Stadtteil Elberfeld
Wenn man ganz weit in die
Geschichte Wuppertals zurückblickt, stößt man auf eine Handvoll winziger
Siedlungen, die aus Gründen irgendwelcher Besitz- oder Lehensansprüchen
aufgeführt worden sind. Die wichtigste Ortschaft von allen dürfte wohl
diejenige gwesen sein, aus der die heutige Innenstadt von Elberfeld
hervorgegangen ist. Zum ersten Mal taucht Elberfeld im Jahre 1161 auf, als
dieser Name in einer Urkunde als Tafelgut des Kölner Erzbischofs erwähnt wird.
Rund um ein Gotteshaus, das nach archäoligischen Gutachten bereits vor der
Jahrtausendwende an dem Platz gestanden haben muss, auf dem sich heute die Alte
Reformierte Kirche befindet, gruppierten sich damals mehrere Holzhäuser, deren
Bewohner dem Erzbischof Frondienste geleistet haben. Zwei Jahrhunderte später
wiesen drei Verkaufsurkunden von 1366, in denen von einer „borch“ und von einer
„burgh und herrlichkeit“ die Rede ist, darauf hin, dass aus dem Herrenhof
inzwischen eine Burg geworden sein muss. Die Kölner Erzbischöfe setzten als
Verwalter ihrer Güter Vögte ein, die ihrem Lehensgeber zwar zu Diensten und
Abgaben verpflichtet waren, die ihnen anvertrauten Häuser und Gebiete jedoch
mit Genehmigung untereinander verkaufen oder verschenken konnten. Dieses ist
auch im Fall Elberfelds geschehen, als Johann von Elverfelde, der die Burg
wahrscheinlich hat erbauen lassen, seinen Besitz an den Ritter Engelbrecht
Sobbe verkaufte. In den darauffolgenden Jahrzehnten wechselte die Burg häufig
ihren Besitzer bis sie 1428 vom Grafen Adolf von Berg gekauft wurde. Die
Befestigung bestand damals wohl aus einem Burgteich, aus Wällen und überwiegend
aus Holzzäunen. Dass die Wehranlage außer den Fundamenten der Burggebäude aus
Stein war, wird nicht vermutet. Unter den bergischen Amtmännern, die zur
Verwaltung der Burg eingesetzt worden waren, verfielen die Befestigungsanlagen
immer mehr, zumal ihre Schutzbedeutung keine Notwendigkeit mehr besaß. Im Jahre
1536 brach in Elberfeld ein Stadtbrand aus, dem die Burggebäude vollständig zum Opfer fielen. An ihrem
Aufbau waren dann weder die Grafen von Berg noch die Amtmänner interessiert.
Stattdessen kam es 1605 zum Verkauf des parzellierten Burggeländes an die Bewohner
der Stadt. Zu diesem Anlass wurde die erste maßstabsgetreue Karte Elberfelds
erstellt, anhand dieser man in späterer Zeit den genauen Grundriss der
abgebrannten Burg feststellen konnte. 1610 wurde Elberfeld mit der Verleihung
der Stadtrechte verwaltungsrechtlich selbständig. Als man im Zuge des
30jährigen Krieges erkennen musste, dass die Stadtbefestigung vor feindlichen
Angriffen ohnehin keinerlei Schutz mehr bot, ließ man sie 1640 abtragen. Nach
dem Westfälichen Frieden 1648 wurde dann mit dem Wiederaufbau der Stadt
begonnen. Die Häuser an den neu angelegten Strassen konnten sich allerdings nur
wenige Jahrzehnte behaupten, denn 1687 brannte Elberfeld zum zweiten Mal völlig
nieder. Neben sämtlichen öffentlichen Gebäuden wurden 350 Wohnhäuser von mehr
als 2 000 Bürgern in einer Nacht zerstört. Heute erinnern nur noch der
Strassenverlauf in der Innenstadt, der mit der mittelalterlichen
Häuseranordnung weitgehend übereinstimmt, sowie viele Strassennamen an diese
Zeit.
Auf dem Döppersberg steht
das im klassizistischen Stiel errichtete Empfangsgebäude des Wuppertaler
Hauptbahnhofs, das als eines der ältesten Deutschlands gilt. Denn schon sechs
Jahre nach der ersten Eisenbahnfahrt von Nürnberg nach Fürth gab es eine
Bahnverbindung zwischen Düsseldorf und Elberfeld. Der Hauptbahnhof ist auf
Wuppertaler Gebiet Mittelpunkt der ehemals Bergisch-Märkischen Strecke, die die
Stadt mit Düsseldorf und Köln im Westen und Hagen im Osten verbindet. Alle
wichtigen Bahnhöfe der Stadt liegen heute an dieser Strecke. Im Hauptbahnhof
hat es allerdings nie Güterverkehr gegeben. Dafür war der nur ein Kilometer
entfernte Steinbecker Bahnhof vorgesehen. Die Station am Döppersberg war und
ist ein Bahnhof für den Personenverkehr. Die verkehrsgünstige Lage direkt am
Eingang zur Innenstadt trägt viel dazu bei. Doch aufgrund der geografischen
Beschaffenheit des Geländes hat sich der Bahnhof seit seiner Erbauung nie
ausdehnen können. Eine hohe Mauer grenzt seine bescheidene Gleisanlage von der
Südstadt ab. Trotzdem ist seine Bedeutung nach wie vor unumstritten. Als
Hauptbahnhof ist er der wichtigste Bahnhof Wuppertals. Im Gegensatz zu den
weitaus größeren Stationen im Osten und Westen der Stadt halten hier alle Züge,
die in und durch Wuppertal verkehren. Von der S – Bahn über Nahverkehrs-,
Regional-, Intercity und ICE-Züge drängt sich alles auf den fünf Gleisen. Seit
dem Wiederaufbau ist hier auf ein modernes und gepflegtes Erscheinungsbild so
gut wie nichts getan worden und so bietet die Station auf Besucher eher ein
abschreckendes als einladende Wirkung.
Der Platz vor dem
Wuppertaler Hauptbahnhof ist heute ein gigantischer Verkehrsknotenpunkt. Eine
größere zusammenhängende Asphaltfläche findet man sonst niergendwo auf
Wuppertaler Stadtgebiet. Hier kreuzt sich die Talachse mit der Bahnhofstraße
und der Morianstrasse. Vor dem Krieg standen hier Wohn- und Geschäftshäuser,
die von parkähnlichen Grünanlagen umgeben waren. Fußgänger werden heute durch
einen Tunnel vom Bahnhof zur Innenstadt geleitet. Damals wie heute ist der
Döppersberg das Tor zum Elberfelder Stadtzentrum. Hier beginnt die
Fußgängerzone, die durch die angrenzende Busstation und den Schwebebahnhof mit
öffentlichen Verkehrsmitteln hervorragend zu erreichen ist. Am Ausgang des
Fußgängertunnels befindet sich ein Informationspavillon für Touristen.
Vor dem Hauptbahnhof
befindet sich die größte Busstation Wuppertals.An elf Haltestellen fahren fast dreißig
Buslinien in sämtliche Stadtteile und Wohnbezirke. Betrieben werden die Linien
von den Wuppertaler Stadtwerken, welche dem Verkehrsverbund Rhein – Ruhr
angeschlossen sind.
1926 wurde die am
stärksten frequentierte Haltestelle der Schwebebahn fertiggestellt. Bis zu
diesem Datum stand an derselben Stelle ein etwas kleinerer aber architektonisch
wesentlich interessanterer Jugendstilbau mit einer bogenartigen
Dachkonstruktion. Der wegen seiner finsteren Gänge trotz des hohen
Fahrgastaufkommens im Laufe der letzten Jahre verwahrloste Bahnhof wird jetzt
zusammen mit dem einsturzgefährdeten angegliederten Geschäftshaus von Grund auf
saniert. Einiges ist bereits getan worden. So bringen Glaseinsätze im Dach mehr
Licht auf die Bahnsteige und zwei Aufzüge mehr Komfort für ältere Fahrgäste.
Für mehr Sicherheit soll die neu eingezogene Polizeiwache in dieser vor allem
abends sehr zwiespältigen Gegend rund um den Hauptbahnhof sorgen. Im Juli 2000
wurde durch Austausch von Stützen und Brücken im Schwebebahnhof Döppersberg
eine erneute Renovierung vorgenommen. Die Treppen Auf- und Abgänge bekamen neue
Stufen, neue Lichtbänder wurden auf dem Bahnsteig installiert und die Fahrbahn
bekam einen neuen Belag.
Am 16. Juli 1887, einem
Samstag wurde die städtische Badeanstalt am Brausenwerth auf dem Gelände des
ehemaligen Schlachthauses eingeweiht. Im Zweiten Weltkrieg zerstört und nicht
wieder aufgebaut.
Zehn Tage, nachdem Kaiser
Friedrich III. im „Drei-Kaiser-Jahr“ seinem Krebsleiden erlegen war, beschloß
man am 25. Juni 1888 die Errichtung eines Denkmals auf dem Elberfelder
Neumarkt. Auf einer Bürgerversammlung im „Salamander“ einigte man sich auf die
Einsetzung eines Ausschusses unter Vorsitz des Reichtagsabgeordneten Reinhart
Schmidt, der sich später um die Hardtanlage verdient machte. Zuerst sollte das
Denkmal, für das die Bürger eifrig sammelten, auf der Hardt stehen, da „der
hohe Entschlafende selbst ein einfaches, prunkloses Leichenbegräbnis wünschte“.
Fünf Jahre später aber wurde das Denkmal des Kaisers mit den lieberalen
Neigungen dann doch auf dem Neumarkt enthüllt. 1936 wurde es von den
Nationalsozialisten weggeschaft, weil es „den Verkehr störte“, Ruheplatz war
ein Schuppen auf dem städtischen Lagerplatz. Erbitterte Leserbriefe zeigten die
Reaktion vieler Wuppertaler. Im Krieg wurde das Denkmal dann eingeschmolzen.
Einige Strassennamen in
der Elberfelder Innenstadt erinnern an die einstige Burg Elberfeld, die in der
Mitte des 14. Jahrhunderts erbaut wurde, 1537 abgebrannt war. Trotz der relativ
kurzen Existenz dieser Burg, von der noch nicht einmal Trümmer übriggeblieben
sind, prägte sie bis in die heutige Zeit die Strassenführung der Innenstadt,
die mit der Lage der alten Burgbefestigung fast identisch ist. Die Alte
Freiheit war früher eine Siedlung, die zwar vor den Toren der Burg gelegen war,
aber unter dem Schutz der Burgbefestigung stand. Ihre Bewohner waren frei von
landeshoheitlichen Abgaben. Der Platz gehört heute zum Fußgängerzentrum.
City-Arkaden
Wo sich heute zwischen
Alte Freiheit, Morianstrasse und Hofaue die City-Arkaden befinden, standen
einst nicht gerade anmutende Gebäude. Nach Abriss des Supermarktes, des
Parkhauses und eines Textilhauses begann man mit dem Bau der City-Arkaden, die
am 10. Oktober 2001 feierlich eröffnet wurden. Dieses Einkaufs- und
Erlebniszentrum, dem auch ein Parkhaus angeschlossen ist, bietet auf 4 Ebenen
viel Attraktives. In diesem Center befinden sich ca. 85 Fachgeschäfte, darunter
ein Supermarkt, zwei Textilhäuser, ein Elektrofachmarkt, eine Buchhandlung,
mehrere Dienstleister und Gastonomien. Diese City-Arkaden bieten jedem Besucher
fast alles unter einem Dach.
Zwischen der Hardt und
der Elberfelder Innenstadt befindet sich das Hofauen – Viertel, was von der
Strasse Hofkamp und der Wupper begrenzt wird. 1864 bis 1867 wurde dieses
bislang ziemlich heruntergekommende Gebiet um die Hofaue, das vornehmlich der
Garnbleicherei diente, mit neuen Häusern bebaut. Ein Geschäftshaus reihte sich
an das andere und es entstand ein weltweit bekanntes Textil- und
Bekleidungszentrum, das Handelsververbindungen über den ganzen Erdball aufrecht
erhielt. Bis weit in die Nachkriegszeit hinein prägten diese Viertel zwischen
Wupper und Kipdorf die Großhandelshäuser der Textil-, Manufaktur- und
Kurzwarenunternehmer.
Die Alte Reformierte
Kirche in der Calvinstrasse ist die älteste Kirche Elberfelds. Sie steht mitten
im Stadtzentrum und zwar an der Stelle, an der die Kirche der Burg Elberfeld
stand, die durch den Stadtbrand 1537 schwer in Mitleidenschaft gezogen und 1687
zerstört wurde. Ein Jahr später begann die reformierte Gemeinde mit dem Bau der
jetzigen Kirche.
