Stadtteil Elberfeld

 

Innenstadt

Wenn man ganz weit in die Geschichte Wuppertals zurückblickt, stößt man auf eine Handvoll winziger Siedlungen, die aus Gründen irgendwelcher Besitz- oder Lehensansprüchen aufgeführt worden sind. Die wichtigste Ortschaft von allen dürfte wohl diejenige gwesen sein, aus der die heutige Innenstadt von Elberfeld hervorgegangen ist. Zum ersten Mal taucht Elberfeld im Jahre 1161 auf, als dieser Name in einer Urkunde als Tafelgut des Kölner Erzbischofs erwähnt wird. Rund um ein Gotteshaus, das nach archäoligischen Gutachten bereits vor der Jahrtausendwende an dem Platz gestanden haben muss, auf dem sich heute die Alte Reformierte Kirche befindet, gruppierten sich damals mehrere Holzhäuser, deren Bewohner dem Erzbischof Frondienste geleistet haben. Zwei Jahrhunderte später wiesen drei Verkaufsurkunden von 1366, in denen von einer „borch“ und von einer „burgh und herrlichkeit“ die Rede ist, darauf hin, dass aus dem Herrenhof inzwischen eine Burg geworden sein muss. Die Kölner Erzbischöfe setzten als Verwalter ihrer Güter Vögte ein, die ihrem Lehensgeber zwar zu Diensten und Abgaben verpflichtet waren, die ihnen anvertrauten Häuser und Gebiete jedoch mit Genehmigung untereinander verkaufen oder verschenken konnten. Dieses ist auch im Fall Elberfelds geschehen, als Johann von Elverfelde, der die Burg wahrscheinlich hat erbauen lassen, seinen Besitz an den Ritter Engelbrecht Sobbe verkaufte. In den darauffolgenden Jahrzehnten wechselte die Burg häufig ihren Besitzer bis sie 1428 vom Grafen Adolf von Berg gekauft wurde. Die Befestigung bestand damals wohl aus einem Burgteich, aus Wällen und überwiegend aus Holzzäunen. Dass die Wehranlage außer den Fundamenten der Burggebäude aus Stein war, wird nicht vermutet. Unter den bergischen Amtmännern, die zur Verwaltung der Burg eingesetzt worden waren, verfielen die Befestigungsanlagen immer mehr, zumal ihre Schutzbedeutung keine Notwendigkeit mehr besaß. Im Jahre 1536 brach in Elberfeld ein Stadtbrand aus, dem die Burggebäude  vollständig zum Opfer fielen. An ihrem Aufbau waren dann weder die Grafen von Berg noch die Amtmänner interessiert. Stattdessen kam es 1605 zum Verkauf des parzellierten Burggeländes an die Bewohner der Stadt. Zu diesem Anlass wurde die erste maßstabsgetreue Karte Elberfelds erstellt, anhand dieser man in späterer Zeit den genauen Grundriss der abgebrannten Burg feststellen konnte. 1610 wurde Elberfeld mit der Verleihung der Stadtrechte verwaltungsrechtlich selbständig. Als man im Zuge des 30jährigen Krieges erkennen musste, dass die Stadtbefestigung vor feindlichen Angriffen ohnehin keinerlei Schutz mehr bot, ließ man sie 1640 abtragen. Nach dem Westfälichen Frieden 1648 wurde dann mit dem Wiederaufbau der Stadt begonnen. Die Häuser an den neu angelegten Strassen konnten sich allerdings nur wenige Jahrzehnte behaupten, denn 1687 brannte Elberfeld zum zweiten Mal völlig nieder. Neben sämtlichen öffentlichen Gebäuden wurden 350 Wohnhäuser von mehr als 2 000 Bürgern in einer Nacht zerstört. Heute erinnern nur noch der Strassenverlauf in der Innenstadt, der mit der mittelalterlichen Häuseranordnung weitgehend übereinstimmt, sowie viele Strassennamen an diese Zeit.

 

Der Hauptbahnhof

Auf dem Döppersberg steht das im klassizistischen Stiel errichtete Empfangsgebäude des Wuppertaler Hauptbahnhofs, das als eines der ältesten Deutschlands gilt. Denn schon sechs Jahre nach der ersten Eisenbahnfahrt von Nürnberg nach Fürth gab es eine Bahnverbindung zwischen Düsseldorf und Elberfeld. Der Hauptbahnhof ist auf Wuppertaler Gebiet Mittelpunkt der ehemals Bergisch-Märkischen Strecke, die die Stadt mit Düsseldorf und Köln im Westen und Hagen im Osten verbindet. Alle wichtigen Bahnhöfe der Stadt liegen heute an dieser Strecke. Im Hauptbahnhof hat es allerdings nie Güterverkehr gegeben. Dafür war der nur ein Kilometer entfernte Steinbecker Bahnhof vorgesehen. Die Station am Döppersberg war und ist ein Bahnhof für den Personenverkehr. Die verkehrsgünstige Lage direkt am Eingang zur Innenstadt trägt viel dazu bei. Doch aufgrund der geografischen Beschaffenheit des Geländes hat sich der Bahnhof seit seiner Erbauung nie ausdehnen können. Eine hohe Mauer grenzt seine bescheidene Gleisanlage von der Südstadt ab. Trotzdem ist seine Bedeutung nach wie vor unumstritten. Als Hauptbahnhof ist er der wichtigste Bahnhof Wuppertals. Im Gegensatz zu den weitaus größeren Stationen im Osten und Westen der Stadt halten hier alle Züge, die in und durch Wuppertal verkehren. Von der S – Bahn über Nahverkehrs-, Regional-, Intercity und ICE-Züge drängt sich alles auf den fünf Gleisen. Seit dem Wiederaufbau ist hier auf ein modernes und gepflegtes Erscheinungsbild so gut wie nichts getan worden und so bietet die Station auf Besucher eher ein abschreckendes als einladende Wirkung.

  

Der Döppersberg

Der Platz vor dem Wuppertaler Hauptbahnhof ist heute ein gigantischer Verkehrsknotenpunkt. Eine größere zusammenhängende Asphaltfläche findet man sonst niergendwo auf Wuppertaler Stadtgebiet. Hier kreuzt sich die Talachse mit der Bahnhofstraße und der Morianstrasse. Vor dem Krieg standen hier Wohn- und Geschäftshäuser, die von parkähnlichen Grünanlagen umgeben waren. Fußgänger werden heute durch einen Tunnel vom Bahnhof zur Innenstadt geleitet. Damals wie heute ist der Döppersberg das Tor zum Elberfelder Stadtzentrum. Hier beginnt die Fußgängerzone, die durch die angrenzende Busstation und den Schwebebahnhof mit öffentlichen Verkehrsmitteln hervorragend zu erreichen ist. Am Ausgang des Fußgängertunnels befindet sich ein Informationspavillon für Touristen.

 

Busstation Döppersberg

Vor dem Hauptbahnhof befindet sich die größte Busstation Wuppertals.An elf Haltestellen fahren fast dreißig Buslinien in sämtliche Stadtteile und Wohnbezirke. Betrieben werden die Linien von den Wuppertaler Stadtwerken, welche dem Verkehrsverbund Rhein – Ruhr angeschlossen sind.

 

Schwebebahnstation Döppersberg

1926 wurde die am stärksten frequentierte Haltestelle der Schwebebahn fertiggestellt. Bis zu diesem Datum stand an derselben Stelle ein etwas kleinerer aber architektonisch wesentlich interessanterer Jugendstilbau mit einer bogenartigen Dachkonstruktion. Der wegen seiner finsteren Gänge trotz des hohen Fahrgastaufkommens im Laufe der letzten Jahre verwahrloste Bahnhof wird jetzt zusammen mit dem einsturzgefährdeten angegliederten Geschäftshaus von Grund auf saniert. Einiges ist bereits getan worden. So bringen Glaseinsätze im Dach mehr Licht auf die Bahnsteige und zwei Aufzüge mehr Komfort für ältere Fahrgäste. Für mehr Sicherheit soll die neu eingezogene Polizeiwache in dieser vor allem abends sehr zwiespältigen Gegend rund um den Hauptbahnhof sorgen. Im Juli 2000 wurde durch Austausch von Stützen und Brücken im Schwebebahnhof Döppersberg eine erneute Renovierung vorgenommen. Die Treppen Auf- und Abgänge bekamen neue Stufen, neue Lichtbänder wurden auf dem Bahnsteig installiert und die Fahrbahn bekam einen neuen Belag.

 

Badeanstalt Brausenwerth

Am 16. Juli 1887, einem Samstag wurde die städtische Badeanstalt am Brausenwerth auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthauses eingeweiht. Im Zweiten Weltkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut.

 

Kaiserdenkmal

Zehn Tage, nachdem Kaiser Friedrich III. im „Drei-Kaiser-Jahr“ seinem Krebsleiden erlegen war, beschloß man am 25. Juni 1888 die Errichtung eines Denkmals auf dem Elberfelder Neumarkt. Auf einer Bürgerversammlung im „Salamander“ einigte man sich auf die Einsetzung eines Ausschusses unter Vorsitz des Reichtagsabgeordneten Reinhart Schmidt, der sich später um die Hardtanlage verdient machte. Zuerst sollte das Denkmal, für das die Bürger eifrig sammelten, auf der Hardt stehen, da „der hohe Entschlafende selbst ein einfaches, prunkloses Leichenbegräbnis wünschte“. Fünf Jahre später aber wurde das Denkmal des Kaisers mit den lieberalen Neigungen dann doch auf dem Neumarkt enthüllt. 1936 wurde es von den Nationalsozialisten weggeschaft, weil es „den Verkehr störte“, Ruheplatz war ein Schuppen auf dem städtischen Lagerplatz. Erbitterte Leserbriefe zeigten die Reaktion vieler Wuppertaler. Im Krieg wurde das Denkmal dann eingeschmolzen.

  

Alte Freiheit

Einige Strassennamen in der Elberfelder Innenstadt erinnern an die einstige Burg Elberfeld, die in der Mitte des 14. Jahrhunderts erbaut wurde, 1537 abgebrannt war. Trotz der relativ kurzen Existenz dieser Burg, von der noch nicht einmal Trümmer übriggeblieben sind, prägte sie bis in die heutige Zeit die Strassenführung der Innenstadt, die mit der Lage der alten Burgbefestigung fast identisch ist. Die Alte Freiheit war früher eine Siedlung, die zwar vor den Toren der Burg gelegen war, aber unter dem Schutz der Burgbefestigung stand. Ihre Bewohner waren frei von landeshoheitlichen Abgaben. Der Platz gehört heute zum Fußgängerzentrum.

 

City-Arkaden

Wo sich heute zwischen Alte Freiheit, Morianstrasse und Hofaue die City-Arkaden befinden, standen einst nicht gerade anmutende Gebäude. Nach Abriss des Supermarktes, des Parkhauses und eines Textilhauses begann man mit dem Bau der City-Arkaden, die am 10. Oktober 2001 feierlich eröffnet wurden. Dieses Einkaufs- und Erlebniszentrum, dem auch ein Parkhaus angeschlossen ist, bietet auf 4 Ebenen viel Attraktives. In diesem Center befinden sich ca. 85 Fachgeschäfte, darunter ein Supermarkt, zwei Textilhäuser, ein Elektrofachmarkt, eine Buchhandlung, mehrere Dienstleister und Gastonomien. Diese City-Arkaden bieten jedem Besucher fast alles unter einem Dach.

 

Hofauen – Viertel

Zwischen der Hardt und der Elberfelder Innenstadt befindet sich das Hofauen – Viertel, was von der Strasse Hofkamp und der Wupper begrenzt wird. 1864 bis 1867 wurde dieses bislang ziemlich heruntergekommende Gebiet um die Hofaue, das vornehmlich der Garnbleicherei diente, mit neuen Häusern bebaut. Ein Geschäftshaus reihte sich an das andere und es entstand ein weltweit bekanntes Textil- und Bekleidungszentrum, das Handelsververbindungen über den ganzen Erdball aufrecht erhielt. Bis weit in die Nachkriegszeit hinein prägten diese Viertel zwischen Wupper und Kipdorf die Großhandelshäuser der Textil-, Manufaktur- und Kurzwarenunternehmer.

 

Alte Reformierte Kirche

Die Alte Reformierte Kirche in der Calvinstrasse ist die älteste Kirche Elberfelds. Sie steht mitten im Stadtzentrum und zwar an der Stelle, an der die Kirche der Burg Elberfeld stand, die durch den Stadtbrand 1537 schwer in Mitleidenschaft gezogen und 1687 zerstört wurde. Ein Jahr später begann die reformierte Gemeinde mit dem Bau der jetzigen Kirche.

