Dreihundert-Jahrfeier
der Stadt Elberfeld vom 25. Juli bis 1. August 1910
Die Festtage der Elberfelder Dreihundertfeier sind verrauscht; von den Masten sinken die Flaggen; das Grün der Tannen und die Farben weichen der Eintönigkeit des Alltags; - es bleiben nur die Erinnerung und die Werke, die der Bürgersinn aus Anlaß des Festes schuf. Diese Werke aber werden ein Denkmal sein in erster Linie für die Männer, denen wir sie verdanken, dann aber auch für die ganze Generation, die während der Dreihundertfeier in Elberfeld gelebt hat. Das ist’s ja, was jeden, auch den, der nicht einheimisch in unserer Stadt ist, an dieser Feier so tief berühren mußte, daß sie getragen war von einem Gemeinsinn, einem bürgerlichen Geiste, wie sie selten geworden sind in unserer Zeit. Was nennen sonst heute so viele Hunderttausende, die in den großen Städten zusammengeströmt sind, ihre Heimat? Verblaßt ist bei den Meisten die Erinnerung an die Stätten der Kindheit, die ja oft so wenig Heimatliches, so wenig Eigentümliches aufweisen kann. Die riesigen Häuser in den unendlichen Straßenzügen vieler Großstädte sind wahrscheinlich wenig geeignet, so etwas wie Heimatgefühl zu gebären. Das Bodenständige, das den Bauer mit seiner Erdscholle so innig verbindet, daß es schwer sein würde, ihn zu verpflanzen, dieser mächtige Wert im Gemütsleben der Menschen, der von jeher ihre ganze Geschichte beeinflußt hat, wo ist er heute, wenn wir Umschau halten in den großen Metropolen der Kulturstaaten oder in den Zentren der Industrie? Darum! – Glücklich können wir sein über die Offenbarung des Festes, das wir gefeiert haben. Da war noch Heimatliebe, da war noch Erinnerung, da war noch Gemeinschaftsgefühl, noch Eigenart und Sinn für die Werke der Väter. Was so oft den Spott flach denkender Menschen hervorgerufen hat, das zähe Festhalten am Alten, am Überlieferten, diese ganze bergische Stammesart, hier zeigte sie sich als ein Wert, der seine Bedeutung auch in unseren Tagen nicht verloren hat. In kaum einer zweiten Großstadt von ähnlichem Entwicklungsgang hat die einheimische Art in solchem Maße wie hier die Art der zuwandernden Massen beeinflußt. Das ist’s wohl auch gewesen, was dem Feste diese ungemein weitreichende Beteiligung, den breiten, volkstümlichen Boden gegeben hat. An der Ausschmückung sah mans, daß es diesmal ein allgemeines Bürgerfest gab; und später, hätte unser schöner Neumarkt nicht zehnfache Größe haben müssen, um allen denen Raum zu geben, die sehen und hören wollten; wäre der riesige Stadthallensaal nicht beim Heimatfest bis auf das letzte Plätzchen besetzt worden, wenn er doppelt, dreifach so groß gewesen wäre? Und nun sehe man das, was der Heimat- und Gemeinsinn in den Köpfen und Herzen der Bürger hervorgezaubert hat, ob es das Alterspflegeheim sei oder die Jubiläumsstiftung, der Gerechtigkeitsbrunnen oder die Villa Freytag, der Sport- und Spielplatz oder die zahlreichen anderen ansehnlichen Stiftungen, die sich als Gaben eines weitgeöffneten Herzens offenbarten. Mußte nicht jedem warm vor innere Freude werden, der die Beteiligung aller Kreise an den festlichen Veranstaltungen sah, sei es an den Festspielaufführungen oder an all den anderen unvergeßlichen Feierlichkeiten? Es ist gut, daß dieses Fest kam. Nahegebracht hat es der jetzt lebenden Generation alles das, was auf dem Boden unserer Stadt errungen, erarbeitet und erkämpft worden ist, lebendig gemacht hat es von neuem den Sinn für Heimat und Vaterstadt; tief hineingegriffen hat es einmal wieder in die Herzen, und wohl fast jeden hats eine Spur großer Menschheitsideen empfinden lassen, die in unserer materiell kämpfenden Zeit ganz untergehen zu lassen ein Verbrechen an der Menschheit wäre. Die Erinnerung an diese bürgerlich-würdige, erhebende Feier wird in unserer Stadt durch Jahrzehnte hindurch lebendig bleiben.
Dienstag, den 26. Juli 1910, um 7 Uhr abends versammelten sich im prächtig geschmückten Stadtverordnetensitzungssaal der Festausschuß, die Stadtverwaltung und das Stadtverordnetenkollegium zum Empfang der zum Jubelfest geladenen hiesigen und auswärtigen Ehrengäste. Die Begrüßung nahm Herr Oberbürgermeister Funck vor. Im Anschluß an die feierliche Rede des Herrn Oberbürgermeisters nahmen die Gäste noch einen Imbiß ein, eine Kapelle überbrückte die Zeit bis zum Einsetzen des grossen Zapfenstreichs. Mit dem Glockenschlag 8 verkündeten von allen Kirchtürmen der Stadt festliche Glockengeläute den Beginn der vaterstädtischen Feier. Eine freudige Bewegung ging durch die Menschenmassen, die in dicht gedrängter Folge die festlich geschmückten Straßen durchzogen, in froher Erwartung der ersten Nummer des Riesen-Programms: Zapfenstreich der vereinigten Schulmusikchöre auf dem Neumarkt und Brausenwerth. Die übele Laune des Wettergottes war mit dem Nahen der Festtage geschwunden, und in strahlender Bläue lachte der Himmel hernieder. Das zauberte eine wunderbare, gehobene Feststimmung hervor. Man sah nichts wie freudestrahlende Gesichter und frohe erwartungsvolle Mienen. Gegen 8 !/2 Uhr erfolgte dann der Anmarsch der Schülerkapellen vom Gymnasium, Realgymnasium, Oberrealschule in der Weststraße und von der Realschule in der Nordstadt zum Königsplatz. Von hier aus zogen die vereinten Chöre zum Neumarkt, den tausende von Menschen umrahmten. Und gleich darauf erklangen mit schmetternder, wuchtiger Klangfülle der Zapfenstreich, exakt und mit militärisch strammer Präzision. Dem Zapfenstreich folgte, mit gleicher Wucht vorgetragen, die Retraite, und danach dem klar abgerundet Locken der herrliche Choral: „Ich bete an die Macht der Liebe“. Es war eine wunderbare erhebende Einleitung, wie man sie stimmungsvoller kaum denken kann. Während die Weisen der Schülerkapelle erklangen und die ungeheuren Menschenmassen allmählich immer dichter an die Schülerschar sich herandrängten, bis der ganze Neumarkt und alle einmündenden Straßen von einem wogenden Menschenmeer bedeckt war, flammte auf dem Bankhaus der Firma von der Heydt Kersten & Söhne riesige Pechfeuer auf; der Rathausturm erstrahlte in prachtvoller bengalischer Beleuchtung; an allen Häusern ringsum begannen die Beleuchtungslämpchen aufzuflammen; in der Nähe und in der Ferne schossen Raketen empor, und vom Rathaus aus sah man in die hell erleuchtete, von Menschenmassen angefüllte Wallstraße. Das Ganze bot ein Bild von überwältigender Schönheit. Es entzündeten sich die Pechfakeln der Schüler und unter klingendem Spiel zogen die Kapellen dann zum Brausenwerth, wo vor dem Kaiserdenkmal der ganze Zapfenstreich wiederholt wurde. Auch hier lauschte eine vieltausendköpfi-ge Menge den vorzüglichen Darbietungen des jugendlichen Trompeterkorps. Von allen Dächern blitzten Freudenfeuer auf. Raketen in schier endloser Zahl schossen in strahlender Farbenschönheit zum nächtlichen Himmel empor. Kanonenschläge verkündeten von allen Höhen der Umgebung den glücklichen Beginn des frohen Festtages. Das Kaiserdenkmal erschien unter der großartigen Wirkung der bengalischen Flammen wie in ein Feuermeer getaucht und bot einen wunderbar überwältigenden Anblick. Nach Beendigung des Zapfenstreiches zogen die Kapellen unter Begleitung ihrer Schulkameraden, die hellstrahlende Pechfakeln trugen, zu ihrer Schule zurück, im Gefolge viele, viele Menschen.
Von 9 – 11 Uhr fanden auf dem Neumarkt und auf dem Hombüscheler Platz Konzerte statt. Die Musik stellte die Kapelle des 8. Lothringischen Inf. – Regts. Nr. 159 aus Mülheim und das Philharmonische Orchester. Eine frohgestimmte Menschenmenge lauschte an beiden Stellen mit freudigem Behagen den vorzüglichen Darbietungen der Kapellen.
Dieses Ereignis hatte Tausende und aber Tausende von Menschen in den Mittelpunkt der Stadt gelockt, so daß der Verkehr in den Hauptstraßen nur mühsam aufrecht erhalten werden konnte. In den Geschäftsstraßen hatten sich fast alle Häuser an der Illumination, teilweise in prächtiger Weise, beteiligt. Besonders glänzend war natürlich die Ausstattung der städtischen Gebäude, so des Theaters, der Stadthalle, daneben besonders die des Hauptbahnhofs, dessen prachtvoller Säulenbau in künstlerisch angeordnetem bengalischen Lichte erstrahlte. Als gegen 9 !/4 Uhr die Rundfahrt der Ehrengäste vom Rathaus begann, vermochten die ersten Wagen sich kaum einen Weg durch die versammelten Menschenmassen zu bahnen, so daß die Fahrt erst nur ganz stockend in Gang kam. Die Beteiligung an der Rundfahrt war ungeheuer. Es mögen wohl sicher 100 Automobile und Wagen daran teilgenommen haben. Für die Teilnehmer war es ein Anblick von hohem Reiz, durch das dichte Menschenspalier und die hell erleuchteten Straßen der Süd- und Nordstadt zu fahren, um hier und da in die ruhigeren Straßen der Süd- und Nordstadt einzulenken. Während und nach der Illumination füllten sich alle Restaurationslokale der Stadt derart, daß schließlich selbst in den größten von ihnen kaum Platz mehr zu bekommen war. Mit einem Schlage war die festliche Stimmung der Bevölkerung geschaffen; kein Wunder, denn dieser an Farbenpracht und Lichtfülle so reiche Abend stand unter dem Zeichen eines milden, sternenklaren Sommerabends, wie wir ihn in Elberfeld nicht allzu oft genießen.
Goldig lacht die Sonne und begrüßt mit ihren alles belebenden Strahlen die Fluren der Feststadt Elberfeld. Durch Kanonendonner von der Höhe des Johannisbergs wurde heute früh um 6 Uhr die Bürgerschaft aus dem Schlafe geweckt, und gleichzeitig verkündete Choralblasen von den Kirchtürmen in ernstfeierlicher Weise den Beginn der Festlichkeiten, die zu Ehren des Geburtstagskindes in fast überreicher Fülle stattfinden werden. Das Choralblasen wurde ausgeführt vom Posaunenchor des Missionsvereins der Kohlstraße (1. reform. Kirche an der Mühlenstraße), vom Hombüchler Posaunenchor (Christuskirche am Grifflenberg), vom Posaunenchor des Jünglingsvereins Westende (Kirche an der Sophienstraße), vom Katernberger Posaunenchor (Friedhofskirche an der Hochstraße), vom Posaunenchor der altlutherischen Gemeinde ( Kirche der altlutherischen Gemeinde an der Paradestraße), vom Posaunenchor des katholischen Gesellenvereins (St. Remigiuskirche in Sonnborn), und vom Posaunenchor des Jünglingsvereins 1, Bergstraße (Rathausturm).
Nach dem ersten Festtag fanden noch
folgende Feste statt:
v
Festgottesdienst für die reformierte und lutherische
Gemeinde
v
Bühnenfestspiele
v
Das Festmahl im großen Saale der Stadthalle mit nahezu 700
Personen
v
Kirmes auf dem Weidenplatz
v
Eine Festaufführung im Thalia – Theater
v
Festkonzert in der Stadthalle
v
Schulfeiern und Kinderfeste mit Schüler der Stadt- und
Landgemeinde Elberfeld
v
Das Heimatfest in der Stadhalle
v
Gartenfeste in der Stadthalle, im Zoologischen Garten und im
Bergischen Haus auf der Hardt
§
Samstag, den 30. Juli mittags 12 ½ Uhr die Ansprache des
Oberbürgermeisters Funck vom Balkon des Elberfelder Rathauses
§
Samstag, den 30. Juli mittags Enthüllung des Gerechtigkeitsbrunnens
auf den Exerzierplatz
§
Samstag, den 30. Juli Einweihung des Spiel- und Sportplatzes
am Freudenberg
§
Übergabe der Parkanlage der Villa Freytag
§
Einweihung des Alterspflegeheims „Kaiser – Wilhelm –
und Kaiserin – Auguste – Victoria
– Pflegeanstalten“.