Von der Heydt Museum
1827
– 1842 Errichtung des Elberfelder Rathauses durch den Schinkel-Zeitgenossen
Johann Peter Cremer aus Aachen. „Menascherie“ (Tierschau) nannten die alten
Elberfelder respektlos das Rathaus. Ursprünglich befand sich hier eine
mittelalterliche Burg, wovon noch heute die umliegenden Strassennamen wie
Burgstrasse, Wall und Turmhof zeugen. 1892 fand die Gründung des Elberfelder
Museumsvereins statt. Auf Vorschlag des Elberfelder Bankiers August Freiherr
von der Heydt (1851-1929) mietet der Elberfelder Museumsverein 1895 die erste
Etage in der Schwanenstrasse 33 für Ausstellungen an. Nach Errichtung eines
neuen Rathauses am Elberfelder Neumarkt wird das ehemalige Rathaus am Turmhof
als Museum eingerichtet. Am 25. Oktober 1902 fand die feierliche Eröffnung des
Städtischen Museums Elberfeld statt. August von der Heydt und sein Schwager
Julius Schmits stiften zwischen 1905 und 1914 zehn Gemälde von Hans Marées.
1910 anlässlich der 300-Jahrfeier der Stadt Elberfeld erhält das Museum eine
kostbare keramische Sammlung als Stiftung von Emmy Weyerbusch. August von der
Heydt stiftet den Hoetger-Brunnen auf dem „Exerzierplatz“ in Elberfeld. 1912
wird eine Erweiterung des Museums notwendig. Im Geschäftshaus am Wall direkt
neben dem Museum wird das oberste Stockwerk für Ausstellungen reserviert.
Eröffnung der neuen Räume am 23. Januar 1913. Von 1914 bis 1918 trägt das
Museum die Bezeichnung „Kaiser-Wilhelm-Museum“. 1921 wird über einen
repräsentativen Neubau des Museums nachgedacht. Der Plan des Architekten Carl
Sattler für einen Museumsneubau am Thalia-Theater am Islandufer wird wegen der
aufkommenden Inflation nicht realisiert. 1923 bescheidene Erweiterung des
Museums durch Anmietung des obersten Stockwerks des Eckhauses
Burgstrasse/Schwanenstrasse. 1943 Auslagerung von Teilen der Sammlung des
Museums in mehreren Transporten von Elberfeld auf die Festung Ehrenbreitstein.
Im Mai 1943 brennt die Ruhmeshalle in Barmen aus, wenig später wird beim Bombenangriff
auf Elberfeld am 25. Juni 1943 das Städtische Museum schwer beschädigt. Von der
Ecke Wall / Turmhof bleiben nur die Außenmauern übrig. Die im Haus der Familie
von der Heydt am Kerstenplatz aufbewahrte Kunstsammlung verbrennt. Von den
ausgelagerten Kunstwerken in der Festung Ehrenbreitstein werden nach 1945 von
der französischen Besatzung 15 Werke entschädigungslos eingezogen und nach
Frankreich verbracht. Aus Dankbarkeit wird das Museum 1961 in „Von der Heydt-Museum“ benannt. Am 1.
April 1985 übernimmt Dr. Sabine Fehlemann das Amt als Museumsdirektor. Der
Beschluss eines großzügigen Umbaus für das Museum am alten Standort wird
gefasst und durch die Kölner Architekten Peter Busmann und Dr. Godfrid Haberer
durchgeführt. Baubeginn im November 1986. Der Innenhof wird überbaut. Baukosten
zusammen mit Einrichtung 25 Millionen Mark. Zur Wiedereröffnung des Museums
wird vom 21. Januar bis 1. April 1990 als erste Ausstellung „Egon Schiele und
seine Zeit. Aus der Sammlung Leopold“, Wien, gezeigt.
In der belebten
Poststrasse befindet sich das Geschäft der Juweliers- und Uhrmacherfamilie
Abeler, bei der man nicht nur eine riesige Auswahl an Zeitmessern und
Schmuckstücken zeitgenössischer Art erwerben oder eigene Kleinode zur Reparatur
geben, sondern in dem hauseigenen Museum auch eine der größten Uhrensammlungen
Europas bestaunen kann. Das Museum wurde 1958 von dem Goldschmiedemeister und
Uhrmacher Georg Abeler gegründet und umfasst mittlerweile weit über tausend
Raritäten aus der weitreichenden Geschichte der Zeitmessung, über dem Eingang
bringt ein Glockenspiel mit Figurenbewegung stündlich etliche Passanten zum
Verweilen.
Auf dem Platz zwischen
Verwaltungshaus, Kaufhof, Herti und dem Bankhaus von-der-Heydt Kersten &
Söhne findet seit 1809 tagtäglich Markt statt. Bis zum Jahre 1802 war dieser
Ort allerdings Friedhof der Reformierten Gemeinde Elberfelds gewesen. Im Zuge
der Stadterweiterung wurden die Grabsteine dann entfernt und das Gelände
eingeebnet. Durch den Rathausneubau wurde der Neumarkt zum städtischen
Hauptplatz, der alle übrigen an Wichtigkeit in den Schatten stellte. Daran hat
sich bis heute nichts geändert. Nur sonntags, wenn die Stände abgebaut und die
Buden geschlossen sind, zeugt das sonst so lebhafte und hektische Areal von
einer ungewohnten einsamen Leere, während die Wuppertaler auf anderen Plätzen
ihrer Stadt gemütlich im Biergarten oder Eiscafé sitzen.
Muß
Neptun geschlechtslos sein? Oder darf er das Zeichen seiner Männlichkeit auf
dem Neumarkt zur Schau stellen? Heiß wurde diese Frage im Jahre 1901
diskutiert, als in der Elberfelder Innenstadt der Jubiläumsbrunnen entstand.
Gestiftet worden war der Brunnen sechs Jahre vorher vom Elberfelder
Verschönerungsverein, der damals sein 25 jähriges Jubiläum feierte. Dem
Trienter Neptunbrunnen nachgebildet, zeigte auch das Werk des Düsseldorfer
Bildhauers Leo Müsch den Herrn der Meere unverhüllt. Das sollte für viele
Elberfelder nicht sein. Und über Nacht wurden zwei Eckfiguren plötzlich in
geschlechtlose Wesen umgewandelt... Liberale und Verschönerungsverein
protestierten, und Walter Bloem schrieb: „Der, was die Welt erschafft und
hält, abgehackt und feig in die Ecke stellt“!
Kaufhof
Vor
über 80 Jahren eröffnete die Firma Tietz ihren Monumentalbau am Elberfelder
Neumarkt, den Kaufhof. Am Vormittag des 24. April 1912 fand im Erfrischungsraum
des großen Geschäftshauses nach vorangegangener Besichtigung eine kleine Feier
statt, zu der man den Elberfelder Oberbürgermeister Funck, mehrere Beigeordnete
und Stadtverordnete mit ihren Damen sowie die Presse gebeten hatte. Ausführlich
berichten die Zeitngen denn auch über die „gewaltigen Dimensionen“ des von dem
Düsseldorfer Architekten Prof. Wilhelm Kreis errichteten Prachtgebäudes, über
die Menge des verbauten Materials, über die im Vestibül angebrachten zwölf
Tierkreisbilder, über Lebensmittelabteilung und Putzsalon, den Kunstsalon, die
Teppichsäle und die übrigen Verkaufsräume des pompösen Geschäftspalastes,
besonders aber über den eleganten, schmucken Erfrischungsraum, „allwo der
Besucher nach den Strapazen des Wanderns und Schauens leibliche Labung und
angenehmen Aufenthalt finden kann“. „Die Barmer-Zeitung“ rühmte dankbar das
„reichhaltige lukullische Büfett und die entsprechenden Getränke“, mit denen
sie dort bewirtet worden waren, konnte sich aber nicht verkneifen, zu monieren,
daß man über die fünf überlebensgroßen Männer und Frauengestalten über dem
Haupteingang allerdings verschiedener Meinung sein kann. 885 Verkäuferinnen und
Angestellte waren damals zur Zeit der Eröffnung am Neumarkt im Kaufhof
beschäftigt eine Zahl, die mehr als alles andere über den Umfang dieses
großartigen Warenhauses aussagt. Während die Natursteinfassade an der
Neumarktstrasse weitgehend erhalten geblieben ist, wurde die exellente
Eingangsfassade mit dem karakteristischen Kreisfenster unterhalb des Daches in
den 60er Jahren durch eine hässliche mit Glas und Kunststoff verkleideten
Stahlblende überdeckt. Im Herbst 1999 wurde die Fassade erneut geändert, das
Kaufhaus nennt sich nun „Galeria Kaufhof“.
Das jetzige
Verwaltungshaus war bis zur kommunalen Neugliederung 1929 Rathaus von Elberfeld
und wurde am 24. Oktober 1900 im Rahmen des Kaiserbesuches eingeweiht. Der
kolossale Bau aus gelben Quadersteinen weist Formen deutscher Spätgotik mit
architektonischen Anklängen an die Renaissance auf. Sein imposanter Turm
überragt mit seinen 79 Metern im Stadtbild alle übrigen Türme. In diesem Gebäude
saß der Oberbürgermeister, hier war der Sitzungssaal des Gewerbegerichts, der
Stadtverordnetensitzungssaal, der Trausaal, der Kaisersaal und hier befand sich
auch die Stadthauptkasse. Heute hat das Gebäude viel von seiner damaligen
Bedeutung verloren. Es ist nun Sitz der Bezirksvertretung und Verwaltungsstelle
der Stadtbezirke Elberfeld, Elberfeld – West und Uellendahl – Katernberg. Eine
freie Sicht auf das Wahrzeichen verwehren heute moderne Kaufhaus-, Bank- und
Geschäftsbauten.
Jener Löwe von 1883 stand
einst auf einem der beiden Eingangspodeste des alten Rathauses. Er galt lange
Zeit als verschollen, wurde vor einigen Jahren auf einem Hinterhof entdeckt und
nach einem Rettungsruf mit Bürgerspende restauriert. Er steht auf einem Sockel
am Willy-Brandt-Platz in der Nähe des Eingangs zur Rathausgallerie.
Auf einem Areal, dass
noch bis vor wenigen Jahren von heruntergekommenen Nachkriegsbaracken und
tristen Abstellflächen geprägt war, präsentiert sich heute das schönste
Einkaufszentrum Wuppertals, dessen Renomee sich aber bereits im gesamten
Bergischen Land herumgesprochen hat. Dieses Einkaufzentrum hinter dem
Elberfelder Rathaus ist ein Pendant zur weltberühmten Düsseldorfer Kö-Galerie
das auch den Wuppertalern ermöglichen soll, in den großen überdachten Gängen
bei regnerischem Wetter trockenen Fußes einzukaufen oder an den vielen Tischen
der Gastronomieszene vom Einkaufen auszuruhen. Dabei stellt die Rathausgalerie
keine kleinere Kopie des Düsseldorfer Vorbilds dar, sondern trägt ein eigenes
wuppertalspezifisches Gesicht. Die Anlage mit ihren 60 Geschäften und der 7 000
m² großen Bürofläche ist großzügig gebaut, sauber, elegant, aber relativ
schlicht und schmucklos wie es das zeitgenössische Wesen der Stadt vorschreibt.
Die architektonische Genialität liegt nämlich weniger in dem Erscheinungsbild
der Eingangsportale, sondern vielmehr in der Gesamtkonzeption der Passage. Denn
obwohl sich die Läden und Lokale der Galerie auf drei Stockwerke verteilen, so
befinden sie sich denoch im Erdgeschoss. Die bergische Geographie Wuppertals
schlägt auch hier zu Buche, denn sie ermöglicht es, die drei ebenerdigen
Zugänge im Süden, Osten und Norden im Innern der Rathausgalerie zu
unterschiedlichen Etagen zu machen. Denn in einer großen zentrierten Halle
laufen die verschiedenen Gänge unter einer riesigen Glaskuppel zusammen und man
kann die Höhenunterschiede per Treppe, Rolltreppe oder mit dem gläsernen Aufzug
überwinden. Seit ihrer Eröffnung im September 1994 kann die stets reichlich belebte
Rathausgalerie einen enormen Besucherandrang verzeichnen, was ein Beweis dafür
ist, dass die Bürger die Idee einer solchen Einrichtung gut angenommen haben.
Neben den Wuppertaler selbst haben aber auch viele Besucher aus der Umgebung in
der Rathausgalerie einen Grund gefunden zum Einkaufen nach Elberfeld zu kommen.