 

Von der Heydt Museum

1827 – 1842 Errichtung des Elberfelder Rathauses durch den Schinkel-Zeitgenossen Johann Peter Cremer aus Aachen. „Menascherie“ (Tierschau) nannten die alten Elberfelder respektlos das Rathaus. Ursprünglich befand sich hier eine mittelalterliche Burg, wovon noch heute die umliegenden Strassennamen wie Burgstrasse, Wall und Turmhof zeugen. 1892 fand die Gründung des Elberfelder Museumsvereins statt. Auf Vorschlag des Elberfelder Bankiers August Freiherr von der Heydt (1851-1929) mietet der Elberfelder Museumsverein 1895 die erste Etage in der Schwanenstrasse 33 für Ausstellungen an. Nach Errichtung eines neuen Rathauses am Elberfelder Neumarkt wird das ehemalige Rathaus am Turmhof als Museum eingerichtet. Am 25. Oktober 1902 fand die feierliche Eröffnung des Städtischen Museums Elberfeld statt. August von der Heydt und sein Schwager Julius Schmits stiften zwischen 1905 und 1914 zehn Gemälde von Hans Marées. 1910 anlässlich der 300-Jahrfeier der Stadt Elberfeld erhält das Museum eine kostbare keramische Sammlung als Stiftung von Emmy Weyerbusch. August von der Heydt stiftet den Hoetger-Brunnen auf dem „Exerzierplatz“ in Elberfeld. 1912 wird eine Erweiterung des Museums notwendig. Im Geschäftshaus am Wall direkt neben dem Museum wird das oberste Stockwerk für Ausstellungen reserviert. Eröffnung der neuen Räume am 23. Januar 1913. Von 1914 bis 1918 trägt das Museum die Bezeichnung „Kaiser-Wilhelm-Museum“. 1921 wird über einen repräsentativen Neubau des Museums nachgedacht. Der Plan des Architekten Carl Sattler für einen Museumsneubau am Thalia-Theater am Islandufer wird wegen der aufkommenden Inflation nicht realisiert. 1923 bescheidene Erweiterung des Museums durch Anmietung des obersten Stockwerks des Eckhauses Burgstrasse/Schwanenstrasse. 1943 Auslagerung von Teilen der Sammlung des Museums in mehreren Transporten von Elberfeld auf die Festung Ehrenbreitstein. Im Mai 1943 brennt die Ruhmeshalle in Barmen aus, wenig später wird beim Bombenangriff auf Elberfeld am 25. Juni 1943 das Städtische Museum schwer beschädigt. Von der Ecke Wall / Turmhof bleiben nur die Außenmauern übrig. Die im Haus der Familie von der Heydt am Kerstenplatz aufbewahrte Kunstsammlung verbrennt. Von den ausgelagerten Kunstwerken in der Festung Ehrenbreitstein werden nach 1945 von der französischen Besatzung 15 Werke entschädigungslos eingezogen und nach Frankreich verbracht. Aus Dankbarkeit wird das Museum 1961 in  „Von der Heydt-Museum“ benannt. Am 1. April 1985 übernimmt Dr. Sabine Fehlemann das Amt als Museumsdirektor. Der Beschluss eines großzügigen Umbaus für das Museum am alten Standort wird gefasst und durch die Kölner Architekten Peter Busmann und Dr. Godfrid Haberer durchgeführt. Baubeginn im November 1986. Der Innenhof wird überbaut. Baukosten zusammen mit Einrichtung 25 Millionen Mark. Zur Wiedereröffnung des Museums wird vom 21. Januar bis 1. April 1990 als erste Ausstellung „Egon Schiele und seine Zeit. Aus der Sammlung Leopold“, Wien, gezeigt.

 

Das Wuppertaler Uhrenmuseum

In der belebten Poststrasse befindet sich das Geschäft der Juweliers- und Uhrmacherfamilie Abeler, bei der man nicht nur eine riesige Auswahl an Zeitmessern und Schmuckstücken zeitgenössischer Art erwerben oder eigene Kleinode zur Reparatur geben, sondern in dem hauseigenen Museum auch eine der größten Uhrensammlungen Europas bestaunen kann. Das Museum wurde 1958 von dem Goldschmiedemeister und Uhrmacher Georg Abeler gegründet und umfasst mittlerweile weit über tausend Raritäten aus der weitreichenden Geschichte der Zeitmessung, über dem Eingang bringt ein Glockenspiel mit Figurenbewegung stündlich etliche Passanten zum Verweilen.

 

Der Neumarkt

Auf dem Platz zwischen Verwaltungshaus, Kaufhof, Herti und dem Bankhaus von-der-Heydt Kersten & Söhne findet seit 1809 tagtäglich Markt statt. Bis zum Jahre 1802 war dieser Ort allerdings Friedhof der Reformierten Gemeinde Elberfelds gewesen. Im Zuge der Stadterweiterung wurden die Grabsteine dann entfernt und das Gelände eingeebnet. Durch den Rathausneubau wurde der Neumarkt zum städtischen Hauptplatz, der alle übrigen an Wichtigkeit in den Schatten stellte. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Nur sonntags, wenn die Stände abgebaut und die Buden geschlossen sind, zeugt das sonst so lebhafte und hektische Areal von einer ungewohnten einsamen Leere, während die Wuppertaler auf anderen Plätzen ihrer Stadt gemütlich im Biergarten oder Eiscafé sitzen.

 

Jubiläumsbrunnen

Muß Neptun geschlechtslos sein? Oder darf er das Zeichen seiner Männlichkeit auf dem Neumarkt zur Schau stellen? Heiß wurde diese Frage im Jahre 1901 diskutiert, als in der Elberfelder Innenstadt der Jubiläumsbrunnen entstand. Gestiftet worden war der Brunnen sechs Jahre vorher vom Elberfelder Verschönerungsverein, der damals sein 25 jähriges Jubiläum feierte. Dem Trienter Neptunbrunnen nachgebildet, zeigte auch das Werk des Düsseldorfer Bildhauers Leo Müsch den Herrn der Meere unverhüllt. Das sollte für viele Elberfelder nicht sein. Und über Nacht wurden zwei Eckfiguren plötzlich in geschlechtlose Wesen umgewandelt... Liberale und Verschönerungsverein protestierten, und Walter Bloem schrieb: „Der, was die Welt erschafft und hält, abgehackt und feig in die Ecke stellt“! Worauf ihm der Pastor, der ihn getraut hatte, vorschlug, aus der Kirche auszutreten. Am 1. Oktober 1901 kam die Neptun-Angelegenheit vor die Stadtverordnetenversammlung. Neptun sollte wieder ein echter Mann werden, wurde dort beschlossen. Am 20. Oktober aber protestierte das Zentrum gegen die Enthüllung in einer Versammlung, aus der die Damen hinauskomplimentiert wurden, „mit Rücksicht darauf, daß auch delikate Dinge zur Sprache kommen würden“. Tenor der Proteste: Die Betonung des Männlichen hätte minder stark ausfallen können! Außer der katholischen protestierte nun auch die evangelische Kirche gegen das „Denkmal der Schande“. Der Brunnenskandal wurde Stadtgespräch, und manchmal umstanden Tausende von Menschen den anstößigen Brunnen. Bis sich dann am 29. Oktober die Stadtverordneten zum zweitenmal mit dem Thema befassten. Zentrum, katholische Kirche, lutherische und reformierte Gemeinde hatten Eingaben gesandt. Schließlich erklärte sich der Verschönerungsverein unter seinem Vorsitzenden Baron August von der Heydt bereit, die Markierung der anstößigen Körperteile durch Akanthusblätter zu ersetzen. Die Stadtverordneten retteten sich mit der Überweisung der Angelegenheit an eine Kommission. Dabei blieb es. Die abgeschlagenen Symbole für Neptuns Männlichkeit aber wurden später wieder repariert, die Narben sieht man heute noch.

 

Kaufhof

Vor über 80 Jahren eröffnete die Firma Tietz ihren Monumentalbau am Elberfelder Neumarkt, den Kaufhof. Am Vormittag des 24. April 1912 fand im Erfrischungsraum des großen Geschäftshauses nach vorangegangener Besichtigung eine kleine Feier statt, zu der man den Elberfelder Oberbürgermeister Funck, mehrere Beigeordnete und Stadtverordnete mit ihren Damen sowie die Presse gebeten hatte. Ausführlich berichten die Zeitngen denn auch über die „gewaltigen Dimensionen“ des von dem Düsseldorfer Architekten Prof. Wilhelm Kreis errichteten Prachtgebäudes, über die Menge des verbauten Materials, über die im Vestibül angebrachten zwölf Tierkreisbilder, über Lebensmittelabteilung und Putzsalon, den Kunstsalon, die Teppichsäle und die übrigen Verkaufsräume des pompösen Geschäftspalastes, besonders aber über den eleganten, schmucken Erfrischungsraum, „allwo der Besucher nach den Strapazen des Wanderns und Schauens leibliche Labung und angenehmen Aufenthalt finden kann“. „Die Barmer-Zeitung“ rühmte dankbar das „reichhaltige lukullische Büfett und die entsprechenden Getränke“, mit denen sie dort bewirtet worden waren, konnte sich aber nicht verkneifen, zu monieren, daß man über die fünf überlebensgroßen Männer und Frauengestalten über dem Haupteingang allerdings verschiedener Meinung sein kann. 885 Verkäuferinnen und Angestellte waren damals zur Zeit der Eröffnung am Neumarkt im Kaufhof beschäftigt eine Zahl, die mehr als alles andere über den Umfang dieses großartigen Warenhauses aussagt. Während die Natursteinfassade an der Neumarktstrasse weitgehend erhalten geblieben ist, wurde die exellente Eingangsfassade mit dem karakteristischen Kreisfenster unterhalb des Daches in den 60er Jahren durch eine hässliche mit Glas und Kunststoff verkleideten Stahlblende überdeckt. Im Herbst 1999 wurde die Fassade erneut geändert, das Kaufhaus nennt sich nun „Galeria Kaufhof“.

 

Elberfelder Rathaus (heute Verwaltungshaus)

Das jetzige Verwaltungshaus war bis zur kommunalen Neugliederung 1929 Rathaus von Elberfeld und wurde am 24. Oktober 1900 im Rahmen des Kaiserbesuches eingeweiht. Der kolossale Bau aus gelben Quadersteinen weist Formen deutscher Spätgotik mit architektonischen Anklängen an die Renaissance auf. Sein imposanter Turm überragt mit seinen 79 Metern im Stadtbild alle übrigen Türme. In diesem Gebäude saß der Oberbürgermeister, hier war der Sitzungssaal des Gewerbegerichts, der Stadtverordnetensitzungssaal, der Trausaal, der Kaisersaal und hier befand sich auch die Stadthauptkasse. Heute hat das Gebäude viel von seiner damaligen Bedeutung verloren. Es ist nun Sitz der Bezirksvertretung und Verwaltungsstelle der Stadtbezirke Elberfeld, Elberfeld – West und Uellendahl – Katernberg. Eine freie Sicht auf das Wahrzeichen verwehren heute moderne Kaufhaus-, Bank- und Geschäftsbauten.

 

Bergischer Löwe

Jener Löwe von 1883 stand einst auf einem der beiden Eingangspodeste des alten Rathauses. Er galt lange Zeit als verschollen, wurde vor einigen Jahren auf einem Hinterhof entdeckt und nach einem Rettungsruf mit Bürgerspende restauriert. Er steht auf einem Sockel am Willy-Brandt-Platz in der Nähe des Eingangs zur Rathausgallerie.