§
Einweihung der Knabenmittelschule an der Brandeburger Straße
Ø
Generalkonsul und Geheimer Kommerzienrat Freiherr August von
der Heydt
Ø
Geheimer Kommerzienrat C. A. Jung Präsident der
Handelskammer Elberfeld
Ø
Christian Hoeft Präsident der Königlichen Eisenbahndirektion
Elberfeld
Erreichung der Stadtrechte 1610. Neben der alten Burg in Elberfeld im Laufe der Zeit die gleichnahmige Freiheit emporblüht, die sich nach der Parzellierung der alten Burgstätte (1598 resp. 1603) kräftig entwickelte. Bürgermeister und Magistrat standen schon lange an der Spitze des Ortes der dann am 10. August 1610 zur Stadt erhoben wurde. Diese soll damals 1.000 Seelen gezählt haben.
Großer Brand von Elberfeld 1687. Es war am 22. Mai 1687, dem Donnrstag nach dem Pfingstfest, als eine Hochzeit nach dem Brauche der Zeit auf dem Rathause abgehalten wurde. Da brach nachmittags um 3 Uhr Feuer aus, welches in drei Stunden die Stadt in Asche legte. Zehn Personen sollen in den Flammen umgekommen sein. Nur fünf Häuser wurden von dem verheerenden Elementan verschont.
Die Elfen von Elberfeld
Der Name „Elberfeld“ geht auf die Elfen zurück, jene in geheimnisvolles Dunkel gehüllten halbgöttlichen Wesen, bei denen man Schwarzelfen und Lichtelfen unterscheidet. Ersterer hausen in Klüften und Höhlen. Die Lichtelfen erfreuen sich auf einsamen Wiesengründen an Tanz und Spiel. Die Sage vom Lichtelfen zu Elberfeld wurde von Cäsarius von Heisterberg ums Jahr 1200 aufgezeichnet; sie hat Gestalt gewonen am neuen Rathaus.
1398 fällt Dietrich von der Mark vor der Burg von
Elberfeld
Am Ende des 14. Jahrhunderts war die Burg zu Elberfeld im Besitz von Eberhard von Limburg. Mit ihm verbündete sich der Jungherzog Adolf von Berg. Beide überzogen den Grafen Dietrich von der Mark mit Krieg. Graf Dietrich bestürmte die Burg, in welche sich seine Gegener geworfen hatten. Da traf ihn am 14. März 1398 ein Pfeilschuß von der Mauer wodurch sein Tod herbeigeführt wurde.
Überreichung des Garnnahrungs-Privilegium 1527 vor der
Burg von Elberfeld
Im Jahre 1527 erteilte Herzog Johann III. den Bewohnern der Freiheit zu Elberfeld und in Barmen für die Summe von 861 Goldgulden das Privilegium der Garnnahrung; dadurch erlangten diese Orte das Recht, daß an keinem anderen Orte in den Landen des Herzogs Bleichen und Zwirnen des Garnes betrieben werden durfte. Damit beginnt die Industrie unseres Tales.
Überreichung der Stadtrechte an der Stadtwage 1610
Neben der alten Burg war in Elberfeld im Laufe der Zeit die gleichnamige Freiheit emporgeblüht, die sich nach der Parzellierung der alten Burgstätte (1598 resp. 1603) kräftig entwickelte. Bürgermeister und Magistrat standen schon lange an der Spitze des Ortes, der dann am 10. August 1610 zur Stadt erhoben wurde. Diese soll damals 1.000 Seelen gezählt haben.
Besuch der Pfalzgräfin in Elberfeld 1636
Die Pfalzgräfin Katharina Charlotte, die zweite Gemahlin Wolfgang Wilhelms, stattete in den 30er Jahren des 17. Jahrhunderts (wahrscheinlich 1636) Elberfeld einen Besuch ab. Die Fürstin nahm vor allen Dingen die Elberfelder Bleichereien in Augenschein und weilte eine Nacht in der Stadt. Als ihr Gemahl sich 1636 längere Zeit in Elberfeld aufhielt, bat sie ihn brieflich, nach dort kommen zu dürfen.
Großer Brand von Elberfeld 1687
Es war am 22. Mai 1687, dem Donnerstag nach dem Pfingstfest, als eine Hochzeit nach dem Brauche der Zeit auf dem Rathause abgehalten wurde. Da brach nachmittags um 3 Uhr Feuer aus, welches in drei Stunden die Stadt in Asche legte. Zehn Personen sollen in den Flammen umgekommen sein. Nur fünf Häuser wurden von dem verheerenden Elementen verschont.
Plünderung vor der Morianpforte
Seit 1700 wütete der spanische Erbfolgekrieg. Im Herbste des Jahres 1702 fiel das Korps des Comte de Tallard ins Bergische ein. Elberfeld wurde hart betroffen. Das Haus des Gerichtsschreibers Woringen wurde z.B. spoliert, die Federn aus den Betten verschüttet und die Bettziechen mitgenommen. Dazu drückten die langwierigen Einquartierungen, hohe Abgaben und schwere Seuchen die Stadt.
Gefecht an der Kirchstraße in Elberfeld 1759
(7jähriger Krieg)
Im Jahre 1759 war Elberfeld von den Franzosen besetzt. Von der Höhe der Hardt drangen die „Hannoveraner“ plötzlich über die Haspeler Brücke vor. An verschiedenen Punkten (Isländerbrücke, Kirchhof usw.) kam es zu blutigen Gefechten. Am Nachmittag rückte der kommandierende Feldherr Ferdinand Erbprinz von Braunschweig in die Stadt und bezog bei Herrn Joh. Wülfing Quartier.
Durchzug der russischen Kosaken durch Elberfeld 1813
Am 9. November 1813, um 11 Uhr morgens erschienen die drei ersten Kosaken in Elberfeld, als Retter der Stadt mit Jubel begrüßt. Später rückten bedeutende Verstärkung ein. Den Oberbefehl führte der General-Major Rusefowisch. Auf dem Ochsenkamp bezogen die Kosaken ein Lager, rückten aber am 11. November nach Düsseldorf ab.
Barrikadenkampf auf dem Wall in Elberfeld 1849
Am 9. Mai 1849 rückte eine Militärabteilung aus Düsseldorf in Elberfeld ein, um die herrschende Gärung zu unterdrücken. Am Wall und in den Nebenstraßen kam es zu einem blutigen Kampf, vor allen Dingen gegen die aufgeführten Barrikaden. Dabei fielen ein Offizier (Hauptmann von Uttenhoven) und zwei Soldaten. Nach dem Abzug der Freischaren kehrte die Ordnung bald zurück.
Eine
Burg mit Freiheit mitten in „Elverfelde“
Die
Geschichte der Besiedlung des Wuppertals beginnt, was den Westen angeht, auf
einem Feld. Das wurde von einem Fluss durchzogen, einem „Elve“ – so die
mittelnieder-deutsche Bezeichnung. Der Name für den Weiler lag nahe:
„Elverfelde“. Fritz Jorde hatte 1907 eine romatischere Version von der
Entstehung der Bezeichnung. Das Nomen „Elve“ bezog er auf „lichte Elfen“, die
„ihre zarten Gestalten nur im Mondschein“ zeigten. Eine Spielart. Erstmals
urkundlich erwähnt wird der Ort im Jahre 1176. In dem Schriftstück ist davon
die Rede, dass der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg den Burghof
Elverfelde zusammen mit dem Hof Hilden für 400 Mark dem Grafen Engelbert I. von
Berg in erblichen Pfandbesitz übergibt. Die Burg Elberfeld, von der in diesem
Diplom die Rede ist, wurde als Sicherung eines Tafelhofes des damaligen
Besitzers, des Kölner Erzbischofes, erbaut. Eine solche Hofanlage ist schon um
1000 angelegt worden. In dieser Zeit fällt der Bau der ersten Kirche
Elberfelds, die dem Heiligen Laurentius geweiht war. Sie stand dort, wo heute
die Alte Reformierte Kirche ihren Platz hat. Der Wuppertaler Historiker Dr.
Michael Knieriem datiert die Entstehung der Kapelle auf die Zeit nach 955. 1050
aber habe der Bau spätestens gestanden. Die Kölner Metropoliten sicherten sich
seinerzeit den Weg in die nächste bedeutende Stadt, Soest, systematisch. Der
Tafelhof in Elberfeld schloss eine Lücke mitten im dichtbewaldeten und dünn
besiedelten Bergischen Land. Die Aufgabe der Anlage bestand darin, Unterkunft
und Nahrung für den reisenden Kirchenmann zu bieten. Um die Jahrtausendwende
konnte noch nicht von einer befestigten Burg die Rede sein. Laut Knieriem
handelte es sich um einen bescheidenen Holzbau, der durch Palisaden gesichert
wurde. Später erst – vermutlich in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts –
begannen die Verwalter der Herrschaft damit, den Hof auszubauen und die kleine
Siedlung mit Mauern zu umgeben. „Das war aber alles sehr bescheiden“, betont
Stadtarchivdirektor Dr.Uwe Eckardt. Die Vorstellungen von einer großen,
idyllischen Burganlage, die in einigen Schriften zu finden sind, „entsprechen
auf keinen Fall der Wirklichkeit.“ So groß war die Bedeutung Elberfelds (noch)
nicht. Innerhalb der Mauern wurde die sogenannte Freiheit Elberfeld integriert.
Dort war Platz für einen Markt und Raum für eine in einem beschrängten Rahmen
gewährte bürgerliche Selbstverwaltung. Denn solche „Freiheiten“ hatten zum Teil
eine einfache Gemeindeverfassung. Die Burg stand bis 1536. Am 18.April –
Osterdienstag – vernichteten Flammen den Gebäudekomplex mitsamt der Freiheit.
Den Brand verursachte nach einer zeitgenössischen Schilderung ein Bürger namens
Eckardt Wichlinghausen. Dieser Wachmann hatte mit Schießrohr und brennender
Lunte seinen Dienst verrichtet. Dann wurde er abgelenkt, ein Windstoß erfasste
die Glut und trug sie in einen Raum, der Feuer fing. Die gesamte Anlage wurde
Opfer der Flammen. Die Burg wurde nicht wieder aufgebaut, wohl aber die
Freiheit. Der Platz auf dem die Burg stand, ist 1603 eingeebnet, parzelliert
und an die Bewohner der „Freiheit“ verkauft worden. Für die brach ab 1610 eine
neue Zeit an: Elberfeld erhielt Stadtrechte. An die Existenz der verschwundenen Burg erinnern noch heute
Straßennamen wie Burgstraße, Wall, Turmhof – und Alte Freiheit.
Ein
wesentlicher Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung Wuppertals war die
Garnbleicherei. Denn schon ab dem 15. Jahrhundert wurden überall auf den
Wupperwiesen Garne geblichen, die aus anderen Teilen Deutschlands aufgekauft
wurden. Da Johann III., Herzog von Berg, den Wuppertalern 1527 das alleinige
Privileg erteilt hat, gegen Lohn Garne bleichen und zwirnen zu dürfen,
entwickelte sich das Geschäft an der Wupper zu einer lukrativen Einnahmequelle.
Vielen Menschen war diese Tätigkeit lieber als die in dieser Gegend schwierige
landwirtschaftliche Bebauung der kargen Böden. Die Garne wurden, nachdem sie
nach Qualität sortiert worden waren, zunächst gekocht, ausgewaschen, mit Lauge übergossen
und anschließend, auf Bleichstöcken gezogen, zur Bleiche getragen, um dort
ausgelegt zu werden. Mit dem kalkhaltigen Bergwasser der Wupper begossen und
unter Einwirken von Luft und Sonne bekam das Garn in etwa einem Vierteljahr
eine blütenweiße Farbe. Sowohl im Bergischen Land als auch im benachbarten
Ausland konnte es dann gewinnbringend weiterverkauft werden. Später wurde die
Bleicherei Ausgangspunkt für die Textilindustrie, die die Garne an Ort und
Stelle weiterverarbeiten konnte. So schufen etliche Webereien und Färbereien in
den Wupperstädten viele Arbeitsplätze und vielfältige Produkte. Die
traditionellen Bleicher gab es vereinzelt noch bis zu Beginn dieses
Jahrhunderts. Das Garnbündel im Stadtwappen erinnert heute noch an diese Zeit.