Dies ist deshalb interessant zu erwähnen, da die bergische Metropole von
etlichen anderen Großstädten umgeben ist und infolgedessen einen ziemlich
kleinen Einzugsbereich hat. Die Rathausgalerie ist Teil eines nunmehr
abgeschlossenen Konzept zur Innenstadterweiterung. Somit präsentiert sich heute
der lange Zeit verwahrloste Bereich zwischen Rathaus, Klotzbahn und Karlsplatz
in neuem Glanz. Die Strasse wurde zur Fußgängerzone umgestalltet, mit dem
Karls- und Willy-Brandt-Platz wurden zwei neue attraktive Stadtplätze
geschaffen und mit dem Mitte der achtziger Jahre errichtetem Akzentaneubau am
Karlsplatz und den 1995 eröffneten Friedrichsarkaden tragen zwei weitere
Einkaufszentren zur Aufwertung der gesamten Innenstadt bei.
Die Morianstrasse, die
sich weiter nördlich der Gathe nennt, ist eine der wichtigsten
Hauptverkehrsstrassen in Nord – Süd – Richtung. Sie stellt die östliche Grenze
der Elberfelder Innenstadt dar. In unmittelbarer Nähe der Morianstrasse, am
Brausenwerth, standen vor dem Krieg zwei representative Gebäude: Die städtische
Badeanstalt und das Stadttheater. Sie wurden beide nach ihrer Zerstörung nicht
wieder aufgebaut, haben jedoch ihre moderne Entsprechung in der Schwimmoper und
im Schauspielhaus gefunden. Der Name Gathe war früher mit ausgesprochen
negativen Attributen belegt. An dieser Strasse, die nach Norden aus der Stadt
herausführt, siedelten bis Ende des 19. Jahrhunderts die Ärmsten der Armen in
ihren baufälligen Fachwerkbaracken. Ende jenes Jahrhunderts wurden dort für die
Arbeiterklasse mehrstöckige Wohnbauten mit den damal üblichen stilvollen
Fassaden errichtet, von denen im oberen Teil der Strasse noch einige erhalten
geblieben sind.
Der mächtige Bau der
ehemaligen Reichspost, in dem das Elberfelder Hauptpostamt untergebracht war,
wurde im Jahr 1928 fertiggestellt. Interessant an diesem Gebäude ist, dass
seine Front leicht nach innen gewölbt ist und die beiden Ecken abgerundet sind.
Der Platz vor der Post sollte nach dem Willen der Stadt ursprünglich zu einer
Grünfläche ausgebaut werden. Die Wuppertaler wollten allerdings ihren beinahe
einzigen innerstädtischen Parkplatz behalten und erhoben gegen den Vorschlag
lautstarken Protest. Zu den Geschäftszeiten erhebt die Stadt aber auch hier
Parkgebühren. Wuppertal ermöglicht dem zahlungswilligen Autofahrer allerdings
durch ein hervoragendes Parkleitsystem das schnelle Auffinden eines Parkhauses
oder einer Tiefgarage.
"Flammen
über Elberfeld, fassungslos die Menschen" - das war die Überschrift des
General-Anzeigers am 15. März
1974. Stunden zuvor ist die Kirche
am Kolk, mitten in der Elberfelder Innenstadt, bis auf die Grundmauern niedergebrannt.
Die lutherische Kirche wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut, eines
der letzten sehenswerten und wertvollen Baudenkmäler in Wuppertal - sie wurde
Opfer eines Brandstifters. Das Drama begann in der Nacht des 14. März, wenige Minuten nach 4 Uhr. Der
Polizei wird ein brennendes Auto vor der Hauptpost am Kolk gemeldet. Die
Feuerwehr löscht, die Kripo untersucht das Wrack, denn seit dem Sommer schon
häufen sich Fahrzeugbrände in der City.
Ursache war jedesmal Brandstiftung. Noch während die Kripo am Werk ist, entdeckt sie einen
Feuerschein hinter den Kirchenfenstern. 4.44 Uhr: Die Katastrophe ist nicht
mehr aufzuhalten. Als die
Feuerwehr um 4.45 Uhr eintreffen, ist schon ein Großteil des Innenraums der
Kirche Opfer der Flammen geworden. Zwischen den Kirchenbänken entdecken die
Feuerwehrleute einen Haufen brennenden Unrats. Bereits wenige Minuten später
müssen sie sich zurückziehen, da die ersten Holzbalken der Decke
herunterzustürzen drohen. Um 4.50 Uhr gibt die Polizei eine erste Lagemeldung
an ihre Einsatzleitung durch: "Das gesamte Kirchenschiff steht in
Flammen". Vierzig
Feuerwehrleute aus Elberfeld, Barmen und Dönberg sind im Einsatz, alle Reserven
werden mobilisiert. Um 5,20 Uhr trifft der Oberstadtdirektor Dr. Rolf Krumsiek
am Brandort ein. Die Flammen schlagen bereits aus dem Turm, Mauerstücke und
Holzteile krachen zu Boden. Ein Feuerwehrmann wird verletzt - Staatsanwalt Hans
Mesenhöller sagt später: "Ein tollkühner Einsatz der
Feuerwehrmänner". Zwanzig Minuten später müssen zwei Kinder und fünf
Erwachsene aus den umliegenden Häusern evakuiert werden. Oberbürgermeister
Gottfried Gurland und Dr. Arno Födisch, der Stellvertreter des
Polizeipräsidenten treffen am Kolk ein. Fassungslosigkeit ist von allen
Gesichtern zu lesen. Als hell wird, ist das Außmaß der Zerstörung zu
überschauen. Die Ruinen des Kirchenschiffs qualmen, einige Teile des Mauerwerks
glühen noch. Die Morianstraße ist
von Schutt, Steinen und Asche übersät.
Als die Feuerwehrleute am nächsten Morgen den Glockenstuhl überprüfen,
leuten noch einmal die fünf Glocken der lutherischen Kirche. 1699 erhielten die
Lutheraner die Erlaubnis im neuen Kirchenhaus am Kolk predigen zu dürfen. Das
heutige Gotteshaus mit dem bergischen Zwiebelturm, das in Form des Barock unter
weitgehendem Verzicht auf Außenschmuck gebaut wurde, wurde dann 1752
eingeweiht. Das Besondere an der Kirche ist, dass sie aufgrund der engen
Bebauung in der Innenstadt nicht freisteht, sondern direkt mit einem Wohn- und
Geschäftshaus verbunden ist.
Heute erinnert nichts
mehr daran, dass an dieser Einkaufsstrasse die Stadtmauer der Burg Elberfeld
stand, an der der Mirker Bach entlangführte. Vor dem Krieg standen hier
prachtvolle Geschäftspalais, von denen heute nichts mehr übriggeblieben ist.
Moderne gesichtslose Mode- und Kaufhäuser sind an deren Stelle getreten. Für
den Privatverkehr ist der Wall gesperrt. Nur Busse, Taxen und Zulieferer dürfen
durch.
Die Strasse
Schlossbleiche an der Schwebebahnstation Döppersberg hat ihren geschichtsträchtigen
Namen von einer Zeit geerbt, in der die Bewohner der Burg Elberfeld zur Wupper
kamen, um ihr Garn zu bleichen. Heute ist die Strasse entlang der Wupper
Fußgängerpromenade. Neben einigen Läden und Büros befindet sich hier die
Geschäftsstelle der Westdeutschen Zeitung und etwas weiter das City – Center.
Das Island war ab dem 18.
Jahrhundert ein Begriff für das Elberfelder Armen- und Elendsviertel. Vor den
Toren der alten Stadt, also jenseits des Wupperufers, häuften sich die Baracken
der Arbeiter. Die Wupper war lange Zeit unbefestigt, so dass jährlich
Überschwemmungen zur Routine wurden. Aber auch die gegenüberliegende Seite, das
„Mäuerchen“, wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts befestigt und zum Wupperwall
aufgeschüttet. Die Baracken wurden bereits anfang dieses Jahrhunderts
beseitigt. 1906 wurde auf ihrer Fläche das Thalia – Theater eröffnet, das man
als Operettenbühne errichtet hatte. Es war ein eindrucksvolles und imposantes
Gebäude, das in der Nachkriegszeit gesprengt wurde, um dem Sparkassenhochhaus
Platz zu schaffen.
Wo heute die
Stadtsparkasse am Islandufer steht, prangte früher das „weiße Haus am bunten
Fluß“, das Thalia Theater. Am 12. Dezember 1906 öffnete der Monumentalbau seine
Pforten und lief unter verschiedenen Direktoren zunächst als Operettentheater.
1929 wurde das Haus gründlich renoviert und zu einem Groß-Varité umgestaltet.
Ein junger Mann, der dem Flair des Theaters damals rettungslos verfiel, sollte
die anschließende Glanzzeit des Thalia-Theaters entscheidend mitbestimmen. „Das
Thalia-Theater war mein Schicksal, bestätigt Werner Kraft. Aber es war ein
Schicksal, mit dem er sich gut abfinden konnte und das ihn mit den größten
Stars der damaligen Film- und Theaterwelt zusammenführte. Im Jahre 1932 Kraft
hatte gerade das Abitur gemacht und wollte Lehrer werden – brachte ihn ein
Besuch im Thalia-Theater auf andere Gedanken. Als Volontär verteilte er bald Plakate, machte die
Buchhaltung, legte Filme ein und riß abends die Karten der 2.000 Besucher ab,
die ins Thalia strömten. Auch die Betreuung schwieriger Stars gehörte zu seinen
Pflichten. Otto Gebühr, ein Schauspieler, der sich in seiner Obhut befand,
dachte eines Abends garnicht daran, sich vor dem Publikum zu verbeugen, sondern
beleidigte die Zuschauer statt dessen mit dem berühmten Zitat von Götz von
Berlichingen. „Ich ließ geistesgegenwärtig den Vorhang herunter. Im Saal
herschte erst Totenstille, dann brachen die Leute in Gelächter aus“, erzählt
Kraft. Nachdem er ein Jahr lang „Junge für alles“ war, wurde er
Direktionsassistent von Robert Riemer und verpflichtete Stars wie den Clown
Grock, Rastelli, die Rivels, Lil Dagover, Lilian Harvey, Josephine Baker, Hans
Albers und Heinz Erhard. Dann kam der Krieg: Kraft wurde im Dezember 1940
eingezogen. Als er aus Rußland zurückkehrte, mußte er erleben, wie sein
geliebtes Theater einem Bombenangriff zum Opfer gefallen war. „Daraufhin habe
ich nach dem Krieg fünf Jahre lang eine Künstleragentur betrieben“, erzählt
Kraft. Währenddessen hatten sich der gebürtige Wuppertaler Robert Bartholomay,
der in Hamburg lebte, entschlossen, das Thalia-Theater wieder aufbauen zu
lassen. Am 1. Oktober 1950 wurde es mit einem großen Programm mit Varité,
Orchester, Artisten und dem Film „Großstadtnacht“ wieder eröffnet. Die Leitung
hatte von da an Werner Kraft. „Das Theater lief sehr gut in dieser Zeit mit
einer Millionen zahlender Besucher in acht Monaten“ berichtete Kraft nicht ohne
Stolz. Den Besuchern wurde ein Tagesprogramm geboten, außerdem das Wiener
Staatsopernballett in der Spätvorstellung und jeden ersten Sonntag im Monat der
„Thalia Boxring“, der, obwohl keine ausgesprochene kulturelle Veranstaltung,
sich großer Beliebtheit erfreute. Nach drei Jahren hatte Bartholomay sein Geld
wieder eingespielt. Der vielfache Millionär jedoch fand das Dasein als
Theaterbesitzer zu mühsam und beschloß, das Thalia an die Ufa-Theater AG
weiterzuverpachten. Seinen Theaterdirektor überließ er dem Filmgiganten
ebenfalls, was dessen Tätigkeit von Grund auf änderte, ich war plötzlich ein
besserer Buchhalter und eröffnete einen Ufa-Palast nach dem anderen, beschreibt
Kraft die Veränderung. Im Thalia wurden nur noch Ufa-Filme gespielt. Filme aber
konnten die Leute inzwischen auch zu Hause sehen – das Fernsehen hielt Einzug
in bundesdeutsche Wohnstuben. Mit schwindenden Besucherzahlen begann der
Niedergang des Thalia-Theaters. Am 25. September 1967 war es soweit: Ein Bagger
rückte an, um die letzte Wand des Theaters niederzureißen. Werner Kraft begann
mit 48 Jahren eine zweite Karriere als Lehrer. Bis heute ist sein Interesse an
Kino und Theater groß. In Hamburg hat er sich das Musical „Cats“ angesehen. Ein
solches Spektakel hätte er damals sicher auch ins Thalia Theater geholt.
1972 wurde das höchste Gebäude
Wuppertals auf dem Gelände des ehemaligen Thalia – Theaters fertiggestellt. Der
Komplex besteht aus einer riesigen 2 500 m² großen Kassenhalle, einem Parkhaus
un dem markanten Turm, der in Hängebauweise von oben nach unten entlang des
Aufzugschachtes gebaut wurde. Das Café im oberen Stockwerk, von dem man einen
herrlichen Ausblick auf Wuppertal genießen konnte existiert leider nicht mehr.
