der Bahnhof ist um das Gerüst der
Schwebebahn herumgebaut worden, und das Gebäude muss eben bestehen bleiben“,
stellt Walter Hödl, Oberbauleiter der Firma Lavis, das Problem dar. Die Lösung
konnten die Mitarbeiter der Stahlbaufirma nicht in Büchern finden. Wegen der
Einmaligkeit der Schwebebahn gibt es wie so oft keine Erfahrungswerte. Die Idee
der Männer um den Grazer Stahlfachmann: Im Dach des Bahnhofs wurden zusätzliche
Öffnungen geschaffen, durch die sowohl Kranseile als auch einzelne Teile der
Stützen gezogen werden. Gegen zwei Uhr hören die Taube und die etwa 15 Lavis –
Mitarbeiter Geräusche auf dem Dach des Bahnhofs. Ein Mann in Arbeitsanzug, Helm
und Sicherheitsgeschirr öffnet von außen eine der sechs Luken. Ein Ruck geht
durch die Arbeiter, die gespannt auf dem Bahnsteig warten. Der 450 Tonnen
schwere Riesenkran, der am Wochenende am Döppersberg Stellung bezogen hat,
läuft warm, macht sich bereit zum eisernen Mikado.
23 Tonnen hängen an Nylonfasern
Langsam
senkt der Kran Seile durch die Luke in den Bahnhof. „Schlupps“ nennen die
Fachleute von Lavis die hundertfach zusammengesetzten Nylonfasern, die schon
seit langem das Drahtseil ersetzen. „Das ist doch spannend“, kommentiert Maik
Kuhne, der sich in dieser Nacht wie die Taube fühlen muss. Im Schwebebahn –
Leitstand im Innern des Bahnhofs hat er einen Logenplatz, kann hautnah erleben,
was die Schaulustigen nur vom Wupperufer aus verfolgen können. In der zentralen
Anlaufstelle nimmt er üblicherweise die stündlichen Meldungen aus den
Wagenhallen in Vohwinkel und Oberbarmen entgegen und kontrolliert die
Stromversorgung auf der gesamten Strecke. Jetzt sitzt er im Herzen des Umbaus.
Die Männer von Lavis befestigen die Schlups am Schwebebahngerüst. Der Kran
zieht langsam an. Um 3.20 Uhr beginnt die Brücke zu schweben. Völlig lautlos
gleitet sie aus dem Gerüst. 23 Tonnen schwere Millimeterarbeit für den
Kranführer. Wie in Zeitlupe senkt sich die Brücke, bis sie sich in Höhe des Bahnsteigs
befindet. Vorsichtig befestigen die Männer sie an Rollwagen, die auf dem Boden
stehen. Über sie soll die Brücke später aus dem Bahnhof auf eine der
Stahlstrassen geschoben werden. Diese Hilfskonstruktionen sind schon vor Wochen
in der Wupper aufgebaut worden, damit die Brücke aus dem Bahnhof gezogen werden
kann. Von diesen Ersatzschienen wird sich der Kran die Brücke holen, sie
langsam auf einen Schwertransporter laden, der sie fortbringt. Im Morgengrauen
endet die Schicht der Nachteulen. Der Bahnhof nimmt Abschied von der Brücke,
der er fast 100 Jahre lang ein Dach geboten hat.
Schwebebahnhof Pestalozzistrasse
Noch verwehren Zäune den Zutritt zum neuen Schwebebahnhof
Pestalozzistrasse, und die Bauarbeiter haben hier das Sagen. Der Holzboden aus
Eiche ist mit dicken Pappplatten geschützt, an vielen Ecken wird geschraubt,
gebohrt und geschliffen. Doch die Arbeiten, für die Thyssen Klönne
verantwortlichen sind, sind weiter gediehen, als man vielleicht auf den ersten
Blick meint. „Wenn es sein müsste, könnte es hier Montag los gehen“, sagte
Lothar Bremer, Projektleiter des Schwebebahnausbaus. Doch erst am 7. August
werden die Wuppertaler den Bahnhof, der täglich von 6.000 bis 7.000 Fahrgästen
zum Ein- und Ausstieg genutzt wird, wieder in Besitz nehmen. Dann ist nämlich
die Sommersperrung für den Ausbau beendet. Einen offiziellen Einweihungsakt
wird es übrigens nicht geben. „Bei der Vielzahl der Stationen hätten wir sonst
viel zu feiern“, sagte der neue WSW – Chef Dr. Hermann Janning, der sich
gestern vor Ort selbst ein Bild vom Stand der Arbeiten machte. Die Ähnlichkeit
zum neuen Bahnhof am Robert-Daum-Platz ist unübersehbar: Satteldach mit
intergriertem Glasoberlicht, Bodenbeläge, Verteiler- und Bahnsteigebenen in
Holz, viel Stahl und eine Klarglasfassade, die Angsträume keine Chance gibt.
Die Bahnsteige wurden um etwa 2,5 Meter verbreitert, und auch
behinderungsgerechte Aufzüge wird es hier in Zukunft geben. Das Erstaunliche:
Der von den Kölner Architekten Jaspers und Steffens geplante Bahnhof – immerhin
stolze 300 Tonnen schwer – hängt sozusagen frei schwebend an acht Stahlseilen,
die von den beiden Stützen an den Bahnhofsausfahrten herunterhängen. Insgesamt
sechs Millionen Mark – und damit 1,5 Millionen mehr als bei der ersten
Planungen 1994 angenommen – wird der Bahnhof Pestalozzistrasse kosten;
vermutlich im Oktober sind auch die letzten Schönheitsarbeiten beendet. „Die
normale Kostensteigerung und die Tatsache, dass es nur wenige Anbieter gibt,
die diese Aufgabe übernehmen können, haben den Preis in die Höhe getrieben“,
sagt Bremer. Am 31. März hatte Thyssen Klönne mit der Demontage des Bahnhofs
begonnen. Im gleichen Stil wie die Stationen Robert-Daum-Platz und
Pestalozzistrasse werden 2001 auch die Bahnhöfe Westende und Varresbeck
erneuert. Doch ab 11. August geht es erst einmal an der Loher Brücke weiter.
Dieser Neubau wird allerdings dem Bahnhofstyp Adlerbrücke entsprechen.
Die
Meinung der Passanten zum neuen Schwebebahn-Bauteil an der Kluse reichen von
„gelungen“ bis „schrecklich“ „Überbau“ heißt das Bauteil das das
Schwebebahngerüst an der Kluse über die vierspurige B 7 trägt. Schon am
Einbau-Wochenende wurde deutlich: Die Meinung über die neue Elberfelder Optik
sind geteilt. Die WZ befragte an Ort und Stelle Passanten. Der Überbau wirkt
„ein bisschen zu klotzig“. „Die eckigen Träger der Haltestelle Kluse passen
nicht zu den neuen Röhren“. „Schrecklich, viel zu modern, das wird bestimmt
nicht 100 Jahre halten, so wie das alte“. „Ist doch prima, eine gelungene
Sache“. „Das ist wirklich keine architektonische Meisterleistung, der Architekt
sollte sich sein Lehrgeld wiedergeben lassen. Aber ob die Wuppertaler sich nun
aufregen oder nicht – abgerissen wird es eh nicht mehr“. „Es ist modern und
gut, doch ein bisschen Farbe könnte nicht schaden; am Besten in Grün, so wie
der Rest“.„Da hätte man sich was Besseres ausdenken können, es hätte filigraner
sein können. So passt es nicht zu den Schienen“. „Das muss funktionieren, da
geht doch die Funktion vor der Form. Die Schwebebahn ist doch kein museales
Verkehrskonzept“. „Der Überbau passt gut zur Umgebung“. „Als Einzelteile finde
ich es ganz gut, aber man hätte es im Stil der Station Kluse angleichen müssen.
Die ist doch viel eleganter. Es ist der Colani-Überbau. Die Sachen die Colani
entworfen hat, sind auch immer so rund. Wie Recht hatten schon die Arbeiter mit
der Fertigstellung, der neue Schwebebahnüberbau an der Kluse sei wohl zu
wuchtig geraten. Eine Plastikröhrenkonstruktion für Öl oder Fernwärme, ein
aufgeblasener Koloss bar jeder materialgerechten Ausformung schlägt voll ins
Gesicht des neuen Bahnhofs. Ohne jedes formale Emfinden wird hier nur auf
angeblich notwendige Statik gesetzt. Warum hat nicht der Architekt der Kluse
auch diesen Überbau gestalten dürfen? Hat überhaupt ein Architekt seine Hand im
Spiel? Nach welchen Kriterien wird in Wuppertal eigentlich Stadtplanung und
Stadterneuerung betrieben? Das ewig gleiche Argument die alte Situation war
auch nicht besser entlarvt die Befürworter solcher Machwerke als geistige
Bodendecker. Exzellente Brückenbauer setzen das technisch Beste als
selbstverständlich voraus. Das Formale aber nimmt einen noch höheren
Stellenwert ein, hat die Gestaltung eines Bauwerkes doch wesentlichen Einfluss
auf Mensch und Umgebung. Es mutet seltsam an, das neue Gerät erheblich stärker
als das alte zu machen, ohne die Waggons der Zukunft zu kennen. Moderne
Waggons, selbst wenn sie größer und schneller sein sollten, werden aufgrund
neuer Materialien und konstruktiver Kenntnisse erheblich leichter sein als die
alten. Warum dann dieser Mehrverbrauch an Stahl? Haben die Stahlbaufirmen einen
unnötig guten Schnitt gemacht? Nach dem Statik-Monster an der Kluse ist das
aufgeblasene „Thyssen-Zeichen“ als „Tor zum Westen“ im Eingangsbereich nach
Sonnborn neu zu überdenken! Dieses ungestaltete „Firmen-Logo“ ist eine weitere
städtebauliche Zumutung zwischen Denkmal Stadion und evangelischer Kirche.
Wuppertaler, werdet endlich wach! Nach ECE-Bunker, B 7 – Pipeline und dem
Koloss von Sonnborn folgen weitere Faustschläge ins Gesicht unserer Stadt.
Millionenschlacht geht weiter
Am 13. August 2001 um 14 Uhr geht die Schwebebahn nach
ihrer sommerlichen Ausbaupause wieder in Betrieb 63 Prozent der Strecke sind dann
fertig. Doch das weitere Pensum bleibt enorm. Sorge bereiten dem Betriebsleiter
der Schwebebahn Günther Beyen, vor allem noch die vier denkmalgeschützten
Bahnhöfe. Die Ausschreibung für deren Sanierung wird derzeit vorbereitet. Die
Firma Thyssen-Klönne, die auf der Strecke mit der Begradigung der
Kurvenabschnitte beschäftigt ist, will bis zum Herbst fertig sein. Vom 1. bis
28. Oktober wird es eine erneute Ausbaupause geben, während der die Kurve
zwischen den Stationen Alter Markt und Werther Brücke ausgetauscht wird. Auch
die Firma Lavis will ihre Arbeiten beschleunigen und bis Ende 2002, also ein
halbes Jahr früher, fertig werden, berichtet Beyen. Gelingen soll dies durch
den Aufbau einer dritten Wasserbaustelle im Bereich des Bayer-Werkes. Jetzt wird
geprüft, ob das logistisch klappt. Das sieht eigentlich ganz gut aus, in zwei
Wochen haben wir Gewissheit, so Beyen. Von der Strecke müssen dann nur noch der
Überbau Ohligsmühle und Stütze 100 an der Sonnborner Strasse vergeben werden.