Die Garnnahrung von 1527 sicherte als bedeutendes Privileg für die
Wirtschaft des Wuppertals den Aufschwung derRegion
Im
Tal der Wupper schienen die Wiesen Jahrhunderte hindurch weiß zu sein. Der
Eindruck hatte für ortsunkundige Menschen im späten Mittelalter etwas
Befremdliches. Die Vision, die sich mitten im Sommer einstellen konnte: Ein
Rasen voller Schnee. Das roch nach faulem Zauber. Doch die weiße Masse, die das
grüne Gras verdeckte, war gebleichtes Garn. Das im Naturzustand braune Garn
stammte aus den Flachsanbaugebieten der Umgebung, hatte zum Teil aber auch eine
weite Reise hinter sich. Aus Kurhessen wurde es geliefert und sogar aus
Schlesien. Mit dem gebleichten Garn ließen sich sehr viel bessere Preise
erzielen als mit ungebleichtem. Das Bleichen, mit dem sich die Bauern
ursprünglich ein Zubrot zu ihrer Ernte verdienten, wurde zum Handwerk im
klassischen Sinne. Eine Nachricht aus dem Jahre 1446 gilt als früheste
Überlieferung für diese Kunst. Zu diesem Zeitpunkt sicherte sich die Stadt
Essen die Dienste eines Elberfelder Fachmanns, der dort eine Bleiche anlegen
sollte. Das Garn wurde mehrfach unter Zusatz von Pottasche gekocht. Schon in
diesem frühen Zustand wurde es als „halbweiß“ bezeichnet. Anschliessend kam das
Produkt einige Tage auf die Wiese, um dort endgültig zu bleichen. Der typische
Regen im Tal der Wupper tat sein gutes Werk. Regnete es nicht, hoben
Bleicherknechte mit ihren „Güten“ – große Gießschaufeln – klares Wasser aus
einem um die Wupper herum angelegten Netz aus Gräben, das die auf kahl
geschlagenem Waldboden entstandenen Wiesen durchzog. Der nächste Schritt war
ein weiterer Kochvorgang. Der letzte Rest an Farbe verschwand nach dem Spülen,
Auswringen und Trocknen am Zaun. Angesichts dieses technischen Könnens und
eines stets lockenden Gewinns avancierte das Bleichen rasch zu einem eigenen
Erwerbszweig. Schon Ende des 15. Jahrhunderts übernahmen Barmer und Elberfelder
gemeinsam den Vertrieb der kostbaren Ware. Im April 1527 holten sie in trauter
Eintracht zu einem großen Coup aus. Für 861 Goldgulden erkauften sich die
Bleicher beider Ortschaften – Stadtrechte besaßen sie noch nicht – ein
bedeutendes Privileg. In Düsseldorf unterzeichnete Staatskanzler Wilhelm
Lüninck im Namen seines Herzogs Johann III. von Jülich-Cleve-Berg die
sogenannte Garnnahrung. Dabei handelt es sich im ein Monopol, das nur Barmern
und Elberfeldern im Bergischen Land das gewerbliche Bleichen von Garnen
gestattete. Der Name für das ausgehandelte Schriftstück ist wörtlich zu nehmen
– schließlich gewährte der Verkauf des gebleichten Garns Nahrung. In der
Urkunde war alles geregelt. Es war ein Vorstand vorgesehen, bestehend aus je
einem Garnmeister für Barmen und Elberfeld. Hinzu kamen zwei Beigeordnete –
Stellvertreter – die nach Ablauf eines Jahres in das Amt des Garnmeisters
aufrückten. Mitglieder waren Händler, die in Wuppertal bleichen ließen,
Bleichereibesitzer, Bleichknechte und Mägde. Diese hatten nach Vermögen
gestaffelt Aufnahmegebühren zu bezahlen und anschließend einen „Garneid“ zu
leisten. Bei Verstößen gegen den Text wurden Strafen bis hin zum Ausschluß
verhängt. Das schlimmste Vergehen bestand allerdings im Ausplaudern des
Bleichgeheimnisses. Die Garnnahrung bewirkte einen Aufschwung. Das Privileg
schützte die Bleicher vor Konkurenz. Die Profiteure gewannen an Geld, Macht und
Einfluß. Die Grundlage für die spätere Industrialisierung war geschaffen.
Bleichen war das Urgewerbe, aus dem sich später andere, für das Tal der Wupper
bedeutende Wirtschaftszweige entwickelten: Dazu zählen die Textilindustrie, der
Maschinenbau und über die Färbereien schließlich auch die chemischen
Unternehmen. Das Händlernetz wurde immer größer und bis nach Amerika gespannt.
Am 7.Februar 1810 hob Napoleon durch eine Verfügung für das von ihm regierte
Bergische Land die Garnnahrung auf. 1831 wurde schließlich die „Handeskammer
von Elberfeld und Barmen“ gegründet. Damit war eine Selbstverwaltung der
Kaufleute geschaffen. Sie übernahm in moderner Form die Aufgaben der
Garnnahrung – erweitert um die zahlreichen neuen Produktionszweige
In
den meisten Fällen ist die große Weltgeschichte beinahe spurlos an den Dörfern
und Städten des Wuppertals vorübergegangen. Doch die Zeit zwischen der
französischen Revolution 1789 und der europäischen Neuordnung auf dem Wiener
Kongress 1815 hat auch in Wuppertal eine Reihe von Veränderungen mit sich
gebracht, die als Ausgangspunkt für den Aufstieg dieser bergischen Region unter
preußischer Herrschaft zu verstehen sind. Bis zum Einmarsch der Franzosen unter
Napoleon Ende des 18. Jahrhunderts war das Bergische Land ein selbständiger
deutscher Staat. Dieser sicherte den Wuppertalern unter anderem durch das
sogenannte Garnnahrungsprivileg von 1527 ihre wirtschaftliche Existens auf dem
Gebiet der Garnbleicherei. Die Geschicke der Stadt Elberfeld wurden in
bürgerlicher Selbstverwaltung auf Grundlage einer Magistratsverfassung mit
Bürgermeister, Ratsverwandten und Gemeinsmännern bestimmt. 1806, zehn Jahre
nachdem die ersten französischen Revolutionsheere ins Bergische Land
eingedrungen waren, kapitulierte die deutsche Allianz endgültig und mußte die
Bedingungen des Friedens zu Pressburg akzeptieren Dieser regelte unter anderem
auch die Abtretung des Herzogtum Berg an Napoleon. Unterstellt wurde es
zusammen mit dem Herzogtum Kleve dessen Schwager, dem Reitergeneral Joachim
Murat. Die Wuppertaler mußten sich mit einem neuen Verwaltungssystem
anfreunden, das anstelle des städtischen Magistrats einen Munzipalrat mit Maire
(Stadtdirektor) vorsah. Zudem wurde Elberfeld Sitz eines der sechs
Arrondissements in Kleve und Berg, und Barmen durfte sich mit seinen 14.000
Einwohnern zum ersten Mal als Stadt betrachten. Ein beachtlicher Aufstieg war
das allemal und so war das Volk trotz der französischen Kontributionen seinen
Besatzern anfangs nicht unbedingt negativ gesonnen. Dazu trug sicherlich auch
der Code Napoléon bei, der sowohl die Abschaffung der Leibeigenschaft und des
Lehenswesens als auch die bürgerliche Rechtsfreiheit mit sich brachte. Die
Stimmung schlug um, als die Wirtschaft immer stärker unter der anhaltenden
Kontinentalsperre und dem Einfuhrverbot von Baumwollwaren zu leiden hatte. Als
die Franzosen für ihren Krieg gegen Russland neue Männer rekrutieren wollten,
kam es zum Aufstand, der allerdings bald darauf durch die Kavallerie beendet
wurde. Der Rädelsführer wurde auf dem Neumarkt exekutiert. Die Sympathie zu
Preußen erwuchs, als es nach der französischen Niederlage gegen Russland
Napoleon offiziell den Krieg erklärte. Die Völkerschlacht bei Leipzig beendete
dann im Oktober 1813 Napoleons Herrschaft in Europa. Wenige Wochen später
wurden die einrückenden Kosaken, Soldaten der Allianz, von den Elberfelder und
Barmer Bürgern als Befreier begrüßt. Zu Beginn des neuen Jahres prangte
schließlich am Elberfelder Rathaus der preußische Adler. Die offizielle
Eingliederung in die neue deutsche Großmacht wurde aufgrund eines Beschlusses
des Wiener Kongresses am 5. April 1815 vorgenommen und von der Wuppertaler
Bevölkerung lautstark gefeiert.
Zwei
Tage lang dauerten die Wolkenbrüche an. Strömender Regen prasselte ohne Pause
auf das Tal der Wupper nieder und brachte das Flußbett zum Überlaufen. Am 24.
November 1890 dachte noch niemand an die Katastrophe, als sie plötzlich
hereinbrach: Dieses Datum hat sich vielen Menschen als das schrecklichste
Hochwassers in Elberfeld und Barmen eingeprägt. Das Unglück brach frühmorgens
herein. Die Wupper, damals noch nicht im Kanalbett eingezwängt, trat über die
Ufer. In wenigen Stunden überflutete das Wasser die Straßen, riß Holzbrücken
weg und drang in Keller und Geschäfte. In Elberfeld flossen die Wassermassen
bis zum Rathaus, in Barmen stauten sie sich meterhoch bis zum Theater (dem
heutigen Opernhaus) und dem damaligen Rathaus Heubruch. Am Nachmittag ragte das
Landgericht wie eine Insel aus dem See, der von der Wortmannstraße bis Kipdorf
und der Alten Freiheit reichte. Wenn der Regen minutenlang auffhörte, begann es
zu hageln. Die Feuerwehr raste durchs Tal, um die altbergischen Häuser vor dem
Einsturz zu retten. Bis zum Bauch wateten die Droschkenpferde am Barmer Alten
Markt im Wasser. Die Fabriken schlossen die Türen, der Strom fiel aus, die
Wasserrohre versagten und die Setzmaschinen der Zeitungen wurden naß. Auf den
dunklen Straßen lagen abends tote Pferdeleiber und umgestürzte Kutschen.
Wuppertal war einen Tag lang zum düsteren Venedig geworden. So schnell wie die
Fluten gekommen waren, so schnell verebbten sie in den nächsten Tagen. Fünf
Tote hatte die Katastrophe gefordert: Ein vollbesetzter Postwagen war in den
Mühlegraben geraten. Noch unter dem Eindruck des Unglücks begannen Barmen und
Elberfeld damals mit der Flußregulierung und Kanalbauten, so daß die Städte an
der Wupper von einer neuen Katastrophe dieses Ausmaßes verschont geblieben
sind.
Der
Fluss, der der Stadt ihren Namen gegeben hat und der lange Zeit ihre Lebensader
war, entspringt aus den drei Wipperquellen bei Börlingen zwischen Meinerzhagen
und Gummersbach und mündet bei Leverkusen in den Rhein. Ursprünglich galt die
Wupper auch in Wuppertal als klarer Gebirgsfluss, der für das Bleichen von
Garnen bestens geeignet war, doch mit der Industriealisierung entwickelte sich
daraus eine stinkende Abwasserrinne für die ansässigen Fabriken.
Am
24. Oktober 1900 stattete der deutsche Kaiser Wilhelm II. den Wuppertalern
einen Besuch ab. Das war natürlich ein gewaltiges Ereignis, welches viel
Vorbereitung gekostet hat und mit einem immensen Aufwand verbunden war. Die
Elberfelder und Barmer wollten sich dem Mann erkennlich zeigen, der die
preußische Herrschaft symbolisierte, welche für die beiden ehemals bergischen
Städte eine Periode von Reichtum, Glanz und Ruhm bedeutete. Ganz Wuppertal war
an dem geschichtsträchtigen Tage festlich geschmückt und das gesamte Volk war
auf den Beinen. In Barmen weihte der Monarch die Ruhmeshalle ein und in
Elberfeld das neue Rathaus am Neumarkt. Wesentlich bedeutsamer war allerdings,
dass er anschliessend sozusagen als erster Fahrgast mit der neu gebauten
Schwebebahn nach Vohwinkel fuhr, wo er mit ebensolch tosendem Beifall begrüßt
wurde wie von den anderen Wuppertalern. Für sie ist dieses Ereignis bis heute
Höhepunkt ihrer Geschichte geblieben. Den Schwebebahnwagen, mit dem der Monarch
gefahren ist, hat man sich bis heute als Attraktion erhalten. Für die
Öffentlichkeit wurde die Bahn, die damals zu einer der ersten
Stadtschnellbahnen der Welt zählte, allerdings erst ein halbes Jahr nach der
kaiserlichen Einweihungsfahrt freigegeben, und zwar zunächst nur auf dem
Teilabschnitt Kluse – Zoo. Ende Mai 1901 konnte man dann auch nach Vohwinkel
fahren. Der Andrang der Bevölkerung war enorm, da es nichts Vergleichbares gab,
mit dem man so schnell zu sämtlichen zentralen Punkten im Tal gelangen konnte.
Damals galt die Schwebebahn als technisches Wunderwerk, das seinesgleichen noch
nicht einmal in der Reichshauptstadt fand. Die Barmer konnten die Bahn erst im
Sommer 1903 benutzen, als ihre Strecke zwischen Kluse und Rittershausen
(Oberbarmen) eröffnet wurde.
Die Elberfelder Landwehr-Linie wieder sichtbar zu machen, ist das Ziel
von Martin Lücke.
Manche
Blickfänge, hat Martin Lücke festgestellt, könnten wie Perlen an der Schnur
aneinander gereiht liegen. Sie tun es nicht, weil die Bebauung der letzten
Jahrzehnte sie versteckt hat. „Jetzt ist alles in der Ecke verschwunden und nur
noch schwer zu finden“, sagt Lücke. Das gilt besonders für
Landschafts-Denkmäler wie die Elberfelder Landwehr-Linie. Sichtbar zu machen,
was inzwischen verstellt ist, bezeichnet Lücke als sein großes Ziel. Der
Verwirklichung dieses Vorhabens ist der Rentner schon recht nahe gekommen. Denn
vom Eiland bis zur Schneis hat der ehemalige Kaufmann und Lehrer – Fachgebiet
Heimatkunde – die Grenzlinie Elberfelds rekonstruiert. Die Landwehr Linie war
eine zum Teil befestigte, ansonsten dicht bewachsene oder aufgeschüttete
Strecke, die als Sicherung der Grenze zwischen Berg und Mark dienen sollte.