Einer von wenigen
interessanten Abschnitte der meist an alten Industrieanlagen vobeiführenden Strecke
der Wuppertaler Schwebebahn ist das Stück zwischen den Stationen Ohligsmühle
und Döppersberg. Hier schwebt man an den beiden Wupperpromenaden Schlossbleiche
und Islandufer entlang und bekommt auch einige sehenswerte Bauwerke zu Gesicht.
So zum Beispiel das große Ende der 20er Jahre fertiggestellte und mit
Naturstein verkleidete Geschäftsgebäude der Industrie- und Handelskammer, den
modernen Komplex der Stadtsparkasse, ihm gegenüber das City – Center, das durch
den zierlichen Bismarcksteg mit seinen schmiedeeisernen Torbögen mit der
modernen Hauptstelle der Sparkasse verbunden ist und desweiteren den
Renaissancebau der Kommandite der Preußischen Bank, der 1892 fertiggestellt
wurde und heute als Zweigstelle der Landeszentralbank dient. Über der reichverzierten
Eingangstür steht weiterhin Reichsbank.
Die im Krieg zerstörte
Schwebebahnstation Alexanderbrücke wurde erst im Jahre 1982 durch einen Neubau
ersetzt. Die gläserne, grünschimmernde Haltestelle gibt mit ihrer seltsamen
Form der sonst so betagt wirkenden Schwebebahn ein futuristisches Gesicht.
Ohligsmühle, wie die Station getauft wurde, hieß vor dem Bau der Bundesallee
die unbedeutende Strasse, die an gleicher Stelle parallel zum Islandufer dem
Wupperlauf folgte. Der Name erinnert daran, dass vor etwa anderthalb
Jahrhunderten am Mäuerchen, an der Schlossbleiche und am Islandufer viele
Korn-, Loh- und Streichmühlen standen.
Enka-Glanzstoff-AKZO-Hochhaus
(heute Arcordis)
Das 14stöckige, schmale
Hochhaus der ehemaligen Enka Glanzstoff AG ist das wohl markanteste Objekt, das
Zeugnis über den Baustil abgibt, den man den 50er Jahren zuschreiben kann.
Allerdings gehört dieses Gebäude durch die zwischen den unzählbaren
Fensterreihen angebrachten Natursteinverkleidung noch zu denjenigen, die sich
wenigstens ein bischen klassische Architektur bewahren wollten.
Elberfelder „Altstadt“
hat sich zu lebendigem Stadtteil mit Atmosphäre gemausert. Am Rande der
Elberfelder Innenstadt, zwischen Sophien- und Laurentiuskirche hat sich
Wuppertals bekannteste und wohl älteste Wohnstraße, die Luisenstraße zu einem
eigenständigen, lebendigen Geschäftsviertel mit Handwerksbetrieben, Boutiquen,
Einzelhandelsgeschäften, verschiedenen Kulturangeboten und Galerien gemausert.
Die Häuser der Epoche des Klassizismus verbreiten eine besondere Atmosphäre,
die zum Einkaufen und Bummeln geradezu einlädt. Einen besonderen Anteil an
dieser Entwicklung entlang der rund 360 Meter langen Geschäftsstraße hat die
„Interessengemeinschaft Luisenstraße“. Die inzwischen rund 22 Mitglieder
umfassende Gemeinschaft – allesamt Geschäftsleute aus der Luisenstraße – hat
sich zum Ziel gesetzt, das gewachsene Bild und den speziellen Charakter der
Straße zu erhalten. Hierzu gehören auch das Anlegen von Grünanlagen oder
nostalgische Straßenlaternen. Kurzum: all das, was die „Luise“ lebens- und
liebenswert macht, soll erhalten und bewahrt werden. Die ansässigen Fachhändler
wollen auch mehr sein als bloße Geschäftsleute. Persönlicher Kontakt mit Kunden
steht im Vordergrund wie Engagement oder Beratung. In der Adventszeit versorgen
die Mitglieder der Interessengemeinschaft ihre Kunden mit Kaffee, Stollen oder
Glühwein. Nicht zu vergessen das schon traditionelle Luisenfest. Für ein
Wochenende verwandelt sich das Viertel rund um die Sophienkirche in einen
kunterbunten Basar. Auch hier ist die Interessen-gemeinschsft mit dabei. Als
besonderen Erfolg ihrer Arbeit sieht Doris Albermann, Sprecherin der
Gemeinschaft, die Begrünung des Trümmergrundstücks Nr. 110. Hier entstand eine
grüne Ruheinsel mit Bänken, Sträuchern und Pergola.
Namensgeber des
Wuppertaler Altstadtviertels ist die Königin von Preußen, Luise von Mecklenburg
(1776 – 1810), die mit Friedrich Wilhelm III. vermählt war. Dieser regierte das
Land von 1797 bis 1840 und war seit dem Wiener Kongress 1815 auch königliches
Staatsoberhaupt der Wuppertaler. Die Epoche der preußischen Zugehörigkeit ist
letztendlich mit dem größten Aufschwung der Stadt verbunden.
Der Platz und die Kirche an
der Friedrich-Ebert-Strasse sind nach dem Schutzpatron von Elberfeld, dem
heiligen Laurentius benannt worden. Das Rost auf dem der Märtyrer im Jahre 258
den Feuertod erlitten haben soll, kennzeichnet bis heute das Elberfelder und
Wuppertaler Wappen. Die im klassizistischen Schinkelstil gehaltene markante
Doppelturmkirche mit dem angrenzenden Pfarrhaus wurde in den Jahren 1828 bis
1853 erbaut. Der Platz ist im 19. Jahrhundert als zweiter Elberfelder
Wochenmarkt angelegt worden und bot damals auch noch einem großen
Kriegerdenkmal Platz. In heutiger Zeit finden hier oft Feste und Jahrmärkte
statt, und wenn einmal kein Fest angesetzt ist, dann bevölkern bei schönem
Wetter denoch jede Menge Menschen den mit Stühlen und Tischen der angrenzenden
Cafés zugestellten Platz.
Anfang des 19.
Jahrhunderts wurde die Königstrasse als Bebauungsleitlinie für die Ausdehnung
der Stadt nach Westen angelegt. Innerhalb weniger Jahrzehnte entstanden an
dieser Strasse große einheitlich gestaltete Gebäudekomplexe, die im Wechsel mit
mehreren Grünanlagen der Strasse ein majestätisches Ansehen verschafften. Die
Strasse zog sich parallel zur Wupper bis Sonnborn hin und wurde von Westen
kommend neuer Eingang in die Innenstadt. Parallele Verbindungen, wie etwa die
Aue oder die Luisenstrasse traten in den Hintergrund. Seit dem Bau der Talachse
in der Nachkriegszeit ist die Friedrich-Ebert-Strasse, die zu einer der
längsten Wuppertals gehört, praktisch zweigeteilt. Das erste Stück zwischen
Sonnborn und Robert-Daum-Platz ist Teil der Bundesstrasse, die den Hauptverkehr
im Tal bewältigen muss. Nur noch vereinzelt säumen hier mittlerweile
zweckentfremdete Villengebäude den Strassenrand. Geprägt wird dieses Teilstück
der Strasse hauptsächlich von den Industriegebäuden, vor allem denen des
Chemieunternehmens Bayer. Auf der wupperwärts rechten Strassenseite schmiegt
sie sich an die schroffen Felsen des Nützenbergs an. Der zweite Teil, der nach
dem Ausbau des Robert-Daum-Platzes nicht mehr mit dem Rest der Strasse
verbunden ist, führt von der Briller Strasse zum Kasinokreisel dem Zentrum
Elberfelds entgegen. Auf diesem wesentlich engeren Teilstück herrscht
allerdings kein reger Autoverkehr mehr. Mit wechselden Fahrtrichtungen,
ungünstigen Vorfahrtsregelungen, kleine Fahrspuren und Kopfsteinpflasterung
werden Autofahrer von der ehemaligen Königstrasse fernzuhalten versucht. Sie
ist jetzt eine gemütliche Geschäftsstrasse, in der sich Exklusiv- und
Billigkaufläden, Kaffeehäuser, Kneipen und Spielhallen, Boutiquen, Antiquitäts-
und Buchhändler abwechseln. Obwohl die Strasse durch den Bombenhagel viel von
ihrer ürsprünglichen Gestalt verloren hat, ist ihr lebendiges Treiben zu den
unterschiedlichsten Tageszeiten seit damals ungebrochen.
In unmittelbarer Nähe des
Laurentiusplatzes befindet sich das naturwissenschafte Fuhlrott – Museum, das
sich vor allem den Themen Biologie, Paläontologie, Mineralogie und Ökologie
widmet. Es ist nach dem Wuppertaler Mathematiker und Naturwissenschaftler,
Johann Carl Fuhlrott (1803-1877), benannt, der 1856 als Vorsitzender des von
ihm gegründeten Naturwissenschaftlichen Vereins im nahe gelegenen
niederbergischen Neandertal ein menschliches Skelett aus der Eiszeit entdeckte.
Die neue Reformierte
Kirche in der Sophienstrasse weist einen gotisch – byzantinischen Rundbogenstil
auf. Auffallend sind die festen Sandsteinquader mit Bruchsteinmauerwerk und der
schlanke achtseitige Turm. 1858 fand in dieser Kirche der erste Gottesdienst
statt.
Der einstige
Tannenbergplatz trägt heute den Namen des ersten DGB – Vorsitzenden und
früheren Wuppertaler Oberbürgermeister Robert Daum, der 1966 verstorben ist.
Der Platz ist seit dem Ausbau der Talsohle in der Nachkriegszeit ein
bedeutender Verkehrsknotenpunkt. An ihm liegen die gleichnahmige
Schwebebahnstation, das GEFA Hochhaus der Deutschen Bank und die katholische
Hauptschule West. Das imposante Schulgebäude war früher ein Realgymnasium für
Knaben.
Der großzügige
gepflasterte wiesen- und baumreiche Luisenpark am Ende der Luisen-
Friedrich-Ebert-Strasse wurde bereits 1802 angelegt und in der Nachkriegszeit
erneuert. Bis zum Kriegsende stand hier das große Reiterstandbild Kaiser
Wilhelm I., das in früheren Zeiten auf dem Brausenwerther Platz am Döppersberg
zu finden war. Heute steht auf dem Sockel eine Skulptur „moderner Kunst“.
Das im klassizistischen
Stil errichtete einzelstehende Gebäude am Luisenpark war einst eine Villa des
erfolgreichen Wuppertaler Textilunternehmers Frowein. Seit 1928 befindet sich
das Haus im städtischen Eigentum, war von 1938 bis 1945 Sitz der Kreisleitung
der NSDAP und beherbergt nun die Bergische Musikschule sowie einen Teil des
Wuppertaler Instituts der Staatlichen Hochschule für Musik Rheinland.
Bis zum Beginn des 19.
Jahrhundert war die Elite der Stadt direkt im Zentrum bei ihren Geschäften und
Unternehmen angesiedelt. Als die Bevölkerung immer mehr zunahm, wandelte sich
das Bild und die Reichen suchten sich ihre Wohngegenden in abgelegenen Gegenden
außerhalb der Innenstadt. Sie bauten sich vornehmlich im Briller Viertel
elegante bürgerliche Patrizierhäuser in den verschiedensten Stilrichtungen, die
im ausgehenden 19. Jahrhundert üblich waren. Heute ist diese Gegend, die sich
durch das Wachstum der Stadt nicht mehr in abgeschiedener Lage, sondern
vielmehr in unmittelbarer Nähe zum Zentrum befindet, zwar immer noch von nobler
Art, doch haben sich auch hier die Bevölkerungsschichten der Stadt vermischt.
Viele Reiche sind fortgezogen und haben sich moderne Bungalows in weitaus
ländlicheren Bereiche der Stadt gebaut. Einige Villen sind dagegen zu
Mehrfamilienhäusern umfunktioniert worden und in manchen Strassenzügen hat auch
hier der Zeitgeist der sechziger und siebziger Jahre seine Spuren in Form von
hässlichen Betonbauten hinterlassen. Aber im Großen und Ganzen ist das im Krieg
unzerstört gebliebene Quartier am Brill, das sich mit dem Nützenberg auch einen
schönen Stadtwald erhalten hat, das umfangreichste und schönste Villenviertel
Wuppertals.
Das
Fernsprechamt Elberfeld-Westen.