 

Rathausgalerie

Auf einem Areal, dass noch bis vor wenigen Jahren von heruntergekommenen Nachkriegsbaracken und tristen Abstellflächen geprägt war, präsentiert sich heute das schönste Einkaufszentrum Wuppertals, dessen Renomee sich aber bereits im gesamten Bergischen Land herumgesprochen hat. Dieses Einkaufzentrum hinter dem Elberfelder Rathaus ist ein Pendant zur weltberühmten Düsseldorfer Kö-Galerie das auch den Wuppertalern ermöglichen soll, in den großen überdachten Gängen bei regnerischem Wetter trockenen Fußes einzukaufen oder an den vielen Tischen der Gastronomieszene vom Einkaufen auszuruhen. Dabei stellt die Rathausgalerie keine kleinere Kopie des Düsseldorfer Vorbilds dar, sondern trägt ein eigenes wuppertalspezifisches Gesicht. Die Anlage mit ihren 60 Geschäften und der 7 000 m² großen Bürofläche ist großzügig gebaut, sauber, elegant, aber relativ schlicht und schmucklos wie es das zeitgenössische Wesen der Stadt vorschreibt. Die architektonische Genialität liegt nämlich weniger in dem Erscheinungsbild der Eingangsportale, sondern vielmehr in der Gesamtkonzeption der Passage. Denn obwohl sich die Läden und Lokale der Galerie auf drei Stockwerke verteilen, so befinden sie sich denoch im Erdgeschoss. Die bergische Geographie Wuppertals schlägt auch hier zu Buche, denn sie ermöglicht es, die drei ebenerdigen Zugänge im Süden, Osten und Norden im Innern der Rathausgalerie zu unterschiedlichen Etagen zu machen. Denn in einer großen zentrierten Halle laufen die verschiedenen Gänge unter einer riesigen Glaskuppel zusammen und man kann die Höhenunterschiede per Treppe, Rolltreppe oder mit dem gläsernen Aufzug überwinden. Seit ihrer Eröffnung im September 1994 kann die stets reichlich belebte Rathausgalerie einen enormen Besucherandrang verzeichnen, was ein Beweis dafür ist, dass die Bürger die Idee einer solchen Einrichtung gut angenommen haben. Neben den Wuppertaler selbst haben aber auch viele Besucher aus der Umgebung in der Rathausgalerie einen Grund gefunden zum Einkaufen nach Elberfeld zu kommen. Dies ist deshalb interessant zu erwähnen, da die bergische Metropole von etlichen anderen Großstädten umgeben ist und infolgedessen einen ziemlich kleinen Einzugsbereich hat. Die Rathausgalerie ist Teil eines nunmehr abgeschlossenen Konzept zur Innenstadterweiterung. Somit präsentiert sich heute der lange Zeit verwahrloste Bereich zwischen Rathaus, Klotzbahn und Karlsplatz in neuem Glanz. Die Strasse wurde zur Fußgängerzone umgestalltet, mit dem Karls- und Willy-Brandt-Platz wurden zwei neue attraktive Stadtplätze geschaffen und mit dem Mitte der achtziger Jahre errichtetem Akzentaneubau am Karlsplatz und den 1995 eröffneten Friedrichsarkaden tragen zwei weitere Einkaufszentren zur Aufwertung der gesamten Innenstadt bei.

 

Morianstrasse

Die Morianstrasse, die sich weiter nördlich der Gathe nennt, ist eine der wichtigsten Hauptverkehrsstrassen in Nord – Süd – Richtung. Sie stellt die östliche Grenze der Elberfelder Innenstadt dar. In unmittelbarer Nähe der Morianstrasse, am Brausenwerth, standen vor dem Krieg zwei representative Gebäude: Die städtische Badeanstalt und das Stadttheater. Sie wurden beide nach ihrer Zerstörung nicht wieder aufgebaut, haben jedoch ihre moderne Entsprechung in der Schwimmoper und im Schauspielhaus gefunden. Der Name Gathe war früher mit ausgesprochen negativen Attributen belegt. An dieser Strasse, die nach Norden aus der Stadt herausführt, siedelten bis Ende des 19. Jahrhunderts die Ärmsten der Armen in ihren baufälligen Fachwerkbaracken. Ende jenes Jahrhunderts wurden dort für die Arbeiterklasse mehrstöckige Wohnbauten mit den damal üblichen stilvollen Fassaden errichtet, von denen im oberen Teil der Strasse noch einige erhalten geblieben sind.

 

Post am Kolk

Der mächtige Bau der ehemaligen Reichspost, in dem das Elberfelder Hauptpostamt untergebracht war, wurde im Jahr 1928 fertiggestellt. Interessant an diesem Gebäude ist, dass seine Front leicht nach innen gewölbt ist und die beiden Ecken abgerundet sind. Der Platz vor der Post sollte nach dem Willen der Stadt ursprünglich zu einer Grünfläche ausgebaut werden. Die Wuppertaler wollten allerdings ihren beinahe einzigen innerstädtischen Parkplatz behalten und erhoben gegen den Vorschlag lautstarken Protest. Zu den Geschäftszeiten erhebt die Stadt aber auch hier Parkgebühren. Wuppertal ermöglicht dem zahlungswilligen Autofahrer allerdings durch ein hervoragendes Parkleitsystem das schnelle Auffinden eines Parkhauses oder einer Tiefgarage.

 

Kirche am Kolk

"Flammen über Elberfeld, fassungslos die Menschen" - das war die Überschrift des General-Anzeigers am 15.  März 1974.  Stunden zuvor ist die Kirche am Kolk, mitten in der Elberfelder Innenstadt, bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Die lutherische Kirche wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut, eines der letzten sehenswerten und wertvollen Baudenkmäler in Wuppertal - sie wurde Opfer eines Brandstifters. Das Drama begann in der Nacht des 14.  März, wenige Minuten nach 4 Uhr. Der Polizei wird ein brennendes Auto vor der Hauptpost am Kolk gemeldet. Die Feuerwehr löscht, die Kripo untersucht das Wrack, denn seit dem Sommer schon häufen sich Fahrzeugbrände in der City.  Ursache war jedesmal Brandstiftung.  Noch während die Kripo am Werk ist, entdeckt sie einen Feuerschein hinter den Kirchenfenstern. 4.44 Uhr: Die Katastrophe ist nicht mehr aufzuhalten.  Als die Feuerwehr um 4.45 Uhr eintreffen, ist schon ein Großteil des Innenraums der Kirche Opfer der Flammen geworden. Zwischen den Kirchenbänken entdecken die Feuerwehrleute einen Haufen brennenden Unrats. Bereits wenige Minuten später müssen sie sich zurückziehen, da die ersten Holzbalken der Decke herunterzustürzen drohen. Um 4.50 Uhr gibt die Polizei eine erste Lagemeldung an ihre Einsatzleitung durch: "Das gesamte Kirchenschiff steht in Flammen".  Vierzig Feuerwehrleute aus Elberfeld, Barmen und Dönberg sind im Einsatz, alle Reserven werden mobilisiert. Um 5,20 Uhr trifft der Oberstadtdirektor Dr. Rolf Krumsiek am Brandort ein. Die Flammen schlagen bereits aus dem Turm, Mauerstücke und Holzteile krachen zu Boden. Ein Feuerwehrmann wird verletzt - Staatsanwalt Hans Mesenhöller sagt später: "Ein tollkühner Einsatz der Feuerwehrmänner". Zwanzig Minuten später müssen zwei Kinder und fünf Erwachsene aus den umliegenden Häusern evakuiert werden. Oberbürgermeister Gottfried Gurland und Dr. Arno Födisch, der Stellvertreter des Polizeipräsidenten treffen am Kolk ein. Fassungslosigkeit ist von allen Gesichtern zu lesen. Als hell wird, ist das Außmaß der Zerstörung zu überschauen. Die Ruinen des Kirchenschiffs qualmen, einige Teile des Mauerwerks glühen noch.  Die Morianstraße ist von Schutt, Steinen und Asche übersät.  Als die Feuerwehrleute am nächsten Morgen den Glockenstuhl überprüfen, leuten noch einmal die fünf Glocken der lutherischen Kirche. 1699 erhielten die Lutheraner die Erlaubnis im neuen Kirchenhaus am Kolk predigen zu dürfen. Das heutige Gotteshaus mit dem bergischen Zwiebelturm, das in Form des Barock unter weitgehendem Verzicht auf Außenschmuck gebaut wurde, wurde dann 1752 eingeweiht. Das Besondere an der Kirche ist, dass sie aufgrund der engen Bebauung in der Innenstadt nicht freisteht, sondern direkt mit einem Wohn- und Geschäftshaus verbunden ist.

 

Der Wall

Heute erinnert nichts mehr daran, dass an dieser Einkaufsstrasse die Stadtmauer der Burg Elberfeld stand, an der der Mirker Bach entlangführte. Vor dem Krieg standen hier prachtvolle Geschäftspalais, von denen heute nichts mehr übriggeblieben ist. Moderne gesichtslose Mode- und Kaufhäuser sind an deren Stelle getreten. Für den Privatverkehr ist der Wall gesperrt. Nur Busse, Taxen und Zulieferer dürfen durch.

 

Schlossbleiche

Die Strasse Schlossbleiche an der Schwebebahnstation Döppersberg hat ihren geschichtsträchtigen Namen von einer Zeit geerbt, in der die Bewohner der Burg Elberfeld zur Wupper kamen, um ihr Garn zu bleichen. Heute ist die Strasse entlang der Wupper Fußgängerpromenade. Neben einigen Läden und Büros befindet sich hier die Geschäftsstelle der Westdeutschen Zeitung und etwas weiter das City – Center.

 

Das alte Island

Das Island war ab dem 18. Jahrhundert ein Begriff für das Elberfelder Armen- und Elendsviertel. Vor den Toren der alten Stadt, also jenseits des Wupperufers, häuften sich die Baracken der Arbeiter. Die Wupper war lange Zeit unbefestigt, so dass jährlich Überschwemmungen zur Routine wurden. Aber auch die gegenüberliegende Seite, das „Mäuerchen“, wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts befestigt und zum Wupperwall aufgeschüttet. Die Baracken wurden bereits anfang dieses Jahrhunderts beseitigt. 1906 wurde auf ihrer Fläche das Thalia – Theater eröffnet, das man als Operettenbühne errichtet hatte. Es war ein eindrucksvolles und imposantes Gebäude, das in der Nachkriegszeit gesprengt wurde, um dem Sparkassenhochhaus Platz zu schaffen.

  

Thalia Theater

Wo heute die Stadtsparkasse am Islandufer steht, prangte früher das „weiße Haus am bunten Fluß“, das Thalia Theater. Am 12. Dezember 1906 öffnete der Monumentalbau seine Pforten und lief unter verschiedenen Direktoren zunächst als Operettentheater. 1929 wurde das Haus gründlich renoviert und zu einem Groß-Varité umgestaltet. Ein junger Mann, der dem Flair des Theaters damals rettungslos verfiel, sollte die anschließende Glanzzeit des Thalia-Theaters entscheidend mitbestimmen. „Das Thalia-Theater war mein Schicksal, bestätigt Werner Kraft. Aber es war ein Schicksal, mit dem er sich gut abfinden konnte und das ihn mit den größten Stars der damaligen Film- und Theaterwelt zusammenführte. Im Jahre 1932 Kraft hatte gerade das Abitur gemacht und wollte Lehrer werden – brachte ihn ein Besuch im Thalia-Theater auf andere Gedanken. Als Volontär  verteilte er bald Plakate, machte die Buchhaltung, legte Filme ein und riß abends die Karten der 2.000 Besucher ab, die ins Thalia strömten. Auch die Betreuung schwieriger Stars gehörte zu seinen Pflichten. Otto Gebühr, ein Schauspieler, der sich in seiner Obhut befand, dachte eines Abends garnicht daran, sich vor dem Publikum zu verbeugen, sondern beleidigte die Zuschauer statt dessen mit dem berühmten Zitat von Götz von Berlichingen. „Ich ließ geistesgegenwärtig den Vorhang herunter. Im Saal herschte erst Totenstille, dann brachen die Leute in Gelächter aus“, erzählt Kraft. Nachdem er ein Jahr lang „Junge für alles“ war, wurde er Direktionsassistent von Robert Riemer und verpflichtete Stars wie den Clown Grock, Rastelli, die Rivels, Lil Dagover, Lilian Harvey, Josephine Baker, Hans Albers und Heinz Erhard. Dann kam der Krieg: Kraft wurde im Dezember 1940 eingezogen. Als er aus Rußland zurückkehrte, mußte er erleben, wie sein geliebtes Theater einem Bombenangriff zum Opfer gefallen war. „Daraufhin habe ich nach dem Krieg fünf Jahre lang eine Künstleragentur betrieben“, erzählt Kraft. Währenddessen hatten sich der gebürtige Wuppertaler Robert Bartholomay, der in Hamburg lebte, entschlossen, das Thalia-Theater wieder aufbauen zu lassen. Am 1. Oktober 1950 wurde es mit einem großen Programm mit Varité, Orchester, Artisten und dem Film „Großstadtnacht“ wieder eröffnet. Die Leitung hatte von da an Werner Kraft. „Das Theater lief sehr gut in dieser Zeit mit einer Millionen zahlender Besucher in acht Monaten“ berichtete Kraft nicht ohne Stolz. Den Besuchern wurde ein Tagesprogramm geboten, außerdem das Wiener Staatsopernballett in der Spätvorstellung und jeden ersten Sonntag im Monat der „Thalia Boxring“, der, obwohl keine ausgesprochene kulturelle Veranstaltung, sich großer Beliebtheit erfreute. Nach drei Jahren hatte Bartholomay sein Geld wieder eingespielt. Der vielfache Millionär jedoch fand das Dasein als Theaterbesitzer zu mühsam und beschloß, das Thalia an die Ufa-Theater AG weiterzuverpachten. Seinen Theaterdirektor überließ er dem Filmgiganten ebenfalls, was dessen Tätigkeit von Grund auf änderte, ich war plötzlich ein besserer Buchhalter und eröffnete einen Ufa-Palast nach dem anderen, beschreibt Kraft die Veränderung. Im Thalia wurden nur noch Ufa-Filme gespielt. Filme aber konnten die Leute inzwischen auch zu Hause sehen – das Fernsehen hielt Einzug in bundesdeutsche Wohnstuben. Mit schwindenden Besucherzahlen begann der Niedergang des Thalia-Theaters. Am 25. September 1967 war es soweit: Ein Bagger rückte an, um die letzte Wand des Theaters niederzureißen. Werner Kraft begann mit 48 Jahren eine zweite Karriere als Lehrer. Bis heute ist sein Interesse an Kino und Theater groß. In Hamburg hat er sich das Musical „Cats“ angesehen. Ein solches Spektakel hätte er damals sicher auch ins Thalia Theater geholt.