Gelingt die Beschleunigung, kann nicht nur Lavis den Betrieb noch früher
stilllegen und damit Geld sparen, auch der Bahnhof Bruch soll in diesem Fall
statt im Sommer 2003 im Herbst 2002 angegangen werden. Die Bahnhöfe Hammerstein
und Varresbeck sollen bis auf kleinere Restarbeiten bis Ende August fertig
gestellt sein. Im nächsten Jahr stünden dann weitere drei beziehungsweise
vielleicht mit Bruch vier Bahnhöfe auf dem Ausbaukalender. Im Februar 2002
sollen Wupperfeld, im Sommer die Sonnborner Strasse und im Herbst Zoo-Stadion
und eventuell Bruch erneuert werden. Die Treppenhausarbeiten wird wie
gewöhnlich bereits Monate im voraus beginnen. Den Zuschlag für Wupperfeld und
Zoo-Stadion hat nach der Aufhebung der Ausschreibung eine Arbeitsgemeinschaft
zweier Dortmunder Firmen bekommen. Die Stahlbauer Igler sowie Niemann &
Hoffmann bauen beide Stationen für 23 Millionen Mark. Beyen wertet das als
Erfolg. Lag doch das günstigste Angebot der Ausschreibung für den Bahnhof
Wupperfeld allein bei 18 Millionen. Damit stehen dann noch die Endhaltestelle
Vohwinkel mit veranschlagten 23 Millionen Mark – hier ist die angeschlossene
Werkstatt bereits im Bau – und die denkmalgeschützten Bahnhöfe Landgericht,
Völklinger Strasse, Werther Brücke und Oberbarmen für eine Ausschreibung aus.
Da überhaupt nicht klar ist, welche Bauteile wiederverwendet werden könnten und
welche Überraschungen bei der Demontage auf die Stahlbauer warteten, sind
Ausbaudauer und Preise schwer zu kalkulieren. Daran arbeiten wir noch, aber das
bereitet schon Bauchschmerzen, meint Beyen. Die Sanierung der Bahnhöfe, Beginn
2003, soll teilweise parallel stattfinden, Hilfsbahnsteige sind als Ersatz
geplant. Geschätzte Dauer der Bauarbeiten ein Jahr pro Bahnhof. Die
Millionenschlacht geht also weiter. Aufträge in Höhe von 500 Millionen Mark
sind bislang vergeben, davon 350 Millionen Mark verbaut. Aufträge für 250
Millionen Mark müssen noch vergeben werden, schätzt Günther Beyen. Und wann ist
der Spuk zuende? Ende 2004 – hoffentlich.
Mitten in der Schwebebahnbaustelle
Werther Brücke am Ufer der Wupper duftet es nach frisch Gegrilltem. Die
Bauarbeiter der Firma Thyssen-Klönne langen kräftig zu, denn sie haben an
diesem sonnigen Mittwochnachmittag allen Grund zum Feiern. Eben erst haben sie das
80. Brückenbauteil eingesetzt, einen Richtkranz aufgezogen und damit ihren
Auftrag beim Schwebebahn-Ausbau endgültig erfüllt. Jetzt geht es daran, die
Baustelle abzubauen, was fast ebenso aufwändig ist, wie die Bauarbeiten am
Schwebebahngerüst selbst. Wochen bis Monate dauert an schwierigen Stellen
allein die Einrichtung der Baustelle. Durchschnittlich 37 Tonnen wiegt eines
der Stahlgerüste, von denen es auf der gesamten Schwebebahnstrecke mehr als 460
gibt. Angehoben werden die Stahlgiganten von riesigen Lastkränen, die selbst
wieder von Kränen auf die Wasserbaustellen gehoben werden müssen. An der
Werther Brücke wurden rund 1.000 Tonnen Stahl verbaut – ein Routinejob für
erfahrene Stahlbauer wie Frank Hoffmann aus Görlitz. Allerdings sind für ihn
und seine Kollegen die Arbeiten in Wuppertal schon etwas Besonderes, denn, so
Hoffmann: „Wir haben schon viel erlebt, aber auf einer Wasserbaustelle haben
wir bisher noch nicht gearbeitet“. Diese Herausforderung haben sie zur
Zufriedenheit ihrer Auftraggeber, der Wuppertaler Stadtwerke, gemeistert. Ende
des Monats, zum Abschluss der Herbstsperre, werden 73 Prozent der Strecke,
erneuert sein, bilanziert Projektleiter Lothar Bremer. 550 Millionen Mark haben
die Stadtwerke bereits verbaut, um das einzigartige Verkehrsmittel moderner,
sicherer, schneller und leiser zu machen. Die neue Schwebebahn gleitet auf
Flüsterschienen dahin. Die Anwohner sollen davon profitieren und entschädigt
werden für den Rundum-die-Uhr-Lärm während der Umbauarbeiten. Bis 2004 / 2005
werden die Arbeiter aber noch ordentlich an Gerüst und Bahnhöfen zu tun haben.
Zurzeit wird in den Abschnitten Kornmühle und Bayer-Werk gearbeitet. An der
Haltestelle Hammerstein finden die letzten Aufräumarbeiten statt, und am
Landgericht wird die Baustelle am kommenden Wochenende eingerichtet. Die
Streckenbegradigungen sind laut Bremer nach den Herbstferien weitgehend
abgeschlossen. Die Schwebebahn wird dann also bereits schneller unterwegs sein.
Doch die Fahrgäste werden dies kaum
spüren. Das ist eher etwas für die Stoppuhr, denn an den vorhandenen Baustellen
müssen die Bahnen nach wie vor langsam fahren, so der Projektleiter. Im
kommenden Jahr stehen erneut drei Wasserbaustellen auf dem Programm. Gebaut
wird an den Haltestellen Wupperfeld und Bruch. Es folgen Überbau und
Haltestelle Ohligsmühle. Im nächsten Sommer wird die Wendeanlage am Zoo durch
eine Brücke ersetzt, im Herbst ist der Bahnhof Zoo / Stadion an der Reihe.
SO-AK-500 das Fahrzeug, dass sich hinter diesem Kennzeichen
verbirgt, passt garantieret in keine Tiefgarage. An der Brandstömstrasse ist
derzeit ein Mobilgitterrohrkran im Einsatz, um den Schwebebahn-Abschnitt
Wupperfeld mit mehreren neuen Gerüstelementen zu versehen. Eine Aktion die Fans
der Schwebebahn in Scharen anzieht. Bis 17. April 2002 sollen die
Ausbauarbeiten vor Ort abgeschlossen und neben den Brücken 444, 445 und 446
auch die Stützen mit der Nummer 444 und 445 erneuert sein. Wird der Zeitplan
eingehalten, fährt die Schwebebahn ab 11.30 Uhr wieder. Bis dahin wird Tag und
Nacht gearbeitet. Pro Schicht sind 45 Mitarbeiter im Einsatz, erklärt der
zuständige Bauleiter Darius Malysz. Auf dem Ausbauprogramm der Firma Lavis
steht eine vierbeinige Ankerstütze mit allein 133 Tonnen Gewicht, die Pendelstütze
vor der Wupperbrücke bringt es noch einmal auf 104 Tonnen. Insgesamt drei große
Brückenelemente galt es bis gestern Nacht vom Vormontageplatz zur Baustelle zu
bringen – per Schwertransport. Vom Fundament bis zur Spitze wird das Bauwerk 19
Meter hoch sein. Sagenhaft, was hier geleistet wird, staunte auch der
Wuppertaler Wolfgang Mondorf, der den Ausbau seit Monaten verfolgt und mehr als
1.000 Fotos von den Baustellen gemacht hat. Die Zahlen sprechen für sich. Der
Mobilgitterrohrkran kann bis zu 80 Meter Höhe ausgefahren werden, für seinen
Transport sind 16 LKW-Ladungen nötig.
In Sarralbe entsteht eine Schwebebahnbrücke Ein seltsames
Gefühl: Fast 400 Kilometer von Wuppertal weg, in einem kleinen französischen
Städtchen – und doch steht man vor einem Stückchen Heimat. Am Boden
vormontiert, noch unlackiert, ragt der Rundbogen des zukünftigen B 7
–Ohligsmühle – Überbaus in den wolkenlosen Himmel. Ab August soll das Ganze in
Wuppertal zum Einsatz kommen. Hier in Frankreich wird jetzt der
Probezusammenbau der 92 Meter langen Konstruktion durchgeführt. Noch sind es
rund 3.800 Schrauben, die den Überbau zusammenhalten. An seinem Bestimmungsort
werden die Schrauben dann durch konische Bolzen ersetzt. Um den
Korrosionsschutz auch nach vielen Jahren noch kontrollieren und gegebenenfalls
ausbessern zu können, wird die Brücke von innen begehbar sein. Und so erinnert
ein Blick in das Innere des Bauwerkes an die engen Verhältnisse in einem
U-Boot. Steil führen die eisernen Stufen der Konstruktion nach oben, ins
Dunkle. Bevor der Brückenüberbau die Reise ins ferne Wuppertal antritt, wird
die gesamte Anfertigung wieder zerlegt und auf mehrere Tieflader verfrachtet.
Einzelne Teile werden bis zu 20 Meter lang und vier Meter breit sein, wenn sie
auf den Schwertransportern verladen sind. Routine für die Männer der
Transportfirma, wie die vergangenen Wochen ergeben haben. Auch wenn noch
überall gehämmert, geschliffen und geschweißt wird – der Zeitplan steht. Für
die 250 Mitarbeiter von Secometal ist der Schwebebahnüberbau ein eher kleiner
Fisch, wie Werksleiter Ernst mit einem Augenzwinkern erklärt. „Wir haben unter
anderem am einzigen Sieben-Sterne-Hotel der Welt, dem ‚Burj Al Arab’l in Dubai
mitgewirkt, auch die mächtige Halle des Cargolifters, die derzeit in
Berlin-Brandenburg entsteht, wurde hier angefertigt“. Secometal gehört zur DSD;
dem größten Stahlbauunternehmen Deutschlands, ansässig in Saarlouis. Im Werk
Sarralbe in Frankreich ist man auf Brückenbau spezialisiert. Um den neuen
Überbau an seinen Bestimmungsort zu heben, wird im Vorfeld am 24. Juli ein 800
Tonnen-Raupenkran in Wuppertal montiert. Allein der Aufbau des Krans wird drei
Tage in Anspruch nehmen. Die engen Platzverhältnisse vor Ort erfordern, dass
das schwere Gerät exakt zwischen dem noch vorhandenen Überbau und der schmalen
Fußgängerbrücke zum Johannisberg positioniert wird. Am folgenden Sonntag, 28.
Juli, gegen 1 Uhr nachts, wird dann mit dem Abbau des alten Überbaus begonnen.
Im Zuge dieser Maßnahme wird dann die B 7 für gut zwölf Stunden komplett
gesperrt werden. Ab dem 4. August wird dann der neue Überbau montiert. Dazu
muss der schwere Kran die am Boden vormontierte Konstruktion 25 Meter bewegen,
bevor sie exakt in das vorhandene Gerüst der Schwebebahn eingepasst wird
–sicherlich wieder mit zahlreichen nächtlichen Zaungästen. Nach dem Zeitplan
der Stahlbauer soll die Konstruktion 14 Tage später auf eigenen Füßen stehen.
Mit dem Ende der Sommerferien soll der neue Überbau an der Ohligsmühle
schließlich komplett zum Einsatz kommen, und das gut sechs Millionen Euro teure
Bauwerk wird sich bewähren müssen, wenn die Bahn nach der Sommerpause den
Betrieb wieder aufnimmt.