Lücke vermutet die Anfänge einer solchen Wehr um 1380, als die Grafen Berg zu
Herzögen avancierten. Lücke hat ein Muster entwickelt, um die verborgenen
Grenzmarkierung wieder ins rechte Licht zu rücken: Er analysierte Straßennamen.
Das Eiland, die Insel in der Wupper, war deshalb so interessant als
Befestigung, weil eine Furt, eine seichte Stelle, an die Ufer führte. Dort
hatten sich viele Höfe angesiedelt, die es zu schützen galt. Entsprechend war
auch die Haspel Brücke, die alte Grenzlinie zwischen Barmen und Elberfeld, Teil
der Landwehr. Die Brücke hat die Furt ersetzt, die wegen der Uferbefestigung
der Wupper nicht mehr zu sehen ist. Nur der Straßennamen Furter Hof erinnert an
das Vergangene. Deutlicher wird der Bezug von heutigen Ortsnamen zu
historischen Gegebenheiten am Beispiel der Hardt. Hardt wurden Wälder,
besonders Waldhöhen genannt. Eine mittelalterliche Amtsrechnung aus Elberfeld
erwähnte eine Teilstrecke der Landwehr. Sie überschritt den Hardtrücken beim
Bismarckturm. Der Wald dürfte als Teil der Befestigung gedient haben. Die
Bezeichnung „Auf der Bredt“ weist auf einen Heckenrest hin, der zum Schutz
gedient haben könnte. Der Name Bredt bezeichnet im Mittelalter eine breite,
ebene Fläche. Auf der Straße Ostersbaum – die Namensgebung geht auf die Familie
Mostert zurück – vermutet Lücke einen alten Schlagbaum, der die Landwehr
versperrte. Auf der Uellendahler Straße gibt es ebenfalls ein deutliches
Zeichen der ehemaligen Grenze: Lücke geht davon aus, dass das Fachwerkhaus,
Hausnummer 252, ein Zollhaus war, das auf der historischen Kohlstraße lag, auf
der Kohlen aus Haßlinghausen kommend transportiert worden waren. Weiter
oberhalb der Uellendahler Straße gibt es einen Weg, der „Am Haken“ heißt. Das
könnte von „Hagen“ althochdeutsch für Grenzwald herrühren. „Am Haken“ so
mutmaßt Lücke, war ein Verbindungsstück, das zwischen Schneis (steht für
Schneise) und Weinberg an dieser Stelle das Uellen-
dahl
querte – und Teil der historischen Grenzlinie war.
Überall
an der Wupper siedelten sich ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Fabriken an. Dominierend war damals die Textil- und Bekleidungsbranche. In
dieser Zeit wuchs die Bevölkerung Wuppertals von Jahr zu Jahr immer mehr, so
daß sie in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts sogar Köln
überflügelte. Damals war Wuppertal mit fast 190.000 Einwohnern (nur Elberfeld
und Barmen) nach Berlin, Hamburg, Breslau, München und Dresden die sechsgrößte
Stadt des Deutschen Reiches. Als Elberfeld und Barmen 1929 zusammen mit
Vohwinkel, Cronenberg, Ronsdorf und Beyenburg vereinigt wurden, zählte die
Bergische Metropole weit über 400.000 Einwohner. Diese Zahl konnte trotz des
Weltkriegs bis lange in der Nachkriegszeit gehalten werden. Bis heute ist die
Zahl der Wuppertaler Bürger rapide auf etwa 340.000 abgesunken. Dazu summieren
sich allerdings noch etwa 45.000 zugewanderte Ausländer. Seine Relevanz hat
Wuppertal jedoch längst verloren. Heute rangiert es zwar immer noch ziemlich
weit oben auf der Bevölkerungsliste, doch muss man leider die Behauptung
akzeptieren, dass es außer Bochum wohl nirgends in ganz Europa eine Stadt von
der Größe Wuppertals gibt, die so unbedeutend und unbekannt ist.
Es
war kein Geheimnis, daß die Regierung mit der Bezeichnung „Barmen-Elberfeld“,
mit der die junge Großstadt bis zur endgültigen Entscheidung ihres ersten
Stadtparlaments bedacht worden war, dem widerstrebenden Barmen, das die
Zwangsvereinigung ablehnte, hatte entgegenkommen wollen. Demgegenüber berief
sich Elberfeld, das sich an die zweite Stelle versetzt fühlte, auf seine ältere
Geschichte, seine Bedeutung als verkehrstechnischer Mittelpunkt des bergischen
Landes und auf seine wirtschaftliche Überlegenheit. 1930 Barmen-Elberfeld,
Elberfeld-Barmen, Barmen-Elberfeld-Vohwinkel, Barmenelb, Elbbarmen, Wuppertal,
Wupperstadt, Wupperring, Wupperberg, Wupperhausen, Bergmark, Talberg, Großwupp,
Bergstadt, Wupperalis Bergland, Hungerstadt (von der KPD vorgeschlagen),
Barmerfeld, Baelvort (Barmen-Elberfeld Vereinigter Ort), Bälvort und
Baelvort-Wupper waren verschiedene Vorschläge. Die schon 1917 freiwillig
wiedervereinte „Industrie- und Handelskammer des Wuppertaler Industriebezirks“
die schon immer für die Städtevereinigung eingetreten war, stimmte fast
geschlossen für „Wuppertal“. Am meisten wurden postalische Gründe ins Feld
geführt. Es hätte schließlich noch zu Witzblatt Adressen geführt wie:
Barmen-Elberfeld-Elberfeld, Barmer Straße. So kam es denn schließlich zu dem
Stadtverordnetenbeschluß vom 20. Dezember 1929 der sich für „Wuppertal“
entschied. Durch Erlaß des Preußischen Staatsministeriums vom 25. Januar 1930
wurde der Name Barmen-Elberfeld endgültig in „Wuppertal“ umgewandelt. Dr. Paul
Hartmann war bis 1929 Oberbürgermeister von Barmen. Nach der Städtevereinigung
wurde er erster Oberbürgermeister von Wuppertal. Ein Kuriosum zum Schluß: Fast
am gleichen Tag, als die neue Großstadt ihren neuen Namen erhielt, wurde
„Wupperthal“ im Kapland eine Gründung der in Barmen beheimateten Rheinischen
Missionsgesellschaft, 100 Jahre alt.
Umgeben
von einer prachtvollen Landschaft voller Berge und Wälder, Täler und Stauseen,
liegt die langezogene Metropole, die sich selbst gern Oberzentrum oder
Hauptstadt des Bergischen Landes nennt, im engen Tal der Wupper, über die seit
fast hundert Jahren ihr Wahrzeichen, die Schwebebahn, unentwegt ihre Runden
dreht. Das Bergische Land existiert als politisches Gebilde seit 180 Jahren
nicht mehr, und seine Hauptstadt war Wuppertal nie gewesen. Denoch lebt dieser
Begriff ununterbrochen im Geist seiner Bewohner und leistet damit einen guten
Beitrag zu ihrem heimatlichen Selbstbewusstsein. Die sanfte, begrünte
Mittelgebirgslanschaft, die sich vom Rhein bis zum westfälischen Sauerland
erstreckt, hat sich ihre kulturelle Identität bewahren können. Und als größte
Stadt dieser Region kann Wuppertal sicherlich mit Recht als heimliche Haupstadt
genannt werden. Doch ein Fremder verliert sich trotz der guten
Verkehrsanbindung nur selten in die bergische Metropole. Das liegt vielleicht
an der nicht zu verleugneten Tatsache, dass Wuppertal im Schatten der nicht
unweit entfernten Weltstädte Düsseldorf und Köln liegt und zudem durch die Nähe
zur Megalopolis Ruhrgebiet leicht übersehen wird. Auf dem touristischen
Präsentierteller wird ein Besucher außer der einzigartigen Schwebebahn und dem
landschaftlich reizvollen Zoologischen Garten auch keine nennenswerten
Attraktionen erwarten, die sich ihm nicht genausogut in den beiden genannten
Großstädten bieten könnten. Denn interessant wird die Stadt an der Wupper erst,
wenn man sie erkundet. Wenn man neben der Innenstadt auch einmal das
gründerzeitliche Luisenviertel oder die Nordstadt gesehen hat, wenn man sich
die Zeit nimmt auf die etlichen Höhenrücken zu steigen, um die Stadt von oben
zu bewundern, wenn man vielleicht auch ihre Museen und Kulturhäuser besucht
oder auch mal Ausflüge in die altbergischen Stadtteile Cronenberg oder
Beyenburg unternommen hat. Wuppertal ist eine junge Stadt, die noch vor
zweihundert Jahren lediglich aus größeren, aber völlig unbedeutenden Dörfern
und einer Kleinstadt bestanden hat, die nie Sitz eines Würdenträgers gewesen
ist. Es ist daher nicht verwunderlich, dass man hier nach historischen
Reichtümern aus alter Zeit lange suchen muss. Was Wuppertal geworden ist,
verdankt es ausschließlich der Arbeit und dem Fleiß seiner Bürger, die die
Stadt während der Industrialisierung zu einer großen und reichen Metropole
gemacht haben. Vor allem die Zeit, in der das Tal unter preußischer Herrschaft
stand, hat es durch Prachtbauten und architektonische Meisterleistungen
deutlich geprägt. Doch sind von der einstigen wilhelminischen Reichhaltigkeit
und Größe nur noch Fragmente übriggeblieben. Alliierte Bombardements haben die
Stadt im letzten Krieg mehr als zur Hälfte zerstört. Die Stadt Wuppertal gibt
es in ihrer jetzigen, politisch einheitlichen Form erst seit 1929. Vorher lagen
im Tal der Wupper die beiden Großstädte Elberfeld und Barmen, und um das Tal
herum die Städte Vohwinkel, Cronenberg, Ronsdorf und die Landgemeinde
Beyenburg. Geschichtlich und geografisch gehörten jene einstmals in der
Landschaft zerstreuten Dörfer, die im Laufe der Zeit zu Städten herangewachsen
waren, aber schon immer zueinander. Es war allerdings der verbissene
Unabhängigkeitsgedanke und der ewige Zwist zwischen den beiden großen
Schwesterstädten, der eine Vereinigung erst so spät möglich machte. Wer heute
allerdings denkt, dass Wuppertal gar keine einheitliche Großstadt ist und der
Zusammenschluss von mehreren Städten lediglich ein politischer Willkürakt
gewesen war, der täuscht sich gewaltig. Denn der Name Wuppertal ist so alt wie
die Wupper Wupper heißt und die Städtevereinigung war nichts anderes als die
logische Konsequenz einer langjährigen historischen Entwicklung. Seitdem die
Wupperstädte aus ihrer Provinzialität herausgetreten sind, gab es hier ein
zusammenhängendes Siedlungsgebiet, das man schon damals auf jeder Karte für
eine Stadt gehalten hätte. Aber nicht nur Barmen und Elberfeld hängen
historisch miteinander zusammen, sondern auch alle Wuppertaler Stadtteile. Vohwinkel
hat zum Beispiel seine Existenz einzig und allein dem Eisenbahnanschluss nach
Elberfeld zu verdanken, Cronenberg und Sonnborn entstanden an den
Handelsstrassen nach Elberfeld, Ronsdorfs Gründung wurde aufgrund eines
Religionsstreites schließlich auch durch Elberfeld hervorgebracht. Aus der
Tatsache, dass Wuppertal aus verschiedenen Stadtteilen besteht, darf heute
nicht geschlussfolgert werden, dass es kein gemeinsames Wuppertaler Zentrum
gäbe. Wuppertal hat seine Innenstädte nicht auf viele Stadtteile verteilt,
sondern besitzt eine Innenstadt, die weiträumiger ist als die vieler anderer
Großstädte. Auch wenn es die Barmer nur schwerlich wahrhaben wollen, so ist es
doch eine unverkennbare Tatsache, dass sich die alte Stadtmitte von Elberfeld
als Wuppertaler Zentrum durchsetzen konnte. Durch die vor einigen Jahren
erfolgte Umbenennung des ehemaligen Döppersberger Bahnhofs in „Wuppertal
Hauptbahnhof“ ist dies dann auch offiziell besiegelt worden. Dass die Stadt
Barmen rund um ihr Rathaus noch ein zweites Zentrum besitzt, kann in diesem
Zusammenhang als eine Bereicherung empfunden werden, die andere Großstädte
nicht aufweisen können.
Kaum
eine andere deutsche Stadt besitzt so viele Treppen wie Wuppertal. Fast 200
öffentliche Treppen mit etwa 8.800 Stufen ermöglichen es den Bürgern den
Höhenunterschied innerhalb des Stadtgebietes, der immerhin 250 Meter beträgt,
zu überwinden. Besonders in der Nordstadt und dem östlichen angrenzenden
Viertel Ostersbaum sorgen die mannigfalltigsten Stiegen für Abkürzungen. Meist
gelangt man durch enge Schluchten wie zwischen Schuster- und Ottenbrucher
Strasse nach oben oder unten, manchmal aber ist die Treppe selbst ein
architektonisches Kunstwerk wie etwa die Vogelsauer Treppe, die Hamburger
Treppe oder die Trepppe Tippen-Tappen-Tönchen. Den schönsten Blick kann man von
der Grünewalder Treppe über das Luisenviertel auf die Südstadt genießen. Die
längste durchgehende Stiege ist die Jakobstreppe mit 155 Stufen, die die
Friedrich-Ebert-Strasse mit dem Nützenberg verbindet.