 

Sparkassenhochhaus

1972 wurde das höchste Gebäude Wuppertals auf dem Gelände des ehemaligen Thalia – Theaters fertiggestellt. Der Komplex besteht aus einer riesigen 2 500 m² großen Kassenhalle, einem Parkhaus un dem markanten Turm, der in Hängebauweise von oben nach unten entlang des Aufzugschachtes gebaut wurde. Das Café im oberen Stockwerk, von dem man einen herrlichen Ausblick auf Wuppertal genießen konnte existiert leider nicht mehr.

 

An der Wupper

Einer von wenigen interessanten Abschnitte der meist an alten Industrieanlagen vobeiführenden Strecke der Wuppertaler Schwebebahn ist das Stück zwischen den Stationen Ohligsmühle und Döppersberg. Hier schwebt man an den beiden Wupperpromenaden Schlossbleiche und Islandufer entlang und bekommt auch einige sehenswerte Bauwerke zu Gesicht. So zum Beispiel das große Ende der 20er Jahre fertiggestellte und mit Naturstein verkleidete Geschäftsgebäude der Industrie- und Handelskammer, den modernen Komplex der Stadtsparkasse, ihm gegenüber das City – Center, das durch den zierlichen Bismarcksteg mit seinen schmiedeeisernen Torbögen mit der modernen Hauptstelle der Sparkasse verbunden ist und desweiteren den Renaissancebau der Kommandite der Preußischen Bank, der 1892 fertiggestellt wurde und heute als Zweigstelle der Landeszentralbank dient. Über der reichverzierten Eingangstür steht weiterhin Reichsbank.

 

Ohligsmühle

Die im Krieg zerstörte Schwebebahnstation Alexanderbrücke wurde erst im Jahre 1982 durch einen Neubau ersetzt. Die gläserne, grünschimmernde Haltestelle gibt mit ihrer seltsamen Form der sonst so betagt wirkenden Schwebebahn ein futuristisches Gesicht. Ohligsmühle, wie die Station getauft wurde, hieß vor dem Bau der Bundesallee die unbedeutende Strasse, die an gleicher Stelle parallel zum Islandufer dem Wupperlauf folgte. Der Name erinnert daran, dass vor etwa anderthalb Jahrhunderten am Mäuerchen, an der Schlossbleiche und am Islandufer viele Korn-, Loh- und Streichmühlen standen.

 

Enka-Glanzstoff-AKZO-Hochhaus (heute Arcordis)

Das 14stöckige, schmale Hochhaus der ehemaligen Enka Glanzstoff AG ist das wohl markanteste Objekt, das Zeugnis über den Baustil abgibt, den man den 50er Jahren zuschreiben kann. Allerdings gehört dieses Gebäude durch die zwischen den unzählbaren Fensterreihen angebrachten Natursteinverkleidung noch zu denjenigen, die sich wenigstens ein bischen klassische Architektur bewahren wollten.

 

Herzogstrasse

Die bedeutenste Fußgängerstrasse in Ost – West Richtung erhielt ihren Namen nach dem französischen Marschall Michel Ney, Herzog von Elchingen, der 1796 an selber Stelle einen Durchbruch und somit eine konstruktive Ost – West – Verbindung geschaffen hatte, an der sich später die Königsstrasse anschloss. Im vorigen Jahrhundert galt die Herzogstrasse als elegante Geschäftsstrasse, heute liegen vor allem große moderne Waren- und Mode-häuser an ihrer Rechten und Linken.

 

Luisenviertel

Elberfelder „Altstadt“ hat sich zu lebendigem Stadtteil mit Atmosphäre gemausert. Am Rande der Elberfelder Innenstadt, zwischen Sophien- und Laurentiuskirche hat sich Wuppertals bekannteste und wohl älteste Wohnstraße, die Luisenstraße zu einem eigenständigen, lebendigen Geschäftsviertel mit Handwerksbetrieben, Boutiquen, Einzelhandelsgeschäften, verschiedenen Kulturangeboten und Galerien gemausert. Die Häuser der Epoche des Klassizismus verbreiten eine besondere Atmosphäre, die zum Einkaufen und Bummeln geradezu einlädt. Einen besonderen Anteil an dieser Entwicklung entlang der rund 360 Meter langen Geschäftsstraße hat die „Interessengemeinschaft Luisenstraße“. Die inzwischen rund 22 Mitglieder umfassende Gemeinschaft – allesamt Geschäftsleute aus der Luisenstraße – hat sich zum Ziel gesetzt, das gewachsene Bild und den speziellen Charakter der Straße zu erhalten. Hierzu gehören auch das Anlegen von Grünanlagen oder nostalgische Straßenlaternen. Kurzum: all das, was die „Luise“ lebens- und liebenswert macht, soll erhalten und bewahrt werden. Die ansässigen Fachhändler wollen auch mehr sein als bloße Geschäftsleute. Persönlicher Kontakt mit Kunden steht im Vordergrund wie Engagement oder Beratung. In der Adventszeit versorgen die Mitglieder der Interessengemeinschaft ihre Kunden mit Kaffee, Stollen oder Glühwein. Nicht zu vergessen das schon traditionelle Luisenfest. Für ein Wochenende verwandelt sich das Viertel rund um die Sophienkirche in einen kunterbunten Basar. Auch hier ist die Interessen-gemeinschsft mit dabei. Als besonderen Erfolg ihrer Arbeit sieht Doris Albermann, Sprecherin der Gemeinschaft, die Begrünung des Trümmergrundstücks Nr. 110. Hier entstand eine grüne Ruheinsel mit Bänken, Sträuchern und Pergola.

 

Luise

Namensgeber des Wuppertaler Altstadtviertels ist die Königin von Preußen, Luise von Mecklenburg (1776 – 1810), die mit Friedrich Wilhelm III. vermählt war. Dieser regierte das Land von 1797 bis 1840 und war seit dem Wiener Kongress 1815 auch königliches Staatsoberhaupt der Wuppertaler. Die Epoche der preußischen Zugehörigkeit ist letztendlich mit dem größten Aufschwung der Stadt verbunden.

 

Laurentiusplatz

Der Platz und die Kirche an der Friedrich-Ebert-Strasse sind nach dem Schutzpatron von Elberfeld, dem heiligen Laurentius benannt worden. Das Rost auf dem der Märtyrer im Jahre 258 den Feuertod erlitten haben soll, kennzeichnet bis heute das Elberfelder und Wuppertaler Wappen. Die im klassizistischen Schinkelstil gehaltene markante Doppelturmkirche mit dem angrenzenden Pfarrhaus wurde in den Jahren 1828 bis 1853 erbaut. Der Platz ist im 19. Jahrhundert als zweiter Elberfelder Wochenmarkt angelegt worden und bot damals auch noch einem großen Kriegerdenkmal Platz. In heutiger Zeit finden hier oft Feste und Jahrmärkte statt, und wenn einmal kein Fest angesetzt ist, dann bevölkern bei schönem Wetter denoch jede Menge Menschen den mit Stühlen und Tischen der angrenzenden Cafés zugestellten Platz.

 

Friedrich–Ebert–Strasse / Königstrasse

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Königstrasse als Bebauungsleitlinie für die Ausdehnung der Stadt nach Westen angelegt. Innerhalb weniger Jahrzehnte entstanden an dieser Strasse große einheitlich gestaltete Gebäudekomplexe, die im Wechsel mit mehreren Grünanlagen der Strasse ein majestätisches Ansehen verschafften. Die Strasse zog sich parallel zur Wupper bis Sonnborn hin und wurde von Westen kommend neuer Eingang in die Innenstadt. Parallele Verbindungen, wie etwa die Aue oder die Luisenstrasse traten in den Hintergrund. Seit dem Bau der Talachse in der Nachkriegszeit ist die Friedrich-Ebert-Strasse, die zu einer der längsten Wuppertals gehört, praktisch zweigeteilt. Das erste Stück zwischen Sonnborn und Robert-Daum-Platz ist Teil der Bundesstrasse, die den Hauptverkehr im Tal bewältigen muss. Nur noch vereinzelt säumen hier mittlerweile zweckentfremdete Villengebäude den Strassenrand. Geprägt wird dieses Teilstück der Strasse hauptsächlich von den Industriegebäuden, vor allem denen des Chemieunternehmens Bayer. Auf der wupperwärts rechten Strassenseite schmiegt sie sich an die schroffen Felsen des Nützenbergs an. Der zweite Teil, der nach dem Ausbau des Robert-Daum-Platzes nicht mehr mit dem Rest der Strasse verbunden ist, führt von der Briller Strasse zum Kasinokreisel dem Zentrum Elberfelds entgegen. Auf diesem wesentlich engeren Teilstück herrscht allerdings kein reger Autoverkehr mehr. Mit wechselden Fahrtrichtungen, ungünstigen Vorfahrtsregelungen, kleine Fahrspuren und Kopfsteinpflasterung werden Autofahrer von der ehemaligen Königstrasse fernzuhalten versucht. Sie ist jetzt eine gemütliche Geschäftsstrasse, in der sich Exklusiv- und Billigkaufläden, Kaffeehäuser, Kneipen und Spielhallen, Boutiquen, Antiquitäts- und Buchhändler abwechseln. Obwohl die Strasse durch den Bombenhagel viel von ihrer ürsprünglichen Gestalt verloren hat, ist ihr lebendiges Treiben zu den unterschiedlichsten Tageszeiten seit damals ungebrochen.

 

Fuhlrott – Museum

In unmittelbarer Nähe des Laurentiusplatzes befindet sich das naturwissenschafte Fuhlrott – Museum, das sich vor allem den Themen Biologie, Paläontologie, Mineralogie und Ökologie widmet. Es ist nach dem Wuppertaler Mathematiker und Naturwissenschaftler, Johann Carl Fuhlrott (1803-1877), benannt, der 1856 als Vorsitzender des von ihm gegründeten Naturwissenschaftlichen Vereins im nahe gelegenen niederbergischen Neandertal ein menschliches Skelett aus der Eiszeit entdeckte.

 

Sophienkirche

Die neue Reformierte Kirche in der Sophienstrasse weist einen gotisch – byzantinischen Rundbogenstil auf. Auffallend sind die festen Sandsteinquader mit Bruchsteinmauerwerk und der schlanke achtseitige Turm. 1858 fand in dieser Kirche der erste Gottesdienst statt.

 

Robert – Daum – Platz

Der einstige Tannenbergplatz trägt heute den Namen des ersten DGB – Vorsitzenden und früheren Wuppertaler Oberbürgermeister Robert Daum, der 1966 verstorben ist. Der Platz ist seit dem Ausbau der Talsohle in der Nachkriegszeit ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt. An ihm liegen die gleichnahmige Schwebebahnstation, das GEFA Hochhaus der Deutschen Bank und die katholische Hauptschule West. Das imposante Schulgebäude war früher ein Realgymnasium für Knaben.

 

Luisenpark

Der großzügige gepflasterte wiesen- und baumreiche Luisenpark am Ende der Luisen- Friedrich-Ebert-Strasse wurde bereits 1802 angelegt und in der Nachkriegszeit erneuert. Bis zum Kriegsende stand hier das große Reiterstandbild Kaiser Wilhelm I., das in früheren Zeiten auf dem Brausenwerther Platz am Döppersberg zu finden war. Heute steht auf dem Sockel eine Skulptur „moderner Kunst“.

 

Villa Frowein

Das im klassizistischen Stil errichtete einzelstehende Gebäude am Luisenpark war einst eine Villa des erfolgreichen Wuppertaler Textilunternehmers Frowein. Seit 1928 befindet sich das Haus im städtischen Eigentum, war von 1938 bis 1945 Sitz der Kreisleitung der NSDAP und beherbergt nun die Bergische Musikschule sowie einen Teil des Wuppertaler Instituts der Staatlichen Hochschule für Musik Rheinland.