Tausende Wuppertaler erlebten in der Nacht zu gestern das
Schwebebahn-Highlight des Jahres – die Demontage des Überbaus an der
Ohligsmühle. Samstag Abend 22 Uhr: Die letzten Absperrgitter an der
Kasinostrasse werden aufgestellt. Hunderte Schaulustige harren zum Teil schon
seit Stunden aus, um ja kein Detail zu verpassen. An Abendessen denkt Thomas
Spangemacher nicht. Er hat als technischer Leiter der Firma Bracht den
gigantischen Kran mit der Typenbezeichnung CC 2800 auf der Talachse in Stellung
gebracht hat. Wegen der Fußgängerbrücke mussten seine Männer das Ungetüm in
luftiger Höhe montieren: „So etwas hab’ ich vor drei Jahren das letzte Mal
gemacht – ziemlich spannend“. Was jetzt folgt, die Demontage des 120 Tonnen
schweren Schwebebahn-Überbaus, nennt er Routine. Die hat und hatte der Mann zum
Beispiel beim Auftritt bei „Wetten dass“, als er und sein Team mit einem
ähnlichen Kran ein Ei sicher im Eierbecher plazierte. Auch der belgische
Kranführer Gustav van Buggenhout sitzt entspannt im High-Tech-Führerhaus des
780-Tonnen-Giganten,von dem es weltweit gerade einmal zwei Dutzend gibt. Seit
1984 steuert er Kräne dieser Größenordnung, das schafft Erfahrung. Auf die wird
er in dieser Nacht noch zurückgreifen müssen, denn die Verlagerung des
Stahl-Überbaus funktioniert nicht so reibungslos wie geplant. Gegen 23 Uhr
montieren Arbeiter die Stahlseile am Überbau, das Ungetüm hängt am Haken.
Geplant ist, das Teil anzuheben, über Kasinostrasse, Wupper und Fußgängerbrücke
zu hieven und auf die B 7 zu setzen. Doch noch müssen Arbeiter und Zuschauer
warten, Wegen des Busverkehrs wird die Strasse erst gegen ein Uhr komplett
dicht gemacht. Punkt ein Uhr hat das Warten ein Ende. Ein Signal ertönt, der
Motor des Riesen-Kranes heult auf. Sekunden später hängt der
Schwebebahn-Überbau in der Luft. Mehr als 3.000 Zuschauer applaudieren. Im
Zeitlupentempo bewegt sich das Ungetüm über den Köpfen der Menge. Dann ruft
jemand: „Das gibt’s doch gar nicht“. Der Kran stoppt, Spangemacher und
Kranführer van Bugenhout werden nervös und blicken auf die 520 Tonnen
Gegengewicht, die auf der Rückseite des Krans montiert wurden. Statt der
erwarteten 120 Tonnen wiegt der Überbau nur 95 Tonnen. Das bringt die ganze
Rechnung durcheinander und führt dazu, dass der Gegenausleger des Krans nicht
an der südlichen Mauer der B 7 vorbeipasst. Fast 20 Minuten schwebt das gigantische
Alteisen in 30 Meter Höhe zwischen Kasinostrasse und Wupper. Spangemacher muss
improvisieren. Der hintere Ausleger wird leicht angehoben. Millimeter trennen
die Stahlplatten des Gegenauslegers vom Mauerwerk der Hangbefestigung. Wie ein
Feldherr steht der Chef auf dem Kettenfahrzeug des Kranes, der sich kaum
spürbar bewegt. Dann ist die kritische Stelle genommen. Um elf Meter verlagert
der Kran seine Position, bis er den alten Überbau neben dem neuen auf der B 7
absetzen kann. Erleichterung bei allen Beteiligten – um drei Uhr ist es
geschafft. Nun werden die Schweißgeräte herangefahren. Die restliche Nacht
sprühen die Funken bis vom alten Überbau, der 1955 errichtet wurde, nur noch
handlicher Schrott übrig ist. Pünktlich um 13 Uhr am Sonntag fließt der Verkehr
wieder – bis zum nächsten Wochenende. Dann wird der neue Überbau aufgesetzt.
Der wiegt tatsächlich 140 Tonnen, ein Routinejob für Spangemann und sein Team.
Hunderte beim „Heavy Metal“ an der
Ohligsmühle
Polizei, eine abgeriegelte Hauptverkehrsstrasse und
hunderte von Menschen hinter eisernen Absperrungen – ihre Videokameras,
Fotoapparate und Ferngläser im Anschlag. Das Bild, das sich sonst nur bei
Staatsbesuchen und Rockkonzerten bietet, beherrschte in der Nacht von Samstag
auf Sonntag die Szenerie an der Bundesallee. Der Star, dem die gesammlte
Aufmerksamkeit vieler Wuppertaler galt, bringt 190 Tonnen auf die Waage und hat
die Form eines riesigen Kleiderbügels. Den neuen Schwebebahn-Überbau
Ohligsmühle galt es zu positionieren, nachdem der Vorgänger am vergangenen
Wochenende ähnlich spektakulär demontiert worden ist. In Frankreich gefertigt,
ist das neue Überbrückungsbauwerk an der B 7 insgesamt 92 Meter lang, und noch
einmal schlug die große Stunde des Kranführers Gustaaf van Buggenhout aus den
Niederlanden. An Bord seines 780-Tonnen-Kranes hob der 46jährige das
Stahlbauwerk an, um es dann auf einer Strecke von 13,3 Metern vom
Vormontageplatz aus zum Gerüst der Schwebebahn zu bewegen. Pünktlich um 1 Uhr
früh nahm die „Heavy Metal“ – Vorstellung an der Bundesallee ihren Lauf, und
unter die beinharten Fans der Schwebebahn mischte sich Familien ebenso wie
Discogänger, die sich auf dem Heimweg das Spektakel dann doch nicht entgehen
lassen wollten. Der Versuch mancher Amateurfotografen, den neuen Überbau mit
Pocketkameras einzufangen, mussten dabei ebenso scheitern wie die Suche nach
Wasser in der Wüste. Angespannt waren dabei nicht nur die Stahlseile: Der
schwebende Überbau hoch über den Köpfen musste zentimetergenau in Position
gebracht werden. Im Publikum herrschte Totenstille, als sich der Kran wenige
Minuten nach Anheben des Stahlriesen in Bewegung setzte. Auf einem gewaltigen
Holzsteg gelagert, rollte das Ungetüm sam „Kleiderbügel“ Richtung
Robert-Daum-Platz. Jeder Meter vorwärts tönte unter den Raupenketten wie ein
Hammerschlag durch die Sommernacht. Ähnlich knifflige Herausforderungen wie am
vergangenen Wochenende blieben der Montagemannschaft allerdings erspart. Das
Transportmanöver an der B 7 nahm noch nicht einmal eine Stunde in Anspruch. Als
der Überbau gegen 1:50 Uhr auf den Montagebrücken fixiert wurde, gab es von
allen Seiten Beifall, und in luftiger Höhe stieß einer der Monteure in die
Posaune, um dem Feierlichen Moment den letzten Schliff zu geben. „Perfekt!
Alles bestens“! Kranführer Buggenhout durfte sich einmal mehr wie ein „Heavy
Metal-Star“ fühlen. Als er – leicht schwitzend – aus der Kanzel stieg, ging ein
Blitzlichtgewitter auf ihn nieder.
Schwebebahn
– Unfälle
Schwebahnunfall 1917
1.Mai
1917: Erster schwerer Betriebsunfall der Schwebebahn! Ein von Rittershausen
(Oberbarmen) kommender, aus zwei Wagen bestehender Zug blieb vor dem Bahnhof
Wupperfeld stromlos hängen. Obwohl das Ausfahrtssignal in Rittershausen „rot“
zeigte, fuhr der Fahrer des nächsten Zuges ab: Auf telefonische Nachfrage hatte
er die Meldung bekommen, die Strecke sei frei. Mit voller Wucht prallte der
Wagen auf die stilliegende Schwebebahn auf und hob den Anhänger aus dem Gleis.
Mit vier Passagieren und einer Schaffnerin senkte der sich dann langsam zehn
Meter tief in die Wupper hinab. Dennoch verlief der Unfall glimpflich. Nur
einer der Mitfahrer trug eine kleine Schramme davon. Tausende von Schaulustigen
strömten schon bald zusammen; für zwei Tage mußte die Schwebebahn stillstehen,
konnte doch der Wagen wegen des stark verbogenen Räderwerks nur langsam
abtransportiert werden.
Die Wuppertaler Schwebebahn, die jeden
Tag auf der 13,3 km langen Strecke rund 50.000 Personen befördert, gilt nicht
umsonst als das sicherste Verkehrsmittel der Welt. Denn es ist und bleibt wohl
einmalig, dass bei einer Bahn, die seit fast hundert Jahren unentwegt ihre
Runden dreht, nicht ein einziger der insgesamt 1,5 Milliarden Fahrgäste ums
Leben gekommen ist. Auf der völlig kreuzungsfrei gebauten Strecke sind Unfälle
eine Seltenheit. Erwähnenswert wäre allenfalls, das im Jahre 1917 zum ersten
und bislang einzigen Mal bei einem Auffahrunfall ein Waggon in die Wupper
gestürzt ist. Ferner ist 1968 – von der Kriegszerstörung abgesehen – ebenfalls
zum ersten Mal das Gerüst zusammengebrochen, als ein LKW auf der Sonnborner
Strasse gegen einen Pfeiler gefahren war. Ohne Fremdeinwirkung ist die
Schwebebahn lediglich zweimal entgleist, Zusammenstösse mit Kränen und hohen
Baustellenfahrzeugen hat es dagegen schon mehrmals gegeben. Das letzte Unglück,
bei dem auch Verletzte zu Verzeichnen waren, ist im Jahre 1996 geschehen, als
im Oberbarmer Bahnhof ein Zug unkontroliiert auf einen anderen aufgefahren ist.
Ein
sensationeller Zwischenfall spielte sich heute vormittag in der Wuppertaler
Schwebebahn ab. Ein Elefant des zur Zeit in Wuppertal gastierenden
Zirkusunternehmens Franz Althoff, der eine Reklamefahrt mit der Schwebebahn
unternehmen sollte, wurde bereits hinter der Einsteigestation Rathausbrücke
unruhig. Er raste durch den mit Vertretern der Presse und interessierten Gästen
vollbesetzten Wagen, zertrümmerte eine Seitenwand, und sprang in die Wupper. In
dem Wagen, in dem eine Panik ausgebrochen war, gab es mehrere Verletzte. Der
Elefant, der in dem seichten Wasser wieder eingefangen werden konnte, war dem
Anschein nach beim Sprung nur geringfügig verletzt worde. Zirkus Althoff hatte
ähnliche Fahrten mit der Straßenbahn bereits bei Gastspielen in anderen Städten
ohne Zwischenfälle ausgeführt. Ein Mitarbeiter der die Fahrt mitmachte
berichtet darüber: 10.30 Uhr an der Rathausbrücke. Ein Riesenauflauf, als
„Tuffi“ – so hieß der unglückselige Schwebebahnfahrgast – mit den übrigen
Elefanten des Zirkus, einem Lautsprecherwagen, Zirkusleuten, Presse und
Photographen ankommt. Zunächst geht alles programmäßig. „Tuffi“ löst wie jeder
andere Fahrgast seine Karte – zweiter Klasse sogar. Dann bahnt er sich einen
Weg durch die Zuschauermenge, die lächelnd Platz macht. Mit einem Dutzend
Reportern, Photographen, Schwebebahnern und Zirkusleuten steigt er in das
reservierte Abteil im zweiten Wagen. Kaum ist die Schwebebahn angefahren, da
wird Tuffi bereits unruhig. Er reißt an seiner Leine, fängt gellend an zu
trompeten, bäumt sich auf bis an die Decke und rast durch das Abteil. Unter den
Mitfahrenden bricht eine Panik aus. Mehrere werden verletzt, zum Glück nur
unerheblich. Jeder sucht bis auf ein paar geistesgegenwärtige Photographen, die
auf den Sitzbänken stehend Aufnahmen machten, in das Abteil 3. Klasse zu
entkommen. Tuffis Wut steigert sich. Das Schaukeln macht ihn noch unruhiger und
wilder. Mit dem Rüssel zertrümmert er mehrere Scheiben und zertritt einige
Sitzbänke. Dann kracht und splittert es noch stärker. Tuffi hat einen Fensterrahmen
herausgedrückt und jetzt – so schnell kann man kaum mit den Augen folgen –
setzt er mit einem Sprung aus der fahrenden Schwebebahn in die Wupper - rund 200 Meter vor der Adlerbrücke.