Ein
Zeitalter des ständig wachsenden Geschäftsverkehrs, des hastenden und
drängenden kaufmännischen Lebens, wird auch dem Telephon, als dem bis jetzt
noch schnellsten Vermittler des lebendigen Wortes vom entfernten Mund zum
entfernten Ohr, der immer noch zuverlässigsten und populärsten Verbindung
zweier räumlich getrennter Lebens- und Arbeitsgebiete eine erhöhte Bedeutung
zuerkennen und zumessen, wie andererseits das Bedürfnis der Zeit nach
Modernisierung, Rationalisierung und Intensivierung den verantwortlichen
Stellen auch hier Aufgaben zu lösen aufgibt. So wird auf den deutschen
Fernsprechämtern die moderne Einrichtung des Selbstanschlusses - „Jeder sein
eigenes Fräulein vom Amt“ - immer mehr eingeführt . Das neue Fernsprechamt in
Elberfeld, das geschaffen wird um unser Postamt in der Morianstraße zu
entlasten – die übliche Höchstzahl der 10.000 Anschlüsse ist erreicht und eine
weitere Aufnahmefähigkeit nicht möglich – wird ein solches „S.A. Amt“ sein. In
dem Herzstück eines Fernsprechamtes, dem großen Bedienungssaal, wird nicht mehr
das melodische „Hier Amt“ vielstimmig und viel hundertmal am Tage ertönen,
dagegen nur ein Rufzeichen „Tü - tü - tü“, welches anzeigt, daß ein Teilnehmer
selbst eine Verbindung herzustellen im Begriff ist. Nur einige Beamtinnen sind
lediglich zur Überwachung und Berichtigung etwaiger Irrtümer anwesend. Das neue
Amt, dessen Aufnahmefähigkeit ebenfalls auf 10.000 Anschlüsse berechnet ist,
wird zunächst nur 8.000 einrichten. Über das Technische der Neuschöpfung, des
gesamten Hauses mit seinen Räumen, wird später noch eingehend zu schreiben
sein, zunächst ist ja alles noch zu wenig installiert, um weitere Mitteilungen
möglich zu machen. Erwähnt sei nur noch, daß das Amt in der Brillerstraße den
Fernsprechverkehr von Hainstraße, Hochstraße, Marienstraße, Brillerstraße bis
zur Laurentiusstrasse und weiter über Ohligsmühler Treppe und Blücherbrücke zum
Grifflenberg, und alles dessen, was westlich dieser Linie liegt, vermittelt
wird. - Das Gebäude enthält etwas über 400 Räume. Im Kellergeschoß befinden
sich die Kabelverteiler für den Orts- und Fernverkehr, Heizungen, Lagerräume.
Bäder (es sollen 12 Zellen geschaffen werden), Wasser-, Elektrizitätsleitungen
und Schalteranlagen, das Erdgeschoß nimmt den Hauptverteilungsraum für den
Selbstanschluß, Maschinen- und Sammlerraum, Büros sowie in dem Flügel nach der
Katernbergerstraße die Fernsprechbauabteilung, die im Augenblick bekanntlich in
einem Mietsgebäude in der Gesenbergstraße untergebracht ist, auf. In der ersten
Etage (zweites Geschoß) liegt neben Büroräumen und Kleiderablagen das
Allerheiligste des Hauses, der große „Wählersaal“, wie der Name für den Raum,
in dem die Vermittlung der Anschlüsse vor sich geht, jetzt lautet; das zweite
Stockwerk (drittes Geschoß) beherbergt weitere Büroräumlichkeiten,
Rechenstellen, Erfrischungsräume, und die Hauptverteiler von Fernamt und
Schnellverkehrsamt, während das oberste Geschoß das Fernamt und
Schnellverkehrsamt selbst aufnimmt. - Zeigt schon die Anlage der hohen,
luftigen Arbeitsräume der Badezellen und des freundlichen Erfrischungsraumes,
daß das Gebäude nicht nur einen Zweckbau darstellt, sondern daß auch auf hygienische,
soziale Erfordernisse größter Wert gelegt wird bezw. worden ist, so wird diese
erfreuliche Feststellung zur angenehmen Überraschung, wenn man auf den an das
letzte Geschoss angeschlossenen Dachgarten heraustritt, der eine prächtige
Aussicht ins der eine prächtige Aussicht ins Grüne bietet und der der Erholung
der Beamten und Beamtinen von ihrem angestrengten Dienst in den Arbeitspausen
dienen soll. – Auch äußerlich bietet das Gebäude ein angenehmes Bild und wird
eine Zierde der Nordweststadt sein. Seine Eröffnung soll im Spätherbst
erfolgen.
GA 22. März 1928
Die
Katernberger Strasse zweigt am Fernmeldeamt von der Briller Strasse ab und
führt von dort durchs Briller Viertel ins begrünte Katernberg. Während die eine
Seite dieser Strasse von neoklassizistischen Bürgerhäusern gesäumt wird, liegt
auf der anderen Seite der Friedhof der kleinen niederländisch-reformierten
Gemeinde, den seine bewusst
schmuck- und blumenlosen Bruchsteingrabplatten auszeichnen.
Eine der meistbeachteten
Landhäuser Elberfelds ist die Villa Amalia an der Briller Strasse. Sie wurde 1883
in den Formen der Neorenaissance erbaut und stellt eines der typischen
Landhäuser aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dar. Das Gebäude, das
stark an die Villa Frowein erinnert, liegt versteckt in einem Park und
beherbergt heute ein Altenheim.
Wer seinen Blick von den
Höhen über das Tal schweifen lässt, dem sticht das rote Gebäude mit dem großen
schrägen Walmdach und dem schlanken spitzen Turm unweigerlich ins Auge. Bei dem
markanten Bau, der sich am Westhang der Nordstadt über der Briller Strasse
auftürmt, handelt es sich um das 1908 fertiggestellte Gebäude des
Erzbischöflichen Gymnasiums St. Anna. Es ist in der Dorotheeenstrasse zu
finden.
Im Volksmund wird oft vom
Ölberg gesprochen, der als geografischer Ort aber in keiner Karte verzeichnet
ist. Der Name stammt aus der Zeit der Jahrhundertwende und beschreibt einen
Teil der Nordstadt. Denn während im Zentrum längst das elektrische Licht Einzug
gehalten hat, mussten sich die Menschen in den Mietshäusern noch lange mit den
alten Öllampen begnügen, die dem Berg nachts ein bezeichnendes Licht gaben.
Als mit der zunehmenden
Industriealisierung der Wohnbedarf in der Innenstadt wegen der zuströmenden
Landarbeiter nicht mehr gedeckt werden konnte, baute man aus dem Tal heraus die
Hänge hinauf. Während sich am Brill die Reichen ihre Villen errichteten,
entstand auf der gegenüberliegenden Seite am Grünewalder Berg die Nordstadt, in
deren großen mehrgeschossigen Mietshäusern das arbeitende Volk eine neue Bleibe
fand. Kurz vor der Jahrhundertwende entwickelte sich hier eine intensive
Bautätigkeit. Schlichtheit kannte man in jener Zeit nicht. Es war sogar
gesetzlich vorgeschrieben, dass die Bauherren ihre Häuser nur mit dekorierten
Straßenseiten errichten durften. Dass die Strassen der Nordstadt trotz ihres
jungen Entstehens ziemlich klein, verwinkelt und unsymetrisch sind, liegt an
der Topografie. Man musste sich zwangsläufig dem gebirgigen Gelände anpasssen.
Die Elberfelder Nordstadt erstreckte sich von der Innenstadt den Berg nach
Norden hinauf, wird westlich von der Briller Strasse und östlich von der Gathe
begrenzt. Sie ist eines der wenigen Wuppertaler Viertel aus der Gründerzeit,
das im Krieg weitgehend verschont geblieben ist und seinen ursprünglichen Karakter
städtebaulich betrachtet weitgehend bewahren konnte. Nur die Bewohner haben
seit den siebziger Jahren das Gesicht der Nordstadt gravierend verändert. Denn
hinter den stuckverzierten Fassaden verbirgt sich heute ein Ausländeranteil von
über achtzig Prozent. Prachtvolle Zeilenbauten mit den mannigfalltigen
Stuckelementen hat die Nordstadt ebenso wie historische Gassen und Winkel
massenhaft zu bieten. Die meisten der alten Gebäude wurden in den letzten
Jahren saniert und ihre oftmals verfallene Vorderfront wieder in den
ursprünglichen Zustand versetzt. Die schönsten Fassaden findet man an der
oberen Briller Strasse, an der Marien- und Hochstrasse, der Strasse Höchsten,
der Neuen Friedrich-, der Neuen Nord- und der Wiesenstrasse.
An der Ludwigstrasse
mitten in der Nordstadt befindet sich die Kreuzkirche und die katholische
Herz-Jesu-Kirche. Die evangelisch-lutherische Kreuzkirche auf dem nach
Friedrich Wilhelm IV. benannten Friedrichsplatz wurde 1850 eingeweiht. Das vor
allem mit Spendenmitteln gebaute Gotteshaus ist im Stil des Spätklassizismus
errichtet. Es ist schwer vorstellbar, dass sich diese Kirche, die heute von
allen Seiten von hohen Stadthäusern umgeben ist, zur Zeit ihrer Erbauung sich
auf einer kahlen freien Wiese befand. Das katholische Gotteshaus mit dem
schlanken Turm wurde 1886 im neugotischen Stil erbaut. Als reformierte Kirche
entstand zwölf Jahre später die kolossale Friedhofskirche an der Hochstrasse.
Sie ist nach der Alten Reformierten Kirche in der Calvinstrasse und der Neuen
Reformierten Kirche in der Sophienstrasse die dritte Reformierte Kirche
Elberfelds. Im Gegensatz zu den beiden ziemlich schlicht gehaltenen Kirchen in
der Innenstadt ist dieses wuchtige Gebäude in den Formen deutscher
Spätromantik, welches in exponierter Lage über den Dächern der Nordstadt
throhnt, Zeichen von Macht und Einfluss. Direkt an die Friedhofskirche
schliessen sich links und rechts der Hochstrasse die drei großen Friedhöfe der
Nordstadt an: Der reformierte Friedhof, der katholische Friedhof und der
luthersche Friedhof.
Die neue Wuppertaler
Hauptfeuer- und Rettungswache in der Nähe des Briller Kreuzes wurde 1990
fertiggestellt. Sie gilt als modernste Feuerwache Europas und ersetzt die
technisch veraltete und räumlich stark beengte Einsatzzentrale an der Gathe die
seit dem Umzug leersteht.
Der Bahnhof der Nordstadt
war zur Blütezeit der Rheinischen Eisenbahn auf Wuppertaler Gebiet die
bedeutendste Personen- und Güterstation dieser Strecke. Von dem einstmals so
belebten Mirker Bahnhof ist heute nicht mehr als die Erinnerung längst
vergangener Bahnidylle geblieben. Der große Bahnhofsvorplatz dient mittlerweile
als Abstellfläche für die Wagen der Anwohner; die mächtige Treppe, auf der die
Reisenden einst hinunter zur Neuen Friedrichstrasse gestiegen sind, ist
inzwischen mit Unkraut, jahrzehntealtem Müll oder angrenzenden Büschen
überwuchert. Aber während das Empfangsgebäude von der Straßenseite aus noch
einen soliden Eindruck macht, sieht es auf der Bahnsteigseite gräuslich aus.
Nicht nur die Fassade ist heruntergekommen; auch die Unterführung und der
Mittelbahnsteig erweisen sich als völlig verwildert, Weichen und Signale hat
man ebenso wie die ehemals weiträumige Gleisanlage demontiert. Nur ein
Schienenstrang ist übriggeblieben: Für den kleinen Güterzug, der noch
irgendeine Fabrik an der Trasse der Rheinischen Bahnstrecke bedient, und für
den Museumszug, der seinen Fahrgästen zwei oder dreimal im Jahr zeigt, was die
Wuppertaler durch Stillegung dieser Strecke verloren haben.
Villa Seyd
Bau der Villa begann 1897
und war nach zwei Jaheren im Jahre 1899 fertiggestellt. 1991 vorm Abriss
bewahrt und saniert wurde, ist wohl das schönste Gebäude auf Uellendahler
Boden. Das Mondäne Landhaus im neubarocken Stiel zählt zu den größten Villen
der Stadt und wird heute als Mehrfamilienwohnhaus genutzt. Ein Gerücht besagte,
dass es einen unterirdischen Gang vom Haus zum Turm an der Ecke
Adalbert-Stifter-Weg und Kohlstraße gäbe. Ein Nachfahre Seyd hat eine Gruppe
ins Innere des Hauses geführt, wo er unter einer Abdeckung im Kellergeschoss
den verblüfften Leuten den bisher unentdeckten Eingang zeigte. Da lag natürlich
auch die Frage nahe, ob denn, wie ebenfalls Gerüchte besagen, der Erbauer
diesen Gang genutzt habe, um sich im Turm dann den Freuden des Lebens hingeben
zu können? Dies, sagte der „Insider“ mit einem Lächeln, könne er nicht
dementieren. Allerdings weitere süffisante Details mochte er nicht verraten.