 

 Briller Viertel

Bis zum Beginn des 19. Jahrhundert war die Elite der Stadt direkt im Zentrum bei ihren Geschäften und Unternehmen angesiedelt. Als die Bevölkerung immer mehr zunahm, wandelte sich das Bild und die Reichen suchten sich ihre Wohngegenden in abgelegenen Gegenden außerhalb der Innenstadt. Sie bauten sich vornehmlich im Briller Viertel elegante bürgerliche Patrizierhäuser in den verschiedensten Stilrichtungen, die im ausgehenden 19. Jahrhundert üblich waren. Heute ist diese Gegend, die sich durch das Wachstum der Stadt nicht mehr in abgeschiedener Lage, sondern vielmehr in unmittelbarer Nähe zum Zentrum befindet, zwar immer noch von nobler Art, doch haben sich auch hier die Bevölkerungsschichten der Stadt vermischt. Viele Reiche sind fortgezogen und haben sich moderne Bungalows in weitaus ländlicheren Bereiche der Stadt gebaut. Einige Villen sind dagegen zu Mehrfamilienhäusern umfunktioniert worden und in manchen Strassenzügen hat auch hier der Zeitgeist der sechziger und siebziger Jahre seine Spuren in Form von hässlichen Betonbauten hinterlassen. Aber im Großen und Ganzen ist das im Krieg unzerstört gebliebene Quartier am Brill, das sich mit dem Nützenberg auch einen schönen Stadtwald erhalten hat, das umfangreichste und schönste Villenviertel Wuppertals.

 

Das Fernsprechamt Elberfeld-Westen.

Ein Zeitalter des ständig wachsenden Geschäftsverkehrs, des hastenden und drängenden kaufmännischen Lebens, wird auch dem Telephon, als dem bis jetzt noch schnellsten Vermittler des lebendigen Wortes vom entfernten Mund zum entfernten Ohr, der immer noch zuverlässigsten und populärsten Verbindung zweier räumlich getrennter Lebens- und Arbeitsgebiete eine erhöhte Bedeutung zuerkennen und zumessen, wie andererseits das Bedürfnis der Zeit nach Modernisierung, Rationalisierung und Intensivierung den verantwortlichen Stellen auch hier Aufgaben zu lösen aufgibt. So wird auf den deutschen Fernsprechämtern die moderne Einrichtung des Selbstanschlusses - „Jeder sein eigenes Fräulein vom Amt“ - immer mehr eingeführt . Das neue Fernsprechamt in Elberfeld, das geschaffen wird um unser Postamt in der Morianstraße zu entlasten – die übliche Höchstzahl der 10.000 Anschlüsse ist erreicht und eine weitere Aufnahmefähigkeit nicht möglich – wird ein solches „S.A. Amt“ sein. In dem Herzstück eines Fernsprechamtes, dem großen Bedienungssaal, wird nicht mehr das melodische „Hier Amt“ vielstimmig und viel hundertmal am Tage ertönen, dagegen nur ein Rufzeichen „Tü - tü - tü“, welches anzeigt, daß ein Teilnehmer selbst eine Verbindung herzustellen im Begriff ist. Nur einige Beamtinnen sind lediglich zur Überwachung und Berichtigung etwaiger Irrtümer anwesend. Das neue Amt, dessen Aufnahmefähigkeit ebenfalls auf 10.000 Anschlüsse berechnet ist, wird zunächst nur 8.000 einrichten. Über das Technische der Neuschöpfung, des gesamten Hauses mit seinen Räumen, wird später noch eingehend zu schreiben sein, zunächst ist ja alles noch zu wenig installiert, um weitere Mitteilungen möglich zu machen. Erwähnt sei nur noch, daß das Amt in der Brillerstraße den Fernsprechverkehr von Hainstraße, Hochstraße, Marienstraße, Brillerstraße bis zur Laurentiusstrasse und weiter über Ohligsmühler Treppe und Blücherbrücke zum Grifflenberg, und alles dessen, was westlich dieser Linie liegt, vermittelt wird. - Das Gebäude enthält etwas über 400 Räume. Im Kellergeschoß befinden sich die Kabelverteiler für den Orts- und Fernverkehr, Heizungen, Lagerräume. Bäder (es sollen 12 Zellen geschaffen werden), Wasser-, Elektrizitätsleitungen und Schalteranlagen, das Erdgeschoß nimmt den Hauptverteilungsraum für den Selbstanschluß, Maschinen- und Sammlerraum, Büros sowie in dem Flügel nach der Katernbergerstraße die Fernsprechbauabteilung, die im Augenblick bekanntlich in einem Mietsgebäude in der Gesenbergstraße untergebracht ist, auf. In der ersten Etage (zweites Geschoß) liegt neben Büroräumen und Kleiderablagen das Allerheiligste des Hauses, der große „Wählersaal“, wie der Name für den Raum, in dem die Vermittlung der Anschlüsse vor sich geht, jetzt lautet; das zweite Stockwerk (drittes Geschoß) beherbergt weitere Büroräumlichkeiten, Rechenstellen, Erfrischungsräume, und die Hauptverteiler von Fernamt und Schnellverkehrsamt, während das oberste Geschoß das Fernamt und Schnellverkehrsamt selbst aufnimmt. - Zeigt schon die Anlage der hohen, luftigen Arbeitsräume der Badezellen und des freundlichen Erfrischungsraumes, daß das Gebäude nicht nur einen Zweckbau darstellt, sondern daß auch auf hygienische, soziale Erfordernisse größter Wert gelegt wird bezw. worden ist, so wird diese erfreuliche Feststellung zur angenehmen Überraschung, wenn man auf den an das letzte Geschoss angeschlossenen Dachgarten heraustritt, der eine prächtige Aussicht ins der eine prächtige Aussicht ins Grüne bietet und der der Erholung der Beamten und Beamtinen von ihrem angestrengten Dienst in den Arbeitspausen dienen soll. – Auch äußerlich bietet das Gebäude ein angenehmes Bild und wird eine Zierde der Nordweststadt sein. Seine Eröffnung soll im Spätherbst erfolgen.

GA 22. März 1928 

 

Katernberger Strasse

Die Katernberger Strasse zweigt am Fernmeldeamt von der Briller Strasse ab und führt von dort durchs Briller Viertel ins begrünte Katernberg. Während die eine Seite dieser Strasse von neoklassizistischen Bürgerhäusern gesäumt wird, liegt auf der anderen Seite der Friedhof der kleinen niederländisch-reformierten Gemeinde, den  seine bewusst schmuck- und blumenlosen Bruchsteingrabplatten auszeichnen.

 

Villa Amalia

Eine der meistbeachteten Landhäuser Elberfelds ist die Villa Amalia an der Briller Strasse. Sie wurde 1883 in den Formen der Neorenaissance erbaut und stellt eines der typischen Landhäuser aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dar. Das Gebäude, das stark an die Villa Frowein erinnert, liegt versteckt in einem Park und beherbergt heute ein Altenheim.

 

Gymnasium St. Anna

Wer seinen Blick von den Höhen über das Tal schweifen lässt, dem sticht das rote Gebäude mit dem großen schrägen Walmdach und dem schlanken spitzen Turm unweigerlich ins Auge. Bei dem markanten Bau, der sich am Westhang der Nordstadt über der Briller Strasse auftürmt, handelt es sich um das 1908 fertiggestellte Gebäude des Erzbischöflichen Gymnasiums St. Anna. Es ist in der Dorotheeenstrasse zu finden.

 

Ölberg

Im Volksmund wird oft vom Ölberg gesprochen, der als geografischer Ort aber in keiner Karte verzeichnet ist. Der Name stammt aus der Zeit der Jahrhundertwende und beschreibt einen Teil der Nordstadt. Denn während im Zentrum längst das elektrische Licht Einzug gehalten hat, mussten sich die Menschen in den Mietshäusern noch lange mit den alten Öllampen begnügen, die dem Berg nachts ein bezeichnendes Licht gaben.

 

Nordstadt

Als mit der zunehmenden Industriealisierung der Wohnbedarf in der Innenstadt wegen der zuströmenden Landarbeiter nicht mehr gedeckt werden konnte, baute man aus dem Tal heraus die Hänge hinauf. Während sich am Brill die Reichen ihre Villen errichteten, entstand auf der gegenüberliegenden Seite am Grünewalder Berg die Nordstadt, in deren großen mehrgeschossigen Mietshäusern das arbeitende Volk eine neue Bleibe fand. Kurz vor der Jahrhundertwende entwickelte sich hier eine intensive Bautätigkeit. Schlichtheit kannte man in jener Zeit nicht. Es war sogar gesetzlich vorgeschrieben, dass die Bauherren ihre Häuser nur mit dekorierten Straßenseiten errichten durften. Dass die Strassen der Nordstadt trotz ihres jungen Entstehens ziemlich klein, verwinkelt und unsymetrisch sind, liegt an der Topografie. Man musste sich zwangsläufig dem gebirgigen Gelände anpasssen. Die Elberfelder Nordstadt erstreckte sich von der Innenstadt den Berg nach Norden hinauf, wird westlich von der Briller Strasse und östlich von der Gathe begrenzt. Sie ist eines der wenigen Wuppertaler Viertel aus der Gründerzeit, das im Krieg weitgehend verschont geblieben ist und seinen ursprünglichen Karakter städtebaulich betrachtet weitgehend bewahren konnte. Nur die Bewohner haben seit den siebziger Jahren das Gesicht der Nordstadt gravierend verändert. Denn hinter den stuckverzierten Fassaden verbirgt sich heute ein Ausländeranteil von über achtzig Prozent. Prachtvolle Zeilenbauten mit den mannigfalltigen Stuckelementen hat die Nordstadt ebenso wie historische Gassen und Winkel massenhaft zu bieten. Die meisten der alten Gebäude wurden in den letzten Jahren saniert und ihre oftmals verfallene Vorderfront wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt. Die schönsten Fassaden findet man an der oberen Briller Strasse, an der Marien- und Hochstrasse, der Strasse Höchsten, der Neuen Friedrich-, der Neuen Nord- und der Wiesenstrasse.

 

Kirchen der Nordstadt

An der Ludwigstrasse mitten in der Nordstadt befindet sich die Kreuzkirche und die katholische Herz-Jesu-Kirche. Die evangelisch-lutherische Kreuzkirche auf dem nach Friedrich Wilhelm IV. benannten Friedrichsplatz wurde 1850 eingeweiht. Das vor allem mit Spendenmitteln gebaute Gotteshaus ist im Stil des Spätklassizismus errichtet. Es ist schwer vorstellbar, dass sich diese Kirche, die heute von allen Seiten von hohen Stadthäusern umgeben ist, zur Zeit ihrer Erbauung sich auf einer kahlen freien Wiese befand. Das katholische Gotteshaus mit dem schlanken Turm wurde 1886 im neugotischen Stil erbaut. Als reformierte Kirche entstand zwölf Jahre später die kolossale Friedhofskirche an der Hochstrasse. Sie ist nach der Alten Reformierten Kirche in der Calvinstrasse und der Neuen Reformierten Kirche in der Sophienstrasse die dritte Reformierte Kirche Elberfelds. Im Gegensatz zu den beiden ziemlich schlicht gehaltenen Kirchen in der Innenstadt ist dieses wuchtige Gebäude in den Formen deutscher Spätromantik, welches in exponierter Lage über den Dächern der Nordstadt throhnt, Zeichen von Macht und Einfluss. Direkt an die Friedhofskirche schliessen sich links und rechts der Hochstrasse die drei großen Friedhöfe der Nordstadt an: Der reformierte Friedhof, der katholische Friedhof und der luthersche Friedhof.

 

Hauptfeuerwehrwache

Die neue Wuppertaler Hauptfeuer- und Rettungswache in der Nähe des Briller Kreuzes wurde 1990 fertiggestellt. Sie gilt als modernste Feuerwache Europas und ersetzt die technisch veraltete und räumlich stark beengte Einsatzzentrale an der Gathe die seit dem Umzug leersteht.

 

Bahnhof Mirke

Der Bahnhof der Nordstadt war zur Blütezeit der Rheinischen Eisenbahn auf Wuppertaler Gebiet die bedeutendste Personen- und Güterstation dieser Strecke. Von dem einstmals so belebten Mirker Bahnhof ist heute nicht mehr als die Erinnerung längst vergangener Bahnidylle geblieben. Der große Bahnhofsvorplatz dient mittlerweile als Abstellfläche für die Wagen der Anwohner; die mächtige Treppe, auf der die Reisenden einst hinunter zur Neuen Friedrichstrasse gestiegen sind, ist inzwischen mit Unkraut, jahrzehntealtem Müll oder angrenzenden Büschen überwuchert. Aber während das Empfangsgebäude von der Straßenseite aus noch einen soliden Eindruck macht, sieht es auf der Bahnsteigseite gräuslich aus. Nicht nur die Fassade ist heruntergekommen; auch die Unterführung und der Mittelbahnsteig erweisen sich als völlig verwildert, Weichen und Signale hat man ebenso wie die ehemals weiträumige Gleisanlage demontiert. Nur ein Schienenstrang ist übriggeblieben: Für den kleinen Güterzug, der noch irgendeine Fabrik an der Trasse der Rheinischen Bahnstrecke bedient, und für den Museumszug, der seinen Fahrgästen zwei oder dreimal im Jahr zeigt, was die Wuppertaler durch Stillegung dieser Strecke verloren haben.