Wohin führen die Treppen
Wülfingtreppe Schleswiger Strasse çè Flensburger Strasse
Flensburgertreppe Holsteiner Strasse çè Flensburger Strasse
Holsteinertreppe Gathe çè Holsteiner Strasse
Preßburgertreppe Gathe çè Paradestrasse
Tippen-Tappen-Tönchen Plateniusstrasse çè Reitbahnstrasse
Hamburgertreppe Eschenbecker Strasse çè Hamburger Strasse
Engelbergertreppe Engelberg çè Weißenburger Strasse
Jakobstreppe Friedrich-Ebert-Strasse çè Nützenberger Strasse
Vogelsauertreppe Friedrich-Ebert-Strasse çè Nützenberger Sttrasse
Eichentreppe Buchenstrasse çè Eichenstrasse
Trotz
der hohen Bebauungsdichte ist Wuppertal eine Stadt im Grünen. Denn noch heute wird
mehr als die Hälfte des Wuppertaler Territoriums landwirtschaftlich,
forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt. Knapp 30 % des 16 837 ha großen
Stadtgebietes bestehen aus Acker und Wiese, 22 % aus Wald. Kaum eine andere
deutsche Stadt von der Größenordnung Wuppertals besitzt so viele Waldfächen.
Forst- und Parkanlagen reichen weit in die Kernstadt hinein. Vor allem im
südlichen Bereich des Tals findet man kaum einen Ort, in dessen unmittelbarer
Umgebung nicht irgendwo eine Grünanlage liegt. Es gibt in Wuppertal elf Parks,
von denen die Hardt und die Barmer Anlage die bedeutendsten sind. Während der
Norden der Stadt mit seinen weiten und welligen Ackerflächen eher
niederbergische Merkmale aufweist, trägt die Landschaft im Süden eher die Züge
eines waldreichen Mittelgebirges. Die beiden größten zusammenhängenden
Waldgebiete sind das Burgholz, das sich von Vohwinkel und Sonnborn bis zur
Kohlfurth erstreckt, un der Marscheider Wald, der von Heckinghausen nach
Beyenburg reicht. Beide Wälder liegen an der Wupper, was vor allem den Weg, der
durch das Burgholz nach Müngsten führt, zu einem der beliebtesten Radwege des
Bergischen Landes macht.
Die
Wuppertaler selbst glauben es kaum und der Tourist, der die Stadt besucht,
würde es womöglich für einen Scherz halten: Nach Köln, welches rund 9.000 unter
Denkmalschutz stehende Gebäude aufweist, ist das junge und im Krieg so sehr in
Mitleidenschaft gezogene Wuppertal in Nordrhein-Westfalen die Stadt mit den
meisten eingetragenen Denkmälern. Ausgerechnet die bergische Metropole, dessen
besonderes Merkmal laut vieler Lexika darin besteht, dass sie so gut wie keine
historischen Bauten aufweisen kann, steht auf der Denkmalliste vor Münster,
Düsseldorf, Aachen, Paderborn, Bonn und sämtlichen Ruhrgebietsstädten. Ursache
dafür ist vor allem der Wandel des Denkmalbegriffs. Denn nachdem man sich in
den sechsziger Jahren so gewaltig an der Gestalt der deutschen Stadtbilder
vergriffen hatte, weitete man die Kategorien für die Denkmalwürdigkeit eines
Objektes drastisch aus, um nicht noch mehr architektonische Kleinode durch
Kahlschlag zu verlieren. Wuppertal hat zwar keine Schlösser, Burgen und Dome,
weist keine mittelalterliche Patrizierhäuser auf, hat nicht sonderlich viele
Monumentalpaläste und besitzt nicht mehr Kirchen als andere Städte auch. Doch
aufgrund der Tatsache, dass nirgendwo in Deutschland die Industriealisierung
des letzten Jahrhunderts eine Stadt so schnell und so weit nach oben gebracht
hat wie Wuppertal, war es unvermeidlich, dass dieser Aufstieg vor allem in der
Architektur seine Spuren hinterlassen hat. Der Wohlstand, der unweigerlich mit
dem wirtschaftlichen Aufschwung verbunden war, zeigte sich an den Fassaden der
neu errichteten Häuser. In der Innenstadt baute man einen Prachtbau neben den
anderen. Es waren keine Monumentalklötze, sondern Geschäfts- und Wohnbauten in
bescheidener Größe, aber sowohl von innen als auch von außen mit
hervorstehendem Prunk und unglaublicher Herrlichkeit. In exklusiven Vierteln
entstanden etliche Villen und selbst in Arbeitervierteln wie der Nordstadt
zeugten die dort entstandenen Mietshäuser mit ihren hervorragend strukturierten
Fassaden voller filigraner Darstellung vom Reichtum und Prunk der aufgestrebten
Stadt. Krieg und Modernisierungswahn haben davon nicht alles zerstören können.
Zu der langen Liste der Wuppertaler Denkmäler zählen natürlich auch die vielen
alten bergischen Fachwerkhäuser, die in dem ehemals benachbarten Dörfern
außerhalb der alten Stadtzentren zu Hunderten stehen.
Wie
es fast keiner deutschen Großstadt erspart bleiben konnte, so haben die alliierten Terrorbomber im
Zweiten Weltkrieg auch Wuppertals ursprüngliches Stadtbild größtenteils für
immer vernichtet. Nach den Luftangriffen vom 30. Mai und vom 25. Juni 1943
waren fast zwei Drittel aller Stadtgebäude zerstört. Besonders schwer wurden
die Innenstädte, die Elberfelder Südstadt und Ronsdorf getroffen. In den vielen
Industrieanlagen und Kasernen sahen die Alliierten keine lohnenden Ziele. Über
die Vernichtungspläne gegen die deutsche Bevölkerung hinaus, hatten die
Angriffe auf Wuppertal und die anderen bergischen Städte lediglich den Zweck,
die Deutschen zur Dislozierung ihrer Verteidigungsmittel zu zwingen. Ohne
jegliche militärischen und kriegsentscheidenden Grund starben etliche tausend
Menschen. Die Stadt verlor bei den insgesamt sieben Attaken unzählige
Bürgerhäuser. Nicht mehr als vierzehn Gebäude blieben in der Südstadt so gut
wie unbeschädigt und konnten wieder aufgebaut werden. Ansonsten sucht man dort
genauso wie in der Barmer Stadtmitte vergeblich nach den Zeugnissen aus
Wuppertals Aufschwung und Blütezeit. Glücklicherweise sind wenigstens die
wichtigsten öffentlichen Gebäude größtenteils wieder rekonstruktiert worden. So
das Elberfelder Verwaltungshaus, der Hauptbahnhof, die Bahndirektion, das
Landgericht und das Museum, in Barmen das Rathaus und die Ruhmeshalle. Auch
sämtliche Kirchen stehen in hergebrachter Form wieder an ihrem ursprünglichen
Platz. Vieles blieb allerdings für immer verloren. So zum Beispiel das
Stadttheater, die Barmer Stadthalle, die übrigen Bauwerke der Barmer Anlagen
und das imposante Cronenberger Rathaus. Und was am schwersten wiegt, das ist
der Verlust von all den alten karakteristischen Ortskernen und Altstadtgassen,
die man nach dem Kahlschlag auch nie wieder hätte herrichten können. Auch seine
Prachtstrassen konnte die Stadt nicht wieder aufbauen, wie sie vor den
Bombardements gewesen waren. Es fällt schwer sich heute vorzustellen, dass sich
damals an der Herzogstrasse, der Königstrasse oder der Allee ein
architektonisches Schmuckstück an das andere reihte. Dass dem Wiederaufbau in
diesen Bereichen die Hände gebunden waren, liegt natürlich auf der Hand:
Schließlich war es in den fünfziger Jahren vorrangiges Bedürfnis der Menschen,
die entstandene Wohnungsnot auf möglichst schnelle und billige Weise zu
lindern. So entstanden anstelle der sich in zwei Jahrhunderten als Zeichen
prosperierender Stadtentwicklung kunst- und stilvoll errichteter Bauwerke in
wenigen Jahren billige und karge Strassenzeilen, die heute an vielen Orten
vornehmlich unser Stadtbild prägen.
Zwei Drittel aller Wohnungen im Stadtgebiet waren bei Kriegsende
zerstört. Als erstes wurde die Talstraße von Tümmern befreit.
Grundlegend veränderte sich das Bild der Städte an der Wupper zum Jahrhundertwechsel. Immer mehr Fabriken, immer mehr Schornsteine wuchsen in den Himmel, und aus Sorge um Grünflächen und Wälder schlossen sich betuchte Bürger zu Verschönerungsvereinen zusammen. Parks wie die Hardt, der Nordpark und auch der Zoo entstanden. Man liebte es wilhelminisch prächtig: 1900 wurden sowohl die Ruhmeshalle als auch die Stadthalle und das neue Rathaus am Neumarkt eingeweiht. Die Infrastruktur hielt mit. Nach der Pferdebahn wurde der Eisenbahnbau forciert, die Schwebebahn quer durchs Tal setzte weitere Akzente, es kam die große Zeit der Siedlungsbauten. Noch heute erinnern frühere Kolonien wie die auf dem Sedansberg, am Nordpark oder auf dem Rott an die Bautätigkeit zu Beginn des Jahrhunderts. Zu Beginn des 1. Weltkriegs waren Barmen und Elberfeld je 173.000 Einwohner groß. Neue Industriezwege entstanden, die auf traditionellem Handwerk aufbauten: Das reichte von der Teppichweberei über elektrotechnische Industrie bis zur Konfektions- und Kunstfaserindustrie. Neue Industriegebiete wurden etwa auf Clausen oder an der Düsseldorfer Straße erschlossen, 1929 schlossen sich die Städte an der Wupper, die längst zu einem zusammenhängenden Wirtschaftsgebiet geworden waren, nach heftigen Diskussionen auch politisch zusammen und bildeten die neue Großstadt Wuppertal mit 416.000 Einwohnern. Die fieberhafte Entwicklung des vergangenen Jahrhunderts setzte sich nicht fort. Die Politik bestimmte das Geschehen – verhängnisvoll. Seit 1933 verfolgten die Nationalsozialisten Andersdenkende und Menschen im Widerstand. An der Kemna wurde das erste KZ Deutschlands eingerichtet. 1943 zerstörten die Briten bei Luftangriffen unter anderem auf Barmen und Elberfeld weite Teile der Stadt. Fast 6.000 Menschen starben. Bei Kriegsende, so meldeten die Behörden, waren fast zwei Drittel der Wohnungen zerstört. Der Wiederaufbau begann ab 1950. Schnell musste es gehen, und schnell ging es. Trümmer verschwanden, zunächst an der Talstraße, in Rekordzeit wurden neue Wohnhäuser hochgezogen, das Opernhaus eröffnete wieder, die Schwimmoper entstand, und vor allem hieß es: Platz für Autos und damit für Straßen. Über die A 1 fuhren die Wagen seit 1960, die A 46, der frühere Wupperschnellweg, wurde zum unverzichtbaren Teil städtischer Infrastruktur. 1963 lebten 423 453 Wuppertaler in der Stadt – Höchststand. Mit den Bauten und Planungen der Nachkriegszeit hat sich die moderne Stadtentwicklung auseinanderzusetzen. Bestes Beispiel ist der Döppersberg: Knotenpunkt für Autos und Busse, kein Platz für Fußgänger, die auf dunklem Tunnelweg vom Bahnhof in die Innenstadt geleitet werden. Das soll anders werden, eine mutige Planung wird auf den Weg gebracht. Fast gleichzeitig wird das Großprojekt der City-Arkaden das Gesicht Elberfelds verändern. Stadtplanung, Stadtentwicklung und damit verbunden Stadtmarketing werden in letzter Zeit verstärkt diskutiert. Welches Gesicht hat die Stadt? Und wohin will / soll sie sich entwickeln? Wie kann sie als Stadt mit zwei Zentren Profil gewinnen? Marketingkonzepte und Leitbilder sind entwickelt worden; eine Koordinierung steht – ebenso wie bei der Stadtplanung im Rathaus – nach wie vor aus.
Nach
der Zerstörung durch den Krieg musste Wuppertal noch eine zweite Zerstörungswut
über sich ergehen lassen. Nämlich die Ideologie der funktionalistischen
Architektur, die im Stadtbild deutlich ihre Spuren hinterlassen hat. War es
nach dem Krieg lediglich die Not, die die Menschen dazu veranlasste, in
Trümmern geratene Schmuckbauten abzutragen und auf deren Fundamente billige
Wohnklötze zu errichten, so handelte die neue Generation der sechziger und
siebziger Jahre nach dem Wirtschaftswunder gleichermaßen in der bewussten
Absicht Historisches für immer aus dem Stadtbild zu verbannen. Vieles, was man
der Nachwelt durchaus hätte erhalten können, wurde eingeebnet. So zum Beispiel
das Thalia Theater, das alte Bankhaus von-der-Heydt Kersten & Söhne, die
Bergisch-Märkische Bank, der Odin Palast, der alte Lichtscheider Wasserturm,
das Schloss Aprath, das Planetarium und die Bergbahn samt Bahnhöfe und
Gleisanlagen. Viele Gebäude wurden verschandelt wie zum Beispiel das
Kaufhofgebäude am Neumarkt, das Möbelhaus am Wall oder das Eingangsportal des
Hauptbahnhofs, Die Empfindung für die Schönheit ehemaliger baukünstlerischer
Schmuckformen oder der Sinn für Stadtbildpflege war vielen verloren gegangen.