Der Zug fährt – anscheinend hat der Fahrer die Katastrophe im zweiten Wagen gar
nicht bemerkt – in die Station Adlerbrücke ein. Alles verläßt alarmartig das
übel zugerichtete Abteil. Die Gewandtesten klettern an einem Fernheizungsrohr
in die Wupper hinunter und rennen dann den Uferstreifen aufwärts. Unter wildem Trompeten
galoppiert Tuffi, allem Anschein
nach unverletzt durch das Wupperbett in Richtung Rathausbrücke. In der
Nähe des Stadttheaters wird er von den Zirkusleuten gestellt. Direktor Althoff,
im eleganten Sommeranzug, springt ins Wasser und geht auf den Elefanten zu. Ein
Zuruf – Tuffi hat sich anscheinend beruhigt und kommt wie ein gehorsamer Hund
auf seinen Herrn zu. Willig folgt er ihm wupperaufwärts bis zu den Anlagen
gegenüber der Geschäftsstelle des „General – Anzeigers“. Auf der geneigten
Böschung kann er wieder das Flußbett verlassen. Tuffis Schwebebahnabenteuer,
aus dem er wie alle Beteiligten noch mit einem blauen Auge davongekommen ist,
ist zu Ende.
Wer
trägt die Schuld?
Dieser
Vorfall steht ohne Frage in der 50jährigen Geschichte der Schwebebahn einzig da
und wird nicht nur in Deutschland Aufsehen erregen. Und das mit Recht. Nicht
nur der sensationellen Umstände wegen, sondern jeder Nachdenkliche wird sich
fragen, wie es zu diesem Vorfall überhaupt kommen konnte. Die Direktion des
Zirkus Althoff hat glaubwürdig versichert, daß sie bereits mehrfach ähnliche
Reklamefahrten mit dem Elefanten gemacht hat. (Es handelt sich um einen
Elefanten kleinerer Gattung von etwa 11/2 m Höhe und etwa 4 Zentner Gewicht).
Allerdings wurden diese Fahrten mit Straßenbahnwagen gemacht. Und hier liegt
der entscheidende Fehler: Die Schwebebahn ist keine Straßenbahn! Das auswärtige
Zirkusunternehmen konnte das nicht wissen. Wohl aber mußten sich die Stellen
der Wuppertaler Bahnen, die die Erlaubnis zu dieser ungewöhnlichen
Elefantenfahrt erteilten, vorher einige Fragen vorlegen. Als
Verkehrssachverständige mußten sie sich sagen, daß das ungewohnte Fahrgeräusch
und das Schwanken des Wagens das Tier in Unruhe und Angst versetzen würde. Aus
dieser Fragestellung heraus hätte man die Fahrt höchstens in einen Sonderwagen
zulassen dürfen, nicht in einem Zwei-Wagen-Zug, der bei dieser Gelegenheit
besonders dicht besetzt war. Was wäre geschehen, wenn das woldgewordene Tier
den in diesem Fall besonders glücklich zu nennenden Ausweg durch die Seitenwand
nicht gefunden hätte, sondern in das dichtbesetzte Nebenabteil 3.Klasse
durchgestoßen wäre! Die Folgen wären unabsehbar gewesen. Die Öffentlichkeit
kann verlangen, daß man diese Dinge eingehend klärt. Es muß unter allen
Umständen dafür gesorgt werden, daß eine Wiederholung derartiger Vorkommnisse
unmöglich ist.
Schwebebahnunglück 8 Jahre Prozeß
Der
Prozeß um das Schwebebahnunglück in Sonnborn ist jetzt nach achtjähriger Dauer
zu Ende gegangen. Vo dem Oberlandesgericht Düsseldorf wurde ein Vergleich
geschlossen, der den Stadtwerken die Zahlung von einer halben Millionen DM für
den bei dem Unglück am 11. September 1968 angerichteten Schaden zubilligt.
Diese Summe muß der Versicherer des Lastwagens beziehungsweise die
Speditionsfirma selbst an die WSW zahlen. Im bisherigen Rechtsstreit hatten die
Stadtwerke die Zahlung von 1,3 Millionen DM gefordert. Der Vergleichsvorschlag
des Gerichts sah zwar eine Schuld des Lastwagenfahrers, erkannte aber auch auf
ein „mitwirkendes Verschulden“ der Stadtwerke, und zwar durch ungenügende
Sicherung der Schwebebahnpfeiler. Der Lastwagen war damals auf der Sonnborner
Strasse gegen einen Pfeiler der Schwebebahn gefahren und hatte zwei Felgen des
Gerüstes zum Einsturz gebracht.
Schwebebahn Unfall Alter Markt
„Es
war furchtbar. Kinder schrieen, die Menschen standen unter Schock, waren völlig
fassungslos“, berichtet Katrin Simon eine Dreiviertelstunde nach dem Unfall.
Die Frau, die in der WZ-Geschäftsstelle am Alten Markt arbeitet, war an der
Pestalozzistrasse in die Schwebebahn gestiegen, um zur Arbeit zu fahren. „Der
Wagen war voller Kinder, die von der Schule nach Hause wollten“, erinnert sie
sich. Den Waggon, der im Bahnhof Alter Markt in der Schiene hing, hat sie nicht
gesehen: „Auf einmal gab es einen lauten Knall, und ich wurde mit Wucht gegen
den Vordersitz geworfen, konnte mich aber noch abstützen“. Eine Frau, die
gestanden hatte, schleuderte der Aufprall bis zum Fahrer. „Sie hat sich dabei
offenbar am Kopf verletzt und schrie fürchterlich. Auch die Kinder weinten. Die
Menschen waren entsetzt“, erzählt Katrin Simon. Nach dem Zusammenstoß stand der
vordere Teil ihres Wagens im Bahnhof, der hintere hing unter freiem Himmel.
„Irgendwann gingen dann die Türen auf, und wir stiegen vorne aus. Der Fahrer
rief immer wieder, Bitte nicht hinten aussteigen. Gehen Sie zur vorderen Tür“.
Die Menschen waren so geschockt, dass ich mir vorstellen kann, dass sonst
wirklich jemand hinten ausgestiegen wäre“. Neben den eingedrückten Waggons
kümmerte sich Katrin Simon auf dem Bahnsteig um einige Kinder“, Eins hatte eine
Prellung im Gesicht und eine aufgeplatzte Lippe, schien aber sonst in Ordnung
zu sein. Ein anderes lief laut weinend umher und hielt sich den Rücken. Katrin
Simon steht noch unter unmittelbarem Einfluß des Erlebten: "„es war
schrecklich"“ sagt sie leise, während an der Theke der WZ-Geschäftsstelle
Kunden auf Bedienung warten. Diesen Tag, das weiß sie, wird sie lange nicht
vergessen können.
Entsetzen Hektik Fassungslosigkeit
Die Katstrophe geschah am 12. April 99 um 5.45 Uhr wenige
Meter westlich des Robert-Daum-Platzes: Der Schwebebahnzug Nummer 4 rammt ein
Hindernis im Gerüst und stürzt ab: Ich hörte einen dumpfen Knall und dann ein
zischen. In der Dunkelheit war von der Brücke Moritzstrasse nur Dampf zu sehen.
Mein erster Gedanke war, dass das Fernwärmerohr über der Wupper defekt ist. Ich
hätte doch nicht im Traum daran gedacht, daß die Schwebebahn abgestürzt ist.
Elba-Mitarbeiter Wolfgang Lipfert steht der Schrecken noch Stunden später ins
Gesicht geschrieben. Die Schwebebahn-Katastrophe hat viele Gesichter an diesem
Morgen: Etwas mehr als eine halbe Stunde nach dem Absturz sind es vor allem die
blutverschmierten Gesichter der Verletzten. Im eilends eingerichteten Lazarett
in den Konferenzräumen im benachbarten Gefa-Hochhaus versorgen Notärzte und
Sanitäter die Menschen, die aus dem zertrümmerten orange-blauen Waggon gezogen
wurden. Mehrfache Beinbrüche, Becken, und Rippenbrüche, schwere
Wirbelsäulenverletzungen, gerissene innere Organe, Schnittwunden und Schocks –
die Liste der Verletzten, die hier diagnostiziert werden, ist lang. Ich brauche
jetzt dringend einen Transport ins Krankenhaus, ruft eine Ärztin, die neben
einer Frau kniet, die an ein EKG-Gerät angeschlossen ist. Wo ist meine Frau?
murmelt ein Mann, der in die Verletztensammelstelle will, ständig. Sein Blick
verrät, er steht unter Schock. In den Gesichtern der meisten der mehr als 150
Helfer, die zur Einsatzstelle geeilt sind, spiegelt sich Hektik wieder, aber
auch Ungläubigkeit. Wie konnte das passieren? Doch im Moment gibt es
wichtigeres: 27 Rettungswagen sind im Einsatz, dazu drei Rettungshubschrauber.
Nachdem die Aufnahmekapatitäten der Wuppertaler Kliniken erschöpft sind, werden
Verletzte nach Remscheid, Solingen, Haan, Wülfrath und Schwelm gebracht. Es
gibt keine Atempause. Auf der Ufermauer der Wupper steht Oberbürgermeister Dr.
Hans Kremendahl. Sein Blick wandert zwischen dem Waggon, der im rund 60
Zentimeter tiefen Wupper-Wasser liegt, und der Stahl-Kralle, die irgendwo
verloren im Gleis hängt, hin und her. Sein Gesicht ist weiß wie die Wand.
Feuerwehrchef Hans Jochen Blätte hat ihm gerade den Stand der Dinge berichtet.
Kalkweiß war nicht sehr lange vorher auch ein Mitarbeiter der benachbarten
Ordnerfabrik Elba. Die Schwebebahn ist runtergefallen, wir müssen helfen, hatte
er atemlos seinem Kollegen Lothar Kampe berichtet, als der sich 15 Minuten vor
Arbeitsbeginn gerade umgezogen hatte. Das größte Problem ist dabei, an das
Wrack, das wie ein Dreieck aus der Wupper ragt, heranzukommen. Über ein Gerüst,
das zufällig an der Rückseite des Betriebes steht, dringen sie mit Leitern und
Brettern bis zum Wrack vor. Ihren Einsatz lobt die Feuerwehr später als
vorbildlich. Dann ist da noch das Gesicht von Staatsanwalt Ralf Meyer. Vor
dutzenden Kameras und Mikrofonen bestätigt er am Abend im Polizeipräsidium die
Unglücksursache, die vor Ort unübersehbar war: Die Kralle, die bei der Freigabe
der Schwebebahnstrecke am Morgen nicht entfernt worden war. Näheres müssen die
weiteren Ermittlungen klären. Einige Gesichter haben wir gestern nicht gesehen,
und das ist auch gut so: Die der Angehörigen der Getöteten, denen die
schreckliche Nachricht überbracht wurde. Immerhin hat alles seine Grenzen -
auch journalistische Arbeit.