 

Villa Seyd

Bau der Villa begann 1897 und war nach zwei Jaheren im Jahre 1899 fertiggestellt. 1991 vorm Abriss bewahrt und saniert wurde, ist wohl das schönste Gebäude auf Uellendahler Boden. Das Mondäne Landhaus im neubarocken Stiel zählt zu den größten Villen der Stadt und wird heute als Mehrfamilienwohnhaus genutzt. Ein Gerücht besagte, dass es einen unterirdischen Gang vom Haus zum Turm an der Ecke Adalbert-Stifter-Weg und Kohlstraße gäbe. Ein Nachfahre Seyd hat eine Gruppe ins Innere des Hauses geführt, wo er unter einer Abdeckung im Kellergeschoss den verblüfften Leuten den bisher unentdeckten Eingang zeigte. Da lag natürlich auch die Frage nahe, ob denn, wie ebenfalls Gerüchte besagen, der Erbauer diesen Gang genutzt habe, um sich im Turm dann den Freuden des Lebens hingeben zu können? Dies, sagte der „Insider“ mit einem Lächeln, könne er nicht dementieren. Allerdings weitere süffisante Details mochte er nicht verraten.

 

Am Westfalenweg

Wenn man auf der Südseite Wuppertals steht und nach Norden über die Stadt blickt, fallen sie unweigerlich ins Auge. Gemeint sind die beiden Türme, die an der nördlichsten Ost-West-Verbindung stehen. Zum einen der aufgrund seiner Form im Volksmund „Atadöschen“ genannte Wasserturm am Pfaffenhaus, der seit 1927 den Höhenrücken ziert, und zum anderen der 1978 fertiggestellte Fernmeldeturm.

 

Zwirnerei Hebebrandt

Das 1888 erbaute Textilgebäude der Firma Hebebrandt zählt nach seiner Renovierung zu den schösten Wuppertaler Fabriken. Der viergeschossige Eckbau liegt an der Uellendahler Strasse in unmittelbarer Nähe zum Mirker Bahnhof. Die Fassade ist mit roten und gelben Ziegeln gemauert und weist reichhaltige Verzierungen auf.

 

Thomaskirche

Wenn man die Saarstrasse hinauffährt, glaubt man eher ein edles Landhaus vor sich zu haben als eine Kirche. Das im nördlichen Bereich des Wohnbezirks Ostersbaum an der Opphofer Strasse gelegene Gebäude, das im neubarocken Stil gehalten ist, wurde 1910 als Gotteshaus der lutherischen Gemeinde fertiggestellt.

 

Hardt

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde beschlossen, die öde liegende Hardt zu bepflanzen und zu einem Erholungsgebiet für die Stadtbewohner auszubauen. Bis heute zählt der bewaldete Berg mit seinen vielen Spazierwegen und den großen Wiesen zu einer der schönsten Wuppertaler Parkanlagen. Viele Veranstaltungen werden hier ausgetragen, von Drachenwettbewerben bis zu Theateraufführungen und Konzerten auf  der Waldbühne. Aber auch wenn kein Programm angesagt ist, tummeln sich an sommerlichen Wochenenden das Volk auf den Wiesen oder auf der Terrasse des Hardt Cafés. Am Ende der Reichsallee, die quer durch die Hardt führt, ist 1907 der 22 Meter hohe Bismarckturm errichtet worden. Der Turm steht genau auf der Grenze zwischen Elberfeld und Barmen, die sich von der Haspeler Brücke quer über die Hardt in Richtung Norden erstreckt. Das Monument ist dem Reichsgründer und langjährigem Kanzler Otto von Bismarck (1815 – 1898) gewidmet und soll die Verbundenheit beider Wupperstädte symbolisieren. Wenn an seinen Zinnen die Stadtfahne flattert, kann man den Turm besteigen und die Ausssicht auf das Tal genießen. In unmittelbarer Nähe zum Turm befindet sich des weiteren die Justizvoll-zugsschule Nordrhein – Westfalen sowie die Kirchliche Hochschule.

 

Bismarckturm

Fast 30.000 Teilnehmer versammlten sich am 19. Oktober 1908 zu einer hochpatriotischen Feier auf der Hardt: Auf der „Grenzscheide der beiden Schwesterstädte, der höchsten Höhe der Hardt“, wie es damals in der Berichterstattung hieß, wurde der Bismarckturm eingeweiht: Ein gemeinsames Werk der beiden Wupperstädte. Grundsteinlegung war am 1. April dieses Jahres, dem 92. Geburtstag des Namensgebers, der neun Jahre zuvor gestorben war. Nach dem Entwurf von Professor Kreis war der mächtige Turm aus Quadersteinen errichtet, die man aus dem Felsbrocken der Hardt auf Barmer Gebiet gebrochen hatte. Zur Einweihung versammelten sich Bürger und Schulklassen, Kriegervereine und Offizierkorps beider Bezirkskommandos und die städtischen Behörden. Im Namen des Arbeitsausschusses des Denkmalkomitees hielt der Elberfelder Konsul Paul Boeddinghausen jr. die Festansprache: Möge der Turm das Anfangsglied einer Kette gemeinsamer Unternehmungen beider Städte bilden, auf daß in der Welt die viel belächelte Mär von der Gegenerschaft der Wupperstädte immer mehr verschwinden“!

 

Botanischer Garten

Neben Wald und Wiese befindet sich auf der Hardt auch noch die Stadtgärtnerei und der Botanische Garten, der 1890 angelegt wurde. An vielen schmalen Wegen können die Hardtbesucher hier exotische und außergewöhliche Pflanzen bewundern. Zu bestimmten Zeiten kann man sich hier auch über Haus- und Gartenpflanzen beraten lassen. In der Mitte des Botanischen Gartens steht der rote Elisenturm. Er war ursprünglich eine Windmühle, wurde aber bereits 1839 zu einem Aussichtsturm umgebaut.

 

Drei-Kaiser-Denkmal auf der Hardt

Seit dem 9. November 2000 steht das Drei-Kaiser-Denkmal wieder auf der Hardt. Durch eine Großzügige Spende der Familie Mittelsten Scheid anlässlich des 70. Jahrestag der Gründung der Stadt Wuppertal konnte das Denkmal unter Verwendung der Historischen Steinfragmente rekonstruiert werden. Am 9. November 1814 dem Jahrestag der Befreiung von der napolischen Herrschaft wurde auf dem Elberfelder Neumarkt die Friedenseiche gepflanzt. Am 9. November 1817 mit einem steinernen Denkmal umgeben. 1894 zur Hardt überführt. 1943 im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Die vier Säulen tragen folgende Inschrift: „Alexander dem I. Kaiser aller Reussen“; „Friedrich Wilhelm dem II. König von Preußen“; „Franz dem Kaiser von Österreich“; „Zum Andenken des 9. Nov. MDCCCXIII des Einzugtages der I. Verbündeten Truppen; errichtet von der Eichengesellschaft.

 

Haspeler Brücke

Im 18. Jahrhundert führte hier am Fuße der Hardt die einzige befestigte Strasse von Elberfeld nach Barmen über die Wupper. An dieser Stelle grenzten die Häuser beider Städte bereits lange vor der Stadtvereinigung aneinander. Die Haspeler Brücke war aber noch bis in die Nachkriegszeit die wichtigste Nahtstelle zwischen den beiden Stadtteilen und verlor erst mit dem Ausbau der Bundesallee zur vierspurigen Talachse ihre Bedeutung. Auf Barmer Seite stand damals zu Ehren Kaiser Wilhems II. ein Triumphbogen. Er stattete den Wuppertalern nämlich am 24. Oktober 1900 einen Besuch ab. Das ganze Volk war an diesem geschichtsträchtigen Tag auf den Beinen und beide Städte zeigten sich festlich geschmückt. In Barmen weihte der Monarch die Ruhmeshalle ein und in Elberfeld das neue Rathaus. Wesentlich behutsamer war allerdings, dass er anschließend sozusagen als erster Fahrgast mit der neu gebauten Schwebebahn nach Vohwinkel fuhr. Welche Prioritäten er setzte, zeigte der Kaiser, als er sich der Haspeler Brücke näherte. Dort soll er zu seiner Gemahlin gesagt haben: „Auguste, setz dich gerade, wir kommen in die Stadt!“ Und die Elberfelder konnten dank dieser Bemerkung wieder einmal über ihre verzankte Schwesterstadt triumfieren.

 

Gerichtsinsel

Wuppertals Justizgebäude liegen auf einer kleinen Insel, die links und rechts von der Wupper umflossen wird. Das Landgericht zählt zu den ältesten Justizpalästen Deutschlands. Der zweigeschossige klassizistische Quaderbau mit seiner offenen Rundbogenhalle im Stil italienischer Renaissance ist in den Jahren 1848 bis 1852 an der Grenze zwischen Elberfeld und Barmen errichtet worden. Gegenüber dem Landgericht steht das weniger markante aber um so größere Amtsgericht, das 1906 fertiggestellt wurde. Direkt daneben sticht das 1964 erbaute Justizhochhaus ins Auge, das 17 Stockwerke zählt. Jenseits der Gerichtsinsel an der Friedrich-Engels-Allee stand einst das Wuppertaler Gefängnis Bendahl, das im Jahre 1864 errichtet wurde. Heute ist dort auf dem ehemaligen Gelände ein Verwaltungs Zentrum eines Supermarktunternehmens und ein Elektromarkt errichtet worden.

 

Wunderbau

An diesem bedeutungslos erscheinendem Gemäuer würde heute auch jeder noch so historisch interessierte Bürger achtlos vorbeifahren. Geschichtsträchtig ist das am Fuße der Hardt liegende Gebäude allerdings allemal, auch wenn von dem ehemalig mächtigen Wunderbau nur noch Teile übriggeblieben sind. Das Palais, das ein Weinhändler in der Mitte des 18. Jahrhunderts hat bauen lassen, trug einst ein riesiges Mansardendach mit vielen ausgeprägte Erkern und gilt als ältester noch erhalten gebliebener profaner Steinbau Elberfelds.

 

Schauspielhaus

Das moderne weißleuchtende Gebäude der Wuppertaler Bühnen, das Platz für 750 Zuschauer bietet, liegt zwischen Bundesallee und der Kluser Wupperschleife. Es wurde in den Jahren 1963 bis 1966 auf einer weitgehend unbebauten Fläche nahe der Innenstadt errichtet. Hier finden jährlich über 250 Aufführungen statt.

 

Die Sitzende

Als „größten lebenden Bildhauer“ lobten ihn Kunstsachverständige und Anhänger seiner monumentalen Kunst. Aber auch harsche Kritik mußte Henry Moore, der im Herbst 1965 als 88 jähriger starb, gefallen lassen. Und so entbrannte auch in Wuppertal 1966 eine pro- und contra Moore-Diskussion, wie sie danach so heftig wohl nur noch bei dem umstrittenen Hrdlicka-Denkmal am Engels-Haus aufkam. Dabei begann alles ganz harmlos: 1964 verschenkten die Wuppertaler Stadtwerke die Moore-Plastik „Die Sitzende“ an den Wuppertaler Kunst- und Museumsverein. Sie selbst hatten 1958 nur 55.000 Mark dafür bezahlt; einen Betrag, bei dem die Mitarbeiter des von der Heydt Museums heute wehmütig lächeln können. „Die Plastik ist jetzt ein Vielfaches wert“ schätzte 1986 Dr. Wachtmann vom Museum, „der Ankauf einer zweiten Moore-Plastik, so wünschenswert das wäre, ist für uns unmöglich“. Geschenkt oder nicht, bei den Wuppertaler Bürgern fand das ungewöhnliche Kunstwerk nur äußerst geteilte Aufnahme. Vor der Schwimmoper am Johannisberg fristete die Sitzende kaum beachtet ein für ihre Bedeutung wahrhaft kümmerliches Dasein. Was den damaligen Baudezernenten Professor Hetzelt wiederrum so erboste, dass er Gartenzwerge um die geschmähte Dame herumplazieren ließ. Aber die Sitzende sollte sich noch mehr gefallen lassen müssen: Im Karnevalszug 1966 wurde sie kurzerhand zum Funkenmariechen umfunktioniert und zierte allein drei Wagen. Und selbst der Wuppertaler (Wappen-) Löwe zog als „der Liegende“ durchs Tal. Zur Einweihung des Schauspielhauses im Spätsommer desselben Jahres schließlich erhielt die Dame dort einen angemessenen Sitzplatz. Obwohl man doch, so eine Leserzuschrift im „General-Anzeiger“, besser Bratpfannen aus dem Kunstwerk hätte erstellen sollen... Dieser Meinung waren offensichtlich auch die unbekannten Täter, die der Sitzenden schon im Jahre 1959 als erste auf den Leib gerückt waren. Sie besannen sich auf ein mittelalterliches Ritual und teerten und federten die Dame in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember.