Man wollte sanieren und sanieren hieß nichts anderes als abreißen, was man
zuvor achtlos hatte vergammeln und verkommen lassen. Dazu trat der
Verkehrserschliessungswahn, der vor nichts halt machte. Für ein Autobahnkreuz
wurde die Hälfte eines dicht besiedelten Stadtteils gerodet und man bescherte
den Wuppertalern durch den Norden ihrer Stadt eine Autobahn, die sich auf ihren
gigantischen Betonpfeilern nirgendwo an das gewachsene Stadtbild angepasst hat.
Man wollte den neuen Verkehrsstrang so nah wie möglich an die Stadt heranbauen.
Ob die Trasse zwei Kilometer nördlich auf Weide- und Ackerland nicht vielleicht
sogar den gleichen Zweck erfüllt hätte, schien nicht relevant. In der Stadt
selbst klotzte man dort, wo man keine neuen Strassen bauen konnte, mit
Betonburgen aus Stahl, Glas und Kunststoff, die die noch verbliebenen Gebäude
rücksichtslos in den Schatten stellten. Im Namen des Fortschritts war Schönheit
verpönt; es zählte nur noch eines: Der Grundsatz der Zweckmäßigkeit.
Das
Bergische Land ist ein Land der Talsperren. Es besitzt keinen einzigen
natürlichen See von erwähnenswerter Größe und dennoch gibt es in den vielen
Tälern eine ganze Reihe von angestauten Wasserflächen, die nicht selten zu
beliebten Ausflugzielen avanciert sind. Auf Wuppertaler Stadtgebiet gibt es
insgesamt vier solcher künstlicher Seen. Zum einen den Beyenburger Stausee, der
die Wupper regulieren soll, die Ronsdorfer Talsperre, die damals die
Wasserzufuhr für die Hämmer und Kotten geregelt hat, die untere Barmer
Talsperre im Marscheider Wald, die als Trinkwasserreservoir gedient hat und
zuletzt die Herbringhauser Talsperre. Diese Talsperre südlich des Dorfes
Herbringhausen wurde von der Stadtgemeinde Barmen Ende des 19. Jahrhunderts
fertiggestellt. Sie dient der Trinkwasserversorgung und hat ein
Fassungsvermögen von 2,9 Milionen Kubikmeter. In dem unterhalb der Staumauer
liegendem Wasserwerk wurde die erste der großen Schnellfilteranlagen für
Trinkwasser in Deutschland betrieben. Ein Ausflugsziel stellt die
Herbringhauser Talsperre allerdings nicht dar. Sie ist als Wasserschutzzone I
weiträumig abgezäunt.
Zu
einer Zeit, als der einzige öffentliche Personennahverkehr in den beiden Großstädten
an der Wupper lediglich aus teuren Pferdedroschken bestand, wuchs in der
Bevölkerung das Verlangen nach einem regelmäßig verkehrendem und billigen
Transportmittel. 1874 wurde dann die erste Stadtschienebahn Wuppertals in
Betrieb genommen. Auf dem in Eisenbahnspurweite ausgeführten Schienenstrang
zwischen Oberbarmen und Westende rollten seitdem quer durch die
Hauptverkehrsstrassen die kleinen Waggons, für dessen Antrieb bis zu 200 Pferde
zur Verfügung standen. Aufgrund der extremen Steigungen in der Stadt war diese
Strecke in der Talsohle auch die einzige, die überhaupt mit Pferden betrieben
werden konnte. Dies genügte den Anforderungen der Bürger natürlich nicht, doch
dauerte es noch zwanzig Jahre bis mit der Barmer Bergbahn ein elektrisch
betriebenes System eingerichtet werden konnte. Neben der Zahnradbahn wurde von
der gleichen Gesellschaft eine Strassenbahnlinie vom Stadttheater in der Nähe
des Mittelbarmer Bahnhofs bis nach Heckinghausen angelegt, die die Gleise der
pferdebetriebenen Talbahn mitbenutzte. Jene wurde erst 1899 auf
Oberleitungsbetrieb umgestellt. Vorher entstanden aber auch in Elberfeld zwei
relevante Strassenbahnstrecken. 1896 die Nord – Süd – Bahn vom Steinbecker
Viehhof nach Uellendahl und 1897 die Bergische Kleinbahn Elberfeld – Neviges.
Da beinahe jede Strassenbahnlinie von einer anderen Gesellschaft betrieben
wurde, kam es letztendlich zu unterschiedlichen Spurweiten und
Stromversorgungen. Nach der Jahrtausendwende waren schließlich alle Stadtteile
und sämtliche Nachbarstädte mit Strassenbahnen zu erreichen. Bis zum Beginn der
Nachkriegszeit erwies sich dieses Verkehrsmittel noch leistungsfähiger und
pflegeleichter als die damaligen Autobusse.
In
das Strassenpflaster der Poststrasse sind Metallplatten intergriert, die auf
die Partnerstädte Wuppertals hinweisen. Bei den jeweiligen Wappen liest man
folgende Städtenamen: South Tyneside [England], St. Etienne [Frankreich],
Berlin – Schöneberg, Beer – Sheva [Israel], Kaschau / Kosice [Slowakei],
Schwerin [Mecklenburg] und Matagalpa [Nicaragua].
Sehr früh von der Eisenbahn profitiere
Vom Wuppertal auf der Schiene zum Rhein / Vohwinkel spielte eine
bedeutende Rolle
In der Wuppertaler Eisenbahngeschichte spielte Vohwinkel keine geringe Rolle. Einerseits erreichte die erste westdeutsche Eisenbahnstrecke von Düsseldorf kommend Wuppertaler Gebiet in Vohwinkel, das natürlich damals noch selbständig war, zumal es eine Stadt Wuppertal erst seit 1929 gibt. In der folgenden Zeit entwickelte sich die Stadt zum Verkehrsknoten, von wo die Bahnen in verschiedene Richtungen verzweigten. Noch bevor am 7.Dezember 1835 in Deutschland der erste Dampfzug von Nürnberg nach Fürth fuhr, wurde im Juli 1835 die Elberfelder Eisenbahngesellschaft gegründet, die die Strecke Elberfeld – Düsseldorf bauen wollte. Ende Juli 1836 folgte die Gründung der Elberfeld-Wittener Eisenbahngesellschaft. Am 23.September 1837 wurde die Konzession für die Düsseldorf-Elberfelder Bahn erteilt. Der praktische Eisenbahnbetrieb wurde am 20. Dezember 1838 zwischen Düsseldorf und Erkrath aufgenommen und am 10.April 1841 konnte die Strecke Erkrath –Vohwinkel eröffnet werden.
Es war immerhin die zweite preussische Eisenbahnlinie, denn auf den 24.April 1837 datiert die Betriebsaufnahme auf der Strecke Leipzig – Althen (später bis Dresden), auf den 22.September 1838 die Strecke Berlin – Potsdam und auf den 1. Dezember 1838 die erste deutsche Staatsbahn von Braunschweig nach Wolfenbüttel. Bereits am 3. September 1841 folgte die Verlängerung von Vohwinkel ostwärts bis Steinbeck und die Inbetriebnahme der ersten zweigleisigen Eisenbahnbrücke in Sonnborn. Die Verknüpfungsfunktion erhielt Vohwinkel ab 1.Dezember 1847, als auf der Strecke (Essen-) Kupferdreh – Vohwinkel der Normalspurdampfbetrieb (Spurweite 1,435 Meter) aufgenommen wurde. Ab 15.September 1879 fuhren Züge auf der Rheinischen Strecke von Düsseldorf-Derendorf über Mettmann und Varresbeck nach Wichlinghausen, als ohne unmittelbare Anbindung an den Vohwinkler Bahnhof. Ein 3,1 Kilometer langes Verbindungsstück zwischen Vohwinkel und Varresbeck konnte am 1.März 1896 in Betrieb genommen werden. Ab 15.November 1887 verkehrten Züge auf der sogenannten, so nach der verschlungenen Streckenführung benannten „Korkenzieherbahn“ von Vohwinkel 8,9 km weit nach Wald und ab 12.Februar 1890 weiter nach Solingen. Am 17.Juli 1899 wurde eine Kleinbahnstrecke von Benrath über Hilden und Haan nach Vohwinkel eröffnet.
Ein wichtiger Meilenstein für Vohwinkel waren Bau und Betriebsaufnahme der Ost-West-S-Bahn (S8) von Mönchengladbach über Düsseldorf und Wuppertal nach Hagen. Baubeginn im Wuppertal war am 18.März 1978, im Bahnhof Vohwinkel am 5.November 1984 und Einweihung am 28.Mai 1988. Dazwischen lag eine Renovierung der Bahnhofshalle in 1984. Während die Strecken Richtung Wichlinghausen und Solingen nur noch Geschichte sind, darf kurz nach der Jahrtausendwende die Anbindung an die neue Regiobahn Kaarst – Düsseldorf – Mettmann erwartet werden und im Ausbau befindet sich die künftige S-Bahn-Linie 9 nach Essen und Haltern. Umfangreiche Bauarbeiten sind gerade in diesem Jahr im Vohwinkler Bahnhofbereich zu sehen.
Im August 1826 hatte Schienenpionier Friedrich Harkort in Elberfeld eine Probebahn nach dem System Palmer vorgestellt, der sich im folgenden Monat eine Diskussion über eine Kohlebahn zur Ruhr nach Hinsbeck anschloß. 1828 kam die Einbeziehung des Wuppertals in eine Rhein-Weser-Bahn ins Gespräch. Die Konkurrenz zwischen Elberfeld und Barmen drückte sich darin aus, daß Barmer Unternehmer eine Kohlebahn nach Hardenstein/Ruhr initiieren wollten. Realisiert wurde 1829 lediglich die sechs Kilometer lange, schmalspurige Muttentalbahn mit Pferdebetrieb von der Zeche Nachtigall bei Hardenstein bis zur Witten-Elberfelder Landstraße. 1830 die Revolution: Zwischen Manchester und Liverpool in England wird die erste Dampfeisenbahn in Betrieb genommen. Die bergische Antwort im September 1831 ist noch dampflos: Prinz Wilhelm von Preußen tauft die 7,3 Kilometer lange Deilbachbahn auf seinen Namen. Sie wurde von August bis September 1829 und von März bis Juni 1831 als Schmalspur-Schienenbahn mit Pferdebetrieb vom Himmelförster Stollen südliche Stelle nach Nierenhof bei Langenberg ausgeführt. Nach Minden wird 1832 wird in Elberfeld „provisorisches Eisenbahn-Komitee“ gegründet. Ziele: Rhein-Weser-Bahn von Minden nach Köln und Kohlebahn. Am 12.März 1833 findet die Generalversammlung eines gemeinsamen Elberfelder-Barmer Komitees für die Rhein-Weser-Bahn statt. Im Juli 1835 wird eine Elberfelder Eisenbahngesellschaft gegründet, die auch von Barmen unterstützt wird. Ende Juli 1836 folgt die Gründung der Elberfeld-Wittener Eisenbahn-Gesellschaft AG. Die Konzession für die Düsseldorf-Elberfelder Bahn wird am 23.September 1837 erteilt. Am 20.Dezember 1838 nimmt die zweite Preußische Eisenbahnlinie von Düsseldorf nach Erkrath ihren Betrieb auf. Die Verlängerung bis Vohwinkel am 10.April 1841 schließt die damals steilste Eisenbahnstrecke zwischen Erkrath und Hochdahl ein. Am 3.September 1841 rollt ein Premierezug auf der Strecke Vohwinkel – Steinbeck über die erste zweigleisige Eisenbahnbrücke in Sonnborn. Entlang der Wupper entstehen zwischen 1846 und 1850 die Bahnhöfe Döppersberg, Barmen, Rittershausen (Oberbarmen), Schwelm, Gevelsberg und Hagen. Die dazugehörigen Streckeneröffnungen: 9.Oktober 1847 Elberfeld (Döppersberg) – Schwelm, 20.Dezember 1848 Schwelm – Hagen, 29.Dezember 1848 Hagen – Dortmund, 9.März 1849 Teilstück Elberfeld (Döppersberg) – Steinbeck (0,8 Kilometer).
Die am 15.September 1879 eröffnete Rheinische Strecke: Düsseldorf-Derendorf – Mettmann – Varresbeck – Wichlinghausen (damals Oberbarmen) – Schwelm-Loh – Hagen-Eckesey (57,3 Kilometer) ist als Konkurrenzstrecke zur im Tal verlaufenden Bergisch-Märkischen Eisenbahn konzipiert. 1880 hat die Direktion Elberfeld eine Streckenlänge von 1.413 Kilometer zu verantworten. Auf den 1.Januar 1882 datiert die Verstaatlichung der Bergisch-Märkischen Eisenbahngesellschaft. Noch erwähnenswert unter den bis zur Jahrhundertwende erfolgten zahlreichen Streckenerweiterungen im Bergischen Land: am 1.April 1891 Eröffnung der Strecke Steinbeck – Cronenberg (10,6 Kilometer). Später als „Samba“ bekannt. Und natürlich am 16.Juli 1897 die Eröffnung der Strecke Solingen – Remscheid und Einweihung der „Kaiser-Wilhem-Brücke“, der berühmten und in Europa höchsten (107m) „Müngstener“ Eisenbahnbrücke.