Wenn man auf der Südseite
Wuppertals steht und nach Norden über die Stadt blickt, fallen sie unweigerlich
ins Auge. Gemeint sind die beiden Türme, die an der nördlichsten
Ost-West-Verbindung stehen. Zum einen der aufgrund seiner Form im Volksmund
„Atadöschen“ genannte Wasserturm am Pfaffenhaus, der seit 1927 den Höhenrücken
ziert, und zum anderen der 1978 fertiggestellte Fernmeldeturm.
Das 1888 erbaute
Textilgebäude der Firma Hebebrandt zählt nach seiner Renovierung zu den
schösten Wuppertaler Fabriken. Der viergeschossige Eckbau liegt an der
Uellendahler Strasse in unmittelbarer Nähe zum Mirker Bahnhof. Die Fassade ist
mit roten und gelben Ziegeln gemauert und weist reichhaltige Verzierungen auf.
Wenn man die Saarstrasse
hinauffährt, glaubt man eher ein edles Landhaus vor sich zu haben als eine
Kirche. Das im nördlichen Bereich des Wohnbezirks Ostersbaum an der Opphofer
Strasse gelegene Gebäude, das im neubarocken Stil gehalten ist, wurde 1910 als
Gotteshaus der lutherischen Gemeinde fertiggestellt.
Anfang des 19.
Jahrhunderts wurde beschlossen, die öde liegende Hardt zu bepflanzen und zu
einem Erholungsgebiet für die Stadtbewohner auszubauen. Bis heute zählt der
bewaldete Berg mit seinen vielen Spazierwegen und den großen Wiesen zu einer
der schönsten Wuppertaler Parkanlagen. Viele Veranstaltungen werden hier
ausgetragen, von Drachenwettbewerben bis zu Theateraufführungen und Konzerten
auf der Waldbühne. Aber auch wenn
kein Programm angesagt ist, tummeln sich an sommerlichen Wochenenden das Volk
auf den Wiesen oder auf der Terrasse des Hardt Cafés. Am Ende der Reichsallee,
die quer durch die Hardt führt, ist 1907 der 22 Meter hohe Bismarckturm
errichtet worden. Der Turm steht genau auf der Grenze zwischen Elberfeld und
Barmen, die sich von der Haspeler Brücke quer über die Hardt in Richtung Norden
erstreckt. Das Monument ist dem Reichsgründer und langjährigem Kanzler Otto von
Bismarck (1815 – 1898) gewidmet und soll die Verbundenheit beider Wupperstädte
symbolisieren. Wenn an seinen Zinnen die Stadtfahne flattert, kann man den Turm
besteigen und die Ausssicht auf das Tal genießen. In unmittelbarer Nähe zum
Turm befindet sich des weiteren die Justizvoll-zugsschule Nordrhein – Westfalen
sowie die Kirchliche Hochschule.
Fast 30.000 Teilnehmer
versammlten sich am 19. Oktober 1908 zu einer hochpatriotischen Feier auf der
Hardt: Auf der „Grenzscheide der beiden Schwesterstädte, der höchsten Höhe der
Hardt“, wie es damals in der Berichterstattung hieß, wurde der Bismarckturm
eingeweiht: Ein gemeinsames Werk der beiden Wupperstädte. Grundsteinlegung war
am 1. April dieses Jahres, dem 92. Geburtstag des Namensgebers, der neun Jahre
zuvor gestorben war. Nach dem Entwurf von Professor Kreis war der mächtige Turm
aus Quadersteinen errichtet, die man aus dem Felsbrocken der Hardt auf Barmer
Gebiet gebrochen hatte. Zur Einweihung versammelten sich Bürger und
Schulklassen, Kriegervereine und Offizierkorps beider Bezirkskommandos und die
städtischen Behörden. Im Namen des Arbeitsausschusses des Denkmalkomitees hielt
der Elberfelder Konsul Paul Boeddinghausen jr. die Festansprache: Möge der Turm
das Anfangsglied einer Kette gemeinsamer Unternehmungen beider Städte bilden,
auf daß in der Welt die viel belächelte Mär von der Gegenerschaft der
Wupperstädte immer mehr verschwinden“!
Neben Wald und Wiese
befindet sich auf der Hardt auch noch die Stadtgärtnerei und der Botanische
Garten, der 1890 angelegt wurde. An vielen schmalen Wegen können die
Hardtbesucher hier exotische und außergewöhliche Pflanzen bewundern. Zu
bestimmten Zeiten kann man sich hier auch über Haus- und Gartenpflanzen beraten
lassen. In der Mitte des Botanischen Gartens steht der rote Elisenturm. Er war
ursprünglich eine Windmühle, wurde aber bereits 1839 zu einem Aussichtsturm
umgebaut.
Drei-Kaiser-Denkmal auf der Hardt
Seit
dem 9. November 2000 steht das Drei-Kaiser-Denkmal wieder auf der Hardt. Durch
eine Großzügige Spende der Familie Mittelsten Scheid anlässlich des 70.
Jahrestag der Gründung der Stadt Wuppertal konnte das Denkmal unter Verwendung
der Historischen Steinfragmente rekonstruiert werden. Am 9. November 1814 dem
Jahrestag der Befreiung von der napolischen Herrschaft wurde auf dem
Elberfelder Neumarkt die Friedenseiche gepflanzt. Am 9. November 1817 mit einem
steinernen Denkmal umgeben. 1894 zur Hardt überführt. 1943 im Zweiten Weltkrieg
stark zerstört. Die vier Säulen tragen folgende Inschrift: „Alexander dem I.
Kaiser aller Reussen“; „Friedrich Wilhelm dem II. König von Preußen“; „Franz
dem Kaiser von Österreich“; „Zum Andenken des 9. Nov. MDCCCXIII des Einzugtages
der I. Verbündeten Truppen; errichtet von der Eichengesellschaft.
Im 18. Jahrhundert führte
hier am Fuße der Hardt die einzige befestigte Strasse von Elberfeld nach Barmen
über die Wupper. An dieser Stelle grenzten die Häuser beider Städte bereits
lange vor der Stadtvereinigung aneinander. Die Haspeler Brücke war aber noch
bis in die Nachkriegszeit die wichtigste Nahtstelle zwischen den beiden
Stadtteilen und verlor erst mit dem Ausbau der Bundesallee zur vierspurigen
Talachse ihre Bedeutung. Auf Barmer Seite stand damals zu Ehren Kaiser Wilhems
II. ein Triumphbogen. Er stattete den Wuppertalern nämlich am 24. Oktober 1900
einen Besuch ab. Das ganze Volk war an diesem geschichtsträchtigen Tag auf den
Beinen und beide Städte zeigten sich festlich geschmückt. In Barmen weihte der
Monarch die Ruhmeshalle ein und in Elberfeld das neue Rathaus. Wesentlich
behutsamer war allerdings, dass er anschließend sozusagen als erster Fahrgast
mit der neu gebauten Schwebebahn nach Vohwinkel fuhr. Welche Prioritäten er
setzte, zeigte der Kaiser, als er sich der Haspeler Brücke näherte. Dort soll
er zu seiner Gemahlin gesagt haben: „Auguste, setz dich gerade, wir kommen in
die Stadt!“ Und die Elberfelder konnten dank dieser Bemerkung wieder einmal
über ihre verzankte Schwesterstadt triumfieren.
Wuppertals Justizgebäude
liegen auf einer kleinen Insel, die links und rechts von der Wupper umflossen
wird. Das Landgericht zählt zu den ältesten Justizpalästen Deutschlands. Der
zweigeschossige klassizistische Quaderbau mit seiner offenen Rundbogenhalle im
Stil italienischer Renaissance ist in den Jahren 1848 bis 1852 an der Grenze
zwischen Elberfeld und Barmen errichtet worden. Gegenüber dem Landgericht steht
das weniger markante aber um so größere Amtsgericht, das 1906 fertiggestellt
wurde. Direkt daneben sticht das 1964 erbaute Justizhochhaus ins Auge, das 17
Stockwerke zählt. Jenseits der Gerichtsinsel an der Friedrich-Engels-Allee
stand einst das Wuppertaler Gefängnis Bendahl, das im Jahre 1864 errichtet
wurde. Heute ist dort auf dem ehemaligen Gelände ein Verwaltungs Zentrum eines
Supermarktunternehmens und ein Elektromarkt errichtet worden.
An diesem bedeutungslos erscheinendem
Gemäuer würde heute auch jeder noch so historisch interessierte Bürger achtlos
vorbeifahren. Geschichtsträchtig ist das am Fuße der Hardt liegende Gebäude
allerdings allemal, auch wenn von dem ehemalig mächtigen Wunderbau nur noch
Teile übriggeblieben sind. Das Palais, das ein Weinhändler in der Mitte des 18.
Jahrhunderts hat bauen lassen, trug einst ein riesiges Mansardendach mit vielen
ausgeprägte Erkern und gilt als ältester noch erhalten gebliebener profaner
Steinbau Elberfelds.
Das moderne
weißleuchtende Gebäude der Wuppertaler Bühnen, das Platz für 750 Zuschauer
bietet, liegt zwischen Bundesallee und der Kluser Wupperschleife. Es wurde in
den Jahren 1963 bis 1966 auf einer weitgehend unbebauten Fläche nahe der
Innenstadt errichtet. Hier finden jährlich über 250 Aufführungen statt.
Als „größten lebenden
Bildhauer“ lobten ihn Kunstsachverständige und Anhänger seiner monumentalen
Kunst. Aber auch harsche Kritik mußte Henry Moore, der im Herbst 1965 als 88
jähriger starb, gefallen lassen. Und so entbrannte auch in Wuppertal 1966 eine
pro- und contra Moore-Diskussion, wie sie danach so heftig wohl nur noch bei
dem umstrittenen Hrdlicka-Denkmal am Engels-Haus aufkam. Dabei begann alles
ganz harmlos: 1964 verschenkten die Wuppertaler Stadtwerke die Moore-Plastik
„Die Sitzende“ an den Wuppertaler Kunst- und Museumsverein. Sie selbst hatten
1958 nur 55.000 Mark dafür bezahlt; einen Betrag, bei dem die Mitarbeiter des
von der Heydt Museums heute wehmütig lächeln können. „Die Plastik ist jetzt ein
Vielfaches wert“ schätzte 1986 Dr. Wachtmann vom Museum, „der Ankauf einer
zweiten Moore-Plastik, so wünschenswert das wäre, ist für uns unmöglich“.
Geschenkt oder nicht, bei den Wuppertaler Bürgern fand das ungewöhnliche
Kunstwerk nur äußerst geteilte Aufnahme. Vor der Schwimmoper am Johannisberg
fristete die Sitzende kaum beachtet ein für ihre Bedeutung wahrhaft
kümmerliches Dasein. Was den damaligen Baudezernenten Professor Hetzelt
wiederrum so erboste, dass er Gartenzwerge um die geschmähte Dame
herumplazieren ließ. Aber die Sitzende sollte sich noch mehr gefallen lassen
müssen: Im Karnevalszug 1966 wurde sie kurzerhand zum Funkenmariechen
umfunktioniert und zierte allein drei Wagen. Und selbst der Wuppertaler
(Wappen-) Löwe zog als „der Liegende“ durchs Tal. Zur Einweihung des
Schauspielhauses im Spätsommer desselben Jahres schließlich erhielt die Dame
dort einen angemessenen Sitzplatz. Obwohl man doch, so eine Leserzuschrift im
„General-Anzeiger“, besser Bratpfannen aus dem Kunstwerk hätte erstellen
sollen... Dieser Meinung waren offensichtlich auch die unbekannten Täter, die
der Sitzenden schon im Jahre 1959 als erste auf den Leib gerückt waren. Sie
besannen sich auf ein mittelalterliches Ritual und teerten und federten die
Dame in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember.
Von
der Elberfelder Südstadt, die vor dem letzten Krieg fast genauso bebaut war wie
die Nordstadt, ist außer der Stadthalle und den beiden wiederaufgebauten
Kirchen fast nichts Gründerzeitliches mehr übriggeblieben. Entstanden ist dies
Stadtviertel damals ebenfalls im Zuge der Stadterweiterung als Wohngegend für
Arbeiter und Angestellte. Verändert haben sich nach dem Wiederaufbau aber nicht
nur die Häuser, sondern auch der einst geschlossene Siedlungszusammenhang.