 

 Südstadt

Von der Elberfelder Südstadt, die vor dem letzten Krieg fast genauso bebaut war wie die Nordstadt, ist außer der Stadthalle und den beiden wiederaufgebauten Kirchen fast nichts Gründerzeitliches mehr übriggeblieben. Entstanden ist dies Stadtviertel damals ebenfalls im Zuge der Stadterweiterung als Wohngegend für Arbeiter und Angestellte. Verändert haben sich nach dem Wiederaufbau aber nicht nur die Häuser, sondern auch der einst geschlossene Siedlungszusammenhang. Spielte sich nämlich früher der Hauptverkehr auf der eher schmalen Weststrasse ab, die quer durch die Südstadt führt, so wird das Viertel heute von drei teils fünfspurigen Einbahnstrassen Kleeblatt, Bahnhof- und Südstrasse in seinem Zusammenhang eklatant zerschnitten. Diese Strassenführungen, durch die sich nunmehr die Blechlawinen wälzen, wirken sich für die Südstädter wie nur schwer überwindbare Flüsse oder Wälle aus, die anders als in der Nordstadt keinen Siedlungszusammenhang mehr erkennen lassen.

 

Hauptpost

Südöstlich des Hauptbahnhofs erhebt sich über den Bahngleisen das Hauptpostamt Wuppertals. Das überdimensionale weiße Kastengebäude wurde Mitte der siebziger Jahre aufgrund veränderter technischer und räumlicher Erfordernisse von der Oberpostdirektion Düsseldorf errichtet, und ersetzte die Hauptpostämter Elberfeld und Barmen. Alle Briefe, die in einem Wuppertaler Briefkasten landen, werden hier abgestempelt. 1999 wurde die Schalterhalle dieses Postamtes umgebaut, es nennt sich jetzt „Open – Service“. Es werden auch keine Briefe mehr dort abgestempelt, es ist lediglich ein Abholservice für Leute die am Zustelltag nicht zu Hause waren.

 

Universität

Am 1. August 1972 wurde die Gesamthochschule errichtet. Mit dieser neuen Art von Hochschule sollte eine Öffnung für einen wesentlich größeren Teil der Bevölkerung erreicht werden. So wurden Hochschule- und Fachhochschulstudiengänge mit entsprechenden Abschlüssen unter einem Dach zusammengefaßt. Nach einer elfjährigen Gründungsphase wurde die Gesamthochschule am 1. November 1983 in die wissenschaftliche Landschaft aufgenommen. In Wuppertal sah es nach der offiziellen Gründung 1972 so aus: In die neue Gesamthochschule wurden traditionsreiche Einrichtungen wie die Pädagogische Hochschule Rheinland, Abteilung Wuppertal, mehrere  Staatliche Ingenieurschulen und die Werkkunstschule Wuppertal integriert. Zum Gründungsdirektor berief der Wissenschaftsminister den Germanisten Prof. Dr. Rainer Gruenter der Jurist Dr. Klaus Peters wurde Kanzler. Beide mußten mit dem Gründungssenat neue Studiengänge und Prüfordnungen entwerfen sowie Hochschullehrer berufen. Der Anfang der Gesamthochschule Wuppertal – den offiziellen Namen „Bergische Universität-Gesamthochschule Wuppertal“ erhielt sie erst im Mai 1986 – war relativ bescheiden. Im ersten Semester 1972/73 waren insgesamt 3.458 Studenten eingeschrieben, 43 ordentliche Professoren wissenschaftliche Räte und Professoren, zwei Studienprofessoren, 145 Fachhochschullehrern, 74 wissenschaftliche Mitarbeiter und 265 nichtwissenschaftliche Kräfte waren an der Hochschule beschäftigt. Heute studieren rund 13.000 Studenten in Wuppertal, die Zahl der Uni-Bediensteten stieg auf knapp 1.500, darunter allein 360 Professoren. Mit dem ersten gewählten Rektor Prof. Dr. Josef M. Häußling, dem Rektorat und parlamentarischen Gremium wurde die Gründungsphase am 1. November 1983 beendet.

 

Uni – Halle

Die neue Mehrzweckhalle oberhalb der Bergischen Universität ist der Größte geschlossene Veranstaltungsort Wuppertals und fasst mehr als doppelt soviel Besucher als die Stadthalle. Seit der Vollendung im Jahre 1987 werden hier sportliche Veranstaltungen genauso ausgetragen wie Unterhaltungsdarbietungen fürs Fernsehen. Trotz der unmittelbaren Nähe zur Südstadt liegt die Uni – Halle mitten im Grünen in einer naturbelassenen Waldlandschaft. Die interessante Architektur der achteckigen Halle ist leider nur aus der Vogelperspektive zu bewundern.

 

Fachwerkhaus am Spessartweg

Über 300 Jahre bestimmte das Gietenbruchsche Haus das Bild des oberen Hahnerbergs. 1980 aber mußte es dem neuen Straßenkreuz Hahnerberg/Theishahn weichen. Der Zahn der Zeit hatte zuletzt auch dem damals schon denkmalgeschützten Haus zugesetzt. Die neue Verkehrsplanung sah an diesem Standort zunächst die Straßenführung der L418 in offener Bauweise vor, bis man sich schließlich auf nachhaltiges Drängen der Hahnerberger vertreten durch ihren Bürgerverein – entschloss, einen Tunnel zu bauen. Der Abriss des Hauses war auf jeden Fall eingeplant. In letzter Minute kam dann doch noch die Rettung. Rolf Löckmann, Künstler und Fotograf, hatte damals mit seinem geschulten Auge dieses Kleinod entdeckt und entschloss sich, das schon marode, aber wunderschöne Gemäuer abzutragen und nicht weit entfernt auf Küllenhahn wieder aufzubauen. Denn das Haus atmet Geschichte. Nachweislich 1691 entstanden, wurde es etwa 100 Jahre später umgebaut. Es erhielt mittige Zwerggiebel und ein Walmdach. Die besondere Symetrie in Fachwerk und Fensteranordnung sowie eine Rundum-Verschieferung kennzeichnen den klassizistischen Stil dieser Zeit. Was dann alles auf Hausherrn Löckmann zukam - das hatte er sich nicht vorgestellt. 1981 begann er, Stein um Stein, Balken um Balken abzubauen, zu nummerieren und an den neuen Standort am Spessart 33 zu transportieren. Rolf Löckmann: Zwei Jahre lang wurde gezimmert, ein Jahr lang gemauert, noch einmal ein Jahr am Dach gebaut“. Nicht wenige der originalen Bauteile waren längst so marode, dass sie ersetzt werden mussten. Da galt es dann auch immer wieder, auf die Suche zu gehen. Historisch richtiges Baumaterial gibt es eben nicht im Baumarkt. Löckmann wollte das Haus so gut wie möglich stilgerecht wieder afbauen. Somit dauerte der Ausbau des Hauses acht Jahre. Erst 1989 konnte Familie Löckmann in das Schmuckstück einziehen. Aber dass sich alle Mühen gelohnt haben, das stellen auch die Spaziergänger und Betrachter am Spessartweg fest: Bergische Baukunst hat es nicht nur vor 300 Jahren gegeben. „Anno domini am ersten Tag im Mai“ ist das eingeschnitzte Datum im Portalbalken. Der Künstler und Fotograf bewies hier mit viel Liebe fürs Historische, mit Fleiß und Sachverstand, dass er auch ein ausgwiesener Baufachmann ist.

 

 Stadthalle

Eines der größten und imposantesten Gebäude auf Wuppertaler Boden ist die um die Jahrhundertwende erbaute Stadthalle auf dem Johannisberg. In dem Sandsteingebäude, dessen Architektur sich in den Formen einer vornehmen Renaissance bewegt und das von vier prunkvollen Kuppeltürmen umrahmt wird, befinden sich ein Fest- und Konzertsaal für ursprünglich 2000 Personen sowie sechs Nebensäle für Kundgebungen und Tagungen. Besonders die vielen in die Fassade gestalteten Reliefs überzeugen durch ihr Detailreichtum und ihre kunstvolle Ausarbeitung. Vier Jahre lang hatte man an dem damal 2 Millionen Goldmark teuren Monumentalwerk gebaut, bis man es schließlich 1900 mit einem bergischen Musikfest großen Stils eröffnen konnte. Von den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadthalle kaum betroffen. Statt dessen wurde der Bau in der Nachkriegszeit sehr vernachlässigt und mußte sogar im Rahmen eines nüchternen Ausbaus die Überstreichung etlicher Deckengemälde und Wandmalereien über sich ergehen lassen. 1989 fasste dann der Stadtrat den Beschluss, die Stadthalle zu restaurieren und ihre ursprüngliche Substanz wiederzubeleben. Fast solange wie die einstige Bauzeit dauerte dann die Restaurierung des Gebäudes. Von 1991 bis 1995 waren etliche Stukateure und Steinmetze in mühseliger Kleinarbeit damit beschäftigt, den Zustand wiederherzustellen, den die Stadthalle bei ihrer Einweihung gehabt hat. Aber auch an der modernen Technik wurde gedacht. So unterließ man es nicht, die Halle den heutigen Anforderungen einer multifunktionalen Nutzung anzupassen. Insgesamt haben sich die Umbaukosten auf 200 Millionen Mark summiert.

 

Schwimmoper

Als ein Meisterwerk moderner Architektur wurde der 1957 errichtete Bau seinerzeit gefeiert. Es war das erste deutsche Hallenbad mit einem Wasserballfeld, das internationalen Wettkampfmaßstäben entsprach. Heute hat dieser Schwimmpalast mit dem gekrümmten Dach und der riesigen Glasfassade viel von seiner ursprünglichen Funktion verloren, ist aber immer noch das einzige sehenswerte und stadtbildprägende Gebäude der Nachkriegszeit. Die große Zuschauertribühne für 2.100 Besucher wird heute allerdings längst nicht mehr genutzt und als Stadtbad genügt es den Anforderungen der Badegäste auch nicht mehr. Die Sportdiziplin Schwimmen hat ihre Popularität im Volke verloren. Nur von außen zeichnet sich die Schwimmoper aber nach wie vor durch ihre außergewöhnliche und einmalige Form aus, die man sonst in keiner anderen Stadt finden kann.

 

Steinbecker Bahnhof

Am 3.9.1841 traf hier der erste Zug aus Düsseldorf ein. In jenen Anfangsjahren der Eisenbahn endete die Strecke nach Wuppertal im Steinbecker Kopfbahnhof, da sich der Durchbruch zum Döppersberg wegen des Massenkalkgesteins als außerordentlich schwierig erwies. Bis 1848 sprengte man der Trasse dann allerdings noch einen Weg durch den Felsen. Sie verläuft heute in einem engen, mit Naturstein eingefasten Trog zum Hauptbahnhof. Im Westen des Steinbecker Bahnhofs befindet sich das Bahnbetriebswerk Wuppertal, das mittlerweile allerdings Köln untergegliedert ist.

 

Viehhof

Die alte Schlachtanlage Elberfelds stand im 19. Jahrhundert am Brausenwerth in der Nähe des Hauptbahnhofs. Da man dort wegen der steigenden Bevölkerungszahl den Anforderungen nicht mehr gerecht werden konnte, verlegte man 1879 den städtischen Schlacht- und Viehhof an den Arrenberg unmittelbar an die Gleise des Steinbecker Bahnhofs. In wenigen Jahren entstand eine großflächige Anlage mit Ställen, Geräteschuppen, einem Umschlagplatz, einem Maschinen-, Kessel- und Kühlhaus, sowie den notwendigen Schlachthäusern. Die beiden schieferverkleideten Verwaltungs- und Restaurationsgebäude, die 1915 entstanden, sind bis heute erhalten, während sich auf dem Rest des Schlachthofgeländes Gewerbebetriebe angesiedelt haben. In einem der Häuser ist heute das Veterinäramt zu finden.