Aufgrund der topografischen Lage Wuppertals war die Eisenbahn schon von jeher gefordert, die keineswegs unproblematische Verkehrssituation zu meistern, 25 Bahnhöfe und Haltepunkte waren schon 1891 notwendig, um die 116.000 Barmer und 126.000 Elberfelder Bürger zu befördern. Und steile Berghänge galt es schon damals zu überwinden. Mit Hilfe von einigen Tenderlokomotiven, die eigens für Wuppertaler Bedürfnisse bei der bayrischen Lokfabrik Krauss & Co. in Auftrag gegeben wurden, gelang es die Hürden auf der am 1. April 1891 eröffneten Verbindung Steinbeck-Cronenberg mit ihrem Gefälle von 25 % und 33 % sowie den engen Gleisradien von 180 m Durchmesser zu nehmen. Jede Veränderung oder Neuerung der damals Königlichen Eisenbahndirektion Elberfeld wurde unter Beifall von der Bevölkerung aufgenommen. Dies spiegelt sich in der Begeisterung der Massen wieder, die bei der Streckeneröffnung Beyenburg-Langerfeld im Februar 1890 oder beim Besuch des Kruckenbergschen Schienenzeppelins im Juni 1931, zu Tausenden die Gleise säumten.
Rheinische Eisenbahn
Die Strecke der Rheinischen
Eisenbahn, die auf Wuppertaler Gebiet auch als Nordbahn bezeichnet wird, taucht
mit ihren mächtigen Viadukten ständig zwischen den Häuserzeilen der nördlichen
Wohnbezirke Elberfelds und Barmen auf. An der umständlich angelegten Trasse,
die zwischen Lüntenbeck und Wichlinghausen an steinernen Felswänden entlang,
durch mehrere Tunnel und über etliche Brücken führt, liegen zehn Bahnhöfe und
Haltepunkte, an denen allerdings seit 1991 kein Personenverkehr mehr
stattfindet. Im Jahre 1879 wurde die Gleisanlage von Düsseldorf-Derendorf nach
Schwelm in Betrieb genommen. Sie war damals weniger aus
betriebswirtschaftlicher Notwendigkeit angelegt worden, sondern war vielmehr
das Ergebnis des Konkurrenzkampfes zwischen der Rheinischen und der
Bergisch-Märkischen Bahngesellschaft. Ursprünglich gab es im preußischen Rheinland
nämlich keine staatliche Eisenbahn, sondern drei voneinander unabhängige
private Bahngesellschaften. Nach Verstaatlichung der Rheinischen und der
Auflösung der Bergisch-Märkischen Bahn im Jahre 1886 erwies sich die wegen
ihrer geringeren Steigungen betriebswirtschaftlich günstigere Trasse der
Wuppertaler Nordbahn als nützliche Entlastung der südlichen Hauptlinie.
Königliche Eisenbahndirektion
In Elberfeld wurde die Eisenbahn seit 1844 lückenlos in besonderer Organisationsform verwaltet. Bis 1895, nach Bildung neuer Direktionsbezirke, war Elberfeld eine „Über-Direktion“, bis zur endgültigen staatlichen Übernahme aber formell noch gezwungen, die Direktions- und Verwaltungsarbeit auf private Zwecke abzustellen. Organisatorisch war dies durch die bei der Einrichtung der staatlichen Verwaltung unveränderten Eigentumsverhältnisse möglich. Neben der Königlichen Direktion bestand ein Kontrollorgan der Aktienbesitzer, die „Deputation der Aktionäre“, sowie eine jährliche Generalversammlung der Aktionäre. Durch die ständige Erweiterung des Streckennetzes wuchsen allerdings die Kapitalanleihen des Staates immer stärker an. 25 Jahre nach dem Bau des Döppersberger Bahnhofs entstand in unmittelbarer Nachbarschaft das Verwaltungsgebäude der Königlichen Eisenbahn-Direktion. Formal bezog sich der in klassizistischen Formen gestaltete Bau auf das Bahnhofsgebäude, wenngleich die Anordnung der Fenster und die Gliederung der Fassade eine deutliche Verwandschaft zu italienischen Renaissance-Palazzi aufweist. Der dreigeschossige Baukörper ist innerhalb der einzelnen Geschosse fein abgestuft und zur Schauseite symetrisch angelegt. Der deutlich hervortretende Mittelbau hat eine große ionische Säulenordnung mit umlaufender Attika und weit auskragendem Gebälk. Im rustizierten Erdgeschoß öffnen sich drei große Rundportale zur Vorhalle.
Direkt neben dem relativ kleinen Empfangsgebäude des Hauptbahnhofs erstreckt sich der monumentale Bau der ehemaligen Bundesbahndirektion. Die Eisenbahndirektion Wuppertals kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Bereits im Jahre 1850 wurde sie als Königliche Direktion der Bergisch-Märkischen Eisenbahn geschaffen und war damit die erste staatliche Bahndirektion in Westdeutschland. Der Schinkel’sche Bau entstand 25 Jahre später. 1971 wurde die Bundesbahndirektion Wuppertal aufgelöst und ihr Zuständigkeitsbereich Köln unterstellt. Seitdem ist das Gebäude Sitz der Sozialverwaltung West der Deutschen Bahn. Im Jahre 2000 wurde das gesamte Direktionsgebäude mit viel Aufwand von aussen vollkommen restauriert. Über dem Hauteingang steht weiterhin in goldenen Buchstaben „ Bundesbahndirektion“
Enorme überregionale Bedeutung
genoß in Wuppertals Bahnbetrieb der Güterbahnhof Vohwinkel. Er mauserte sich
zur Drehscheibe des Transportverkehrs und wurde bald zum wirtschaftlichen
Mittelpunkt des Wuppertaler Westens. Der Bahnhof machte Vohwinkel zu einem
starken Stadtteil, der 1929 manche Reichsmark als Mitgift in die Ehe mit der
neuen Stadt Wuppertal einbrachte. Das Jahr 1939 breitete Furcht und Schrecken
über die Weltbevölkerung. Wie im deutsch-französischen Krieg und im 1.
Weltkrieg war die Eisenbahn erneut Transportmittel des Militärs. Die Nacht vom
29. auf den 30. Mai 1943 bedeutete für Barmen und Ronsdorf den Bombentod, und
auch der Bahnhof Barmen fiel der Bombadierung zum Opfer. Es folgen die Bahnhöfe
Elberfeld am 25. Juni 1943, der Rangierbahnhof Vohwinkel am 31. Dezember 1944
und 1. Januar 1945 sowie die Bahnhöfe Steinbeck, Oberbarmen und Wichlinghausen.
Nach Kriegsende stand die Eisenbahn in Wuppertal zunächst unter amerikanischer,
dann aber unter britischer Führung, langsam und provisorisch kam der
Bahnbetrieb wieder ins Rollen. 1949 war das Jahr, in dem die Deutsche
Bundesbahn und somit die Bundesbahndirektion Wuppertal gegründet wurde. Sie
organisierte und förderte den Aufbau der Bahnhöfe im Tal. Am 18. Oktober 1950
konnte mit einem Festakt in der Stadthalle das 100 jährige Jubiläum der
Eisenbahndirektion Wuppertal gefeiert werden. Das Eisenbahnnetz wurde soweit
ausgebaut, daß es sich in den sechsziger Jahren sogar lohnte, die Strecke
Hagen-Wuppertal-Düsseldorf zu elektrifizieren. Vier Jahre dauerte es, bis am
29. Mai 1964 ein TEE als Eröffnungszug unter dem Jubel der Bevölkerung von
Hagen bis Düsseldorf und in Wuppertal Station machte. Die damalige
Höchstgeschwin-digkeit von 160 km/h wird selbst heute noch nicht überschritten.
Der 31. Dezember 1974 brachte unter den Wuppertaler Kommunalpolitikern, der
Wirtschaft und großem Bedauern seitens der Eisenbahner die Auflösung der
Direktion Wuppertal. Die Eisenbahnstrecken Wuppertals fielen ab 1975 unter
Verwaltung der Bundesbahndirektion Köln. Wuppertal genauer der Bahnhof
Elberfeld, stieg zum IC-Haltepunkt auf. 300 bis 400 Züge befahren heute die
Hauptstrecke im Tal. Von den ehemals 32 Stationen bestehen noch neun auf der
Talstrecke und 16 auf den Nebenstrecken. Nach Baubeginn der Ost-West-S-Bahn am
18. März 1978 erfuhr fast jeder Bahnhof an der Strecke kleinere oder größere
Veränderungen. In Langerfeld wurde ein völlig neuer Haltepunkt geschaffen. 82
Kilometer mißt die gesamte Baustrecke und hat eine Milliarde Mark verschlungen.
Die Verkehrsprognose sagt 96.000 Fahrgäste pro Tag voraus. Das Jahr 1987 wird die
Spekulation über die vollständige Stillegung der Rheinischen Strecke verhärten,
und auch für die fast 100 jährige „Sambastrecke“ von Steinbeck nach Cronenberg
könnte bald „der letzte Zug abgefahren“ sein.
Jubiläen und Gedenktage
v
v 1750
16.
Mai Elias Eller der Gründer von
Ronsdorf, stirbt im Alter von fast 60 Jahren in Ronsdorf. Wegen
unüberbrückbarer Differenzen mit der Reformierten Gemeinde Elberfeld verlassen
Eller und seine Glaubensanhänger 1737 Elberfeld und siedeln sich in Ronsdorf
an. Von 1747 bis zu seinem Tod war Eller Bürgermeister in Ronsdorf. Er übte
dieses Amt „diktatorisch“ aus, sorgte aber dafür, daß die Stadt in dieser Zeit
einen großen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte.
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v 1775
13.August Johann Rütger Brüning, der erste Elberfelder
Oberbürgermeister, wird in Elberfeld geboren; seine Amtszeit dauerte von 1814
bis zu seinem Tod 1837. Er war einer der ersten Politiker, der eine Vereinigung
der Wupperstädte anregte. Während seiner Amtszeit widmete sich Brüning
besonders dem Ausbau des Straßennetzes und der Verbesserung des Schul- und
Armenwesens.
v
v 1800
8.April Johann Peter Friedrich Birker wird auf Hof Sporkert
bei Ronsdorf geboren. Er konstruierte eine Kartenschlagmaschine für
Jacquardkarten. Mit dieser Erfindung konnte das Weben von Mustern weitgehend
mechanisch durchgeführt werden. Durch solche Musterkarten wurde die Qualität der
Webereiprodukte erhöht, zum anderen hatten die Webstühle weniger Stillstand.
Patentschutz gab es zu dieser Zeit noch nicht und so ist der Name des Erfinders
fast vollständig in Vergessenheit geraten. Birker starb 1862 in Ronsdorf.
6.August In Beyenburg wird Martin Wilhelm von Mandt, der
Leibarzt des russischen Zaren Nikolaus I., geboren. Als Arzt arbeitete er auf
mehreren medizinischen Fachgebieten, sein Schwerpunkt war jedoch die Chirurgie.
Im Jahr 1835 siedelte er als Leibarzt der russischen Großfürstin Helene nach
St.Petersburg über, 1840 wurde er schließlich zum Leibarzt von Zar Nikolaus I.
berufen. Anfangs bereitete man ihm in Rußland einige Schwierigkeiten, die meist
fortschrittlicheren Behandlungsmethoden aus dem Westen beim Kaiserpaar
anzuwenden. Vom Zaren geadelt zog von Mandt nach dessen Tod (1855) nach
Frankfurt/ Oder, wo er 1858 starb.
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v 1825
22.März Johann Jakob Aders, Kaufmann und Kommunalpolitiker,
stirbt im Alter von 56 Jahren in Elberfeld. Er hat sich um das Allgemeinwohl
seiner Vaterstadt sehr verdient gemacht. So begründete er unter anderem die
„Allgemeine Armenanstalt“, eine Vorform des Elberfelder Systems und rief den
„Elberfelder Kornverein“ ins Leben, der 1816/17 mit Spenden der wohlhabenden
Bürger eine Hungersnot unter den Armen verhinderte. Aders war auch maßgeblich
an der Gründung der „Rheinisch-Westindischen Kompanie“, einer der ersten
Aktiengesellschaften beteiligt.
6.Juni
Friedrich Bayer sen. wird in Barmen
geboren. Zusammen mit seinem Freund Friedrich Westkott gründete er 1863 in
Oberbarmen die „Fa. Friedrich Bayer & Co.“, in der anfangs hauptsächlich
Farbstoffe für die Textilindustrie hergestellt wurden. Schon sehr bald wurde
die Produktionsstätte zu klein und 1866 errichtete man in Elberfeld ein neues
Werk. Als Bayer 1880 starb, hatte seine Firma rund 400 Mitarbeiter und das
Verkaufsnetz erstreckte sich über alle Textilzentren der Welt; damit war der
Grundstein für den heutigen Weltkonzern gelegt.