Der schwerste Unfall in der fast hundertjährigen Geschichte
der Schwebebahn sorgt für Entsetzen in Wuppertal. Das geht doch gar nicht!
Entsetzt starren Passanten frühmorgens am Robert-Daum-Platz im Stadtteil
Elberfeld in die Wupper: 50; 60 Meter entfernt von ihnen liegt ein völlig
zertrümerter Zug der Schwebebahn im Wasser. Entgleist und fast zehn Meter tief
abgestürzt in den Fluß. Feuerwehrleute, Notärzte, Sanitäter, Polizisten und
Arbeiter einer benachbarten Fabrik bemühten sich fieberhaft, die Verletzten aus
dem Trümmerhaufen und dem eiskalten Fluß zu bergen. Dampf zischt aus der
geborstenen Fernwärmeleitung. Die Opfer wirken völlig apatisch. Ein Polizist,
der durch die Wupper gewatet war, trägt eine Leichtverlezte huckepack. Das
undenkbare ist in Wuppertal passiert: Die Schwebebahn das sicherste
Verkehrsmittel der Welt, ist heruntergestürzt. Dabei starben drei Menschen:
zwei Männer (25 und 55) und eine
Frau (36). 47 erlitten teils schwere Verletzungen, davon schweben zwei Opfer in
höchster Lebensgefahr. Undenkbar die Katastrophe offenbar auch für die Polizei.
Da habe ich eine Minute nach dem Unfall angerufen berichtete ein Ohrenzeuge,
der unmittelbar an der Absturzstelle wohnt, der Beamte am Telefon hat laut
gelacht. Als dann weitere Notrufe eingingen, war klar, dass die Unfallmeldung
blutige Realität war. Rettungswagen um Rettungswagen wird zum Unglücksort
hinter einem Bankhochhaus geschickt. Nur eine kleine Gasse führt zwischen zwei
Häusern an der Ufermauer. Dorthin paßt nur eine Drehleiter der Feuerwehr. Die Bergung
ist mühselig. Die Hausmeister der Bank schalten schnell: Aus Konferenzräumen im
Erdgeschoß wird ein erstes Lazarett. Notärztinnen untersuchen die völlig
verstörten Opfer. Wer ist am schwersten verletzt und muß so schnell wie möglich
in ein Krankenhaus? Viele Menschen stöhnen vor Schmerzen, die meisten von ihnen
bluten. Das nahe Ferdinand-Sauerbruch-Klinikum nimmt die ersten Patienten auf.
An mir schoß ein Mann auf dem Bauch liegend über den Boden des Waggons nach
vorne, berichtet eine Gerettete. Danach kommt sie erst wieder zu sich, als der
Zug im Wupperbett liegt. Es hat unglaublich geknallt. Dann war es erst einmal
still, berichtet einer der Hausmeister. Immer neue Rettungskräfte treffen in
Elberfeld ein. Die B 7 wird zum Landeplatz für drei Rettungshubschrauber.
Gleich ob Oberbürgermeister, Stadtwerke-Vorstand oder Schaulustige: Das
Undenkbare dieses Morgens braucht eine Erklärung. Und die hängt unübersehbar im
Schwebebahngerüst über dem Wrack - eine Metall-Kralle, die während der
Sanierungsarbeiten am Wochenende nur wenige Meter östlich zur Stabilisierung
der fast 100 Jahre alte Stahlkonstruktion eingesetzt worden war. Die hatte
niemand demontiert. Sie hat den Absturz ausgelöst, sagt am Nachmittag die
Staats-anwaltschaft. Erst zehn Minuten, bevor der erste Zug an diesem Morgen in
Vohwinkel startete, war die Strecke freigegeben worden.
Schwebebahnunfall 1999
Für drei Passagiere der Schwebebahn endet die morgentliche
Fahrt zur Arbeit tödlich. Beim Absturz des Gelenkwagens mit der Nummer 4
gestern um 5.45 Uhr unweit des Robert-Daum-Platzes kamen zwei Männer (25 und 55
Jahre alt) und eine 36jährige Frau ums Leben. 47 Insassen wurden bei dem Unfall
schwer verletzt. Zwei von ihnen so schwer, dass es für sie kaum Hoffnung gibt,
hieß es gestern abend bei der Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft. Eine
Stahl-Kralle, die beim Gerüstaustausch am Wochenende der Eisenkonstruktion
Stabilität gegeben hatte, war nicht demontiert worden, erklärte Staatsanwalt
Ralf Meyer zum bisherigen Stand der Ermittlungen. Ein Sachverständigengutachten
ist in Arbeit. Auf das mit sechs Bolzen gehaltene Teil war die Bahn mit
mindestens 15 Kilometer pro Stunde aufgefahren. Dabei riß das erste Drehgestell
ab, beschrieb Meyer. Wer für das Entfernen der Kralle zuständig war und in wessen
Verantwortung die Kontrolle der Gleise lag, muß noch geprüft werden. Die
Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung.
Werktags fahren etwa 70.000 Menschen mit der Bahn. Mehr als 150 Rettungskräfte
und zwölf Notärzte waren stundenlang im Einsatz, um die Opfer der Katastrophe
aus dem Wrack zu bergen und medizinisch zu versorgen. In den umliegenden
Kliniken wurden geplante Operationen verschoben, um die große Zahl der
Verletzten bewältigen zu können.
Wuppertal. Fünf Tote und 47 zum Teil schwer Verletzte. Das
ist die vorläufige Bilanz des Schwebebahn-Absturzes gestern früh in Wuppertal.
Einige Opfer schwebten gestern abend noch in Lebensgefahr. Um 5.45 Uhr war der
erste Zug des Tages in Elberfeld gegen eine schwere Stahl Kralle, die am
Tragegerüst hing, gefahren. Durch den Aufprall bei einer Geschwindigkeit von
vermutlich 15 Kilometer pro Stunde riß das erste von vier Drehgestellen des
Gelenkzuges (22 Tonnen Leergewicht) ab. Der gut besetzte Wagon neigte sich nach
rechts und stürzte schließlich fast zehn Meter tief in die Wupper. Mitarbeiter
einer benachbarten Fabrik kletterten nach dem lauten Knall über ein Baugerüst
in den Fluß und begannen mit der Bergung der Unfallopfer. Auch der verletzte
Fahrer (56) der Schwebebahn half sofort. Ein Anwohner, der über Notruf die
Polizei informierte, erntete zunächst nach eigenen Angaben nur Gelächter: Ein
Absturz der Schwebebahn, dem sichersten Verkehrsmittel der Welt, galt bis
gestern als undenkbar. Schließlich waren mehr als 150 Helfer von Feuerwehren
und Rettungsdiensten mit zwölf Notärzten im Einsatz, um die Verletzten an der
nur schwer zugänglichen Stelle zu bergen und medizinisch zu versorgen. Auch
Pfarrer wurden als Notfallseelsorger zur Betreuung der völlig verstörten
Menschen alamiert. Unglücksursache ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft in
der Tat die Stahl-Kralle, die am Gleis verschraubt war. Am Wochenende waren im
Rahmen der Sanierung des fast 100 Jahre alten Wuppertaler Wahrzeichens Teile
des Gerüstes – wenige Pfeiler von der Unglückstelle entfernt – ausgetauscht
worden. Offenbar war man bei den Arbeiten so in Verzug geraten, dass erst zehn
Minuten vor dem Start der ersten Bahn aus Richtung Vohwinkel die Baustelle
geräumt worden war. Dabei war das Bauteil im Gleis vergessen worden.
Viele Wuppertaler hatten vom Schwebebahn-Absturz aus den
Frühnachrichten erfahren, so richtig glauben mochten es indes die wenigsten.
Vor Ort machten sie sich ein Bild von der Katastrophe. Von unfaßbar über von
Menschenverstand nicht vorstellbar bis zu den weichen Knien reichen die
Reaktionen der Passanten auf der Tannenbergstrasse, als sie das ganze Ausmaß
des Unglücks live sehen. Auch der strömende Regen hält viele nicht davon ab,
einen Blick auf das Schwebebahnwrack zu erhaschen. Wie gelähmt wirkt auch
Regina Poch, deren Onkel 40 Jahre lang Schwebebahnfahrer war. Der hat immer
gesagt, da könnte normalerweise nichts passieren. Schlimm, dass es jetzt so
gelaufen ist. Renate von Schemm gibt offen zu, daß sie neugierig ist: Aber wer
kann sich so etwas schon vorstellen. Von den Ereignissen sichtlich mitgenommen,
beginnt ein Mädchen zu weinen, eine andere Passantin weiß zu berichten, dass
die erste Schwebebahnfahrt am Morgen immer gut besetzt sei, eine Mutter hebt
ihr Kind auf ein Geländer damit es kurz einen Blick auf die verunglückte Bahn
werfen kann. Sichtlich mitgenommen ist auch Georg Rachel, Mitarbeiter einer
Münsteraner Firma, die die Arbeiten an den Trägerfundamenten des Schwebebahngerüstes
ausführt. Die Sicherheitsmaßnahmen sind hier enorm hoch. Die Arbeiten sind
minutiös abgestimmt, wer am Montag morgen nicht pünktlich fertig ist, zahlt
Strafen. Nach Wochenendschichten freut man sich, wenn die Bahn dann wieder
pünktlich am Morgen fährt. Fast lautlose Stille, als um 7.45 Uhr der erste
Leichenwagen vorfährt. Gegen 8.10 Uhr sperrt die Polizei die Tannenbergstraße
ab. Alle müssen hinter die Absperrung. Es kommt zu einem gereizten Wortwechsel
zwischen Polizei und Passant, der der Aufforderung erst nach einer Ermahnung
nachkommt. Sie wollen ja nur gaffen.
Unglück trotz dreifachen Sicherheits
– Checks?
Fünf Tote und 47 Verletzte, darunter zwölf Schwerverletzte
und zwei lebensgefährliche verwundete Menschen - das ist das traurige Resultat des
schwersten Unfalls in der Geschichte der Schwebebahn. Wie konnte das geschehen?
Nach Angaben der Wuppertaler Stadtwerke wird nach jedem Ausbauwochenende ein
dreifacher Sicherheits-Check durchgeführt. Zuerst überprüft die Stahlbaufirma
ihre Arbeit, dann ein unabhängiges Ingenieurbüro. Zuletzt nehmen Mitarbeiter
der Stadtwerke die Baustelle ab, erklärt Günther Beyen, WSW-Schwebebahn-Chef.
Das dauere bei komplizierten Baustellen häufig mehrere Stunden. Und am
vergangenen Wochenende? Der Austausch am Robert-Daum-Platz war eine
komplizierte Angelegenheit. Noch Sonntag abend hatte der WSW-Presse-sprecher
berichtet, das Wechsel der vierbeinigen Ankerstütze sei problematisch, da diese
nicht am Stück ausgetauscht werden konnte, sondern zerkleinet werden mußte. Die
Arbeiten sind eng verlaufen, bestätigte Beyen gestern nach der
Schwebebahn-Katastrophe. Um 5.20 Uhr sollte der erste Zug planmäßig fahren, mit
zehnminütiger Verspätung fuhr die Unglücksbahn in Vohwinkel los. Kurze Zeit
später geschah das Unglück. Blieb zu wenig Zeit für die Sicherheitschecks?