Spielte sich nämlich früher der Hauptverkehr auf der eher schmalen Weststrasse
ab, die quer durch die Südstadt führt, so wird das Viertel heute von drei teils
fünfspurigen Einbahnstrassen Kleeblatt, Bahnhof- und Südstrasse in seinem
Zusammenhang eklatant zerschnitten. Diese Strassenführungen, durch die sich
nunmehr die Blechlawinen wälzen, wirken sich für die Südstädter wie nur schwer
überwindbare Flüsse oder Wälle aus, die anders als in der Nordstadt keinen
Siedlungszusammenhang mehr erkennen lassen.
Südöstlich des
Hauptbahnhofs erhebt sich über den Bahngleisen das Hauptpostamt Wuppertals. Das
überdimensionale weiße Kastengebäude wurde Mitte der siebziger Jahre aufgrund
veränderter technischer und räumlicher Erfordernisse von der Oberpostdirektion
Düsseldorf errichtet, und ersetzte die Hauptpostämter Elberfeld und Barmen.
Alle Briefe, die in einem Wuppertaler Briefkasten landen, werden hier
abgestempelt. 1999 wurde die Schalterhalle dieses Postamtes umgebaut, es nennt
sich jetzt „Open – Service“. Es werden auch keine Briefe mehr dort
abgestempelt, es ist lediglich ein Abholservice für Leute die am Zustelltag nicht
zu Hause waren.
Am 1. August 1972 wurde
die Gesamthochschule errichtet. Mit dieser neuen Art von Hochschule sollte eine
Öffnung für einen wesentlich größeren Teil der Bevölkerung erreicht werden. So
wurden Hochschule- und Fachhochschulstudiengänge mit entsprechenden Abschlüssen
unter einem Dach zusammengefaßt. Nach einer elfjährigen Gründungsphase wurde
die Gesamthochschule am 1. November 1983 in die wissenschaftliche Landschaft
aufgenommen. In Wuppertal sah es nach der offiziellen Gründung 1972 so aus: In
die neue Gesamthochschule wurden traditionsreiche Einrichtungen wie die
Pädagogische Hochschule Rheinland, Abteilung Wuppertal, mehrere Staatliche Ingenieurschulen und die
Werkkunstschule Wuppertal integriert. Zum Gründungsdirektor berief der
Wissenschaftsminister den Germanisten Prof. Dr. Rainer Gruenter der Jurist Dr.
Klaus Peters wurde Kanzler. Beide mußten mit dem Gründungssenat neue
Studiengänge und Prüfordnungen entwerfen sowie Hochschullehrer berufen. Der
Anfang der Gesamthochschule Wuppertal – den offiziellen Namen „Bergische Universität-Gesamthochschule
Wuppertal“ erhielt sie erst im Mai 1986 – war relativ bescheiden. Im ersten
Semester 1972/73 waren insgesamt 3.458 Studenten eingeschrieben, 43 ordentliche
Professoren wissenschaftliche Räte und Professoren, zwei Studienprofessoren,
145 Fachhochschullehrern, 74 wissenschaftliche Mitarbeiter und 265
nichtwissenschaftliche Kräfte waren an der Hochschule beschäftigt. Heute
studieren rund 13.000 Studenten in Wuppertal, die Zahl der Uni-Bediensteten
stieg auf knapp 1.500, darunter allein 360 Professoren. Mit dem ersten
gewählten Rektor Prof. Dr. Josef M. Häußling, dem Rektorat und
parlamentarischen Gremium wurde die Gründungsphase am 1. November 1983 beendet.
Die
neue Mehrzweckhalle oberhalb der Bergischen Universität ist der Größte
geschlossene Veranstaltungsort Wuppertals und fasst mehr als doppelt soviel
Besucher als die Stadthalle. Seit der Vollendung im Jahre 1987 werden hier
sportliche Veranstaltungen genauso ausgetragen wie Unterhaltungsdarbietungen
fürs Fernsehen. Trotz der unmittelbaren Nähe zur Südstadt liegt die Uni – Halle
mitten im Grünen in einer naturbelassenen Waldlandschaft. Die interessante
Architektur der achteckigen Halle ist leider nur aus der Vogelperspektive zu
bewundern.
Über
300 Jahre bestimmte das Gietenbruchsche Haus das Bild des oberen Hahnerbergs.
1980 aber mußte es dem neuen Straßenkreuz Hahnerberg/Theishahn weichen. Der
Zahn der Zeit hatte zuletzt auch dem damals schon denkmalgeschützten Haus
zugesetzt. Die neue Verkehrsplanung sah an diesem Standort zunächst die
Straßenführung der L418 in offener Bauweise vor, bis man sich schließlich auf
nachhaltiges Drängen der Hahnerberger vertreten durch ihren Bürgerverein –
entschloss, einen Tunnel zu bauen. Der Abriss des Hauses war auf jeden Fall
eingeplant. In letzter Minute kam dann doch noch die Rettung. Rolf Löckmann,
Künstler und Fotograf, hatte damals mit seinem geschulten Auge dieses Kleinod
entdeckt und entschloss sich, das schon marode, aber wunderschöne Gemäuer abzutragen
und nicht weit entfernt auf Küllenhahn wieder aufzubauen. Denn das Haus atmet
Geschichte. Nachweislich 1691 entstanden, wurde es etwa 100 Jahre später
umgebaut. Es erhielt mittige Zwerggiebel und ein Walmdach. Die besondere
Symetrie in Fachwerk und Fensteranordnung sowie eine Rundum-Verschieferung
kennzeichnen den klassizistischen Stil dieser Zeit. Was dann alles auf
Hausherrn Löckmann zukam - das hatte er sich nicht vorgestellt. 1981 begann er,
Stein um Stein, Balken um Balken abzubauen, zu nummerieren und an den neuen
Standort am Spessart 33 zu transportieren. Rolf Löckmann: Zwei Jahre lang wurde
gezimmert, ein Jahr lang gemauert, noch einmal ein Jahr am Dach gebaut“. Nicht
wenige der originalen Bauteile waren längst so marode, dass sie ersetzt werden
mussten. Da galt es dann auch immer wieder, auf die Suche zu gehen. Historisch
richtiges Baumaterial gibt es eben nicht im Baumarkt. Löckmann wollte das Haus
so gut wie möglich stilgerecht wieder afbauen. Somit dauerte der Ausbau des
Hauses acht Jahre. Erst 1989 konnte Familie Löckmann in das Schmuckstück
einziehen. Aber dass sich alle Mühen gelohnt haben, das stellen auch die
Spaziergänger und Betrachter am Spessartweg fest: Bergische Baukunst hat es
nicht nur vor 300 Jahren gegeben. „Anno domini am ersten Tag im Mai“ ist das
eingeschnitzte Datum im Portalbalken. Der Künstler und Fotograf bewies hier mit
viel Liebe fürs Historische, mit Fleiß und Sachverstand, dass er auch ein
ausgwiesener Baufachmann ist.
Eines
der größten und imposantesten Gebäude auf Wuppertaler Boden ist die um die
Jahrhundertwende erbaute Stadthalle auf dem Johannisberg. In dem
Sandsteingebäude, dessen Architektur sich in den Formen einer vornehmen
Renaissance bewegt und das von vier prunkvollen Kuppeltürmen umrahmt wird,
befinden sich ein Fest- und Konzertsaal für ursprünglich 2000 Personen sowie
sechs Nebensäle für Kundgebungen und Tagungen. Besonders die vielen in die
Fassade gestalteten Reliefs überzeugen durch ihr Detailreichtum und ihre
kunstvolle Ausarbeitung. Vier Jahre lang hatte man an dem damal 2 Millionen
Goldmark teuren Monumentalwerk gebaut, bis man es schließlich 1900 mit einem
bergischen Musikfest großen Stils eröffnen konnte. Von den Zerstörungen im
Zweiten Weltkrieg wurde die Stadthalle kaum betroffen. Statt dessen wurde der
Bau in der Nachkriegszeit sehr vernachlässigt und mußte sogar im Rahmen eines
nüchternen Ausbaus die Überstreichung etlicher Deckengemälde und Wandmalereien
über sich ergehen lassen. 1989 fasste dann der Stadtrat den Beschluss, die
Stadthalle zu restaurieren und ihre ursprüngliche Substanz wiederzubeleben.
Fast solange wie die einstige Bauzeit dauerte dann die Restaurierung des
Gebäudes. Von 1991 bis 1995 waren etliche Stukateure und Steinmetze in
mühseliger Kleinarbeit damit beschäftigt, den Zustand wiederherzustellen, den
die Stadthalle bei ihrer Einweihung gehabt hat. Aber auch an der modernen
Technik wurde gedacht. So unterließ man es nicht, die Halle den heutigen
Anforderungen einer multifunktionalen Nutzung anzupassen. Insgesamt haben sich
die Umbaukosten auf 200 Millionen Mark summiert.
Als
ein Meisterwerk moderner Architektur wurde der 1957 errichtete Bau seinerzeit
gefeiert. Es war das erste deutsche Hallenbad mit einem Wasserballfeld, das
internationalen Wettkampfmaßstäben entsprach. Heute hat dieser Schwimmpalast
mit dem gekrümmten Dach und der riesigen Glasfassade viel von seiner
ursprünglichen Funktion verloren, ist aber immer noch das einzige sehenswerte
und stadtbildprägende Gebäude der Nachkriegszeit. Die große Zuschauertribühne
für 2.100 Besucher wird heute allerdings längst nicht mehr genutzt und als
Stadtbad genügt es den Anforderungen der Badegäste auch nicht mehr. Die
Sportdiziplin Schwimmen hat ihre Popularität im Volke verloren. Nur von außen
zeichnet sich die Schwimmoper aber nach wie vor durch ihre außergewöhnliche und
einmalige Form aus, die man sonst in keiner anderen Stadt finden kann.
Am
3.9.1841 traf hier der erste Zug aus Düsseldorf ein. In jenen Anfangsjahren der
Eisenbahn endete die Strecke nach Wuppertal im Steinbecker Kopfbahnhof, da sich
der Durchbruch zum Döppersberg wegen des Massenkalkgesteins als außerordentlich
schwierig erwies. Bis 1848 sprengte man der Trasse dann allerdings noch einen
Weg durch den Felsen. Sie verläuft heute in einem engen, mit Naturstein
eingefasten Trog zum Hauptbahnhof. Im Westen des Steinbecker Bahnhofs befindet
sich das Bahnbetriebswerk Wuppertal, das mittlerweile allerdings Köln
untergegliedert ist.
Die
alte Schlachtanlage Elberfelds stand im 19. Jahrhundert am Brausenwerth in der
Nähe des Hauptbahnhofs. Da man dort wegen der steigenden Bevölkerungszahl den
Anforderungen nicht mehr gerecht werden konnte, verlegte man 1879 den
städtischen Schlacht- und Viehhof an den Arrenberg unmittelbar an die Gleise
des Steinbecker Bahnhofs. In wenigen Jahren entstand eine großflächige Anlage
mit Ställen, Geräteschuppen, einem Umschlagplatz, einem Maschinen-, Kessel- und
Kühlhaus, sowie den notwendigen Schlachthäusern. Die beiden
schieferverkleideten Verwaltungs- und Restaurationsgebäude, die 1915
entstanden, sind bis heute erhalten, während sich auf dem Rest des
Schlachthofgeländes Gewerbebetriebe angesiedelt haben. In einem der Häuser ist
heute das Veterinäramt zu finden.
Elberfelder Krankenanstalten
Arrenberg
Erste Anfänge: Die
Geschichte der Krankenhäuser beginnt 1820 mit der Errichtung eines „Bürgerkrankenhauses“
auf der Aue in Elberfeld. 1825 wurde das „allgemeine Armenhaus“ am Neuenteich
eröffnet in ihm fanden insbesondere Arme Unterkunft und ärztliche Betreuung.
Zusätzlich musste 1847 ein der Stadt gehörendes Privathaus am Ostersbaum mit 60
Betten, später sogar 120 Betten, als Krankenhaus geführt werden. Da diese Häuser aber ständig überbelegt
waren, beschloss die Stadtverwaltung der Stadt Elberfeld im Jahre 1856 den Bau
eines neuen Krankenhauses mit bis zu 250 Betten und den Bau eines
angeschlossenen „Irrenhauses“. 1857 konnte für 5.000 Taler ein Grundstück der
Familie Weerth am Arrenberger Weg gekauft werden. Nach weiteren drei Jahren
erfolgte der Ankauf eines westlich angrenzenden Ackergeländes als Bauplatz für
das „Irrenhaus“. Im Jahre 1859 wurde der Grundstein für die „Städtischen
Krankenanstalten“ der Stadt Elberfeld gelegt. Nach vierjähriger Bauzeit war dann
am 1. Dezember 1863 die offizielle Eröffnung und Inbetriebnahme. Die
Gesamtbausumme betrug damals 170.000 Taler. Ob es sich dabei gegenüber den
ursprünglich bewilligten 100.000 Talern um eine Überziehung, oder um einen
bewilligten Zuschuss der königlichen Regierung handelte, lässt sich heute nicht
mehr feststellen. Schon wenige Jahre nachdem das Krankenhaus seinen Betrieb
aufgenommen hatte, machten das Anwachsen der Bevölkerung, aber auch die aus der
medizinischen Entwicklung resultierende Raumanforderung eine erneute
Entscheidung notwendig. Im Frühjahr 1891 beschloss die
Stadtverordnetenversammlung den Ausbau der „Anstalt“ an gleicher Stelle. Aber
erst 10 Jahre später wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Es entstanden bis 1897
ein neues Infektionshaus (Haus 9), ein Beobachtungshaus für Geisteskranke (Haus
10), ein Leichenhaus mit Kapelle (Haus 11), ein Wasch- und Kesselhaus (Haus
13), und schließlich nach Abbruch des alten „Irrenhauses“ das heutige Haus 2.