 

Elberfelder Krankenanstalten Arrenberg

Erste Anfänge: Die Geschichte der Krankenhäuser beginnt 1820 mit der Errichtung eines „Bürgerkrankenhauses“ auf der Aue in Elberfeld. 1825 wurde das „allgemeine Armenhaus“ am Neuenteich eröffnet in ihm fanden insbesondere Arme Unterkunft und ärztliche Betreuung. Zusätzlich musste 1847 ein der Stadt gehörendes Privathaus am Ostersbaum mit 60 Betten, später sogar 120 Betten, als Krankenhaus geführt werden.  Da diese Häuser aber ständig überbelegt waren, beschloss die Stadtverwaltung der Stadt Elberfeld im Jahre 1856 den Bau eines neuen Krankenhauses mit bis zu 250 Betten und den Bau eines angeschlossenen „Irrenhauses“. 1857 konnte für 5.000 Taler ein Grundstück der Familie Weerth am Arrenberger Weg gekauft werden. Nach weiteren drei Jahren erfolgte der Ankauf eines westlich angrenzenden Ackergeländes als Bauplatz für das „Irrenhaus“. Im Jahre 1859 wurde der Grundstein für die „Städtischen Krankenanstalten“ der Stadt Elberfeld gelegt. Nach vierjähriger Bauzeit war dann am 1. Dezember 1863 die offizielle Eröffnung und Inbetriebnahme. Die Gesamtbausumme betrug damals 170.000 Taler. Ob es sich dabei gegenüber den ursprünglich bewilligten 100.000 Talern um eine Überziehung, oder um einen bewilligten Zuschuss der königlichen Regierung handelte, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Schon wenige Jahre nachdem das Krankenhaus seinen Betrieb aufgenommen hatte, machten das Anwachsen der Bevölkerung, aber auch die aus der medizinischen Entwicklung resultierende Raumanforderung eine erneute Entscheidung notwendig. Im Frühjahr 1891 beschloss die Stadtverordnetenversammlung den Ausbau der „Anstalt“ an gleicher Stelle. Aber erst 10 Jahre später wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Es entstanden bis 1897 ein neues Infektionshaus (Haus 9), ein Beobachtungshaus für Geisteskranke (Haus 10), ein Leichenhaus mit Kapelle (Haus 11), ein Wasch- und Kesselhaus (Haus 13), und schließlich nach Abbruch des alten „Irrenhauses“ das heutige Haus 2. Damit wurde eine Bettenzahl von 500 erreicht. Weitere 30 Betten konnten durch den Zukauf des Hauses Arrenberger Strasse 20 (Haus 12) als Schwesternhaus gewonnen werden. Als sich 1909 die Möglichkeit bot, weiteres Gelände in der Nachbarschaft zu erwerben, wurde eine Diskusion geführt, die die Geschichte des Krankenhauses bis heute prägt: Soll an dieser Stelle das bestehende Krankenhaus erweitert werden oder soll an anderer Stelle ein neues Haus gebaut werden? Nicht zuletzt aufgrund einer Denkschrift der Chefärzte wurde die Erweiterung am alten Standort beschlossen. So konnte am 21. Februar 1913 nach 22 Monaten Bauzeit Erweiterungsbauten in Anwesenheit von Vertretern der königlichen Regierung eingeweiht werden. Neugebaut worden waren das Privathaus (Haus 3), die Infektionshäuser (Haus 4 und 5), ein Haus für Lungenkranke (Haus 7, heute Dermatologie) und das Ärzte- und Schwesternhaus (Haus 8). Die Bettenzahl war damit auf 752 angestiegen. Während des Ersten Welkrieges war im Krankenhaus ein Lazarett untergebracht. Ärzte, Schwestern und anderes Personal wurden hier dienstverpflichtet. Schon in den ersten Jahren nach dem Krieg konnten die Zerstörungsfolgen rasch beseitigt werden. Es folgten auch bauliche Erweiterungen an die heutige Senefelder Strasse angrenzenden Teile des Krankenhausgeländes. Als Sauerbruch 1940 seine 65. Geburtstag feierte gedachte die Stadt seiner in einer „Ratsherrensitzung“. Einziger Tagesordnungs-punkt: Umbenennung der Elberfelder Krankenanstalten in „Ferdinand-Sauerbruch-Klinikum. 1976 Umbenennung in „Kliniken der Stadt Wuppertal“. Am 1. Januar 2003 Übernahme durch HELIOS Klinikum GmbH Fulda, Umbenennung in „HELIOS Klinikum Wuppertal“.

 

Terassenbau Nützenberg

Ein ganz besonderes Fänomen, was man wohl nur in Wuppertal beobachten kann, stellen die anfang der siebziger Jahre entstandenen Mietshäuser an der Nützenberger Strasse dar. Die steile Felswand, die vom Nützenberg zur Talsohle abfällt, sollte für die Stadtplaner kein Grund sein, das Gelände nicht auch für den Wohnungsbau zu nutzen. So wurden die Wohnungen in den Hang hinein- und zur Friedrich-Ebert-Strasse hinuntergebaut. An der Nützenberger Strasse steht man vor mehreren zwei- bis dreigeschossigen unauffälligen Mehrfamilienhäusern. Doch wenn man den Fahrstuhl betritt, muss man merkwürdigerweise feststellen, dass man etwa zehn Stockwerke schräg hinunter kellerwärts fahren kann. Und von der Friedrich-Ebert-Strasse sieht man sich vor einem gewaltigen Terrassenhochhaus stehen.

 

Bayer Wuppertal

Damals wie heute gehören die größten Werksanlagen im Tal der Wupper der Firma Bayer. Das Industriegelände, dass beiderseits der Wupper von der Sonnborner Brücke sich bis zum Arrenberg erstreckt, wird bis Westende von diesem Unternehmen beherrscht. Mittendurch führt die Schwebebahntrasse über den Fluss, von der aus man einen ungewöhnlichen Blick auf den Werksbetrieb erhält. Friedrich Bayer (1825 – 1880) und Friedrich Weskott gründeten das heutige Weltunternehmen in einer Heckinghauser Waschküche mit einem einzigen Arbeiter. Aber bereits 1912 ist der Hauptsitz des Chemiekonzerns wegen Platzmangel im Tal zur Wuppermündung nach Leverkusen verlegt worden. In dem Werk am Westende werden heute vor allem Arznei- und Pflanzenschutzmittel hergestellt. Darüber hinaus besitzt die Bayer AG in Katernberg ein Forschungszentrum.

  

Kalktrichterofen

Am Otto-Hausmann-Ring wird dieser Kalktrichterofen als Industriedenkmal ausgeschildert. Im 19. Jahrhundert gewann man hier bei der Brennung von Kalk mit Holz oder Holzkohle Kalkstein. Er wurde Ende der achtziger Jahre saniert und ist der einzig erhalten gebliebene Ofen dieser Art.

 

WZ – General-Anzeiger

An der Ecke Neumarkt- / Casinostraße, der ehemaligen Kaiserstraße, befand sich das zweite Domizil des „General-Anzeiger für Elberfeld-Barmen“: Nach den Anfängen in der Obergrünenwalder Straße wurde schon bald das Gebäude im Elberfelder Zentrum bezogen. Hier wurde 1924 die erste 64seitige Rotationsmachine aufgestellt, als die Auflage des „General“ bis auf 90.000 Exemplare täglich angestiegen war. 1963 dann zogen Verlag und grafischer Betrieb in das neue Pressehaus am Otto-Hausmann-Ring um, hier im technischen Zentrum der Gesamtausgabe von der holländischen Grenze bis nach Westfalen ist auch heute die Westdeutsche Zeitung beheimatet. In den ersten Jahren seines Bestehens beförderte der General – Anzeiger einen Teil der Postausgabe per Pferdefuhrwerk zum Steinbecker Bahnhof, andere Wagen fuhren nach Barmen und zu den Filialen in anderen Orten der näheren Umgebung. Im Herbst des Jahres 1887 fehlte es im Wuppertal nicht an Zeitungen. Allein in Barmen und Elberfeld, zu dieser Zeit gemeinsam knapp 300.000 Einwohner stark, erschienen zehn Zeitungen mit Auflagen bis zu 15.000 Exemplaren. Zehn Zeitungen, die natürlich streng getrennt waren in eine Barmer oder Elberfelder Presse. Da wirkte die erste Ausgabe des neuen „General – Anzeiger für Elberfeld – Barmen“ im Tal wie ein Paukenschlag: Erstmals eine Zeitung mit einer gemeinsamen Ausgabe für die beiden Städte – 42 Jahre vor der Städtevereinigung -, gedruckt auf einer achtseitigen Augsburger Rotationsmaschine und erschienen in einer für jene Zeit geradezu sensationellen Auflage von 40.000 Exemplaren. Kommerzienrat Wilhelm Giradet, Gründer des General – Anzeigers und der Giradet–Verlage. Einer Hogenottenfamilie entstammte der 1838 in Lennep geborene Gründer der neuen Zeitung, Kommerzienrat Wilhelm Giradet. Kaufmännisches Geschick und kritische Überlegung kennzeichneten diesen „Vater der Giradet – Verlage“, der sich 1886 mit Gründung des „General Anzeiger für Leipzig und Umgebung“ auf das Gebiet der Tagespresse wagte. 1893 folgte die Gründung des Tages-Anzeiger für Stadt und Kanton Zürich drei Jahre darauf die „Neue Hamburger Zeitung“, 1903 kaufte er den Düsseldorfer GA, aus dem später die Düsseldorfer Nachrichten hervorgingen, 1912 schließlich ging der Essener GA in Giradet-Besitz über. Dr. Hellmut Giradet, Verleger von 1936 bis 1973. Das Leitwort des Wilhelm Giradet galt für alle von ihm begründeteten Organe, eine Zeitung zu machen, „welche in allen Schichten der Bevölkerung gleichmäßig verbreitet und gelesen wird“. Gelesen wurde der GA oder „General“, wie er schnell genannt wurde, von Beginn an, die Auflagehöhe hatte seine Berechtigung. Und konsequent dehnte der Kommerzienrat, der Wuppertal stets als wirtschaftliche Einheit verstanden hatte, der Verbreitungsgebiet des GA auf das Bergische aus: Schon ab Ende November 1887 erschien die Zeitung in 19 Orten der näheren Umgebung mit dem Untertitel „Organ für Berg und Mark“. In den ersten Wochen unentgeltlich verteilt, kostete der GA zunächst 20, dann 30 Pfenning, inclusiv einer zweizeiligen Gratisanzeige, was der Zeitung schon bald den ersten Platz bei der Verbreitung der Kleinanzeigen sicherte. Von Beginn an nutzten auch Unternehmen, Firmen und kleinere Betriebe das neue „Insertionsorgan“, das seinen ersten Sitz in der Obergrünewalder Straße hatte. Im redaktionellen Programm unter dem ersten Chefredakteur William Kutschbach wurden freimütig Übelstände im Tal aufgegriffen, erscheinen letzte Meldungen aus Berlin, aktuelle Kurszettel, schon damals ein Roman  und die Spalte „Eingesand“, in der die Leser zu Wort kamen. Der Erfolg gab dem Konzept des Gründers und ersten leitenden Mitarbeiter recht. Zur Jahrhundertwende standen schon drei Rotationsmaschinen bereit und druckten täglich 60.000 Exemplare, die von 400 Zustellern ausgeteilt wurden. 24 Jahre später wurde im Verlagshaus an der damaligen Kaiserstraße die erste 64seitige Rotationsmaschine angeschaft, die Auflage stieg auf 90.000. 1937 feierten die Mitarbeiter des GA das 50jährige Bestehen vier Jahre nach der „Machtergreifung“, vier Jahre auch nach dem Erlaß des Schriftleitergesetzes, das sämtliche Zeitungsberichte vorlagepflichtig macht. Der General-Anzeiger blieb auch während der nationalsozialistischen Diktatur – gleichgeschaltet – auflagenstärkste Zeitung im Tal. Nach Kriegsausbruch erschien der GA wegen der Papierknappheit nur noch mit acht Seiten, die beliebte Beilage „Wochenschau“ entfiel. Im redaktionellen Teil überwogen politische Aufrufe, Listen der Gefallenen, Versorgungsmeldungen. Eingeschrängt war die Berichterstattung auch nach den Nächten, die für Wuppertal soviel Leid brachten: Nach den Bombenangriffen auf Barmen und Elberfeld konnten von der Redaktion keine Augenzeugenberichte veröffentlich werden. Seit Oktober 1944 durfte der GA, mittlerweile an der Elberfelder Neumarktstraße „beheimatet“, nur noch viermal pro Woche erscheinen – am 14. April 1945 kam das Aus mit einer letzten Ausgabe, die nur noch zwei Seiten stark war. Erst als der Lizensierungszwang durch die Alliierten gefallen war, konnte der General-Anzeiger am 1. Oktober 1949 unter Verleger Dr. Hellmut Giradet, der den General-Anzeiger seit 1936 herausgab, wieder erscheinen. Zu jener Zeit war der GA bereits wieder die mit Abstand stärkste Zeitung im Tal und erreichte bis 1951 eine Auflage von 56.800 Exemplaren. 1964 zog der gesamte Verlag und der grafische Betrieb in das neu erbaute Pressehaus am Otto-Hausmann-Ring um. Acht Jahre später erhält der GA seinen neuen Untertitel, der seit Oktober 1978 den „General-Anzeiger“ in die Unterzeile verdrängt hat: Die „Westdeutsche Zeitung“. Die WZ ist Produkt der wiedervereinigten Firmen W.Giradet Wuppertal und           W. Giradet Düsseldorf. Eine Zeitung mit einheitlichem „Mantelteil“ in einem Verbreitungsgebiet von der holländischen Grenze bis Westfalen mit den großen Lokalausgaben Wuppertal, Düsseldorf, Krefeld und Mönchengladbach. Die Westdeutsche Zeitung / General-Anzeiger in Wuppertal: Das sind täglich 92.000 Exemplare, samstags noch 8.000 mehr, gedruckt zwischen 0.15 Uhr und 4 Uhr.

 

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