Beyen wollte sich nicht genauer zu der Kontrolle äußern: Wo der Fehler lag,
müssen wir jetzt untersuchen. Im Oktober 1992, als die erste Stütze am Gerüst
an der Hünefeldstraße ausgetauscht wurde, fuhr zunächst ein Testwagen auf der
Strecke, bevor die Schwebebahn wieder für die Öffentlichkeit auf den
Schienenweg geschickt wurde. Heute ist eine Testfahrt nicht vorgeschrieben,
erklärte Beyen. Das bestätigte das Verkehrsministerium. Die Testfahrt liegt im
Ermessen der WSW-Betriebsleitung. Die dreifachen Sicherheitsnachweise müßten -
korrekt ausgeführt - ausreichen, um zu belegen, dass die Strecke risikolos
befahrbar sei. Ein Probewagen mit Testfahrer könne nicht über einen unsicheren
Schienenweg geschickt werden, um Sicherheitsmängel aufzuzeigen. Die müßten
vorher beseitigt werden. Gestern befuhr der mit 55 Fahrgästen besetzte Wagen
Nummer 4 als erster die Strecke - bis kurz vor dem Robert-Daum-Platz, wo die
Katastrophe geschah. In Zukunft wird nach jeder Baustelle ein Probezug über die
Strecke fahren, um wirklich die letzte Sicherheit zu geben, erklärte dagegen
Dr. Hans Kremendahl als WSW- Aufsichtratsvorsitzender. Trotz des schweren
Unfalls halten Oberbürger-meister Dr. Hans Kremendahl und Bürgermeister Hermann
Josef Richter weiter am Konzept des Schwebebahnausbaus fest. Es gebe keine
Alternativen zum Ausbau am Wochenende. Ohne die Schwebebahn werde der Verkehr
werktags zusammenbrechen.
Der
Tag nach dem Absturz der Schwebebahn, des Symbols für Zuverlässigkeit
schlechthin: Schock und Trauer über die drei Todesopfer (später noch 2
Todesopfer) und die vielen Verletzten sitzen tief bei den Wuppertalern. Aber
größer ist die Empörung, wie man nach den Bauarbeiten die Stahl-Kralle hat vergessen
können. Sie hatte die Katastrophe ausgelöst. Das steht fest. Doch statt
Antworten gibt es immer mehr Fragen. Die Betreiber der Bahn, die Wuppertaler
Stadtwerke (WSW), hüllen sich mit Hinweis auf die Ermittlungen der
Staatsanwaltschaft in Schweigen. Aber auch gegenüber den Ermittlern selbst
scheinen die WSW schweigsam zu sein. So monierte Oberstaatsanwalt Alfons
Grevener, sowohl Vertreter der Stadtwerke als auch der beauftragten
Stahlbaufirma Lavis hätten sich bei ersten Vernehmungen wenig auskunftsfreudig
gezeigt. Der Fahrdienstleiter der Schwebebahn, die Monteure der Baufirma und
Ingenieure, die für die Baustellenabnahme zuständig sind, gehören zum
Peronenkreis, gegen den wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletztung
ermittelt wird, so Staatsanwalt Ralf Meyer. Unter schwierigen Bedingungen
begann am 13. April 99 abends die Bergung des Unglückswaggons. Von der
Untersuchung der Wracks versprechen sich die Ermittler weiteren Aufschluß über
den Unfallhergang. Was vorher geschah, beschrieb Matthias Krettek, Arbeiter bei
der Stahlbaufirma Lavis, die am Wochenende am Gerüst gearbeitet hatte, so: Um
ungefähr 5 Uhr gab der Vorarbeiter den Auftrag, die später schicksalshaften
Metallstücke zu lösen. Krettek montierte die Teile an einer wenige Meter vom
Unglücksort entfernte Stelle komplett ab. Der Kollege, der an der anderen
Stelle zuständig war, sei womöglich in seiner Arbeit abgelenkt und zu einer
anderen Aufgabe gerufen worden. Unverständlich findet es Krettek, dass keiner
der verantwortlichen Kontrolleure die verschraubte Metall-Kralle entdeckt hat.
Einer, der viele neue Fragen aufwarf, war René Sperber, Praktikant beim
Lokalsender Radio Wuppertal. Er war am Unglücksmorgen in der Leitstelle der
Schwebebahn für eine Reportage. Um 5.28 Uhr wurde die Strecke freigegeben,
berichtete der 21jährige. Dann habe der Leiter der Leitstelle gesagt, man
schicke keinen Probezug über die Strecke, weil man schon spät dran sei. So hat
Sperber das auch in seiner Vernehmung bei der Polizei zu Protokoll gegeben. Ob
tatsächlich ein Probezug bereitstand, muß noch geklärt werden, so Staatsanwalt
Meyer.
Ein Jahrhundert – Ausbau mit vielen Pannen
1997 begann das Wuppertaler Jahrhundert-Projekt. Für 500
Millionen Mark wird die Schwebebahn ausgebaut. In der Nacht des 4. November
wurde 18 Tonnen Stahl von einem 500 Tonnen schweren Kran aus dem
Schwebebahngerüst herausgehoben – die erste zweibeinige Stütze wurde ausgebaut
und durch eine neue ersetzt. Es war der Beginn einer Kette von
Ausbauwochenenden. Seitdem steht an der Mehrzahl der Wochenenden die
Schwebebahn still. Doch was zunächst problemlos begann, entpuppte sich im
weiteren Verlauf als schwieriges Unterfangen. Es kam wegen statischer Probleme
zu Verzögerungen. Neu gewalzte Stahlträger entsprachen nicht den Anforderungen.
Das Wupperhochwasser tat im Winter ein übriges. Die Fundamente aus Beton, in
denen die Gerüststützen verankert werden, wurden wegen Feuchtigkeit nicht
rechtzeitig trocken. Mehrmals kam es zu verspätungen. Die Bahnen fuhren nicht,
wie geplant, Montag morgens um 5.20 Uhr los, sondern später, manchmal erst am
folgenden Tag. Ursprünglich sollte die alte Dame Schwebebahn an ihrem 100.
Geburtstag in einem neuen Stahlkleid gefeiert werden. Das wäre 2001. Doch damit
rechnet inzwischen niemand mehr. Seit November 1997 sind bisher elf vierbeinige
große Stützen (Ankerstützen), 43 zweibeinige Stützen (Pendelstützen) und 46
Brücken ausgetauscht worden. Insgesamt besteht das 13,3 Kilometer lange eiserne
Rückgrat der Stadt aus 464 Stützen und 468 Brücken. Das heißt, bisher sind etwa
zehn Prozent des Schwebebahngerüsts erneuert worden. Nach Angaben der
Wuppertaler Stadtwerke AG, der Betreibergesellschaft der Schwebebahn, sollen
noch in diesem Jahr 67 Brücken, 13 Anker und 52 Pendelstützen durch neue
ersetzt werden. Hinzu kommen drei Bahnhöfe, darunter auch die Haltestelle
Robert-Daum-Platz, die in diesem Jahr neu gebaut werden sollen. Wenige Meter
vor der Baustelle Robert-Daum-Platz war das Schwebebahn-Unglück geschehen, bei
dem drei (5) Menschen in den Tod stürzten (zwei erlagen später ihren
Verletzungen).
Das Schwebebahnunglück sorgte weltweit für Schlagzeilen.
The Times widmete dem Unfall eine halbe Seite, und selbst USA Today zeigte ein
Foto vom Unfall. Fast 100 Jahre ist sie inzwischen alt, die Wuppertaler
Schwebebahn. Nie hat sie in dieser Zeit einen solchen Medienrummel erlebt wie
nach dem verheerenden Unfall. Gleich seitenweise berichtete nicht nur die
Westdeutsche Zeitung über den Unfallhergang, die möglichen Ursachen, die
Reaktionen und die Geschichte dieses einzigartigen Verkehrsmittel. Die Blätter
sind sich einig: Dieses Unglück wirft einen dunklen Schatten auf die Geschichte
der Wuppertaler Schwebebahn.
Pressestimmen:
Der Sturz eines Engels titelte zum Beispiel die Frankfurter
Allgemeine Zeitung. Es bezeichnet, so läßt sich ohne Übertreibung sagen, eine
tiefe Zensur, wenn nicht gar das Ende eines Mythos, schreibt das Blatt und
vermutet: So unbeschwert wie fast hundert Jahre lang wird sich künftig die
Schwebebahn nicht betreten lassen. Das Surreale, das jede Fahrt mit ihr
begleitet, hat einen schwarzen Schatten bekommen. Ein schwarzer Tag für
Wuppertal (Main Post), ein Symbol stürzt ab (Berliner Zeitung) und ein Mythos
versinkt in der Wupper (Stuttgarter Nachrichten) sind nur einige Beispiele für
Schlagzeilen des Unfalltages quer durch das Land. Stellvertretend für viele
Zeitungen stellt die in Dortmund erscheinende Westfälische Rundschau fest:
Bisher galt die Wuppertaler Schwebebahn als sicherstes Verkehrsmittel der Welt.
Noch nie in ihrer 100jährigen Geschichte war ein Passagier ums Leben gekommen.
Nun ist dieser Nimbus dahin. Der Kommentator der Westdeutschen Allgemeinen
Zeitung vermutet den auch: Was dies für Wuppertal bedeutet, läßt sich
allenfalls erahnen, aber fest steht, dass seit dem Unfalltag alles, was bisher
über die Schwebebahn geschrieben wurde, nur noch ruhmreiche Vergangenhei ist.
Auch die Presse im Ausland war das Unglück einige Zeilen und diverse Fotos
wert. USA Today berichtet ebenso wie zahlreiche europäische Zeitungen. Oberbürgermeister
Dr. Hans Kremendahl mußte dem englischen Fernsehsender BBC Rede und Antwort
stehen, und auch CNN berichtete über die Tragödie. Das englische Renomierblatt
The Times glaubt, dass durch den Unfall das Bild von der berühmtberüchtigten
deutschen Wertarbeit einen echten Knacks bekommen hat. Deutschlands
herausragender Ruf als eine Nation, die Autos produziert, die nur selten
liegengeblieben, und deren Züge zuverlässig wie ein Uhrwerk arbeiten, wurde
ernsthaft beschädigt, als bei einem Unfall der als sicherstes Verkehrsmittel
der Welt gepriesene Schwebebahn drei (5) Menschen starben und fast 40 weitere
verletzt wurden.
Bergung der verünglückten
Schwebebahn
Hunderte von Schaulustigen drängelten sich gestern abend
auf der Brücke Moritzstrasse und verfolgten die komplizierten Arbeiten zur
Bergung der verunglückten Schwebebahn. Westlich der Brücke, in der Nähe einer
Tankstelle an der Ernststrasse, wurde zunächst ein Bagger gegen 20 Uhr von
einem 500 Tonnen schweren Kran über eine Mauer ins Wupperbett gehievt. Während
sich der Bagger mühsam die 300 Meter bis zum Unglückszug durch die Wupper
quälte, rollte der riesige Kran über die Ernststrasse in Richtung
Schwebebahn-Wrack auf ein Grundstück der Firma Elba. Währenddessen wurde die
Schwebebahn mit Schweißbrennern in drei Teile zerlegt. „Der Bagger soll die
Waggonteile anheben, so dass der Kran das insgesamt 22 Tonnen schwere Teil mit
seinem 60 Meter langen Arm aus der Wupper hieven kann, berichtet Denise
Dieckermann vom Abschleppunternehmen Neeb, das die Arbeiten durchführt. Man
habe einen Kran mit solch langer Auslage wählen müssen, damit die Distanz vom
Elba-Gelände bis zum Wrack überwunden werden könne, erklärte sie. Dieckermann
geht davon aus, dass die Bergung die ganze Nacht dauern wird. „Das wird ein hartes
Stück Arbeit“. Die einzelnen Wrackteile transportiert das Unternehmen, wenn
alles klappt, in den Morgenstunden zur Generaloberst Hoepner-Kaserne. Dort wird
die Bahn als Beweismaterial für weitere Ermittlungen benötigt. Bereits am
frühen Nachmittag gab es erste Anzeichen dafür, dass mit der Bergung begonnen
wird. Mitarbeiter des Abschleppunternehmens überprüften den Unglücksort.