Damit wurde eine Bettenzahl von 500 erreicht. Weitere 30 Betten konnten durch
den Zukauf des Hauses Arrenberger Strasse 20 (Haus 12) als Schwesternhaus
gewonnen werden. Als sich 1909 die Möglichkeit bot, weiteres Gelände in der
Nachbarschaft zu erwerben, wurde eine Diskusion geführt, die die Geschichte des
Krankenhauses bis heute prägt: Soll an dieser Stelle das bestehende Krankenhaus
erweitert werden oder soll an anderer Stelle ein neues Haus gebaut werden?
Nicht zuletzt aufgrund einer Denkschrift der Chefärzte wurde die Erweiterung am
alten Standort beschlossen. So konnte am 21. Februar 1913 nach 22 Monaten
Bauzeit Erweiterungsbauten in Anwesenheit von Vertretern der königlichen
Regierung eingeweiht werden. Neugebaut worden waren das Privathaus (Haus 3),
die Infektionshäuser (Haus 4 und 5), ein Haus für Lungenkranke (Haus 7, heute
Dermatologie) und das Ärzte- und Schwesternhaus (Haus 8). Die Bettenzahl war
damit auf 752 angestiegen. Während des Ersten Welkrieges war im Krankenhaus ein
Lazarett untergebracht. Ärzte, Schwestern und anderes Personal wurden hier
dienstverpflichtet. Schon in den ersten Jahren nach dem Krieg konnten die
Zerstörungsfolgen rasch beseitigt werden. Es folgten auch bauliche
Erweiterungen an die heutige Senefelder Strasse angrenzenden Teile des
Krankenhausgeländes. Als Sauerbruch 1940 seine 65. Geburtstag feierte gedachte
die Stadt seiner in einer „Ratsherrensitzung“. Einziger Tagesordnungs-punkt:
Umbenennung der Elberfelder Krankenanstalten in „Ferdinand-Sauerbruch-Klinikum.
1976 Umbenennung in „Kliniken der Stadt Wuppertal“. Am 1. Januar 2003 Übernahme
durch HELIOS Klinikum GmbH Fulda, Umbenennung in „HELIOS Klinikum Wuppertal“.
Ein ganz besonderes
Fänomen, was man wohl nur in Wuppertal beobachten kann, stellen die anfang der
siebziger Jahre entstandenen Mietshäuser an der Nützenberger Strasse dar. Die
steile Felswand, die vom Nützenberg zur Talsohle abfällt, sollte für die
Stadtplaner kein Grund sein, das Gelände nicht auch für den Wohnungsbau zu
nutzen. So wurden die Wohnungen in den Hang hinein- und zur
Friedrich-Ebert-Strasse hinuntergebaut. An der Nützenberger Strasse steht man
vor mehreren zwei- bis dreigeschossigen unauffälligen Mehrfamilienhäusern. Doch
wenn man den Fahrstuhl betritt, muss man merkwürdigerweise feststellen, dass
man etwa zehn Stockwerke schräg hinunter kellerwärts fahren kann. Und von der
Friedrich-Ebert-Strasse sieht man sich vor einem gewaltigen Terrassenhochhaus stehen.
Damals wie heute gehören
die größten Werksanlagen im Tal der Wupper der Firma Bayer. Das Industriegelände,
dass beiderseits der Wupper von der Sonnborner Brücke sich bis zum Arrenberg
erstreckt, wird bis Westende von diesem Unternehmen beherrscht. Mittendurch
führt die Schwebebahntrasse über den Fluss, von der aus man einen
ungewöhnlichen Blick auf den Werksbetrieb erhält. Friedrich Bayer (1825 – 1880)
und Friedrich Weskott gründeten das heutige Weltunternehmen in einer
Heckinghauser Waschküche mit einem einzigen Arbeiter. Aber bereits 1912 ist der
Hauptsitz des Chemiekonzerns wegen Platzmangel im Tal zur Wuppermündung nach
Leverkusen verlegt worden. In dem Werk am Westende werden heute vor allem
Arznei- und Pflanzenschutzmittel hergestellt. Darüber hinaus besitzt die Bayer
AG in Katernberg ein Forschungszentrum.
Am
Otto-Hausmann-Ring wird dieser Kalktrichterofen als Industriedenkmal
ausgeschildert. Im 19. Jahrhundert gewann man hier bei der Brennung von Kalk
mit Holz oder Holzkohle Kalkstein. Er wurde Ende der achtziger Jahre saniert
und ist der einzig erhalten gebliebene Ofen dieser Art.
An
der Ecke Neumarkt- / Casinostraße, der ehemaligen Kaiserstraße, befand sich das
zweite Domizil des „General-Anzeiger für Elberfeld-Barmen“: Nach den Anfängen
in der Obergrünenwalder Straße wurde schon bald das Gebäude im Elberfelder
Zentrum bezogen. Hier wurde 1924 die erste 64seitige Rotationsmachine
aufgestellt, als die Auflage des „General“ bis auf 90.000 Exemplare täglich
angestiegen war. 1963 dann zogen Verlag und grafischer Betrieb in das neue
Pressehaus am Otto-Hausmann-Ring um, hier im technischen Zentrum der Gesamtausgabe
von der holländischen Grenze bis nach Westfalen ist auch heute die Westdeutsche
Zeitung beheimatet. In den ersten Jahren seines Bestehens beförderte der
General – Anzeiger einen Teil der Postausgabe per Pferdefuhrwerk zum
Steinbecker Bahnhof, andere Wagen fuhren nach Barmen und zu den Filialen in
anderen Orten der näheren Umgebung. Im Herbst des Jahres 1887 fehlte es im
Wuppertal nicht an Zeitungen. Allein in Barmen und Elberfeld, zu dieser Zeit
gemeinsam knapp 300.000 Einwohner stark, erschienen zehn Zeitungen mit Auflagen
bis zu 15.000 Exemplaren. Zehn Zeitungen, die natürlich streng getrennt waren
in eine Barmer oder Elberfelder Presse. Da wirkte die erste Ausgabe des neuen
„General – Anzeiger für Elberfeld – Barmen“ im Tal wie ein Paukenschlag:
Erstmals eine Zeitung mit einer gemeinsamen Ausgabe für die beiden Städte – 42
Jahre vor der Städtevereinigung -, gedruckt auf einer achtseitigen Augsburger
Rotationsmaschine und erschienen in einer für jene Zeit geradezu sensationellen
Auflage von 40.000 Exemplaren. Kommerzienrat Wilhelm Giradet, Gründer des
General – Anzeigers und der Giradet–Verlage. Einer Hogenottenfamilie entstammte
der 1838 in Lennep geborene Gründer der neuen Zeitung, Kommerzienrat Wilhelm
Giradet. Kaufmännisches Geschick und kritische Überlegung kennzeichneten diesen
„Vater der Giradet – Verlage“, der sich 1886 mit Gründung des „General Anzeiger
für Leipzig und Umgebung“ auf das Gebiet der Tagespresse wagte. 1893 folgte die
Gründung des Tages-Anzeiger für Stadt und Kanton Zürich drei Jahre darauf die
„Neue Hamburger Zeitung“, 1903 kaufte er den Düsseldorfer GA, aus dem später
die Düsseldorfer Nachrichten hervorgingen, 1912 schließlich ging der Essener GA
in Giradet-Besitz über. Dr. Hellmut Giradet, Verleger von 1936 bis 1973. Das Leitwort
des Wilhelm Giradet galt für alle von ihm begründeteten Organe, eine Zeitung zu
machen, „welche in allen Schichten der Bevölkerung gleichmäßig verbreitet und
gelesen wird“. Gelesen wurde der GA oder „General“, wie er schnell genannt
wurde, von Beginn an, die Auflagehöhe hatte seine Berechtigung. Und konsequent
dehnte der Kommerzienrat, der Wuppertal stets als wirtschaftliche Einheit
verstanden hatte, der Verbreitungsgebiet des GA auf das Bergische aus: Schon ab
Ende November 1887 erschien die Zeitung in 19 Orten der näheren Umgebung mit
dem Untertitel „Organ für Berg und Mark“. In den ersten Wochen unentgeltlich
verteilt, kostete der GA zunächst 20, dann 30 Pfenning, inclusiv einer
zweizeiligen Gratisanzeige, was der Zeitung schon bald den ersten Platz bei der
Verbreitung der Kleinanzeigen sicherte. Von Beginn an nutzten auch Unternehmen,
Firmen und kleinere Betriebe das neue „Insertionsorgan“, das seinen ersten Sitz
in der Obergrünewalder Straße hatte. Im redaktionellen Programm unter dem
ersten Chefredakteur William Kutschbach wurden freimütig Übelstände im Tal
aufgegriffen, erscheinen letzte Meldungen aus Berlin, aktuelle Kurszettel,
schon damals ein Roman und die
Spalte „Eingesand“, in der die Leser zu Wort kamen. Der Erfolg gab dem Konzept
des Gründers und ersten leitenden Mitarbeiter recht. Zur Jahrhundertwende
standen schon drei Rotationsmaschinen bereit und druckten täglich 60.000
Exemplare, die von 400 Zustellern ausgeteilt wurden. 24 Jahre später wurde im
Verlagshaus an der damaligen Kaiserstraße die erste 64seitige Rotationsmaschine
angeschaft, die Auflage stieg auf 90.000. 1937 feierten die Mitarbeiter des GA
das 50jährige Bestehen vier Jahre nach der „Machtergreifung“, vier Jahre auch
nach dem Erlaß des Schriftleitergesetzes, das sämtliche Zeitungsberichte
vorlagepflichtig macht. Der General-Anzeiger blieb auch während der
nationalsozialistischen Diktatur – gleichgeschaltet – auflagenstärkste Zeitung
im Tal. Nach Kriegsausbruch erschien der GA wegen der Papierknappheit nur noch
mit acht Seiten, die beliebte Beilage „Wochenschau“ entfiel. Im redaktionellen
Teil überwogen politische Aufrufe, Listen der Gefallenen, Versorgungsmeldungen.
Eingeschrängt war die Berichterstattung auch nach den Nächten, die für
Wuppertal soviel Leid brachten: Nach den Bombenangriffen auf Barmen und
Elberfeld konnten von der Redaktion keine Augenzeugenberichte veröffentlich
werden. Seit Oktober 1944 durfte der GA, mittlerweile an der Elberfelder
Neumarktstraße „beheimatet“, nur noch viermal pro Woche erscheinen – am 14. April
1945 kam das Aus mit einer letzten Ausgabe, die nur noch zwei Seiten stark war.
Erst als der Lizensierungszwang durch die Alliierten gefallen war, konnte der
General-Anzeiger am 1. Oktober 1949 unter Verleger Dr. Hellmut Giradet, der den
General-Anzeiger seit 1936 herausgab, wieder erscheinen. Zu jener Zeit war der
GA bereits wieder die mit Abstand stärkste Zeitung im Tal und erreichte bis
1951 eine Auflage von 56.800 Exemplaren. 1964 zog der gesamte Verlag und der
grafische Betrieb in das neu erbaute Pressehaus am Otto-Hausmann-Ring um. Acht
Jahre später erhält der GA seinen neuen Untertitel, der seit Oktober 1978 den
„General-Anzeiger“ in die Unterzeile verdrängt hat: Die „Westdeutsche Zeitung“.
Die WZ ist Produkt der wiedervereinigten Firmen W.Giradet Wuppertal und W.
Giradet Düsseldorf. Eine Zeitung mit einheitlichem „Mantelteil“ in einem
Verbreitungsgebiet von der holländischen Grenze bis Westfalen mit den großen
Lokalausgaben Wuppertal, Düsseldorf, Krefeld und Mönchengladbach. Die Westdeutsche
Zeitung / General-Anzeiger in Wuppertal: Das sind täglich 92.000 Exemplare,
samstags noch 8.000 mehr, gedruckt zwischen 0.15 Uhr und 4 Uhr.