11.Juli Eröffnung der Barmer Missionsschule. Bis zur
Fertigstellung eines Missionshauses „Am Loh“ in Unterbarmen (1832) wurden die
zukünftigen Missionare in einem angemieteten Haus in der Diekerstraße
unterrichtet.
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v 1850
15.Mai
Einweihung der zweiten lutherischen
Kirche, der „Kreuzkirche“ in der Elberfelder Friedrichstraße. Sie gehörte zu
den wenigen Gotteshäusern, die die Bombardierung im Zweiten Weltkrieg ohne
größeren Schaden überstanden haben.
19.Juli In Elberfeld wird der Stenograph Ferdinand Schrey
geboren. Er war ein engagierter Verfechter der Stenographie und ständig darum
bemüht, eine weitere Vereinfachung und Vereinheitlichung der Kurzschrift
durchzusetzten. Seine Überlegungen und Thesen veröffentlicht er 1888 in dem
„Lehrbuch der vereinfachten deutschen Stenographie“. Im Jahr 1897 gab er
zusammen mit Stolze einen Schriftenentwurf für die deutsche Kurzschrift heraus.
Nach diesem sogenannten Stolze-Schrey-System wurde lange Zeit in den
Stenographenschulen unterrichtet. Schrey, der sich auch nachdrücklich für die
Verwendung von Schreibmaschinen in Büros einsetzte, starb 1938 in Berlin.
14.September
Einrichtung der „Königlichen
Direktion der Bergisch-Märkischen-Eisenbahn“ in Elberfeld, der ersten
Eisenbahndirektion Deutschlands. Die Bergisch-Märkische-Eisenbahn wurde damit
eine öffentliche Behörde und stand von nun an unter staatlicher Aufsicht.
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v 1875
1875 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Langerfeld
1875 Eröffnung eines städtischen Krankenhauses in
Ronsdorf, das anfangs über 10 Krankenbetten verfügte. Nach der Schliessung des
Krankenhauses 1978 wurde in dem Gebäude ein Heim-Dialyse-Zentrum untergebracht.
1.April Eröffnung des ersten städtischen Altenheimes in
Ronsdorf, das anfangs sechs Heimplätze hatte und dem Krakenhaus angegliedert
war. Im Jahr 1921 erwarb man „An der Blutfinke“ ein eigenes Gebäude.
3.Juli Ernst Ferdinand Sauerbruch wird in Barmen geboren.
Der Arzt, der von 1927 bis 1949 die Chirurgische Klinik der Charité in Berlin
geleitet hat, war einer der bedeutendsten Chirurgen seiner Zeit. Er erarbeitete
zahlreiche Operationsverfahren in Unterdruckkammern, durch die chirurgische
Eingriffe im Thoraxbereich deutlich verbessert werden konnten. Sauerbruch der
auch Prothesen entwickelte, starb 1951 in Berlin.
v
v 1900
18.Januar Am Jahrestag der Kaiserproklamation von Versailles
(1871) wird vor dem Barmer Rathaus ein Bismarck-Denkmal enthüllt. Wegen des
Rathausneubaus wurde das Denkmal im Herbst 1921 neben die Ruhmeshalle, auf den
heutigen Geschwister-Scholl-Platz, versetzt.
15.Februar Inbetriebnahme des Elektrizitätswerkes in der Kabelstraße.
Diese Wechselstromanlage versorgte nicht nur die Stadt Elberfeld mit Licht- und
Kraftstrom, sondern lieferte auch Strom für die Straßen- und die Schwebebahn.
17.Februar Offizielle Einweihung des neuen Gebäudes der Barmer
Gesellschaft „Concordia“ auf dem Werth.
3.Juni In Rotenburg/Fulda wird der Unternehmer Otto Happich
geboren. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Happich GmbH, die er 1924
zusammen mit seinem Bruder Ludwig gegründet hat, zu einem der größten und
bedeutendsten Automobilzulieferbetriebe Deutschlands, der seinen Produkte in
über 70 Länder exportiert.
v
v 1900
6.Juli Einweihung der Elberfelder Stadthalle auf dem
Johannisberg im Rahmen des „Bergischen Musikfestes“. Die Stadthalle, die nach
Ansicht des Landeskonservators als Konzerthaus durchaus in einer Reihe mit dem
Gewandhaus in Leipzig oder der Tonhalle in München zu stellen ist, verfügte
über einen großen Saal mit ca. 2.000 Plätzen sowie fünf kleineren Sälen mit
zusammen rund 1.000 Plätzen. Von 1992 bis 1995 wurde die Stadthalle völlig
umgebaut und saniert; am 8.Dezember 1995 fand die feierliche Wiedereröffnung
statt.
24.Oktober Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Augusta Victoria
besuchen das Wuppertal. Anläßlich dieses Besuches kommt es zu der Einweihung
der Barmer Ruhmeshalle und des neuen Elberfelder Rathauses. Das Kaiserpaar
nimmt auch an einer Probefahrt mit der Schwebebahn vom Döppersberg bis
Vohwinkel teil.
10.November Einweihung der katholischen Volksschule für Knaben
in der Wiesenstraße in Elberfeld. Heute wird das Gebäude von der
Volkshochschule genutzt.
14.November Einweihung des neuen Rathauses in Cronenberg.
v
v 1925
1925 Eröffnung des Altenheimes „Heim Abendfrieden“.
Anfangs war das Heim in einer Villa am Böhler Weg untergebracht, 1933 bezog man
die Räumlichkeiten der ehemaligen Mittelste-Scheid-Villa am Diek.
20.August Der Fabrikant Adolf Vorwerk stirbt im Alter von 72
Jahren in Barmen. Er führte nicht nur das von seinem Großvater gegründete
Textilunternehmen „Vorwerk & Co.“ weiter auf Expansionskurs, sondern mit
der Herstellung von Gummiwaren für industrielle Zwecke stieg er auch
erfolgreich in die Gummi-Industrie ein. Auf seine Initiative sind der Bau des
„Barmer Luftkurhauses“ und die Anlage der „Barmer Bergbahn“ zurückzuführen. Dadurch
wurde Barmen ein beliebtes Ausflugsziel für Besucher aus der näheren und
weiteren Umgebung.
19.September Offizielle Inbetriebnahme des Senders Elberfeld im
Thalia-Theater. In erster Linie war diese Rundfunkstation ein Propagandasender
für die von Franzosen und Belgiern besetzten Gebieten an Rhein und Ruhr. Nach
der Eröffnung des leistungsstärkeren Senders Langenberg, Anfang 1927, stellte
das Studio Elberfeld seinen Sendebetrieb ein.
v
v 1975
1.Januar Im Rahmen der kommunalen Neugliederung werden die
Ortsteile Dönberg und Obensiebeneick (bisher Neviges), Dornap (bisher Wülfrath)
und die Gemeinde Schöller nach Wuppertal eingemeindet.
1.September Einweihung des Schulzentrums Süd am
Jung-Stilling-Weg. Erstmals in Wuppertal wurden ein Gymnasium, eine Realschule
und eine Hauptschule in einem Gebäudekomplex untergebracht; in dieser
Größenordnung übrigens damals ein Novum für ganz Nordrhein-Westfalen.
27.Oktober Inbetriebnahme des neuen Wasserturms auf
Lichtscheid, der den Druckausgleich bei der Wasserversorgung auf den
Wuppertaler Südhöhen verbesserte.
¨
um 1050
Cronenberga (Cronenberg)
¨
um 1070
Barmon (Barmen)
¨
1161
Elverfelde (Elberfeld)
¨
1182
Schoulare (Schöller)
¨
1246
Rumsdorp (Ronsdorf)
¨
um 1298
Beyenborch (Beyenburg)
¨
1304
Langerfeld (Langerfeld)
¨
um 1355
Donenberghe (Dönberg)
¨
1356
Vohwinkel
Am 1.8.1929
Städtevereinigung Barmen, Elberfeld, Cronenberg, Ronsdorf, Beyenburg und
Vohwinkel.
Namen aus 1000 Jahren
§
Der letzte aus der Reihe der bergischen Erzbischöfe von
Köln, die auch über das Tal der Wupper bestimmten, war Engelbert, geboren um 1185 auf Schloß Burg. Dem Kölner Sprengel
stand er von 1216 bis 1225 vor. Nach seinem Tod wurde er heilig gesprochen.
Brennend interessierte er sich für die Politik, mischte sich in den
welfischstaufischen Thronstreit ein und wurde vom Papst kurzfristig mit dem
Bann belegt. Sein Leben endete brutal: 1225 geriet er in einen Kompetenzstreit
und wurde ermordet.
§
Ganz besondere Bedeutung für die weitere Entwicklung der
kleinen Ortschaften, die sich im Tal der Wupper ansiedelten, hatte Herzog Johann III. von Jülich-Cleve-Berg. In
seiner Regierungszeit, die von 1511 bis 1539 andauerte, fiel die Übergabe der
Garnnahrung. Aber auch auf dem Gebiet der Rechtspflege und der allgemeinen
Verwaltung leitete Johann wegweisende, weil das Leben vereinfachende Reformen
im Bergischen Land ein. Zeitgenössische Quellen bezeichnen ihn als weltoffen
und geschäftstüchtig.
§
Viele Familiennamen aus dem heutigen Wuppertal lassen sich
auf das 15. bis 18. Jahrhundert zurückführen. Sie beziehen sich auf alte
Flurbezeichnungen oder weisen auf altes Handwerk hin. Aus Barmen etwa stammen
die Familien Carnap, Wülfing,
Wichelmann und Rittershaus, Engels, von der Heydt, Werth oder Loh, aus
Elberfeld Teschemacher, Rübel und Troost, die ältesten Cronenberger sind
Rauhaus, Ernenputsch oder Hammes, Uralt-Ronsdorfer Erbslöh, vom Baur oder
Holthaus.
§
Elias Eller, 1690 im
heutigen Ronsdorf geboren, arbeitete als Bandwirker. Er war in zweiter Ehe mit
der Bäckertochter Anna Catharina vom Büchel, die Erscheinungen vom baldigen
Wieder-kommen Christi haben wollte, verheiratet. Die um ihn versammelte
religöse Gruppe traf sich in Privatzirkeln, die sich „Sozietät“ nannte. Nachdem
diese beim Landesherrn angeschwärzt worden war, zog Eller mit seinen Leuten
nach Ronsdorf. Er erwirtschaftete ein solides wirtschaftliches Fundament und
starb 1750.
§
Johann Peter
Bemberg
zählte zu den frühen Unternehmern, die ihre Spuren bis heute hinter-lassen
haben. 1792 gründete er in Elberfeld die Firma, die später mit der Herstellung
von Kunst-seide Weltruhm erlangte. Um 1865 kaufte er einen Gebäudekomplex am Südrand
von Langerfeld, der zuvor der Bleiche gedient hatte. Die Firma Bemberg ging in
dem Unternehmen Enka, dann Akzo auf, daraus wurde vor kurzem Accordis. An der
Öhder Straße, dort wo im ausgehenden Mittelalter die Bleicher arbeiteten, wird
noch immer produziert.
§
Friedrich
Engels
wird am 29.November 1820 in Barmen geboren. Als Sohn des bedeutenden
Unternehmers Friedrich Engels sen. Wird er nicht nur im Wuppertal, sondern auch
in England mit der Lage der Arbeiter konfrontiert. Engels ist mit seinem Freund
Karl Marx Mitbegründer des wissenschaftlichen Sozialismus. Er stirbt 1895 in
London.
v
Dr.Paul Hartmann 01.08.1930
bis 15.01.1931
v
Julius Friedrich 16.04.1931
bis 21.01.1937
v
Wilhelm Gelberg 01.04.1937
bis 14.01.1938
v
NSDAP
v
Dr.Robert Friedrich 21.01.1938
bis 22.01.1940
v
NSDAP
v
Heinz Gebauer 08.05.1940
bis 16.04.1945
v
NSDAP
v
Eugen Thomas 14.05.1945
bis 09.11.1945
v
Dr,Hans Bremme 09.11.1945
bis 16.01.1946
v
Eugen Richter 16.01.1946
bis 30.10.1946
v
FDP
v
Robert Daum 30.10.1946
bis 01.11.1948
v
SPD
v
Dr. Otto Schmidt 01.11.1948
bis 02.11.1948
v
CDU
v
Robert Daum 02.11.1949
bis 07.11.1951
v
SPD
v
Heinrich Schmeißing 07.11.1951
bis 09.11.1956
v
CDU
v
Hermann Herberts 09.11.1956
bis 29.03.1961
v
SPD
v
Dr.Heinz Frowein 29.03.1961
bis 05.10.1964
v
CDU
v
Hermann Herberts 05.10.1964
bis 24.11.1969
v
SPD
v
Johannes Rau 24.11.1969
bis 28.09.1970
v
SPD
v
Gottfried Gurland 28.09.1970
bis 15.10.1984
v
SPD
v
Ursula Kraus 15.10.1984
bis 31.10.1996
v
SPD
v
Dr.Hans Kremendahl 01.11.1996
bis 10.10.2004
v
SPD
v
Peter Jung 11.10.2004
bis
v
CDU