Arbeiter schweißten an einer Fernwärmeleitung, die über die Wupper geführt
worden war. Die Schwebebahn war vom acht Meter hohen Gerüst auf die Rohre
gestürzt, geknickt und in die Wupper gestürzt. „Ursprünglich sollte die Bahn
bereits Dienstag morgen um 9 Uhr aus dem Flußbett gehoben werden“, sagte
Deniese Dieckermann. Doch wegen der engen Bebauung an der Wupper gab es
Schwierigkeiten, einen geeigneten Platz für den 300 Tonnen schweren Kran zu
finden. Später hieß es „Bergung ab 17 Uhr“, zu guter letzt wurde um 20 Uhr mit
den Arbeiten begonnen. Der Parkplatz am Gefa-Hochhaus, der bis an die Wupper
reicht, stellte sich für den Kran als nicht brauchbar heraus. Unter dem
Parkplatz ist eine Tiefgarage 300 Tonnen Kran plus 22 Tonnen Schwebebahn – das
hätte Einsturzgefahr bedeutet, erklärte die Mitarbeiterin des
Abschleppunternehmens. Der Asphalt hätte nach statischer Berechnung maximal 16 Tonnen
ausgehalten. Die ersten Stahlteile des Schwebebahnzuges sollen nach den
bisherigen Planungen gegen Mitternacht aus der Wupper gezogen werden. Die
Ernststrasse ist während der Bergungsarbeiten teilweise gesperrt.
Rund 60 Stunden nach der Schwebebahn-Katastrophe von Montag
ist der Waggon gestern nachmittag aus der Wupper geborgen worden. Die Arbeiten
gestalteten sich schwieriger, als zunächst angenommen worden war. Wegen der
dichten Bebauung um die Unglücksstelle mußte der rund 22 Tonnen schwere Waggon
in insgesamt sieben Teile zerlegt werden. Die Bergungsarbeiten dauerten gestern
abend noch an. Parallel zu den Bergungsarbeiten ermitteln Staatsanwaltschaft
und Polizei sowie eine vom Oberbürgermeister, der auch Aufsichtsratsvorsitzender
der Stadtwerke ist, eingesetzte Expertengruppe des Bereichs Sicherheitstechnik
der Bergischen Universität. Dass die nach den Bauarbeiten vom Wochenende
vergessene Stahlkralle den Absturz verursacht hat, steht außer Zweifel.
Mittlerweile steht aber das gesamte Sicherungssystem auf dem Prüfstand. Ein
dreifacher Check nach dem Räumen der Baustelle ist vorgeschrieben. Darüber wird
ein Protokoll erstellt, das die Unterschriften der drei Prüfer sowie die zur
Freigabe notwendige des Betriebsleiters der Schwebebahn tragen muß. Das
Protokoll von Montag morgen gelangte erst gestern nachmittag zur
Staatsanwaltschaft. Das Beweisstück ist nur von einem Prüfer unterschrieben. Es
fehlt auch die entscheidende Unterschrift des Schwebebahnchefs. Außerdem ist nicht
einmal ausgefüllt, zu welcher Uhrzeit „der betriebssichere Zustand durch die
Bauaufsicht festgestellt“ wurde. Zunächst war geplant gewesen, das Wrack
bereits im Laufe der Nacht zu gestern aus der Wupper zu hieven. „Wir hatten
Schwierigkeiten mit dem Kran“, sagte ein Sprecher der Wuppertaler Polizei. Das
schwere Gerät stand auf dem Grundstück einer nahegelegenen Firma. Die
Entfernung zum Wrack über ein Gebäude entpuppte sich als zu lang. Der Ausleger
des Krans mußte auf 80 Meter verlängert werden. Das wiederum führte dazu, dass
der Kran nur bis zu fünf Tonnen Gewicht tragen konnte. Hinzu kamen Probleme mit
der Fernwärmeleitung, auf die der Schwebebahn-Waggon gefallen war. Stundenlang
waren Arbeiter damit beschäftigt, die Leitung auseinanderzuschweißen. Erst
gestern mittag gelang es, den Waggon in die Horizontale zu ziehen, ihn
anschließend in drei Teile zu zerlegen. Auf Tiefladern wurde das Wrack auf das
Gelände einer Bundeswehrkaserne in Wuppertal transportiert. Dort untersuchen
Experten von Polizei und Staatsanwaltschaft den Unfallwagen. Bei dem bisher
schwersten Unglück in der fast 100jährigen Geschichte der Schwebebahn waren am
Montag fünf Menschen ums Leben gekommen und 47 verletzt worden. Ein Verletzter
schwebt noch in Lebensgefahr.
Ich fahre nicht mehr, wenn vorher
kein Probezug startet
Der Fahrer der
abgestürzten Schwebebahn hat das Unglück bis auf einen Rippenbruch weitgehend
unverletzt überstanden. An den Unfallhergang kann er sich nicht erinnern.
„Ich weiß nur eins. Ich fahre morgens früh nicht mehr, wenn
vorher kein Probezug startet“. Karl-Heinz Schubert, der Fahrer der
Unglücksschwebebahn, macht einen Tag nach dem Absturz einen erstaunlich
gefaßten Eindruck. Er hat eine große Platzwunde oberhalb des linken Auges, die
rechte Hand ist verstaucht und stark geschwollen, in der Nacht nach dem Unglück
hat man im Krankenhaus nahe der Unglücksstelle zudem festgestellt, dass eine
Rippe gebrochen ist. „Ich habe einen Schutzengel gehabt, meine verstorbene Frau
will noch nicht, dass ich zu ihr komme“. Vom Unfallhergang weiß der 56jährige
nichts mehr. Nicht einmal an einen Knall kann er sich erinnern. „Auf einmal lag ich unten, ganz im Wasser.
Ich hatte Glück, dass ich nicht bewußtlos geworden bin“. Nach dem Sturz war ihm
gleich klar, dass er helfen mußte. Einige der Verletzten hat Schubert bis zum
Eintreffen der Rettungssanitäter selbst geborgen, „obwohl ich von oben bis
unten mit Blut beschmiert war“. Seit September 1989 ist Schubert
Schwebebahnfahrer. Nach Ausbauwochenenden hat er schon häufiger morgens die
erste Tour gehabt. „Ich fahre wieder“, ist er sich auch sicher, wieder in die
Bahn zu steigen. „Hoffentlich findet man den Schuldigen“, sagt Schubert, wenn
er an das Unglück und die Kralle denkt, die am Gerüst vergessen worden ist. Im Hellen hätte er die Kralle wohl
gesehen und auf der Langsamfahrstrecke vielleicht noch bremsen können, meint
Schubert. Normalerweise stünden in der Wagenhalle auch immer Probezüge. Ob das
auch am Unglücksmontag so war, weiß er nicht. Auch über die Gründe für die rund
zehn Minuten verspätet gestartete Tour wurde er nicht informiert. „Wir fahren
ja nur nach Anweisung. Wir kriegen da kein Bescheid“.
Probezug fährt in den Morgenstunden
Acht Wochen stand die Schwebebahn still. Heute 8.Juni 99 ab
13.15 Uhr fährt sie wieder für die Öffentlichkeit. Endlich ist es soweit: Der
erste Probezug wird heute morgen - acht Wochen nach dem tragischen
Schwebebahnunglück am 12. April – von der Wagenhalle Oberbarmen starten und die
13,3 Kilometer lange Schienenstrecke passieren. Im Zug sind neben dem Fahrer
Oberbürgermeister Dr. Hans Kremendahl und der Vorstand der Wuppertaler
Stadtwerke (WSW). Offiziell hatten die Wuppertaler Stadtwerke die Probefahrt
mit Presse, Oberbürgermeister, Bürgermeister, Fraktionsvorsitzenden, Aufsichtsratmitgliedern,
WSW-Vorstand und verkehrspolitischen Sprechern der Parteien auf 12.30 Uhr
angesetzt. Doch dann ist die wirkliche erste Fahrt auf Probe längst gelaufen.
Und auch weitere Bahnen sind am Morgen bereits über die Talachse geschwebt.
Denn während der Ruhephase des Wuppertaler Wahrzeichens wurden etwa sechs bis
acht Fahrzeuge gewartet. Nach Aussage der WSW werden solche
Zwischenuntersuchungen regelmäßig durchgeführt. Nach einer solchen Wartung, so
ist es vorgeschrieben, müssen die Züge auf der Strecke nochmals getestet
werden. Geprüft wird zum Beispiel, ob die neu eingestellten Bremsen auf der
Fahrt in Ordnung sind. Das heißt, nach der ersten Probefahrt in den
Morgenstunden werden die Wuppertaler weitere Bahnen über das Gerüst quitschen
hören. Der öffentliche Fahrbetrieb beginnt aber erst ab 13.15 Uhr. Vorher
übernehmen Ersatzbusse, wie bisher, die Fahrgäste. An der Unfallstelle am
Robert-Daum-Platz sind in den vergangenen Tagen die defekten Stahlstücke von
den Stadtwerken ausgetauscht worden. Gestern abend wurde das Gerüst von der
Technischen Aufsichtsbehörde des Landes abgenommen. Wann der Schwebebahnverkehr
erneut wegen des Ausbaus stilliegen wird, ist weiterhin offen. Geplant ist,
Teile des Gerüstes in den Sommerferien auszutauschen. Doch ein genauer Termin
steht immer noch nicht fest. Weiterhin fehlen Bauunterlagen der Stahlbaufirma
Lavis. Trotz des langen Baustopps läuft die Fertigung der Stahlteile für das
Schwebebahngerüst bei den Stahlbaufirmen weiter. Auf dem Vormontageplatz an der
Mettmanner Strasse stapeln sich inzwischen die Gerüststücke. Das Arbeitsklima
zwischen den WSW und Lavis sei schon vor dem Unfall sehr angespannt gewesen,
berichtete ein Mitarbeiter von Lavis. Doch nun, nach der Katastrophe, habe sich
der Umgangston noch verschärft. Bereits vor dem Unfall hatte es zwischen Lavis
und WSW Auseinandersetzungen um Verluste der Firma in Höhe von 100 Millionen
Mark gegeben. Lavis hatten die WSW aufgefordert, sich an dieser Summe zu
beteiligen.
08. Februar 1887:
Von Elberfelds Stadtverordneten wird
eine Kommission zur Prüfung des Projektes einer Hochbahn gewählt.
15. März 1887:
Barmen wählt ebenfalls eine Kommission.
Wenig später erfolgt der Zusammenschluß beider Kommissionen zu einer
gemeinsamen Hochbahnkommission.
18. Dezember 1894:
Annahme des Schwebebahnprojektes
„System Langen“ durch die Stadtverordneten-Versammlung Barmens und Elberfelds.
28. Dezember 1894:
Der Vertrag über Bau und Betrieb einer
zweischienigen Schwebebahn wird zwischen den Oberbürgermeistern Jaeger
(Elberfeld) und Wegner (Barmen) sowie der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft
(vormals Schuckert & Co., Nürberg) wird abgeschlossen. Es war vereinbart
worden, die Strecke ab Zoo über die Wupper bis Rittershausen (Oberbarmen) zu
bauen.
15. Oktober 1895:
Die Elektrizitäts-Aktiengesellschaft
schließt einen Vertrag mit dem Bürgermeister der Landgemeinde Vohwinkel über
die Verlängerung der Strecke von Sonnborn bis Vohwinkel ab. Der wagemutige
Vohwinkler heißt – paradoxerweise – Bammel. Sektiererische Zirkel verdammen den
Bau der Schwebebahn als wahnsinniges Unterfangen“. Allen Einwänden und
Protesten zum Trotz hatte die Elektrizitäts-Aktiengesellschaft jedoch bereits
im Januar 1895 ein Tochterunternehmen für Bau und Betrieb der Schwebebahn
gegründet, die „Continentale Gesellschaft für elektrische Unternehmungen.
31. Oktober 1896:
Die Königliche Regierung zu Düsseldorf
erteilt der Continentalen Gesellschaft die staatliche Genehmigung zur Anlage
einer Schwebebahn.
05. Dezember 1898:
Die erste Probefahrt steigt.
24. Oktober 1900:
Kaiser Wilhelm II., Kaiserin Auguste
Viktoria und dem Gefolge fahren vom Döppersberg mit Unterbrechung in der
Station Zoo bis Vohwinkel.
01. März 1901:
Der Streckenabschnitt Kluse – Zoo wird
für den öffentlichen Fahrgastverkehr freigegeben – offizielle
Betriebseröffnung.
24. Mai 1901:
Der Streckenabschnitt Zoo – Vohwinkel
wird freigegeben
27. Juni 1903:
Die restliche Strecke Kluse –
Rittershausen (Oberbarmen) wird freigegeben. 19.200 Tonnen Eisen sind
verarbeitet worden. Die Strecke weist 472 Eisenstützen auf. Die Gesamtkosten
für den Bau der Schwebebahn betragen 15 Millionen Goldmark.
15. Januar 1917:
Ein Zug fährt auf einen defekt auf der
Strecke liegenden Zug auf und hebt dessen Hinterwagen aus den Gleisen, so daß
dieser abstürzt.
1925:
Fast 25 Millionen Fahrgäste sind bis
jetzt mit der Schwebebahn befördert worden.
20. März 1926:
Der Neubau des Bahnhofs Döppersberg, der
bereits 1925 eine Frequenz von über acht Millionen Fahrgästen aufgewiesen
hatte, wird eröffnet.
30. Mai 1943 und 25. Juni 1943:
Im zweiten Weltkrieg werden bei
Luftangriffen Barmen und Elberfeld Stützen und Gerüst schwer getroffen. Mit
Pendeverkehr wird der Fahrbetrieb notdürftig aufrechterhalten.
19. Dezember 1944:
Der Rundverkehr Oberbarmen – Vohwinkel
wird wieder aufgenommen.
01. Januar 1945:
Bahnhof und Werkstatt sowie die Strecke
in Vohwinkel werden schwer getroffen. Erneut ruht der Schwebebahnverkehr. Im
März 1945 führen weitere Zerstörungen wieder zu monatelangen Ausfällen.
21. Juli 1950:
Der junge Elefant „Tuffi“ springt
während einer Zirkuswerbefahrt aus einem fahrenden Schwebebahnzug in die
Wupper. Der Elefant bleibt unverletzt bis auf eine kleine Schramme am
Hinterteil.
17. April 1967:
Die neue Schwebebahnstation „Alter
Markt“ wird – behelfsmäßig“ – eröffnet.
11. September 1968:
Der schleudernde Anhänger eines Lkw
reißt in Sonnborn einen Stützpfeiler aus der Verankerung. Zwei Brücken stürzen
auf die Strasse. Der Verkehr kommt für 10 Wochen zum Erliegen.
1972 – 1975:
Der Wagenpark der Schwebebahn wird
durch 28 moderne Gelenkzüge komplett erneuert. Erhalten bleibt nur der
Kaiserwagen.
28. August bis 5. September 1974:
Erneut muß der Schwebebahnverkehr für 7
Tage ruhen, weil am Bahnhof Zoo / Stadion die Wendeanlage eingebaut wird.
04. September 1982:
Eröffnung des Bahnhofs „Ohligsmühle“.
1979 – 1984:
Erneuerung und Verstärkung der
Brückenlager am Schwebebahngerüst.
1984:
Restaurierung des Bahnhofs Werther
Brücke im Jugendstil.
Juni 1988:
Beginn der Feldversuche zur
vollständigen Entlackung des gesamten Schwebebahngerüstes zwischen Wupperfeld
und Oberbarmen.
23. bis 25. Oktober 1992:
Erfolgreicher probeweiser Austausch von
Schwebebahnstützen und –brücke 304 am Hardtufer in Unterbarmen.
04. April 1995:
Feierlicher Beginn des Ausbaues der
Schwebebahn durch Setzen eines Erdankers in unmittelbarer Nähe der Station Zoo
/ Stadion durch Ministerpräsident Johannes Rau.
28. Februar 1997:
Wuppertals Oberbürgermeister Dr. Hans
Kremendahl führt mittels Bagger den 1. Spatenstich zum Neubau der im Zweiten
Weltkrieg zerstörten Schwebebahnstation Kluse aus.
25. März 1997:
Als Folge eines technischen Defekts
fährt in Oberbarmen ein Gelenkzug auf den besetzten Kaiserwagen auf. 14
Fahrgäste werden verletzt.
12. November 1998:
In der Schwebebahnstation Alter Markt
fährt ein Schwebebahnzug auf den dort haltenden Vorgänger auf. Elf Menschen
werden verletzt. Ursache menschliches Versagen.
26. März 1999:
Die neu errichtete Schwebebahnstation
Kluse wird durch NRW-Verkehrsminister Peer Steinbrück eröffnet und für den
Schwebebahnverkehr in Betrieb genommen.
12. April 1999:
Das folgenschwerste Unglück: Um 5.45
Uhr stürzt der Zug Nr. 4 in der Nähe der Schwebebahnstation Robert – Daum –
Platz in die Wupper. Unfallursache ist ein Metallstück an der Fahrschiene, das
nach dem Ausbauwochenende von der Baufirma nicht entdernt wurde. Es sterben
fünf Menschen, 46 Fahrgäste werden verletzt.
09. Juni 1999:
Der Schwebebahnbetrieb wird nach dem
Unglück wieder aufgenommen.
12. Juni 1999:
Inbetriebnahme der neuen Station
Adlerbrücke
21. August 1999:
Inbetriebnahme der neuen Station Robert
– Daum – Platz
07. August 2000:
Inbetriebnahme des neuen Bahnhofs
Pestalozzistraße.
14. November 2000:
Inbetriebnahme der neuen Station Loher
Brücke
14. Dezember 2000:
Nach Einbau des neuen Gerüsts und den
Brücken wurde die Station Hauptbahnhof Döppersberg in Betrieb genommen
17. April 2001:
Inbetriebnahme
der neuen Station Westende.
10.
August 2001:
Inbetriebnahme
des neuen Bahnhofs Varresbeck
21.
August 2001:
Inbetriebnahme
des neuen Bahnhofs Hammerstein
09.
Juli 2002:
Inbetriebnahme der neuen Station Wupperfeld
26.
August 2002:
Inbetriebnahme
des neuen Bahnhofs Sonnborn
13.
Dezember 2002:
Inbetriebnahme
der neuen Station Zoo / Stadion
08.
September 2003:
Inbetriebnahme
der neuen Station Bruch
Ganz
unfallfrei ist das nachweislich immer noch sichere Verkehrsmittel der Welt
nicht durch seine fast 100jährige Geschichte zwischen Vohwinkel und Oberbarmen
hin- und hergefahren. Doch so schlimm wie die Katastrophe vom 12.April 1999 war
bisher kein Unglück. Lediglich ein Mensch starb bisher. Das war am 7.August
1984. Damals stürzte ein Arbeiter (43) vom Gerüst über der Kaiserstraße in
Vohwinkel. Er starb kurze Zeit später im Krankenhaus. Alle weiteren Unfälle
verliefen vergleichsweise glimpflich.
1.Mai
1917:
Um
15.30 Uhr fährt ein Zug auf einen anderen, defekt auf der Strecke liegenden Zug
auf und hebt dessen Hinterwagen aus den Gleisen, so dass dieser in die Wupper
stürzt. Ein Fahrgast erleidet lediglich eine Schramme im Gesicht.
21.Juli
1950:
Während
der Werbefahrt für einen Zirkus springt der junge Elefant Tuffi aus einem
fahrenden Schwebebahnzug in die Wupper. Bis auf eine Schramme am Hinterteil
bleibt der Elefant unverletzt.
11.September
1968:
Um
20.44 Uhr schleudert der Anhänger eines Lastwagens gegen einen Stützpfeiler.
Der knickt ein, zwei Brücken stürzen auf die Straße. Niemand wird verletzt.
Wuppertal muß zehn Wochen ohne Schwebebahn auskommen.
8.Dezember
1970:
Auf
einem Langsamfahr-Streckenstück entgleist erstmals eine Bahn. Alle Insassen
bleiben unverletzt. Einen Tag nach dem Zwischenfall geht die Bahn wieder in
Betrieb.
13.August
1981:
Ein
Lichtmast, der von der Ladefläche eines Lastwagens ragt, bohrt sich tief in den
Fahrgastraum der Schwebebahn. Nur dank glücklicher Umstände wird niemand
verletzt.
7.August
1984:
Ein
43jähriger stürzt bei Arbeiten vom Gerüst über der Kaiserstraße. Er stirbt
später im Krankenhaus.
23.Januar
1989:
Die
meisten der 120 Insassen kommen mit dem Schrecken davon, als um 7.31 Uhr eine Schwebebahn
in der Dunkelheit nahe dem Schauspielhaus den Kipper eines Lastwagens rammt.
Vier Passagiere werden leicht verletzt.
11.Oktober
1990:
Unverletzt
überstehen die Insassen den Zusammenstoß ihres Zuges mit einem Ladekran auf der
Kaiserstraße.
24.Juli
1992:
In einer spektakulären Aktion werden 49
Menschen aus der Schwebebahn geborgen. In der Wendeschleife am Stadion Zoo war
ein Wagen entgleist.
25.März
1997:
Diesmal
ist der Kaiserwagen in einen Unfall verwickelt. Im Bahnhof Oberbarmen prallt
ein Waggon auf den Oldtimer. 14 Menschen werden verletzt, einige schwer.
Unfallursache war ein technischer Defekt. Zwei elektrische Kontakte klebten
fest. Sie steuern normalerweise das Umschalten von Fahren auf Bremsen.
12.November
1998:
Am
Alten Markt stoßen zwei Schwebebahnen zusammen. Elf Menschen werden verletzt.
Unfallursache war menschliches Versagen bei der Fahrt auf Sicht.
12.April 1999:
Unweit
der Station Robert-Daum-Platzes ereignete sich einer der schwersten Unfälle in
der fast 100jährigen Geschichte der Schwebebahn. Um 5.45 Uhr war der erste Zug
des Tages gegen eine bei Ausbauarbeiten vergessenen Kralle die am Tragegerüst
hing gefahren. Durch den Aufprall riß das erste von vier Drehgestellen des
Gelenkzuges ab. Der gut besetzte Wagon neigte sich nach rechts und stürzte fast
zehn Meter tief in die Wupper. Bei diesem Unfall starben 5 Menschen und 47
waren zum Teil schwer verletzt.